Wutrede von Schoigu

Wenn die Krim fällt: Putins möglicher Anlass für einen Angriff mit Atomwaffen

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Aufmunitioniert und atomwaffenfähig: ein russischer Kampfjet Su-34. Dieser Flugzeug-Typ ist auch auf der Krim stationiert und bietet einen Hinweis, dass Russland die Krim als Startpunkt für Angriffe mit Atomwaffen nutzen könnte. (Symbolfoto)
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Jedes verlorene Schiff macht Russland nervöser: Sergej Schoigu hat jetzt befohlen, die Krim zu verstärken – der Einsatz von Atomwaffen wird möglich.

Simferopol – Trotz der dauernden Bedrohung mögen die russischen Matrosen nicht den leisesten Schimmer gehabt haben, was da im Dunkel der Nacht auf sie zuraste. Ein Video-Zusammenschnitt aus Quellen des ukrainischen Geheimdienstes nährt die Vermutung, als hätte höchstens ein Matrose in letzter Sekunde das Feuer eröffnet. Aber das hatte ohnehin keine Bedeutung mehr gehabt: Die Magura 5-Überwasserdrohne schlug in der Backbordseite der Caesar Kunikow ein. Wahrscheinlich wurde das Kriegsschiff Russlands noch von zwei weiteren Drohnen getroffen – das Schiff sank am 14. Februar vor der Küste der Krim-Halbinsel. Ein weiterer Schlag der ukrainischen Verteidiger gegen Wladimir Putins Schwarzmeer-Flotte.

Jetzt hat der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu die Krim besucht und zur Stärkung der Verteidigung gemahnt, wie die Ukrainska Prawda schreibt. Schoigu hämmerte seinen Untergebenen ein, „sowohl tagsüber als auch nachts ständige Schulungen zur Abwehr feindlicher Terroranschläge durchzuführen“ sowie „die Überlebensfähigkeit von Schiffen und die Sicherheit der Infrastruktur im Verantwortungsbereich des Staates zu erhöhen“. Zudem befahl er darüber hinaus die Installation zusätzlicher Feuerwaffen, darunter schwere Maschinengewehr-Systeme, um Angriffsdrohnen zu zerstören.

Die Krim hat weiterhin das Zeug zum entscheidenden Schauplatz im Ukraine-Krieg zu werden, wie der Militärökonom Marcus Keupp im Interview mit der Tagesschau gesagt hat: „Die Krim ist nicht nur das logistische Zentrum, sie ist auch das militärische Kraftzentrum der ganzen russischen Operation gegen die Ukraine, und deswegen wird sie auch das große Finale des Krieges sein und möglicherweise schneller, als so mancher das erwartet hat.“ Die russischen Bemühungen scheinen das zu belegen: Die Washington Post will die russischen Befestigungsanlagen auf Bildern des Satellitendienstes Maxar genau verortet haben und addiert inzwischen mehr als 30 Kilometer an Schützengräben auf der Krim.

Gegenoffensive der Ukraine zur See: die schleichende Vernichtung von Russlands Schwarzmeer-Flotte

Nach Angaben russischer Medien hat das Militär mehr als 200 Objekte über die Halbinsel verteilt: Luftwaffenstützpunkte, Munitionsdepots oder Kasernen. Mehrere Zehntausend Soldaten sind angeblich dort stationiert. Der Hafen von Sewastopol ist der Stützpunkt der russischen Schwarzmeer-Flotte. Überall dort hatte die russische Invasionsarmee in einem Jahrhundertsturm offenbar enorme Verluste ohne Feindeinwirkung einstecken müssen. Der Schlag gegen das Patrouillenboot Caesar Kunikow war daneben der jüngste Streich der Ukraine gegen die Marine Russlands. Die Krim ist eine schwärende Wunde für beide Seiten.

Die verpuffte Gegenoffensive der Ukraine auf dem Land machen die Verteidiger auf See dagegen fast wieder wett – mit der schleichenden Vernichtung von Russlands Schwarzmeer-Flotte, wie Zeit Online urteilt: Ein Drittel davon sei zerstört oder beschädigt, teilte das Militär der Ukraine mit. 24 russische Kriegsschiffe und ein U-Boot seien außer Gefecht gesetzt worden. Unabhängige Beobachter lieferten mit 20 Schiffen und einem U-Boot eine nur geringfügig niedrigere Zahl. Die Krimtataren treiben den Preis für die Besetzung für Russland mit ihrem Partisanen-Krieg in beinahe unerschwingliche Höhen.

Russlands Demütigung der Krimtataren: Auslöser für den Aufstieg der Atesh-Partisanen

Indem man der Krim den Landweg abschneide und mit Fernwaffen Versorgungspunkte angreife, könne man versuchen, Russland das Halten der Krim untragbar zu machen, sagte beispielsweise Militärexperte Gustav Gressel im ZDF. Auf der Krim habe der Konflikt in 2014 begonnen, dort könne er irgendwann auch enden – oder auch für die Nato ein Böses Erwachen bedeuten. Die im Sommer 2022 gegründete Partisanen-Bewegung Atesh (auf Krimtatarisch „Feuer“) spielte wohl eine entscheidende Rolle für die ukrainischen Erfolge auf der Krim. Die erzwungene Rekrutierung von Menschen aus der Krim in die Moskauer Streitkräfte bot der entstehenden Widerstandsbewegung eine große Chance, die russische Armee von innen auszuhöhlen, schreibt Elina Beketowa vom Zentrum für europäische Politikanalyse. Das bekommt Russland jetzt zu spüren.

Russlands Präsident Wladimir Putin gerät auf der Krim mehr und mehr in Zugzwang, er will seine ehrgeizigen Ziele in die Zukunft retten: internationale Seemacht zu werden und Herrscher über das Schwarze Meer. Das Schwarze Meer ist die Nahtstelle zwischen der Russischen Föderation und der Nato. So schreibt der deutsche Fregattenkapitän Göran Swistek für den Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik: „Russland verfolgt im Schwarzen Meer seit Jahrhunderten sein Interesse an einem eisfreien und möglichst ganz­jährig warmen Zugang zu den vitalen See­verbindungswegen um Europa herum, der seinen Anspruch als Seemacht unter­mauert.“ Die ukrainischen Seedrohnen sowie die Aufklärung der Partisanen machen ihm diesen Anspruch streitig.

Putins Verstärkung der Krim-Besatzer bis 2025: Alarmsignal für die Nato

Bereits lange vor dem Beginn des Ukraine-Krieges hatte das Magazin European Security and Defence (ESD) ein Papier diskutiert, das belegen sollte, „wie Russland unter Verletzung internationaler Verträge diesen einst blühenden Ferienort in einen modernen Militärstützpunkt verwandelt und ihn sogar für den Einsatz von Atomwaffen vorbereitet hat“. Das 20-seitige Dokument war aufgetaucht im Rahmen des Forums für Sicherheitskooperation (FCS) der in Wien ansässigen OSZE (Organisation für Sicherheitskooperation in Europa).

Laut ESD bestanden im Jahr 2020 die russischen Streitkräfte auf der besetzten Krim aus 31.500 Soldaten – deutlich mehr als vor der Besetzung der Krim, die sich damals lediglich aus Angehörigen der russischen Schwarzmeer-Flotte rekrutiert hatte. Die ESD-Quelle ging auch ohne damalige Hinweise auf einen militärischen Konflikt davon aus, dass sich die Zahl der russischen Truppen bis 2025 um das 1,5-fache erhöhen würde, um Putin zu ermöglichen, umfassende Militäroperationen im Südwesten, auf See und an der Küste durchzuführen sowie im Luftraum über dem Asowschen und dem Schwarzen Meer bis hin zum Mittelmeer. Insofern hätten die Truppenverstärkungen auf eine Eskalation der Krim-Annexion hindeuten und die Nato zum zügigen Handeln zwingen können.

Moskaus Flaggschiff Moskwa: einstige Speerspitze der atomaren Bewaffnung der Krim

Laut dem ESD-Verteidigungskorrespondent Georg Mader wies dieses frühe Dokument Beweise aus, „dass luft- und seegestützte Mittel zur Lieferung von Putins Atomwafffen auf die Krim verlagert worden seien, während die alte Lagerinfrastruktur aus der Sowjetzeit in der Nähe von Feodossija und Sewastopol angeblich renoviert werde“ – beispielsweise auch der Flugplatz Baherove bei Kertsch. Mader erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Russische Föderation das Abkommen von 1997 mit der Ukraine über den Status der Schwarzmeer-Flotte einseitig gekündigt habe. Gemäß Artikel 5 dieses Abkommens hattet sich die Russische Föderation verpflichtet, keine Atomwaffen der auf dem Territorium der Ukraine stationierten Schwarzmeer-Flotte der Russischen Föderation zu besitzen. Moskau hätte dennoch argumentieren können, dass die Krim nicht mehr Teil der Ukraine ist. 

Dennoch stellt die mögliche Verstärkung der Streitkräfte durch nukleare Waffen angesichts der geopolitischen Lage der Krim die multilaterale Ächtung von Atomwaffen grundsätzlich infrage und setzt die Nato unter Zugzwang – entsprechende Drohungen von russischer Seite sind inzwischen zur Genüge gefallen. Russland hat längst verschiedene Trägersysteme und andere Mittel stationiert, mit denen Atomwaffen auf die Krim geliefert werden können. Darunter waren der inzwischen gesunkene Kreuzer Moskwa mit seinem Vulkan-Raketensystem, der Lenkwaffen-Zerstörer Smetliwy mit dem Startsystem Rastrub-B und eine Su-24M-Bombereinheit, die taktische Atomwaffen transportieren kann. Zu den weiteren russischen Luftfahrzeugen, die bereits seit längerer Zeit zu Trainingszwecken auf der Krim stationiert waren, gehörten die Mittelstreckenbomber Tu-22M3 und die taktischen Langstreckenbomber Su-34.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Die Gefahr eine Einsatzes von Atomwaffen kommt nicht von ungefähr – mit der Versenkung der Caesar Kunikow könnte Russlands Lunte niedergebrannt sein – die Wutrede Schoigus über die löchrige Verteidigung der Krim-Befestigung mag als Hinweis darauf gelten. Tatsächlich diskutieren Experten weiterhin über den Zeitpunkt eines möglichen Einsatz taktischer Atomwaffen durch Russland; sie halten auch bis zu 20 Jahre alte Geheimdienstpapiere für valide Indizien auf die Verhaltensweisen der russischen Militärs in den nachfolgenden Gefechten im Ukraine-Krieg, wie der Sicherheitsexperte Ulrich Kühn vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg gegenüber dem ZDF geäußert hat; nämlich, dass sich an den grundlegenden Überlegungen der russischen Militärstrategen bis heute wenig geändert habe.

„In dem Moment, wo die Front kollabiert, wird es heikel“, sagt Kühn. In dieser Lage nutze Russland die Androhung von Atomwaffen als Abschreckung, um seine Gegner zu beeinflussen. Seiner Meinung nach könne eine Rückeroberung der Krim könnte genauso ein Triggerpunkt sein, der einen Atomwaffeneinsatz heraufbeschwört. (kahin)

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