Die Performance hat überzeugt

Gepard als Vorbild: Ukraine plant eigenen Flakpanzer gegen Putin

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Absage an Skyranger? Statt Hochtechnologie bevorzugt die Ukraine rustikale Rüstungsgüter. Offenbar laufen bereits Gespräche mit KNDS über Gepard-Ableger.

Kiew – „Gepard, Gepard und nochmals Gepard“, sagt Serhiy. Den ukrainischen Schützen hatte Army Recognition gefragt, was seiner Ansicht nach die drei wichtigsten Systeme zur Abwehr von russischen Drohnen seien. Im Ukraine-Krieg hat das Bundeswehr-Alteisen Wladimir Putins Invasionsarme enorme Verluste beigebracht. Die Verteidiger scheinen vom Oldtimer inzwischen so begeistert zu sein, dass sie ihn anscheinend nachbauen wollen, wie Defense Express aktuell berichtet. Und das, obwohl sein Erbe schon aufmarschiert ist.

Feste Größe im Ukraine-Krieg: Allen Ansprüchen des 21. Jahrhunderts zur Abwehr gewachsen

Laut dem Magazin hat das Verteidigungsministerium der Ukraine in einem Rückblick auf die diesjährige „Messe Defence and Security Equipment International“ in London angedeutet, mit dem deutschen Waffenbauer KNDS Gespräche aufgenommen zu haben – nach Auskunft von Defense Express hätten die ukrainischen Vertreter „gemeinsam mit Ralf Ketzel, dem CEO (Geschäftsführer) von KNDS Deutschland, die Umsetzung gemeinsamer Vereinbarungen über Lieferungen, technische Unterstützung und gemeinsame Produktion des Gepard-Systems für die Streitkräfte der Ukraine besprochen“.

Denys Schmyhal spreche öffentlich von einer gemeinsamen Produktion des Gepard-Luftabwehrsystems, berichtet t-online unter Bezug auf einen Telegram-Post des ukrainischen Verteidigungsministers. Diese Aussage ist bemerkenswert, weil das Fahrzeug als von den Anforderungen der Zeit als längst überholt galt.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Marine, Heer und Luftwaffe können auf ein breites Angebot an militärischem Arsenal zurückgreifen. Wir zeigen in dieser Fotostrecke eine Auswahl. © dpa (3) / Boris Roessler / Moritz Frankenberg / Bernd von Jutrczenka
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Patriot (MIM-104): Weitreichendes Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Bekämpfungsreichweite ca. 68 Kilometer, kann mehrere Ziele gleichzeitig erfassen und bekämpfen. © IMAGO / Schöning
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform – es kombiniert Kanone und Boden-Luft-Raketen und ist spezialisiert auf Drohnenabwehr. © IMAGO / Zoonar
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist das Typschiff der modernen F125-Klasse der Deutschen Marine und wurde für langandauernde, weltweite Einsätze mit geringer Besatzung konzipiert. Sie zeichnet sich durch hohe Automatisierung, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und eine besondere Eignung für Stabilitätsmissionen und Kriseninterventionen aus. © Bundeswehr/Leon Rodewald
Ein Tornado-Kampfflugzeug startet während der Übung „Baltic Hunter 2023“ vom Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage.
Der Tornado ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren vor allem für Tiefflugangriffe, Aufklärung und elektronische Kampfführung eingesetzt wird. Er bleibt trotz seines Alters ein wichtiger Bestandteil der Luftwaffe, insbesondere als Träger für die nukleare Teilhabe und spezialisierte Aufgaben. © Jens Büttner/dpa
Kampfpanzer Leopard 2A7 der Bundeswehr (vorne) bei einer Übung mit einem Puma-Schützenpanzer (hinten). (Archivfoto)
Der Leopard 2 ist ein deutscher Kampfpanzer, der seit 1979 das Rückgrat der Panzertruppe bildet und als Hauptwaffensystem der Bundeswehr sowie vieler Nato-Staaten gilt. Er vereint hohe Feuerkraft durch seine 120-mm-Glattrohrkanone, starken Panzerschutz und außergewöhnliche Beweglichkeit und ist speziell für den Kampf gegen gegnerische Panzerverbände konzipiert. © IMAGO/Björn Trotzki
Infanterist der Zukunft der Bundeswehr ausgestattet u.a. mit Panzerfaust 3.
Die Panzerfaust 3 ist eine moderne, tragbare Panzerabwehrwaffe der Bundeswehr, die mit einem Mehrfachscharfschuss-System und einem hochentwickelten Gefechtskopf ausgestattet ist, um gut geschützte Fahrzeuge zu bekämpfen. Sie bietet eine hohe Präzision, Reichweite von bis zu 600 Metern und kann sowohl gegen gepanzerte Fahrzeuge als auch gegen befestigte Ziele eingesetzt werden. © Björn Trotzki/imago
Drohne "Luna"
„Luna“ ist ein unbemanntes Aufklärungsdrohnensystem der Bundeswehr, das zur Echtzeitüberwachung und Zielaufklärung auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern liefert die „Luna“-Drohne Bild- und Videodaten zur Unterstützung von Einsatzkräften. © dpa
Wuchtig: Eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr.
Die Panzerhaubitze 2000 ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz der Bundeswehr mit einer 155-mm-Kanone, das Reichweiten von 30 Kilometern mit Standard- und bis zu 40 Kilometern mit reichweitengesteigerter Munition erzielt. © IMAGO / Sven Simon
Am 28.02.22 lief das Minenjagdboot Dattelnzur Verstärkung der NATO-Nordflanke aus.
Das Minenjagdboot „Datteln“ ist Teil der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) der Deutschen Marine und spezialisiert auf das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen. Es nimmt regelmäßig an internationalen Nato-Einsätzen und Übungen teil und trägt so zur Sicherung von Seewegen bei. © Presse- und Informationszentrum Marine
Soldaten bei der Waffen- und Geräteausbildung mit einem Gewehr (Archivfoto aus dem Jahr 2005).
Das G36 ist seit 1997 das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht, die modulare Bauweise und die einfache Handhabung aus. Es verfügt über eine Feuerrate von etwa 750 Schuss pro Minute und ist mit einem integrierten Optiksystem ausgestattet. Es wird schrittweise durch das modernere G95 ersetzt. © dpa
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Die Bundeswehr nutzt aktuell die Pistole P8 als Standarddienstpistole im Kaliber 9 x 19 mm, plant jedoch deren Ablösung durch die modernere P13. Für Spezialkräfte werden bereits die neuen Walther P14 und P14K eingeführt, die speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. (Symbolfoto) © dpa (Symbolbild)
Bundeswehr in Hamburg
Der Wiesel ist ein leicht gepanzertes, luftverlastbares Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das vor allem bei Fallschirmjägern und Spezialkräften im Einsatz ist. Es existiert in verschiedenen Varianten, etwa mit 20-mm-Maschinenkanone oder Panzerabwehrlenkwaffen, und bietet hohe Mobilität bei geringem Gewicht. © Markus Scholz/dpa
Von Kiew schon lange angefragt: der Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland.
Der Taurus ist ein hochpräziser, weitreichender Marschflugkörper, der von Deutschland und Schweden entwickelt wurde und vor allem zur Bekämpfung stark geschützter Bodenziele aus großer Entfernung eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und modernster Zielerfassungstechnologie ermöglicht der Taurus präzise Angriffe bei minimalem Risiko für das Trägerflugzeug. © IMAGO / Political-Moments
Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Es dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Seit 2024 in der Bundeswehr eingeführt. © Wolfgang Kumm/dpa
Korvette läuft zu EU-Einsatz vor Libyen aus
Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ ist ein modernes Kriegsschiff der Braunschweig-Klasse der Deutschen Marine, das vor allem für Küstenüberwachung, Aufklärung und Schutzaufgaben eingesetzt wird. Sie ist mit einem 76-mm-Geschütz, Flugabwehrraketen und Seezielflugkörpern bewaffnet und zeichnet sich durch hohe Wendigkeit und moderne Sensorik aus. © picture alliance / dpa
Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr
Der Mungo ist ein leicht gepanzertes Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr, das speziell für den schnellen Transport von Soldaten und Material, insbesondere für Spezialkräfte, entwickelt wurde. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und Luftverlastbarkeit eignet sich der Mungo besonders für Einsätze in schwierigem Gelände und bei schnellen Operationen. © Quelle: Bundeswehr
PIONIERPANZER DACHS: Der Panzer ist ein Arbeitsgerät der Pioniere und basiert auf dem Fahrgestellt des Leopard 1. Mit seinem Teleskoparmbagger errichtet er Ein- und Ausfahrten sowie Zu- und Abfahrten an Gewässerübergangsstellen und macht den Gewässergrund befahrbar. Außerdem dient er zum Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. TECHNISCHE DATEN: Motorleistung: 610 kW (830 PS); Gewicht: ca. 43 t; Baggerleistung: ca. 140 Kubikmeter/h
Der Pionierpanzer Dachs ist ein spezialisiertes Unterstützungsfahrzeug der Bundeswehr, das auf dem Leopard-1-Fahrgestell basiert und für Aufgaben wie Baggern, Räumen und Bergen eingesetzt wird. Ausgestattet mit Baggerarm, Räumschild und Seilwinde ermöglicht er Pionieren das Überwinden von Hindernissen und das Befahrbarmachen von Wegen unter Gefechtsbedingungen. © Quelle: Bundeswehr
Ein Raketenwerfer MARS II steht in der Alb-Kaserne.
Der MARS II ist das moderne Raketenartilleriesystem der Bundeswehr, das präzisionsgelenkte Raketen mit Reichweiten von bis zu 84 Kilometern abfeuern kann. Es basiert auf dem amerikanischen MLRS M270, bietet hohe Feuerkraft und Flexibilität und wird vor allem zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Eurofighter sind beeindruckende Kampfjets. Zahlreiche westliche Armeen haben sie in ihrem Bestand. Fotos lassen erahnen, welche technischen Fähigkeiten sie haben.
Der Eurofighter Typhoon ist ein Mehrzweckkampfflugzeug europäischer Herkunft, das durch seine hohe Wendigkeit und vielseitige Bewaffnung sowohl Luftüberlegenheits- als auch Präzisionsangriffe ermöglicht. Er bildet das Rückgrat der Luftwaffen mehrerer europäischer Staaten und ist für Luftverteidigung, Begleitschutz sowie internationale Einsätze ausgelegt. © dpa
U-Boot der Klasse U212A
Die U-Boote der Klasse 212 A sind das Rückgrat der deutschen Marine und zählen zu den modernsten konventionellen U-Booten weltweit. Dank ihres außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantriebs sind sie besonders leise, ausdauernd und schwer zu orten, was sie ideal für Aufklärungs- und Spezialoperationen macht. (Symbolfoto)  © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Die Bundeswehr in Afghanistan: Von dem Ausspäh-Programm "Prism" wußten die Deutschen angeblilch schon seit 2011.
Der Dingo ist ein gepanzertes Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) der Bundeswehr, das vor allem für Patrouillen- und Konvoifahrten in gefährlichen Einsatzgebieten entwickelt wurde und durch hervorragenden Minen- und ballistischen Schutz vielen Soldaten das Leben gerettet hat.  © picture alliance / dpa
Bundeswehr
Das MANTIS, ehemals auch Nächstbereichschutzsystem C-RAM (NBS C-RAM), ist ein stationäres Luft-Nahbereichs-Flugabwehrsystem (engl. Short Range Air Defense, kurz SHORAD). Neben den klassischen Zielen der Flugabwehr, wie Flugzeuge und Hubschrauber, kann es sowohl gegen kleine Ziele wie Drohnen/UAVs und Lenkwaffen als auch gegen sogenannte RAM-Ziele (Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser) eingesetzt werden. © Bundeswehr
Wiesbaden Army Airfield
Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein deutsch-französischer, zweisitziger Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehr, der für Panzerabwehr, Luftnahunterstützung und Aufklärung konzipiert wurde. Er ist mit modernen Waffen wie Panzerabwehrlenkraketen, Maschinengewehren und Luft-Luft-Raketen ausgestattet ist. Die Bundeswehr plant, den Tiger bis 2032 aus der Nutzung zu nehmen und schrittweise durch leichtere Kampfhubschrauber zu ersetzen. © Andreas Arnold/dpa
Militärische Fahrzeuge im Norden von Sachsen-Anhalt
Der Schützenpanzer Marder war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr und gilt als bewährtes, wendiges und feuerkräftiges Waffensystem. Mit seiner 20-mm-Bordmaschinenkanone, Panzerabwehrlenkwaffen und moderner Nachtsichttechnik bot er den Panzergrenadieren Schutz, Mobilität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – sowohl im Kalten Krieg als auch bei Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Symbolbild: Das Panzergrenadierbataillon 112 ist mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Weg in die Letzlinger Heide zum Gefechtsübungszentrum Heer, am 12.02.2024.
Der Puma ist der modernste Schützenpanzer der Bundeswehr und ersetzt schrittweise den Marder. Er bietet eine hochmoderne Kombination aus starker Bewaffnung, umfassendem Schutz und digitaler Vernetzung, wodurch er optimal auf die Anforderungen moderner Gefechtsführung und die Zusammenarbeit mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgelegt ist. © Bundeswehr/Julia Dahlmann
Tag der Bundeswehr 2024
Der CH-53 ist der größte und schwerste Transporthubschrauber der Bundeswehr und seit 1975 im Einsatz, vor allem für den schnellen Transport von Personen, Material und bei Katastrophenhilfe sowie in Auslandseinsätzen wie Afghanistan und Mali. Aufgrund seines Alters und steigender Wartungsprobleme soll der CH-53 bis 2030 durch den moderneren CH-47F Chinook ersetzt werden. © Frank Hammerschmidt/dpa

Der Gepard ist ein Konstrukt der 1960er-Jahre und seit 2012 ausgemustert, weil ihm schlicht der Gegner gefehlt hat – als Bollwerk gegen russische Kampfhubschrauber gedacht, hatte er diesen Angreifern nie gegenübergestanden. Inzwischen ist die Bedrohung, für die er gebaut wurde, allerdings real: Angriffe aus der Luft durch Drohnen und Marschflugkörper in massenhafter Zahl, die über die damals schlimmsten Befürchtungen weit hinaus geht. Bemerkenswert ist das Ansinnen der Ukraine insofern, als das Prinzip, für das der Gepard steht, jetzt in einer zeitgemäßen Form von Rheinmetall mit dem Skyranger realisiert worden ist. Allerdings steht dem Gepard auf einer Website von KNDS die Tür in die Zukunft noch offen.

„Die aktuelle Version des Gepard ist allen Ansprüchen des 21. Jahrhunderts zur Abwehr moderner Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber, ferngelenkter Flugkörper und Raketen gewachsen.“

KNDS, Unternehmens-Website

„Die aktuelle Version des Gepard ist allen Ansprüchen des 21. Jahrhunderts zur Abwehr moderner Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber, ferngelenkter Flugkörper und Raketen gewachsen. Auch Drohnen werden zuverlässig bekämpft“, ist auf der Unternehmens-Website der KNDS Group zu lesen; was unterstreicht, dass der Panzer in seiner jetzigen Form noch 75 Jahre up-to-date zu sein verspricht. Seine ballistischen Geschosse seien gefeit gegen elektronische Abwehrmaßnahmen; deren Geschoss-Splitter würden Ziele zuverlässig neutralisieren, schreibt KNDS – und findet sich im erfolgreichen ukrainischen Abwehrkampf bestätigt – der Griff in die Mottenkiste ist insofern folgerichtig. Der Ukraine-Krieg hat die Liebe zum Flakpanzer Gepard wieder entflammt. Dessen Erbe ist nicht nur moderner, sondern trägt als Skyranger jetzt einen scheinbar auch zeitgemäßen Namen.

Ein Rheinmetall-Produkt, dass beispielsweise für die Nahverteidigung in der Nato-nahen European Sky Shield Initiative (ESSI) gesetzt ist. Statt des Zwillingsgeschützes des in der Ukraine zu späten Ehren gekommenen Gepard trägt der Skyranger eine einzelne 30-Millimeter-Kanone. Laut Defense Express rechne Rheinmetall-Chef Armin Papperger noch in diesem Jahr mit einem Bundeswehr-Auftrag für das Skyranger-System über sechs bis acht Milliarden Euro. Tatsächlich soll der Skyranger seinem Ahnherr in Mobilität, Reaktionsschnelligkeit und Genauigkeit überlegen sein. Allerdings scheinen sie in der Feuerrate auf Augenhöhe zu liegen. Das Zwillingsgeschütz des Gepard kommt auf 550 Schuss pro Minute pro Seite, also auf insgesamt 1.100 Schuss.

Skyranger gegen Putins Drohnen alternativlos? Über den Stückpreis herrscht Stillschweigen

Der Skyranger verschießt 1.000 bis 1.200 Geschosse pro Minute aus einem einzelnen Rohr – abhängig von der 30- oder 35-Millimeter-Munition. Defense Express betont, dass der Gepard kaum einfach geklont werden könne: Statt nach alten Vorlagen zu bauen, müsste das System von Grund auf neu konzipiert und die gesamte Elektronik auf den heutigen Stand der Technik gehoben werden; was dann allerdings die Frage aufwirft, was einen wiederbelebten Gepard von einem neu konstruierten Skyranger unterscheide oder ob er einfach eine Light-Version der ukrainischen Streitkräfte darstellen würde. Defense Express legt diese Vermutung nahe. Beispielsweise dreht sich der Gepard-Turm auf dem Fahrgestellt eines Leopard 1 und wird mit dessen Motor bewegt, was beides kaum noch zur Verfügung stehen würde.

Der Skyranger rasselt auf einem Leopard 2-Fahrgestell, wird aber aber ebenfalls radbasiert gebaut werden, in Deutschland beispielsweise auf dem Chassis des GTK Boxer – wahrscheinlich sogar vorrangig; was Defense Express aufgrund der vermutlich geringeren Kosten auch für einen Gepard-Nachfolger in Erwägung zieht. Die ersten Bestellungen für den Skyranger sind bereits 2024 erfolgt. Über den Stückpreis herrscht Stillschweigen, allerdings rechnen verschiedene Medien mit unterschiedlichen Kosten. Defense Express hatte aufgrund der ersten bestellten Tranche der Bundeswehr mit mindestens zwölf Millionen Euro pro Einheit kalkuliert. Entwicklungskosten und Serviceleistungen seien da aber noch eingepreist. 

Darauf ist Verlass: Ein Soldat nahe Odessa lehnt gedankenverloren auf einem der beiden Geschützen eines vom Westen gelieferten Flugabwehrkanonenpanzers Gepard. Der Erfolg der Waffe gegen die Drohnen von Wladimir Putin ist so durchschlagend, dass die Ukraine offensichtlich ihren Nachbau plant.

60 Flakpanzer Gepard hatte die Bundesregierung in die Ukraine geliefert – mit Ersatzteilen. Die Flugabwehrkanonen-Panzer waren eines der ersten Waffensysteme, die die Ukraine aus Deutschland bekommen hatte. Damals noch unter der Prämisse, dass sich die Ukraine lediglich verteidigen können sollte. Laut der Open Source-Plattform Oryx hat die Ukraine auch keinen davon verloren, obwohl andere Quellen von mindestens einem beschädigten oder neutralisierten System sprechen. Insgesamt sollen der Ukraine aus den verschiedenen Geberländern mehr als 100 Gepard-Systeme zur Verfügung stehen – ohne dass Verluste publiziert wären. Mit der Fokussierung auf einen Gepard-Nachfolger unter zumindest teilweise eigener Regie setzt die Ukraine ihren Weg einer autonomen Rüstungsindustrie fort.

Selenskyjs neuer Panzer: Hat wahrscheinlich wenig mit dem ursprünglichen Gepard-System gemeinsam

Bereits mit selbstfahrenden Geschützen hat die Ukraine Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten bewiesen. Im Sommer 2022 kam der erste Prototyp der ukrainischen Haubitze Bohdana bei der Befreiung der Schlangeninsel zum ersten Mal zum Einsatz. Gemeinsam mit der französischen Haubitze Caesar gelang es, einen der ersten großen ukrainischen Siege am Schwarzen Meer zu erringen. Es war ein Einzelstück, das es eigentlich gar nicht mehr hätte geben dürfen. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtete, dass die Bohdana ursprünglich in einer Fabrik in Kramatorsk im Donbass entwickelt wurde, wo sich auch der Prototyp befand. Kurz vor Kriegsbeginn entschied die ukrainische Militärführung jedoch, den Prototyp zu vernichten, um zu verhindern, dass die Technologie in russische Hände fällt.

Doch anstatt zerstört zu werden, wurde die Bohdana in ihre Einzelteile zerlegt und ins ukrainische Hinterland gebracht. Trotz einiger technischer Unzulänglichkeiten bewährte sich die Haubitze an der Front. Dieser erfolgreiche Einsatz überzeugte schließlich das ukrainische Verteidigungsministerium, die Serienproduktion der Bohdana zu genehmigen. Eine Waffe, die ähnlich funktioniert wie die schwedische Archer oder die französische Caesar. Nur rustikaler – und günstiger beziehungsweise schneller und in höheren Stückzahlen verfügbar. Die Bohdana könnte also zur Blaupause für einen dem Skyranger ähnlichen Flugabwehr-Panzer nach ukrainischer Façon werden. Immer wieder war auch zu vernehmen gewesen, dass sich die Ukraine mit der Handhabung westlicher Rüstungstechnik schwer tat.

Anders vor allem als mit der Haubitze 2000 hat sich die Ukraine offenbar aber schnell mit dem Flugabwehrkanonenpanzer angefreundet und in ihren militärisch-taktischen Workflow besser integriert als die meisten anderen westlichen Systeme. Demzufolge macht ein Joint Venture für diese Waffe Sinn. Laut Defense Express würde KNDS die Unterlagen zur Revitalisierung dieses Systems bereitstellen, im Gegenzug bekäme die deutsche Rüstungsschmiede Einblick in die daraus folgenden Entwicklungen durch die Ukraine – was im besten Fall als Fundament für die Wiederaufnahme der Produktion diene. Allerdings werde am Ende weder ein Gepard noch ein Skyranger aus der Kooperation hervorgehen, vermutet Defense Express.

Laut dem Magazin „kann man zu dem Schluss kommen, dass im Falle einer Wiederaufnahme der Produktion praktisch ein neues System entstehen wird, das technisch und wahrscheinlich auch äußerlich wenig mit dem ursprünglichen Gepard-System gemeinsam haben wird“. (Quellen: Mitteldeutscher Rundfunk, Army Recognition, Defense Express, t-online, Oryx) (hz)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kay Nietfeld/Avalon

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