Der Staat sollte sich raushalten

Gender-Stopp in Bayern und Hessen: Verbieten ist der falsche Weg

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Das bayerische Verbot des Genderns zeigt: Nicht die Befürworter:innen einer sich verändernden Sprache sind es, die anderen Vorschriften machen wollen.

Frankfurt – Wenn man in soziale Netzwerke oder andere digitale Stammtische blickt, kann man den Eindruck gewinnen, dass es kaum eine größere Gefahr gebe als genderneutrale Sprache. Seit Jahren wird aus der rechten Ecke die Mär verbreitet, durchgeknallte Feminist:innen wollten den Deutschen vorschreiben, wie sie zu sprechen und zu schreiben hätten. Dass Sprache sich verändert, dass inklusive Formen des Denkens und Sprechens ausprobiert werden, wird dabei zur Gefahr für die Freiheit stilisiert.

Als Folge dieses rechten Kulturkampfes treten nun erste unionsgeführte Bundesländer den Beweis an, dass es eben gerade nicht die Befürworter:innen gendergerechter Sprache, sondern ihre Gegner:innen sind, die anderen Vorschriften machen wollen. Bayern verbietet in Schulen und Behörden das Gendern mit Sonderzeichen; Hessen will das auch.

Genderverbot: Der Staat soll sich raushalten

Argumentiert wird mit der Verständlichkeit und damit, dass genderneutrales Sprechen alle ausgrenze, die davon nichts hielten. Dabei ist es umgekehrt: Nichtbinäre oder trans Menschen werden vergessen und ausgegrenzt, wenn sie nicht angesprochen werden.

Einer demokratischen, pluralen Gesellschaft wäre nur eins angemessen: dass der Staat sich heraushält und alle so schreiben und sprechen können, wie sie wollen. (Hanning Voigts)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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