Viele Optionen, kein Plan

Als Lösung gegen Putins Drohnen drängt sich der Gepard-Erbe auf



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Der Flakpanzer Gepard war die Antwort auf eine Herausforderung, die noch kommen sollte. Jetzt hofft die NATO auf den Skyranger. Selenskyj sät Zweifel.

Brüssel – „Wir sind bereit, alle Partner in dieser Verteidigung zu schulen“, sagt Wolodymyr Selenskyj. Die Deutsche Presseagentur (dpa) zitiert den ukrainischen Präsidenten, der mit ansehen muss, wie Wladimir Putin seine im Ukraine-Krieg eingeübten Drohnen-Taktiken auf die an Russland angrenzenden NATO-Partner auszudehnen sucht. Nach der Drohnen-Attacke auf Polen und eines ähnlich gelagerten Vorfalls in Rumänien sucht das westliche Verteidigungsbündnis verzweifelt und höchst eilig nach einer probaten Lösung. Möglicherweise drängt sich die „Sky Fortress" auf.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Marine, Heer und Luftwaffe können auf ein breites Angebot an militärischem Arsenal zurückgreifen. Wir zeigen in dieser Fotostrecke eine Auswahl. © dpa (3) / Boris Roessler / Moritz Frankenberg / Bernd von Jutrczenka
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Patriot (MIM-104): Weitreichendes Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Bekämpfungsreichweite ca. 68 Kilometer, kann mehrere Ziele gleichzeitig erfassen und bekämpfen. © IMAGO / Schöning
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform – es kombiniert Kanone und Boden-Luft-Raketen und ist spezialisiert auf Drohnenabwehr. © IMAGO / Zoonar
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist das Typschiff der modernen F125-Klasse der Deutschen Marine und wurde für langandauernde, weltweite Einsätze mit geringer Besatzung konzipiert. Sie zeichnet sich durch hohe Automatisierung, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und eine besondere Eignung für Stabilitätsmissionen und Kriseninterventionen aus. © Bundeswehr/Leon Rodewald
Ein Tornado-Kampfflugzeug startet während der Übung „Baltic Hunter 2023“ vom Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage.
Der Tornado ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren vor allem für Tiefflugangriffe, Aufklärung und elektronische Kampfführung eingesetzt wird. Er bleibt trotz seines Alters ein wichtiger Bestandteil der Luftwaffe, insbesondere als Träger für die nukleare Teilhabe und spezialisierte Aufgaben. © Jens Büttner/dpa
Kampfpanzer Leopard 2A7 der Bundeswehr (vorne) bei einer Übung mit einem Puma-Schützenpanzer (hinten). (Archivfoto)
Der Leopard 2 ist ein deutscher Kampfpanzer, der seit 1979 das Rückgrat der Panzertruppe bildet und als Hauptwaffensystem der Bundeswehr sowie vieler Nato-Staaten gilt. Er vereint hohe Feuerkraft durch seine 120-mm-Glattrohrkanone, starken Panzerschutz und außergewöhnliche Beweglichkeit und ist speziell für den Kampf gegen gegnerische Panzerverbände konzipiert. © IMAGO/Björn Trotzki
Infanterist der Zukunft der Bundeswehr ausgestattet u.a. mit Panzerfaust 3.
Die Panzerfaust 3 ist eine moderne, tragbare Panzerabwehrwaffe der Bundeswehr, die mit einem Mehrfachscharfschuss-System und einem hochentwickelten Gefechtskopf ausgestattet ist, um gut geschützte Fahrzeuge zu bekämpfen. Sie bietet eine hohe Präzision, Reichweite von bis zu 600 Metern und kann sowohl gegen gepanzerte Fahrzeuge als auch gegen befestigte Ziele eingesetzt werden. © Björn Trotzki/imago
Drohne "Luna"
„Luna“ ist ein unbemanntes Aufklärungsdrohnensystem der Bundeswehr, das zur Echtzeitüberwachung und Zielaufklärung auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern liefert die „Luna“-Drohne Bild- und Videodaten zur Unterstützung von Einsatzkräften. © dpa
Wuchtig: Eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr.
Die Panzerhaubitze 2000 ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz der Bundeswehr mit einer 155-mm-Kanone, das Reichweiten von 30 Kilometern mit Standard- und bis zu 40 Kilometern mit reichweitengesteigerter Munition erzielt. © IMAGO / Sven Simon
Am 28.02.22 lief das Minenjagdboot Dattelnzur Verstärkung der NATO-Nordflanke aus.
Das Minenjagdboot „Datteln“ ist Teil der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) der Deutschen Marine und spezialisiert auf das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen. Es nimmt regelmäßig an internationalen Nato-Einsätzen und Übungen teil und trägt so zur Sicherung von Seewegen bei. © Presse- und Informationszentrum Marine
Soldaten bei der Waffen- und Geräteausbildung mit einem Gewehr (Archivfoto aus dem Jahr 2005).
Das G36 ist seit 1997 das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht, die modulare Bauweise und die einfache Handhabung aus. Es verfügt über eine Feuerrate von etwa 750 Schuss pro Minute und ist mit einem integrierten Optiksystem ausgestattet. Es wird schrittweise durch das modernere G95 ersetzt. © dpa
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Die Bundeswehr nutzt aktuell die Pistole P8 als Standarddienstpistole im Kaliber 9 x 19 mm, plant jedoch deren Ablösung durch die modernere P13. Für Spezialkräfte werden bereits die neuen Walther P14 und P14K eingeführt, die speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. (Symbolfoto) © dpa (Symbolbild)
Bundeswehr in Hamburg
Der Wiesel ist ein leicht gepanzertes, luftverlastbares Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das vor allem bei Fallschirmjägern und Spezialkräften im Einsatz ist. Es existiert in verschiedenen Varianten, etwa mit 20-mm-Maschinenkanone oder Panzerabwehrlenkwaffen, und bietet hohe Mobilität bei geringem Gewicht. © Markus Scholz/dpa
Von Kiew schon lange angefragt: der Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland.
Der Taurus ist ein hochpräziser, weitreichender Marschflugkörper, der von Deutschland und Schweden entwickelt wurde und vor allem zur Bekämpfung stark geschützter Bodenziele aus großer Entfernung eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und modernster Zielerfassungstechnologie ermöglicht der Taurus präzise Angriffe bei minimalem Risiko für das Trägerflugzeug. © IMAGO / Political-Moments
Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Es dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Seit 2024 in der Bundeswehr eingeführt. © Wolfgang Kumm/dpa
Korvette läuft zu EU-Einsatz vor Libyen aus
Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ ist ein modernes Kriegsschiff der Braunschweig-Klasse der Deutschen Marine, das vor allem für Küstenüberwachung, Aufklärung und Schutzaufgaben eingesetzt wird. Sie ist mit einem 76-mm-Geschütz, Flugabwehrraketen und Seezielflugkörpern bewaffnet und zeichnet sich durch hohe Wendigkeit und moderne Sensorik aus. © picture alliance / dpa
Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr
Der Mungo ist ein leicht gepanzertes Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr, das speziell für den schnellen Transport von Soldaten und Material, insbesondere für Spezialkräfte, entwickelt wurde. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und Luftverlastbarkeit eignet sich der Mungo besonders für Einsätze in schwierigem Gelände und bei schnellen Operationen. © Quelle: Bundeswehr
PIONIERPANZER DACHS: Der Panzer ist ein Arbeitsgerät der Pioniere und basiert auf dem Fahrgestellt des Leopard 1. Mit seinem Teleskoparmbagger errichtet er Ein- und Ausfahrten sowie Zu- und Abfahrten an Gewässerübergangsstellen und macht den Gewässergrund befahrbar. Außerdem dient er zum Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. TECHNISCHE DATEN: Motorleistung: 610 kW (830 PS); Gewicht: ca. 43 t; Baggerleistung: ca. 140 Kubikmeter/h
Der Pionierpanzer Dachs ist ein spezialisiertes Unterstützungsfahrzeug der Bundeswehr, das auf dem Leopard-1-Fahrgestell basiert und für Aufgaben wie Baggern, Räumen und Bergen eingesetzt wird. Ausgestattet mit Baggerarm, Räumschild und Seilwinde ermöglicht er Pionieren das Überwinden von Hindernissen und das Befahrbarmachen von Wegen unter Gefechtsbedingungen. © Quelle: Bundeswehr
Ein Raketenwerfer MARS II steht in der Alb-Kaserne.
Der MARS II ist das moderne Raketenartilleriesystem der Bundeswehr, das präzisionsgelenkte Raketen mit Reichweiten von bis zu 84 Kilometern abfeuern kann. Es basiert auf dem amerikanischen MLRS M270, bietet hohe Feuerkraft und Flexibilität und wird vor allem zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Eurofighter sind beeindruckende Kampfjets. Zahlreiche westliche Armeen haben sie in ihrem Bestand. Fotos lassen erahnen, welche technischen Fähigkeiten sie haben.
Der Eurofighter Typhoon ist ein Mehrzweckkampfflugzeug europäischer Herkunft, das durch seine hohe Wendigkeit und vielseitige Bewaffnung sowohl Luftüberlegenheits- als auch Präzisionsangriffe ermöglicht. Er bildet das Rückgrat der Luftwaffen mehrerer europäischer Staaten und ist für Luftverteidigung, Begleitschutz sowie internationale Einsätze ausgelegt. © dpa
U-Boot der Klasse U212A
Die U-Boote der Klasse 212 A sind das Rückgrat der deutschen Marine und zählen zu den modernsten konventionellen U-Booten weltweit. Dank ihres außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantriebs sind sie besonders leise, ausdauernd und schwer zu orten, was sie ideal für Aufklärungs- und Spezialoperationen macht. (Symbolfoto)  © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Die Bundeswehr in Afghanistan: Von dem Ausspäh-Programm "Prism" wußten die Deutschen angeblilch schon seit 2011.
Der Dingo ist ein gepanzertes Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) der Bundeswehr, das vor allem für Patrouillen- und Konvoifahrten in gefährlichen Einsatzgebieten entwickelt wurde und durch hervorragenden Minen- und ballistischen Schutz vielen Soldaten das Leben gerettet hat.  © picture alliance / dpa
Bundeswehr
Das MANTIS, ehemals auch Nächstbereichschutzsystem C-RAM (NBS C-RAM), ist ein stationäres Luft-Nahbereichs-Flugabwehrsystem (engl. Short Range Air Defense, kurz SHORAD). Neben den klassischen Zielen der Flugabwehr, wie Flugzeuge und Hubschrauber, kann es sowohl gegen kleine Ziele wie Drohnen/UAVs und Lenkwaffen als auch gegen sogenannte RAM-Ziele (Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser) eingesetzt werden. © Bundeswehr
Wiesbaden Army Airfield
Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein deutsch-französischer, zweisitziger Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehr, der für Panzerabwehr, Luftnahunterstützung und Aufklärung konzipiert wurde. Er ist mit modernen Waffen wie Panzerabwehrlenkraketen, Maschinengewehren und Luft-Luft-Raketen ausgestattet ist. Die Bundeswehr plant, den Tiger bis 2032 aus der Nutzung zu nehmen und schrittweise durch leichtere Kampfhubschrauber zu ersetzen. © Andreas Arnold/dpa
Militärische Fahrzeuge im Norden von Sachsen-Anhalt
Der Schützenpanzer Marder war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr und gilt als bewährtes, wendiges und feuerkräftiges Waffensystem. Mit seiner 20-mm-Bordmaschinenkanone, Panzerabwehrlenkwaffen und moderner Nachtsichttechnik bot er den Panzergrenadieren Schutz, Mobilität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – sowohl im Kalten Krieg als auch bei Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Symbolbild: Das Panzergrenadierbataillon 112 ist mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Weg in die Letzlinger Heide zum Gefechtsübungszentrum Heer, am 12.02.2024.
Der Puma ist der modernste Schützenpanzer der Bundeswehr und ersetzt schrittweise den Marder. Er bietet eine hochmoderne Kombination aus starker Bewaffnung, umfassendem Schutz und digitaler Vernetzung, wodurch er optimal auf die Anforderungen moderner Gefechtsführung und die Zusammenarbeit mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgelegt ist. © Bundeswehr/Julia Dahlmann
Tag der Bundeswehr 2024
Der CH-53 ist der größte und schwerste Transporthubschrauber der Bundeswehr und seit 1975 im Einsatz, vor allem für den schnellen Transport von Personen, Material und bei Katastrophenhilfe sowie in Auslandseinsätzen wie Afghanistan und Mali. Aufgrund seines Alters und steigender Wartungsprobleme soll der CH-53 bis 2030 durch den moderneren CH-47F Chinook ersetzt werden. © Frank Hammerschmidt/dpa

NATO sucht zündende Idee: „Was sollen wir tun? Jedes Mal F-16 und F-35 schicken? Das ist nicht nachhaltig.“

Die Ukraine hat mit dieser vernetzten Art der Luftverteidigung „beachtliche Erfolge“ erzielt in der Abwehr russischer Einwegdrohnen vom Typ Geran-2, wie bereits Mitte 2024 das deutsche Militärmagazin hartpunkt. berichtet hat. Der Clou dieser „Himmelsfestung“ sei die Kombination vieler Sensoren und ebenso vieler kleiner Flugabwehrtrupps auf Geländewagen von der Größe eines Mercedes G-Modells, das in der Bundeswehr als „Wolf“ Dienst tut. Darauf operieren Abwehrtrupps mit schweren Maschinenwaffen. Der Nachteil liegt darin, dass Einwegdrohnen wie die aktuellen Shahed-136-Modelle mittlerweile teilweise höher fliegen, als die Waffen tragen können. Dennoch bildet die „Himmelsfestung“ eine Option für eine NATO, die viele Möglichkeiten sieht, aber noch keinem stringenten Plan folgt.

„„Was sollen wir tun? Jedes Mal F-16 und F-35 schicken? Das ist nicht nachhaltig. Wir müssen uns besser mit Anti-Drohnen-Systemen ausrüsten“, sagt Ulrike Franke. Politico zitiert die Analystin des US-Thinktanks „European Council on Foreign Relations“ (ECFR), angesichts der russischen Drohnen, die Polen über seinem Gebiet aufgefunden und neutralisiert hat. Laut der dpa habe die Nato das System „Sky Fortress“ bereits 2024 getestet. In Estland seien noch Erprobungsgeräte eingelagert. Ihr zufolge seien auch Abwandlungen dieses Systems denkbar – durch individuelle oder zusätzliche Sensoren, um frühzeitig und genauer ein Lagebild über anfliegende Drohnen zu haben.

Putin wagt sich aus der Deckung: „Um die Fähigkeiten und Reaktionen der NATO einzuschätzen“

Kristóf Nagy beschreibt das System als einfach in der Handhabung sowie unschlagbar günstig. Die für die Gefechtsführung notwendigen Daten, wie beispielsweise Anflugrichtung und Geschwindigkeit, würden nach der Alarmierung auf handelsübliche Tablets der mobilen Maschinenkanonentrupps übertragen: „Einerseits werden kosteneffiziente Rohrwaffen zu der Abwehr der Drohnen befähigt. Andererseits kostet ein autarkes Sensorpaket gerade einmal 500 US-Dollar. Außerdem ist die restliche Flugabwehr entlastet und kann zur Bekämpfung von Zielen wie bemannten Systemen oder Marschflugkörpern und Raketen verwendet werden“, so Nagy. Das begünstige auch, dass teurere Systeme für lohnendere Ziele aufgespart werden könnten und die Durchhaltefähigkeit der Luftabwehr immens wachse – und für Russland den Preis für Angriffe hoch treibe.

Alt und technisch überholt, aber robust und kampferprobt sowie erfolgreich – der deutsche Flugabwehrkanonenpanzer Gepard, der erst in der Ukraine einen Gegner gefunden hat. Sein Nachfolger Skyranger könnte eine Korsettstange der NATO-Drohnenabwehr gegen Russlands erwartete Aggression werden – hier in einer Stellung zur Abwehr von Shahed-Drohnen in der Region Odessa Anfang 2024 (Archivfoto).

„Zwar habe die Nato effektive Abwehrwaffen, doch habe die Ukraine ,wesentlich kostengünstigere, massivere und systematischere Lösungen‘ entwickelt.“

Wolodymyr Selenskyj, Deutsche Presseagentur

Der US-Thinktank „Institute for the Study of War“ (ISW) geht davon aus, dass die russischen Drohnen auch deshalb den polnischen und rumänischen Luftraum verletzt haben, „um die Fähigkeiten und Reaktionen der NATO einzuschätzen und die gewonnenen Erkenntnisse auf mögliche Konfliktszenarien mit der NATO anzuwenden“, wie deren Analysten schreiben. Laut der dpa liefen die Planungen für den weiteren Aufbau der Flugabwehr gegen Drohnen und auch ganze Drohnenschwärme aus Russland im zentralen Luftwaffenhauptquartier der Nato (Aircom) im rheinland-pfälzischen Ramstein. Der übergeordnete Aktionsplan läuft seit dem 12. September unter dem Betriff „Eastern Sentry“ (zu Deutsch etwa: „Wächter des Ostens).

Eine NATO-Option: Start-ups für Drohnenabwehr stärker in die Budgetierung einzubeziehen

NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat in dem Zusammenhang darauf gedrängt, dass das westliche Verteidigungsbündnis als Antwort auf den Übergriff auf die westliche Integrität Entschlossenheit und Fähigkeit zur Verteidigung ihres Territoriums verdeutliche – die Frage ist nur: Wie? „Die drohnenarme Armee“, nennt Björn Müller beispielsweise die Bundeswehr. Im Magazin loyal hat der Autor des Organs des deutschen Reservistenverband die Defizite der deutschen Streitkräfte in der Aufrüstung mit Drohnen aufgezeigt. Bisher seien Drohnen kein Rüstungsschwerpunkt der Bundeswehr gewesen, so Müller; von 2026 an solle das seinen Informationen zufolge womöglich anders werden – diese Aussagen stammen aus der Zeit vor der Eskalation Putins im Verhältnis zur NATO. Inzwischen hat die Bundeswehr zwei Kamikaze-Drohnen im Test.

„Wenn wir an die Nato-Ostflanke denken, also 3.000 Kilometer Grenze, und mit Masse dorthin kommen, auf asymmetrische Fähigkeiten setzen, also Zehntausende Kampfdrohnen dort konzentrieren, dann ist es eine sehr glaubwürdige konventionelle Abschreckung“, sagte Gundbert Scherf gegenüber dem Sender n-tv. Der Mitbegründer und Co-Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Helsing aus München meldete sich mit seiner Forderung eines „Drohnenwalls“ ähnlich dem von den östlichen und baltischen NATO-Partnern geplanten zum Zeitpunkt, als das neue Sondervermögen für Sicherheit gerade vom Bundesrat beschlossen worden war. Start-ups für Drohnenabwehr stärker in die Budgetierung einzubeziehen, ist eine weite Option, der die NATO nachgeht. In den Ukraine-Krieg jedenfalls sind deutsche Unternehmen mit ihrem Wissen involviert.

Den „Wächter“ schickt jetzt das deutsche Start-up Alpine Eagle an die dortige Front: Wie das Magazin Defense Express berichtet, sei das „Sentinel Airborne Counter-UAS System“, eine in Deutschland entwickelte Drohnenplattform zum Schutz von Konvois vor Unmanned Aerial Systems, also Angriffs- und FPV-Drohnen (First Person View); laut dem Magazin laufe das System bereits in der Ukraine in einer Testphase. Wie die Deutsche Presseagentur meldet, sei Geld für eilige Käufe neuer Waffentechnologien auch in der NATO vorhanden. Unter dem Begriff „crisis urgent requirement“ kann die Allianz für einen Sofortbedarf an neuen Technologien einen Zahlungsmechanismus zügig in Gang setzen.

Selenskyj wirbt für die Ukraine: „Wesentlich kostengünstigere, massivere und systematischere Lösungen“

Darüber hinaus fällt der NATO vor allem der Griff in die Mottenkiste ein. Der Ukraine-Krieg hat die Liebe zum Flakpanzer Gepard wieder entflammt. Dessen Erbe ist nicht nur moderner, sondern trägt jetzt einen entsprechenden Namen: Skyranger. Ein Rheinmetall-Produkt, dass auch für die Nahverteidigung in der European Sky Shield Initiative (ESSI) gesetzt ist. Statt des Zwillingsgeschützes des in der Ukraine zu späten Ehren gekommenen Gepard trägt der Skyranger eine einzelne 30-Millimeter-Kanone. Grundsätzlich transponiert der mobile Skyranger die Grundidee der ukrainischen „Himmelsfestung“ auf eine höhere Ebene: Er bietet agilere Mobilität samt höherer Feuerkraft als einzelne Trupps auf militarisierten Pick-ups.

Tatsächlich beweist der Skyranger, dass die Bundeswehr mit der Gepard-Flugabwehr-Lösung ihrer Zeit weit voraus gewesen war, aber zu der Zeit noch keinen Gegner dafür gehabt hatte. „Eine paradoxe Wendung: Ausgerechnet die verschrotteten deutschen Gepards zählen in der Ukraine zu den erfolgreichsten Systemen gegen russische Drohnen“, schreibt Lars Lange. Für das Magazin Telepolis fragt der Autor, inwieweit ein Skyranger-System tatsächlich die Drohnen-Abwehr der Zukunft darstellen könne. Laut Defense Express rechne Rheinmetall-Chef Armin Papperger noch in diesem Jahr mit einem Bundeswehr-Auftrag für das Skyranger-Systems über sechs bis acht Milliarden Euro.

Dem Magazin zufolge wollten die deutschen Streitkräfte von bis zu 5.000 neu zu beschaffenden Boxer-Schützenpanzern 600 mit dem Luftabwehrsystem Skyranger 30 auszustatten. Möglicherweise ist der Skyranger sogar eine gute bis sehr gute Lösung. Wie Defense News und Telepolis berichten, haftet allerdings Gepard wie Skyranger der grundsätzliche Makel der westlichen Rüstungsdoktrin an: Was gut sein soll, muss perfekt durchdacht werden und darf teuer sein. Die beiden Magazine beziffern den einzelnen Schuss aus Gepard und Skyranger auf bis zu 600 Euro; wobei der Skyranger aufgrund seiner ausgefeilteren Munition preislich etwas höher liege, worauf Telepolis-Autor Lars Lange hinweist.

Putins Russland ist dem Westen weiterhin haushoch überlegen darin, Lebensgefahr günstig herzustellen. Laut der Deutschen Presseagentur dränge sich Wolodymyr Selenskyj beinahe schon auf, der NATO zu beweisen, dass sie das auch könne – mit seiner Hilfe, wie ihn die dpa zitiert: „Zwar habe die Nato effektive Abwehrwaffen, doch habe die Ukraine ,wesentlich kostengünstigere, massivere und systematischere Lösungen‘ entwickelt.“ (Quellen: European Council on Foreign Relations, Institute for the Study of War“, Deutsche Presseagentur, hartpunkt, loyal, n-tv, Telepolis, Defense Express) (hz)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Nina Liashonok/Avalon

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