VonFranziska Schwarzschließen
Das Wetter ist zu widrig: Das Militär verschiebt im Israel-Krieg seine Bodenoffensive im Gazastreifen – ist aber zum Losschlagen bereit. Wann kommt der Befehl?
Update vom 15. Oktober, 13.54 Uhr: Die israelische Armee wartet nach den Worten eines Sprechers auf eine „politische Entscheidung“ über den Beginn einer großangelegten Bodenoffensive im Gazastreifen. Vor einem israelischen Einmarsch in das Palästinensergebiet seien „Gespräche mit unserer politischen Führung“ notwendig, sagte Armeesprecher Richard Hecht heute.
Krieg in Israel: Armee verschiebt Bodenoffensive im Gazastreifen wegen des Wetters
Erstmeldung: Tel Aviv/Gaza – Die seit Tagen erwartete Bodenoffensive Israels im Gazastreifen ist verschoben. Grund ist das Wetter. Das berichtet die New York Times (NYT) unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte, ranghohe israelische Offiziere.
Die Bodenoffensive in Gaza war ursprünglich für das Wochenende geplant, verzögerte sich jedoch zumindest teilweise aufgrund der Wetterbedingungen um einige Tage, die es israelischen Piloten und Drohnenbetreibern erschwert hätten, den Bodentruppen Luftschutz zu bieten, sagten die Beamten. Widerspruch kam indes von Arye Sharuz Shalicar. Er ist auch ein Sprecher der israelischen Armee und sagte auf Anfrage von t-online.de: „Ich weiß nicht, woher die New York Times ihre Information hat, aber ich kann die Verschiebung der Offensive nicht bestätigen.“
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




Krieg in Israel: Hamas-Chef Jihia al-Sinwar bei Bodenoffensive in Gaza im Visier
Ziel der geplanten Bodenoffensive ist es, die politische und militärische Führungsebene der Islamistenorganisation Hamas in Gaza auszulöschen, die vor einer Woche ein Massaker mit Hunderten Todesopfern in Israel begangen hat. Israels Armee konzentriere sich besonders auf die Tötung von Jihia al-Sinwar, dem führenden Hamas-Beamten, dessen Büros sich wie die der Hamas-Regierung in Gaza-Stadt befinden, sagte die Quelle der NYT.
Israel macht Sinwar für die Gräueltaten gegen Israelis verantwortlich. Sinwar stünde „in direktem Zusammenhang“ mit dem Großangriff auf Israel, sagte Armeesprecher Richard Hecht laut der Nachrichtenagentur AFP. Die israelischen Beamten warnten laut der NYT auch, dass die Hamas israelische Geiseln töten, palästinensische Nichtkombattanten als menschliche Schutzschilde einsetzen und das Territorium mit Sprengfallen übersät haben könnte.
Die NYT holte nach eigenen Angaben auch die Stimme eines Hamas-Offiziers ein, der nicht befugt war, mit Medien zu sprechen. Ihm zufolge plant die Hamas, israelische Streitkräfte von hinten anzugreifen. Dazu sollen die Hamas-Tunnel im Gazastreifen dienen. Ein strategisches Dilemma sei zudem, dass die Terroristen sich unter der Erde besonders effektiv mit Geiseln verschanzen könnten.
Krieg in Israel: Hamas plant Tunnel-Sprengungen im Gazastreifen während Bodenoffensive
Die Militäroperation im Gazastreifen berge die Gefahr, dass sich Israel in monatelange blutige Häuserkämpfe verstricke, heißt es in dem Bericht. Es werde angenommen, dass sich Zehntausende von Hamas-Kämpfern in Bunkern und Hunderte Kilometer langen unterirdischen Tunnelsystemen unter Gaza-Stadt und den umliegenden Teilen des nördlichen Gazastreifens verschanzt haben. Israels Armee gehe davon aus, dass die Hamas versuchen wird, ihr Vorankommen zu behindern, indem sie Tunnel sprenge, während die Bodentruppen über sie vorrücken.
Neben Infanterieeinheiten wird Israels Eingreiftruppe auch Panzer und Pioniere umfassen, fügten die Offiziere laut der Zeitung hinzu. Die Bodentruppen bekämen Deckung von Kampfflugzeugen, Kampfhubschraubern, Drohnen und Artillerie vom Land wie auch vom Meer aus, hieß es. Israelische Beamte warnen davor, dass die Hamas israelische Geiseln töten und Zivilisten als menschliche Schutzschilde einsetzen könnte. Zudem hätten sie das Gebiet mit Sprengfallen übersät, berichtete die NYT weiter.
Israels Militär ruft die Bewohner von Gaza auf, die Stadt zu verlassen. Sie sollten nicht zurückkehren, bis die Armee sie dazu auffordere, sagt ein Militärsprecher. Zuvor rief Israel die Menschen im Norden des Gazastreifens – im dem auch Gaza-Stadt liegt - auf, die Region zu evakuieren. Der Armee-Sprecher wirft der Hamas vor, die Bevölkerung davon abzuhalten. (frs mit dpa)
