„Geht nicht um Science Fiction”: Wie und warum Söder die Raumfahrt pusht
VonFranziska Schwarz
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verfolgt eine High-Tech-Agenda – beharrlich. Wie gestaltet sich die Situation im Freistaat?
München – Weltraum-Fan Markus Söder hatte schon 2018 mit seinem Herzensthema gewahlkämpft. Inzwischen führt seine CSU sogar das erste Raumfahrtministerium Deutschlands. Söder am Ziel? „Die Raumfahrt hat auch einen inspiratorischen Aspekt“, schwärmte Bayerns Ministerpräsident jetzt, wie der BR berichtet.
Und weiter: „Mehr als bei manchem normalen Business. Und ich glaube, das passt dann auch einfach mega zu Bayern“, so der CSU-Chef. Denn das von ihm geführte Bayern stehe immerhin auch für Innovation und modernste Technologien.
Bayern will mit Raumfahrt Geld verdienen: Regionale Firmen stellen Raketen her
Als Söder 2018 unter dem Schlagwort „Bavaria One“ ein auf zehn Jahre angelegtes Luft- und Raumfahrtprogramm des Freitstaats ankündigte, da wurde das noch kontrovers diskutiert. Heute gibt es in Bayern mehr als 200 Raumfahrtfirmen mit etwa 10.000 Beschäftigten und rund 12 Milliarden Euro Umsatz, so die Staatsregierung. Zu den „Stars“ unter ihnen zählt der BR die Raketenhersteller „Isar Aerospace“ und „Rocket Factory Augsburg“.
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Die 2018 versprochenen 50 Professorenstellen im Bereich Luft und Raumfahrt gibt es inzwischen auch, so der BR, etwa am „Department for Aerospace and Geodesy“ an der Technischen Universität München. Auf dem Lehrplan: Raketenantriebstechnik, Erdbeobachtung aus dem All oder Satellitenbau.
Länderchefs fordern Milliarden für die Raumfahrt – Söder mit dabei
Anfang Juni diesen Jahres hatten drei Länderchefs einen gemeinsamen Auftritt in Berlin: die von Bayern, Baden-Württemberg und Bremen. Sie forderten die Aufstockung des nationalen Raumfahrtprogramms auf eine Milliarde Euro pro Jahr. Ihre Argumentation: Auch angesichts der gewachsenen internationalen Unsicherheiten müsse Deutschland mehr investieren. Zudem müsse Berlin die europäische Raumfahrtagentur Esa mit mehr Geld, nämlich zwei Milliarden Euro jährlich, unterstützen.
Söder mahnte dabei, Europa dürfe im internationalen Wettbewerb nicht zurückfallen. „Es geht bei Raumfahrt nicht um Science Fiction, sondern um den greifbaren wissenschaftlichen Fortschritt und neue Wirtschaftskraft. Das ist auch entscheidend für die europäische Souveränität“, sagte er.
Markus Söders Parteifreundin Dorothee Bär ist Raumfahrt-Ministerin
Söder wird froh sein, dass jetzt Dorothee Bär (CSU) Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt ist. Eine Parteifreundin dürfte freundlich auf bayerische Anträge auf Bundesmittel reagieren. Der Geldbedarf ist hier riesig - Bayern alleine investiert 5,5 Milliarden Euro in Söders High Tech Agenda. Zusätzliche Fördermittel aus Berlin könnten da den Wissenschafts- und Forschungsstandort stärken.
Dass die CSU hier gerne zum Bedienen ihrer bayerischen Interessen handelt, zeigte sich in der letzten Legislaturperiode der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Damals war Andreas Scheuer als Bundesverkehrsminister höchst umstritten - und wurde dennoch von Söder gelobt: „Ich kenne wenig Minister, die so viel Geld nach Bayern holen wie der Andi Scheuer.“ Einen ähnlichen Auftrag könnte nun auch Bär haben. (frs mit Nachrichtenagenturen)