Trump erteilt Hamas „letzte Warnung“ vor Israel-Offensive in Gaza
VonLisa Mahnke
schließen
US-Präsident Trump verschärft den Druck auf die Hamas mit einer Warnung. Vor Israels möglicher Großoffensive zeigt sich die Hamas verhandlungsbereit.
Gaza – Mit einer „letzten Warnung“ wendet sich US-Präsident Donald Trump an die islamistische Terrororganisation Hamas. Kurz vor einer drohenden Großoffensive Israels in der Stadt Gaza will Trump so eine diplomatische Lösung erreichen. Israel habe die Bedingungen des Republikaners akzeptiert, meint Trump, nun sei die Hamas am Zug.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
„Das ist meine letzte Warnung, es wird keine weitere geben!“, schrieb Trump. Kurz darauf erklärte die Hamas, sie sei zu „sofortigen Verhandlungen“ bereit. Man begrüße „jeden Schritt, der dazu beiträgt, die Aggression gegen unser Volk zu beenden“. Dass Jerusalem Trumps Bedingungen akzeptiert habe, konnte nicht bestätigt werden. In Israel werde Trumps Vorschlag laut dem Umfeld von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, das die Times of Israel zitierte, wohl noch „sehr ernsthaft geprüft“.
Bedingungen des Trump-Plans für Waffenruhe in Gaza: Geiseln, Häftlinge, Verhandlungen für Kriegsende
Trump hatte der Hamas bereits im März ein Ultimatum gestellt. Darin hieß es, die Hamas müsse sofort alle israelischen Geiseln und die Leichen der verstorbenen Entführten übergeben, „oder es ist vorbei für Euch“. Zu den Details des neuen Vorschlags äußerte er sich nicht. Nach Informationen des israelischen Senders Channel 12, in Ergänzung durch Informationen des US-Senders Axios sieht der Plan vor:
Übergabe aller verbleibenden 48 Geiseln (lebend und tot)
Die Übergabe soll am ersten Tag der Waffenruhe geschehen
Einstellung der israelischen Offensive in Gaza
Israel soll tausende palästinensische Häftlinge freilassen, darunter auch wegen Mordes verurteilte Personen.
Nach Ausrufung der Waffenruhe: Sofortige Verhandlungen über ein Kriegsende
Hamas für Verhandlungen bereit – Spannung bei Gesprächen mit Israel für Kriegsende erwartet
Die Hamas erklärte in der Nacht, man habe über Vermittler US-Ideen für einen Waffenstillstand erhalten. Man sei „bereit, sich unverzüglich an den Verhandlungstisch zu setzen“, um über die Freilassung aller Geiseln „im Austausch für eine klare Erklärung zur Beendigung des Krieges, einen vollständigen Rückzug aus dem Gazastreifen und die Einrichtung eines Komitees unabhängiger Palästinenser“ zu sprechen.
Dies müsse mit einer „öffentlichen und ausdrücklichen Verpflichtung des Feindes einhergehen, sich an alle vereinbarten Bedingungen zu halten“. Israel dürfe die Waffenruhe nicht einseitig beenden, wie es zuletzt im März nach gescheiterten Verhandlungen passiert ist. Bei Verhandlungen über ein Kriegsende sind Spannungen allerdings erneut vorprogrammiert. Israel fordert die Entwaffnung der Hamas, während auf anderer Seite der vollständige Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen gefordert wird.
Trump optimistisch für Ende von Israels Angriffen: „Sehr bald eine Einigung zu Gaza“
Aktuell stehe man in Kontakt mit Vermittlern, „um diese Ideen zu einer umfassenden Vereinbarung auszuarbeiten“. Nach seiner „letzten Warnung“ sagte Trump laut Axios: „Ich denke, wir werden sehr bald eine Einigung zu Gaza erzielen. Es ist ein verdammt großes Problem.“
Kritiker werfen Netanjahu und seinem Umfeld vor, den Krieg im Gazastreifen unnötig in die Länge zu ziehen. Der Ministerpräsident ist auf seine rechtsextremen Koalitionspartner angewiesen – und die sind gegen eine Waffenruhe. Trotz der laufenden Gespräche setzte Israel im Krieg am Sonntag die Luftangriffe auf die Stadt Gaza fort. Dabei wurde ein weiteres Hochhaus bombardiert. Nach Angaben der Armee nutzte die Hamas das Gebäude für Informationsbeschaffung und Überwachung. Diese Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.
Ich denke, wir werden sehr bald eine Einigung zu Gaza erzielen. Es ist ein verdammt großes Problem.
Israel plant große Bodenoffensive in Stadt Gaza: Gefahr für Geiseln und Zivilisten
Fast eine Million Menschen sollen sich noch in der Stadt Gaza aufhalten. Die Armee rief Zivilisten auf, in eine als „humanitäre Zone“ ausgewiesene Region im Süden zu fliehen. Bis Sonntag folgten jedoch weniger als 100.000 Menschen dem Aufruf.
Familien der Geiseln und Militärs befürchten, dass eine Bodenoffensive das Leben der Entführten gefährden könnte. Nach israelischen Angaben befinden sich noch 48 Geiseln in der Gewalt der Hamas, davon sollen 20 am Leben sein – vermutlich in den Tunneln unter Gaza. Am Sonntag erklärte Trump auf Truth Social: „Alle wollen, dass die Geiseln freikommen.“ Und ergänzte: „Ich denke, wir werden sie alle bekommen.“ (lismah/dpa)