Randale in Brasilia

Trump, Bolsonaro und der Neonazifaschismus in Nord- und Südamerika

Die Krawalle in Brasilia sollten einen Militärputsch vorbereiten. Jair Bolsonaro folgt dem Skript seines US-amerikanischen Vorbildes Donald Trump und hinterlässt ein gezeichnetes Land. Von Paula Macedo Weiß und Jean Goldenbaum.

Unglücklicherweise hat vieles von dem, was in Brasilien an Verwerflichem geschieht, seit jeher und bis heute mit den USA zu tun. Manchmal waren es die direkte Intervention oder Vorgaben, wie zu Zeiten der brasilianischen Militärdiktatur 1964 bis 1985, die zu einem Großteil durch die USA unterstützt und finanziert wurde (nicht nur in Brasilien, sondern auch in anderen Ländern Lateinamerikas). Manchmal genügten das Vorbild oder der Einfluss negativer politischer Ereignisse in Washington, um von Brasilien rasch „importiert“ zu werden. So im Fall des Bolsonarismus, der aus Sicht vieler ohne den Trumpismus nicht einmal entstanden wäre.

Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro selbst spiegelt sich immer wieder in seinem US-Pendant Donald Trump, und 2016, als die riesige Fake-News-Maschine des damaligen Kandidaten für das Weiße Haus die US-amerikanische Gesellschaft überfiel, leistete der damalige Parlamentsabgeordnete Bolsonaro gerade seinen Betrag zum parlamentarischen Putsch gegen die damalige Präsidentin Dilma Rousseff. Und er tat dies im großen Stil im Sinne der extremen Rechten und widmete seine Stimme für die Amtsenthebung dem verstorbenen Oberst Carlos Brilhante Ustra, dem Hauptverantwortlichen für die Folterung von Dilma Rousseff nach ihrer Verhaftung als Gegnerin der Diktatur 1970.

Imitation von Trumps Aufruf zum Sturm auf den Kongress in Brasiliens Hauptstadt.

Als gelehrsamer Schüler der erfolgreichen Strategie Trumps, der sein Land auf nie gekannte Weise mit einer Mischung aus Fake News, Verschwörungstheorien und Hassrede überzog, kopierte Bolsonaro zwei Jahre später genau dies, als er 2018 für die Präsidentschaft Brasiliens kandidierte. Indem er Trumps Mechanismus aus Unwahrheiten und Hass noch um ein System unaufhaltsamer Bombardements bolsonaristischer Informationen im Internet und über neue Systeme der Telefonie verfeinerte, gewann der Mann aus dem Hinterland von São Paulo das Rennen um das Präsidentenamt, während Luiz Inácio Lula da Silva der politischen und gesellschaftlichen Tragödie aus dem Gefängnis heraus zusehen musste. Zu Unrecht inhaftiert aufgrund einer Offensive, die ausgerechnet der damaligen Richter Sergio Moro betrieb, der später – was dann schon niemanden mehr überraschte – Justizminister unter Bolsonaro wurde, kam Lula erst im November 2019 wieder frei, als sich der komplette Prozess, für den er hinter Gittern gewesen war, als illegal herausgestellt hatte.

Jair Bolsonaro hat Donald Trump als Vorbild

Die vier Jahre der Präsidentschaft Bolsonaros waren gezeichnet von einer Demontage des Bildungssystems, der Rückkehr des Landes auf die Weltkarte des Hungers, unermesslicher Korruption, Umweltzerstörung, Anheizen von Hass auf Minderheiten, ständig drohenden Schlägen gegen den Rechtsstaat, die Leugnung wissenschaftlicher Fakten in der Covid-19-Pandemie und der vollständigen Isolierung Brasiliens von der internationalen Gemeinschaft. Bolsonaro stellte sich nicht nur als Vertreter der extremen Rechten heraus, sondern erwies sich als Anhänger faschistischer und nazistischer Ideologien. Eine Nähe, die zahlreiche Bücher, Artikel und andere Publikationen von Forschenden und Fachleuten auf diesem Gebiet belegen.

Im Vorfeld der Wahlen 2022 zögerte Bolsonaro nicht, sich abermals in Trump zu spiegeln. Seine Strategie war erneut die seines New Yorker Vorbilds – das Wahlsystem seines Landes zu diskreditieren und die Prämisse zu etablieren: „Wenn ich gewinne, waren die Wahlen korrekt, wenn ich verliere, waren sie es nicht.“ Auf diese Parole schwor er seine Millionen Follower ideologisch ein. Als Lula ihn dann am 30. Oktober (mit einer winzigen Differenz, 50,9 Prozent zu 49,1 Prozent und einem Vorsprung von wenig mehr als zwei Millionen Wählerstimmen) besiegte, wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Ein Großteil seiner Gefolgsleute – die sich zu diesem Zeitpunkt bereits wie die Anhängerschaft einer religiösen Sekte verhielten – weigerte sich, die Wahl anzuerkennen und setzte einen Kreuzzug für eine Militärintervention in Gang, die Bolsonaro als Präsident wieder einsetzen und den Streitkräften die Wiederherstellung der Ordnung im Land unter dem Kommando des ehemaligen Oberbefehlshabers übertragen sollte.

6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern

Donald Trump bei seiner Rede am 6. Januar 2021 in Washington DC
Alles begann mit einer Rede von Donald Trump. Der noch amtierende Präsident hatte seine Anhängerinnen und Anhänger nach Washington DC gerufen, um dort gegennnnnnn die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten zu demonstrieren. Der hatte die Wahl im November gewonnen, am 6. Januar sollten dann die Wahlmänner der Bundesstaaten Bidens Sieg in Washington DC bestätigen. Eigentlich ein formaler, zeremonieller Akt. In Trumps Wahrnehmung aber wohl die letzte Chance, die Niederlage gegen Biden noch zu verhindern. Seine tausenden Zuhörer forderte Trump auf, „gemeinsam zu Kapitol“ gehen um „unser Land zurückzuerobern“. © Brendan Smialowski/afp
Tausende Menschen finden sich am 6. Januar auf den Stufen des Kapitols in Washington DC ein
Der Mob aus MAGA-Fans gehorchte Donald Trump und zog in Richtung Kapitol. Gegen 12 Uhr Ortszeit fanden sich tausende Menschen auf den Stufen zu den Parlamentsgebäuden ein. Viele trugen Camouflage-Kleidung und Gasmasken. Trump-Flaggen und Devotionalen waren überall zu sehen. Entgegen seiner Ankündigung war der abgewählte US-Präsident aber nirgends zu sehen. Das Sicherheitspersonal, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Secret Service, soll Trump eine Teilnahme an der Demonstration verboten haben. © Roberto Schmidt/afp
Ein Galgen, wohl für Mike Pence, ist vor den Stufen des Kapitols in Washington DC am 6. Januar zu sehen.
Donald Trumps Getreue hatten es aber nicht nur auf die Demokraten und Joe Biden abgesehen. Auch Mike Pence geriet ins Visier des Mobs. Trump hatte in den Tagen zuvor von seinem Vizepräsidenten gefordert, die Wahl von Biden nicht zu ratifizieren – eine formale Aufgabe, die im politischen System der USA dem Vize zufällt. Pence weigerte sich, was Trumps Fans zu dem Schlachtruf „Hang Mike Pence“ (Hängt Mike Pence“) inspirierte. Ihre Forderung unterstrich der Mob mit selbstgebastelten Galgen vor dem Kapitol. © Andrew Caballero-Reynolds/afp
Der Maga-Mob prügelt sich am 6. Januar vor dem Kapitol in Washington DC mit der Polizei
Vor dem Kapitol traf der Mob auf hoffnungslos unterbesetzte Sicherheitskräfte. Die Polizei war machtlos und konnte die Barrikaden vor dem Kapitol nicht lange halten. Gegen 12.30 durchbrach der wütende Mob schließlich die Absperrungen. Zwei Stunden hatte die Polizei endgültig aufgegeben und die Trump-Fans verschafften sich Zugang zu den Parlamentsgebäuden. © Joseph Prezioso/afp
Mike Pence und Nancy Pelosi im Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Während draußen die Schlacht zwischen MAGA-Fans und Kapitolspolizei tobte, lief im US-Senat die Sitzung, in der Joe Biden endgültig zum Präsidenten erklärt werden sollte. Kurz nachdem der Mob sich Zugang zu den Gebäuden verschafft hatte, unterbrachen Vizepräsident Mike Pence und Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Sitzung. Der Plenarsaal wurde von den Sicherheitskräften evakuiert. © Erin Schaff/afp
Anhänger von Donald Trump in den Gebäuden des Parlaments auf dem Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Im Kapitol begannen die Anhänger Donald Trumps in den heiligen Hallen der amerikanischen Demokratie zu randalieren. Zahlreiche Kunstwerke wurden zerstört, die Wände mit Exkrementen beschmiert und ein Rednerpult gestohlen, das kurz darauf auf Ebay zum Verkauf angeboten wurde. Währenddessen verbarrikadierten sich Abgeordnete, die nicht rechtzeitig evakuiert werden konnten, in einzelnen Räumen des Kapitols. © Roberto Schmidt/afp
Richard Barnett im Büro von Nancy Pelosi beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC in den USA
Die Anhänger von Donald Trump hatten es besonders auf das Büro von Nancy Pelosi abgesehen. Richard Barnett war unter denen, die sich Zugang zu den Räumen der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses verschaffte. Dort machte Barnett Fotos von sich im Stuhl Pelosis, veröffentlichte diese auf Facebook und schrieb Pelosi beleidigende Nachrichten auf den Schreibtisch. Kurze Zeit nach dem Sturm aufs Kapitol wurde Barnett verhaftet. © Saul Loeb/afp
Jake Angeli, der QAnon Schamane beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Zweifelhafte Berühmtheit erlangte am 6. Januar 2021 auch Jake Angeli. Der sogenannte „QAnon-Schamane“ beteiligte sich in Kriegsbemalung und mit Fellmütze inklusive Hörnern am Sturm aufs Kapitol. Tage später wurde Angeli festgenommen und des vorsätzlichen Betretens oder Verbleibs in gesperrten Gebäuden oder Geländen ohne rechtmäßige Befugnis sowie des gewaltsamen Betretens und des ordnungswidrigen Verhaltens auf dem Gelände des Kapitols angeklagt. Die Fahndung sei aufgrund der „einzigartigen Kleidung und den umfangreichen Tätowierungen auf seinem Oberkörper“ leicht gefallen, gaben die Behörden im Anschluss an. © Saul Loeb/afp
Anhänger Donald Trumps beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in den Gebäden des Parlaments in Washington DC.
Überall in den Gebäuden tummelten sich stundenlang die Anhänger Donald Trumps. Der abgewählte US-Präsident zögerte, die Nationalgarde zur Unterstützung der Kapitolpolizei zu entsenden und weigerte sich zunächst, den Mob per Videobotschaft zur Ruhe zu bringen. Erst vier Stunden, nachdem die Türen des Kapitols eingeschlagen worden waren, wandte sich der noch amtierende Präsident an die Demonstranten. Nur halbherzig verurteilte er die Gewalt des Tages und lobte die Randalierer noch als „große Patrioten“. © Saul Loeb/afp
Nationalgardist im Einsatz beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC
Erst gegen 16.30 Uhr, also zweieinhalb Stunden, nachdem das Kapitol gestürmt worden war, wurde die Nationalgarde geschickt. Wer diesen Einsatz, den die Kapitolpolizei zwei Stunden zuvor bereits beantragt hatte, letztlich genehmigt hat, ist nicht bekannt. Laut offizieller Anrufliste hat Donald Trump von 11 Uhr bis 18 Uhr kein einziges Telefonat geführt. Die Theorie liegt nahe, dass Mike Pence letztlich den Einsatz der Nationalgarde in die Wege geleitet hatte. Den Sicherheitskräften gelang es gegen 17.30 Uhr, den Mob aus den Parlamentsgebäuden im Kapitol zu drängen. © Olivier Douliery/afp
Anhänger von Donald Trump beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Die Bilanz des Kapitolsturms am 6. Januar in Washington DC fällt verheerend aus. Insgesamt kamen zehn Menschen ums Leben, fünf davon Polizisten. Vier dieser Männer begangen in den Tagen nach dem Sturm Suizid. 140 weitere Sicherheitsbeamte und unzählige Demonstranten wurden verletzt. Bis heute laufen Gerichtsverfahren gegen Beteiligte des Aufstands. Doch für Donald Trump ändert das alles nichts. Bis heute hat er seine Wahlniederlage nicht akzeptiert und lässt seit dem 6. Januar keine Gelegenheit aus, den Beinahe-Sturz der Demokratie in den USA kleinzureden. © Samuel Corum/afp

Zwei Monate nach den Wahlen, am 1. Januar 2023, übernahm Lula zum dritten Mal in seinem Leben die Präsidentschaft, gefeiert von seiner Anhängerschaft und unter den hasserfüllten Augen eines Teils der Bolsonaristen. Die Situation schien tatsächlich zu eskalieren, und aufgrund der trump-bolsonaristischen Logik war nicht auszuschließen, dass etwas Ähnliches wie der Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021 auch in der brasilianischen Hauptstadt versucht werden würde.

Sturm auf das US-Kapitol - Sturm auf das brasilianische Regierungsviertel

Was dann auch geschah. Bolsonaro spielte die nächste Karte seiner Imitation der absurden Aktion Trumps aus, und am 8. Januar stürmten und schändeten etwa 4000 Gefolgsleute des Ex-Präsidenten die drei Gebäude der brasilianischen Staatsgewalt (Kongress, Regierungspalast und das Oberste Bundesgericht), demolierten Kulturdenkmäler und bedeutende Symbole unserer Kultur. Die Aktion war wohl als Auslöser einer Militärintervention gedacht. Doch diesen Rückhalt der Spitze der Streitkräfte hatte Bolsonaro nie, und so scheiterte dieser Versuch eines Putsches.

Zwei rechtsextreme Ex-Präsidenten: Donald Trump und Jair Bolsonaro (2019 in Washington, D.C.)

Andererseits war der Aufstand nur möglich, weil die für die Sicherheit der Hauptstadt verantwortlichen Behörden mit Bolsonaro paktierten und sich den Anordnungen des Justizministers der neuen Regierung Lula, Flávio Dino, widersetzten, der den Sturm hatte kommen sehen. Mittlerweile wurden die Verantwortlichen dafür suspendiert und die Hauptstadt steht unter Verwaltung der Bundesebene.

Zu den Autor:innen

Paula Macedo Weiß ist Präsidentin der Stiftung Museum Angewandte Kunst. Sie kommt ursprünglich aus Brasilien, lebt seit 1998 in Frankfurt. Ihr Debütbuch, „Es war einmal in Brasilien“ erschien 2020 bei der Axel Dielmann Verlag. Ihr neues Buch „Reden wir über Demokratie“ kam Ende Mai 2022 auch bei Axel Dielmann Verlag raus und besteht aus 14 Essays. 

Jean Goldenbaum ist Musiker und politischer Kommentator. Er ist Forscher am ‚Europäischen Zentrum für jüdische Musik‘ der ‚Hochschule für Musik Hannover‘ und Kolumnist der brasilianischen politische Zeitung Brasil247, wo er über Brasilien, Deutschland, Israel und die USA schreibt.

Zum Thema Brasilien gibt es in Frankfurt am 23. Januar, 19 Uhr, eine Diskussion zwischen Eduardo Suplicy, Politiker und Begründer der Partei partido dos trabalhadores, und Jonas Wolff (Universität Frankfurt). „Demokratie in Aufruhr“ heißt der Abend in der Historischen Villa Metzler am Schaumainkai. Ausrichter ist das Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Uni.

Das historische Ereignis beweist nun endgültig, dass Bolsonaro die Wahlen verloren hat, doch der bolsonaristische Nazifaschismus lebt weiter. Der Sturm auf die demokratischen Institutionen Brasiliens war möglich, weil Bolsonaro noch große Teile der Kontrollstruktur seiner Anhängerschaft in der Hand hält. Es gibt weiterhin Tausende Financiers für putschistische Bestrebungen (darunter millionenschwere Unternehmer, ebenso wie Organisationen), hinzu kommen all jene, die terroristische Akte wie den vom 8. Januar 2023 tatsächlich begehen. Deswegen ist, auch wenn inzwischen um die 2000 Personen für dieses Verbrechen verhaftet worden sind, sehr klar, dass sie lediglich der ersetzbare untere Bodensatz der faschistischen Pyramide sind, an deren Spitze sich immer noch Bolsonaro befindet.

Trump und Bolsonaro: Neofaschismus auf dem amerikanischen Kontinent

Zu erwähnen ist auch, dass sich der Ex-Präsident seit dem 31. Dezember in den USA aufhält und sich als erstes Staatsoberhaupt seit der Redemokratisierung Brasiliens geweigert hat, das Amt persönlich an seinen Nachfolger zu übergeben (wie Trump, der nicht zur Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden kam).

Es gibt keinen Zweifel, der einzige Weg, den Neofaschismus auf dem amerikanischen Kontinent effektiv zu bekämpfen, wäre die Verhaftung seiner beiden größten Anführer, Trump und Bolsonaro. Während ersterer sich der stumpfen Justiz seines Landes stellt und vermutlich nicht nur nicht inhaftiert werden wird, sondern auch nicht einmal das Recht verlieren dürfte, 2024 erneut für die Präsidentschaft zu kandidieren, fürchtet letzterer Konsequenzen. Tatsächlich war der Vorsitzende des brasilianischen Obersten Bundesgerichts, Alexandre de Moraes, eine Schlüsselfigur in der Verteidigung der demokratischen Institutionen des Landes gegen Bolsonaros Regierung. Und gemeinsam mit Lula als Chef der Exekutive wird er einen Haftbefehl erwirken können, selbst wenn der betreffende Bürger sich noch in Trumps Landen versteckt. Die Beweise dafür dürften ausreichen.

Jair Bolsonaro: Vom Fallschirmjäger zum brasilianischen Präsidenten

Jair Messias Bolsonaro wird am 21. März 1955 in Glicério im Bundesstaat São Paulo geboren. Seine Vorfahren stammen größtenteils aus Italien – sein Urgroßvater väterlicherseits war hingegen ein deutscher Einwanderer. Benannt wird der junge Jair nach dem brasilianischen Fußballspieler Jair da Rosa Pinto, der unter anderem für den Santos FC als offensiver Mittelfeldspieler im Einsatz war und sich mit dem späteren Präsidenten den Geburtstag teilt.
Jair Messias Bolsonaro wird am 21. März 1955 in Glicério im Bundesstaat São Paulo geboren. Seine Vorfahren stammen größtenteils aus Italien – sein Urgroßvater väterlicherseits war hingegen ein deutscher Einwanderer. Benannt wird der junge Jair nach dem brasilianischen Fußballspieler Jair da Rosa Pinto, der unter anderem für den Santos FC als offensiver Mittelfeldspieler im Einsatz war und sich mit dem späteren Präsidenten den Geburtstag teilt. © Antonio Molina/Imago
Jair Bolsonaro verbringt seine Kindheit und Jugend im Gegensatz zu seinem Namensvetter allerdings nicht in halb Brasilien, sondern wächst mit fünf Geschwistern – drei Schwestern und zwei Brüder – in verschiedenen Stadtteilen São Paulos auf. Sesshaft wird die Familie schließlich in Eldorado, im Süden der Millionenstadt. Dort besucht Jair Bolsonaro die staatlich-wissenschaftliche Schule „Eldorado Paulista“. In seiner Freizeit schießt der junge Jair gerne mit einer Schrotflinte auf Vögel und verdient sich mit dem Fischfang ein kleines Taschengeld.
Jair Bolsonaro verbringt seine Kindheit und Jugend im Gegensatz zu seinem Namensvetter allerdings nicht in halb Brasilien, sondern wächst mit fünf Geschwistern – drei Schwestern und zwei Brüder – in verschiedenen Stadtteilen São Paulos auf. Sesshaft wird die Familie schließlich in Eldorado, im Süden der Millionenstadt. Dort besucht Jair Bolsonaro die staatlich-wissenschaftliche Schule „Eldorado Paulista“. In seiner Freizeit schießt der junge Jair gerne mit einer Schrotflinte auf Vögel und verdient sich mit dem Fischfang ein kleines Taschengeld. © Geff Reis/Imago
Jair Bolsonaro bei einer Wahlkampfveranstaltung 2018 mit Soldaten in São Paulo. Seine eigene Karriere beim Militär beginnt er noch vor seinem Schulabschluss auf der Kadettenschule Escola Preparatória de Cadetes do Exército in seiner Heimatstadt im Jahr 1973. Ein Jahr später wechselt er an die Academia Militar das Agulhas Negras, die Hauptakademie des brasilianischen Militärs, die Bolsonaro im Jahr 1977 als Leutnant der Artillerie abschließt. In den Jahren darauf wird er von der brasilianischen Armee unter anderem als Fallschirmjäger eingesetzt.
Jair Bolsonaro bei einer Wahlkampfveranstaltung 2018 mit Soldaten in São Paulo. Seine eigene Karriere beim Militär beginnt er noch vor seinem Schulabschluss auf der Kadettenschule Escola Preparatória de Cadetes do Exército in seiner Heimatstadt im Jahr 1973. Ein Jahr später wechselt er an die Academia Militar das Agulhas Negras, die Hauptakademie des brasilianischen Militärs, die Bolsonaro im Jahr 1977 als Leutnant der Artillerie abschließt. In den Jahren darauf wird er von der brasilianischen Armee unter anderem als Fallschirmjäger eingesetzt. © Nelson Almeida/AFP
Von seinen Vorgesetzten wird Jair Bolsonaro als „aggressiv“ und „übermäßig ehrgeizig“ beschrieben – er habe vor allem finanzielle und wirtschaftliche Vorteile zu erlangen versucht. Die Vorwürfe hängen unter anderem mit Bolsonaros Versuch zusammen, während seiner Militärlaufbahn im brasilianischen Bundesstaat Bahia Gold zu schürfen. Ihm zufolge habe es sich aber allerdings nur um ein Hobby gehandelt.
Von seinen Vorgesetzten wird Jair Bolsonaro als „aggressiv“ und „übermäßig ehrgeizig“ beschrieben – er habe vor allem finanzielle und wirtschaftliche Vorteile zu erlangen versucht. Die Vorwürfe hängen unter anderem mit Bolsonaros Versuch zusammen, während seiner Militärlaufbahn im brasilianischen Bundesstaat Bahia Gold zu schürfen. Ihm zufolge habe es sich aber allerdings nur um ein Hobby gehandelt. © Apu Gomes/AFP
Jair Bolsonaro erlangt erstmals 1986 öffentliche Aufmerksamkeit, als er dem Nachrichtenmagazin Veja ein Interview gibt. Darin beklagt er sich über die niedrigen Militärgehälter und behauptete, das Oberkommando entlasse Offiziere aufgrund von Haushaltskürzungen. Während er von seinen Vorgesetzten gemaßregelt wird, erhält Bolsonaro Lob von Offizierskollegen und wird in der rechtsextremen Szene langsam aber sicher ein Begriff, die unzufrieden mit der neuen demokratischen Regierung in Brasilien ist.
Jair Bolsonaro erlangt erstmals 1986 öffentliche Aufmerksamkeit, als er dem Nachrichtenmagazin Veja ein Interview gibt. Darin beklagt er sich über die niedrigen Militärgehälter und behauptete, das Oberkommando entlasse Offiziere aufgrund von Haushaltskürzungen. Während er von seinen Vorgesetzten gemaßregelt wird, erhält Bolsonaro Lob von Offizierskollegen und wird in der rechtsextremen Szene langsam aber sicher ein Begriff, die unzufrieden mit der neuen demokratischen Regierung in Brasilien ist. © Daniel Ramalho/AFP
Ein Jahr später wird Jair Bolsonaro mit schweren Anschuldigungen konfrontiert, als die Veja berichtet, dass er zusammen mit einem Armeekollegen geplant habe, Bomben in Militäreinheiten in Rio de Janeiro zu legen. Bolsonaro bezeichnet die Behauptungen zunächst als „Hirngespinst“, doch die Zeitschrift veröffentlicht daraufhin detaillierte Skizzen und Unterlagen, die ihn mit Meutereiplänen in Verbindung bringen. Schlussendlich wird der Hauptmann vom Militärgericht jedoch aufgrund von „tiefgehenden Widersprüchen“ freigesprochen. Im Dezember 1988, kurz nach dem Urteil, verlässt Bolsonaro nach 15 Jahren Militärdienst die Armee, um sich fortan seiner politischen Karriere zu widmen.
Ein Jahr später wird Jair Bolsonaro mit schweren Anschuldigungen konfrontiert, als die Veja berichtet, dass er zusammen mit einem Armeekollegen geplant habe, Bomben in Militäreinheiten in Rio de Janeiro zu legen. Bolsonaro bezeichnet die Behauptungen zunächst als „Hirngespinst“, doch die Zeitschrift veröffentlicht daraufhin detaillierte Skizzen und Unterlagen, die ihn mit Meutereiplänen in Verbindung bringen. Schlussendlich wird der Hauptmann vom Militärgericht jedoch aufgrund von „tiefgehenden Widersprüchen“ freigesprochen. Im Dezember 1988, kurz nach dem Urteil, verlässt Bolsonaro nach 15 Jahren Militärdienst die Armee, um sich fortan seiner politischen Karriere zu widmen. © Douglas Magno/AFP
1989 wird Jair Bolsonaro als Vertreter der Christdemokratischen Partei (PDC) zum Stadtrat von Rio de Janeiro gewählt. Der Biografie seines Sohnes Flávio zufolge, habe sein Vater nur kandidiert, „weil dies die einzige Option war […], um der Verfolgung durch einige Vorgesetzte zu entgehen“. In seinen zwei Jahren in der Gemeindekammer wird der spätere Präsident als ruhig und konservativ beschrieben. In den Sitzungen bringt er sich nur wenig ein und macht kaum von sich Reden.
1989 wird Jair Bolsonaro als Vertreter der Christdemokratischen Partei (PDC) zum Stadtrat von Rio de Janeiro gewählt. Der Biografie seines Sohnes Flávio zufolge, habe sein Vater nur kandidiert, „weil dies die einzige Option war […], um der Verfolgung durch einige Vorgesetzte zu entgehen“. In seinen zwei Jahren in der Gemeindekammer wird der spätere Präsident als ruhig und konservativ beschrieben. In den Sitzungen bringt er sich nur wenig ein und macht kaum von sich Reden. © Evaristo Sa/AFP
Bei den Wahlen im Jahr 1990 wird Jair Bolsonaro als Abgeordneter für die Christdemokratische Partei (PDC) gewählt. Von 1991 bis 2018 absolviert er sieben aufeinanderfolgende Amtszeiten – wenn auch als Mitglied verschiedener Parteien. In 28 Jahren wechselt er achtmal die Parteizugehörigkeit, am längsten ist er bei der „Partido Progressista Brasileiro (PPB)“ (1995–2003). Von 2016 bis 2018 gehört er der „Partido Social Cristão (PSC)“ an, ehe er 2019 austritt und fortan Mitglied der mitgegründeten „Aliança pelo Brasil“ wird, die dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wird.
Bei den Wahlen im Jahr 1990 wird Jair Bolsonaro als Abgeordneter für die Christdemokratische Partei (PDC) gewählt. Von 1991 bis 2018 absolviert er sieben aufeinanderfolgende Amtszeiten – wenn auch als Mitglied verschiedener Parteien. In 28 Jahren wechselt er achtmal die Parteizugehörigkeit, am längsten ist er bei der „Partido Progressista Brasileiro (PPB)“ (1995–2003). Von 2016 bis 2018 gehört er der „Partido Social Cristão (PSC)“ an, ehe er 2019 austritt und fortan Mitglied der mitgegründeten „Aliança pelo Brasil“ wird, die dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wird. © Mauro Pimentel/AFP
Zur Präsidentschaftswahl in Brasilien im Jahr 2018 gelingt es Jair Bolsonaro, Rechtsextreme sowie Nationalistinnen und Nationalisten hinter sich zu bringen. In seinem aggressiven Wahlkampf setzt er insbesondere auf die Themen Korruptionsbekämpfung, Kriminalität und die Wirtschaftskrise in Südamerika. In seinen Reden fordert er das allgemeine Recht auf Waffenbesitz sowie für das Recht der Polizei, Kriminelle zu foltern und ohne Gerichtsverfahren zu exekutieren.
Zur Präsidentschaftswahl in Brasilien im Jahr 2018 gelingt es Jair Bolsonaro, Rechtsextreme sowie Nationalistinnen und Nationalisten hinter sich zu bringen. In seinem aggressiven Wahlkampf setzt er insbesondere auf die Themen Korruptionsbekämpfung, Kriminalität und die Wirtschaftskrise in Südamerika. In seinen Reden fordert er das allgemeine Recht auf Waffenbesitz sowie für das Recht der Polizei, Kriminelle zu foltern und ohne Gerichtsverfahren zu exekutieren. © Nelson Almeida/AFP
Am 6. September 2018 fasst sich Bolsonaro, zu diesem Zeitpunkt in den Umfragen vorne liegend, während einer Wahlkampfveranstaltung im Süden Brasiliens mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch. Sekunden zuvor wurde er von einem 40-jährigen Mann mit einem Messer in den Oberkörper gestochen und lebensgefährlich verletzt. Noch vor Ort wird der geständige Täter verhaftet, der später erklärt, er habe die Tat auf „Wunsch Gottes“ ausgeübt. Jair Bolsonaro wird unterdessen notoperiert und überlebt das Attentat.
Am 6. September 2018 fasst sich Bolsonaro, zu diesem Zeitpunkt in den Umfragen vorne liegend, während einer Wahlkampfveranstaltung im Süden Brasiliens mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch. Sekunden zuvor wurde er von einem 40-jährigen Mann mit einem Messer in den Oberkörper gestochen und lebensgefährlich verletzt. Noch vor Ort wird der geständige Täter verhaftet, der später erklärt, er habe die Tat auf „Wunsch Gottes“ ausgeübt. Jair Bolsonaro wird unterdessen notoperiert und überlebt das Attentat. © Raysa Leite/dpa
Beinahe zwei Monate später, am 28. Oktober 2018, triumphiert Jair Bolsonaro in der Stichwahl mit 55,1 Prozent der Stimmen und wird damit zum neuen Präsidenten Brasiliens. Sein Kontrahent, Fernando Haddad von der Arbeiterpartei, wurde zuvor immer wieder als „gefährlicher Kommunist“ verunglimpft. Kurz nach dessen Wahlsieg erhält Bolsonaro einen Anruf aus den USA – der damalige US-Präsident Donald Trump möchte ihm gratulieren.
Beinahe zwei Monate später, am 28. Oktober 2018, triumphiert Jair Bolsonaro in der Stichwahl mit 55,1 Prozent der Stimmen und wird damit zum neuen Präsidenten Brasiliens. Sein Kontrahent, Fernando Haddad von der Arbeiterpartei, wurde zuvor immer wieder als „gefährlicher Kommunist“ verunglimpft. Kurz nach dessen Wahlsieg erhält Bolsonaro einen Anruf aus den USA – der damalige US-Präsident Donald Trump möchte ihm gratulieren. © Mauro Pimentel/AFP
Apropos, Trump: Jair Bolsonaro wird gerne als „Tropen-Trump“ oder auch „brasilianischer Donald Trump“ betitelt. Wie der US-Amerikaner weicht auch der Brasilianer nicht davor zurück, für seine Interessen zu lügen, Tatsachen zu verdrehen oder dringende Anliegen schlichtweg zu ignorieren. Darüber hinaus fällt Bolsonaro immer wieder durch rassistische, sexistische und homophobe Äußerungen auf. Doch auch den Vorwurf der willentlichen Umweltzerstörung, Verharmlosung der brasilianischen Militärdiktatur sowie das Verbreiten von Verschwörungstheorien muss er sich gefallen lassen. Der amerikanische Journalist Glenn Greenwald bezeichnete Bolsonaro als „den frauenfeindlichsten, hasserfülltesten gewählten Funktionär der demokratischen Welt“.
Apropos, Trump: Jair Bolsonaro wird gerne als „Tropen-Trump“ oder auch „brasilianischer Donald Trump“ betitelt. Wie der US-Amerikaner weicht auch der Brasilianer nicht davor zurück, für seine Interessen zu lügen, Tatsachen zu verdrehen oder dringende Anliegen schlichtweg zu ignorieren. Darüber hinaus fällt Bolsonaro immer wieder durch rassistische, sexistische und homophobe Äußerungen auf. Doch auch den Vorwurf der willentlichen Umweltzerstörung, Verharmlosung der brasilianischen Militärdiktatur sowie das Verbreiten von Verschwörungstheorien muss er sich gefallen lassen. Der amerikanische Journalist Glenn Greenwald bezeichnete Bolsonaro als „den frauenfeindlichsten, hasserfülltesten gewählten Funktionär der demokratischen Welt“. © Evan Vucci/dpa
Während Bolsonaros Amtszeit kommt es mehrfach zu Demonstrationen gegen ihn und seine Politik. Schon 2018 fanden gegen Jair Bolsonaro Proteste unter dem Motto „Elenão“ (wörtlich übersetzt: „Er nicht“) statt, die von Frauen angeführt wurden und in allen großen Städten Brasiliens stattfanden. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen Bolsonaros rassistische, frauenfeindliche und homophobe Äußerungen. In den Jahren darauf zieht es Demonstrierende unter anderem wegen der Zerstörung des Regenwaldes auf die Straßen.
Während Bolsonaros Amtszeit kommt es mehrfach zu Demonstrationen gegen ihn und seine Politik. Schon 2018 fanden gegen Jair Bolsonaro Proteste unter dem Motto „Elenão“ (wörtlich übersetzt: „Er nicht“) statt, die von Frauen angeführt wurden und in allen großen Städten Brasiliens stattfanden. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen Bolsonaros rassistische, frauenfeindliche und homophobe Äußerungen. In den Jahren darauf zieht es Demonstrierende unter anderem wegen der Zerstörung des Regenwaldes auf die Straßen. © Cris Faga/Imago
Gegen Ende seiner Amtszeit erklärt Jair Bolsonaro mehrfach, dass er die Absicht hat, bei der anstehenden Brasilien-Wahl am 2. Oktober 2022 erneut zu kandidieren. Dafür tritt er bereits im November 2021 der rechten „Partido Liberal“ bei, da er als Präsidentschaftsbewerber in Brasilien einer Partei angehören muss. Zu dem Zeitpunkt liegt bereits eine Vielzahl von Anträgen auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro vor, auch ermitteln die Justizbehörden in fünf verschiedenen Verfahren gegen ihn. Doch schon davor macht Bolsonaro deutlich, wie er sich seine Zukunft vorstellt: entweder werde er verhaftet, falle einem Attentat zum Opfer, oder er werde wiedergewählt.
Gegen Ende seiner Amtszeit erklärt Jair Bolsonaro mehrfach, dass er die Absicht hat, bei der anstehenden Brasilien-Wahl am 2. Oktober 2022 erneut zu kandidieren. Dafür tritt er bereits im November 2021 der rechten „Partido Liberal“ bei, da er als Präsidentschaftsbewerber in Brasilien einer Partei angehören muss. Zu dem Zeitpunkt liegt bereits eine Vielzahl von Anträgen auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro vor, auch ermitteln die Justizbehörden in fünf verschiedenen Verfahren gegen ihn. Doch schon davor macht Bolsonaro deutlich, wie er sich seine Zukunft vorstellt: entweder werde er verhaftet, falle einem Attentat zum Opfer, oder er werde wiedergewählt. © Mauro Pimentel/AFP

Sollten Moraes und Lula die Auslieferung Bolsonaros aus den USA bei den dortigen Behörden beantragen wollen, müssen sie sich allerdings beeilen. Es gibt Spekulationen, der ehemalige Präsident schmiede bereits weitere Fluchtpläne. Aufgrund seiner italienischen Vorfahren beantragte er inzwischen die italienische Staatsbürgerschaft, und sollte er sie bekommen, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis er auch in seine neue Heimat abreist.

Italien - ein Fluchtland für Bolsonaro?

Das Timing wäre perfekt für ihn, denn dann wäre er nicht nur EU-Bürger, sondern auch in dem Land der Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, der höchsten Repräsentantin des heutigen Mussolini-Faschismus. Bolsonaro wäre hier sicher. Zum Glück positionieren sich im italienischen Parlament bereits demokratische Stimmen gegen eine Vergabe der Staatsbürgerschaft an ihn und seine Kinder. Der Ausgang ist offen.

Nicht ganz ausgeschlossen ist aber auch, dass sich Bolsonaro zu einer freiwilligen Rückkehr nach Brasilien entschließt – auch weil jüngste Meldungen nahelegen, er leide unter nicht ganz harmlosen gesundheitlichen Problemen, die er in seinem Land behandeln lassen möchte. So könnte er versuchen, den Anschuldigungen direkt vor Ort zu begegnen, im Schutz der Menge seiner Gefolgsleute.

Wir leben in historischen Zeiten des Kampfes gegen die nun erneuerten und aktualisierten und doch grausamsten und zerstörerischsten Ideologien, die die Welt je erleben und erleiden musste. Ihre Anführer hatten bereits ihren Aufstieg und ihre Zeit auf dem Thron. Nun muss sich erweisen, ob ihr Sturz wirklich gelingt – zum Wohle der augenscheinlich fragilen Demokratien und für die Zukunft der Menschheit als Ganzes.

Rubriklistenbild: © Eraldo Peres/dpa

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