Anerkennung Palästinas: Wadephul will Zweistaatenlösung am Leben halten
VonJekaterina Jalunina
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Außenminister Wadephul kritisiert die israelische Offensive in Gaza-Stadt als völlig falschen Weg und verlangt den Start eines Zweistaaten-Prozesses.
Update, 22. September, 7.23 Uhr: Israel greift Gaza-Stadt an und droht mit der Annexion des Westjordanlandes. Vor der UN-Generalversammlung verschärft Deutschland erneut den Ton gegenüber der Regierung in Tel Aviv: Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat Deutschlands Position bekräftigt, dass eine Anerkennung Palästinas erst am Ende eines Prozesses zur Verhandlung einer Zweistaatenlösung stehen sollte. Diese sei „der Weg, der Israelis wie Palästinensern ein Leben in Frieden, Sicherheit und Würde ermöglichen“ könne. Der Prozess müsse „jetzt beginnen“, so Wadephul.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Update, 21.35 Uhr: Nach Großbritannien, Kanada und Australien hat auch Portugal am Sonntag die Anerkennung eines Palästinenserstaates verkündet. Dabei handele es sich um die „Erfüllung einer grundlegenden, beständigen und weithin anerkannten Politik“, sagte Außenminister Paulo Rangel vor Journalisten in New York. Portugal setze sich für die Zweistaatenlösung als „einzigen Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden“ zwischen Israel und den Palästinensern ein, betonte Rangel.
Update, 15.17 Uhr: Kanada, Australien und Großbritannien haben als erste der großen westlichen Wirtschaftsnationen die Anerkennung eines palästinensischen Staates beschlossen. Das gaben sowohl der kanadische Premierminister Mark Carney, als auch sein britischer Amtskollege Keir Starmer bekannt. „Um die Hoffnung auf Frieden und eine Zweistaatenlösung wiederzubeleben, erkläre ich heute – als Premierminister dieses großartigen Landes – klar und deutlich, dass das Vereinigte Königreich den Staat Palästina offiziell anerkennt“, wird Starmer von der BBC zitiert.
Erstmeldung: London – Großbritannien steht nach übereinstimmenden Medienberichten kurz davor, Palästina offiziell als Staat anzuerkennen. Premierminister Keir Starmer werde die Entscheidung noch am heutigen Tag (21. September) bekannt geben, meldeten die BBC sowie die britische Nachrichtenagentur PA. Das Vereinigte Königreich wäre damit die erste Nation innerhalb der G7, die diesen Schritt vollzieht. Für die Gruppe der führenden westlichen Industriestaaten wäre die Anerkennung ein Novum.
Seit Jahrzehnten setzen sich zahlreiche UN-Mitgliedstaaten für eine Zweistaatenlösung im Nahostkonflikt ein. Ziel ist die Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaats, der in gesicherten Grenzen friedlich mit Israel koexistiert. Nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden Gaza-Krieg galt dieses Ziel bislang als zunehmend unrealistisch.
Derweil forderten in Israel erneut Tausende Menschen ein Ende des Gaza-Krieges. Während Israel seine militärische Offensive in der Stadt Gaza mit massiven Angriffen fortsetzt, gerät das Land zunehmend in die internationale Isolation.
Frankreich, Großbritannien und weitere Staaten wollen Palästina vor UN-Generaldebatte anerkennen
Am Dienstag (23. September) beginnt in New York die Generaldebatte der Vereinten Nationen, zu der rund 150 Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Bereits am Vorabend soll eine Zwei-Staaten-Konferenz stattfinden. Mehrere Länder, darunter Frankreich, Kanada, Australien und Belgien, haben angekündigt, Palästina offiziell als Staat anzuerkennen.
Großbritanniens Premierminister hatte bereits im Juli erklärt, eine Anerkennung vorzunehmen, sollte Israel seine Politik im Gazastreifen bis zur UN-Vollversammlung nicht ändern. Laut BBC könnte die Bekanntgabe bewusst vor dem jüdischen Neujahrsfest erfolgen, das am Montagabend beginnt.
Auch Portugal anerkennt wohl Palästinenserstaat – Frankreich, Belgien und Kanada wollen folgen
Parallel dazu plant auch Portugal die Anerkennung eines palästinensischen Staates. Das bestätigte das portugiesische Außenministerium auf seiner Webseite. Deutschland lehnt eine solche Entscheidung ab. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte Ende August, dass Berlin den Schritt nicht mitgehen werde. Die israelische Regierung kritisierte die Pläne scharf und bezeichnete die Anerkennung als „Belohnung“ für die islamistische Hamas.
Die Anerkennung Palästinas rückt durch einflussreiche Staaten international stärker in den Blickpunkt
Obwohl bereits fast 150 der 193 UN-Mitgliedsstaaten einen palästinensischen Staat anerkannt haben, hat die Entscheidung zentraler Weltmächte aus palästinensischer Sicht besondere Bedeutung. Viele EU-Länder, vor allem in Ost- und Südosteuropa, haben schon vor langer Zeit einen Staat Palästina anerkannt. Das sehr israelfreundliche Ungarn vollzog diesen Schritt etwa schon 1988. Vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas haben die EU-Länder Spanien, Irland und Slowenien einen Palästinenser-Staat im vergangenen Jahr anerkannt.
Schweden war 2014 der erste EU-Mitgliedstaat, der offiziell einen Palästinenserstaat anerkannte. Andere europäische Länder hatten diesen Schritt bereits vor ihrem EU-Beitritt vollzogen: Bulgarien, Zypern, Tschechien, Ungarn, Polen und Rumänien hatten Palästina zuvor unabhängig anerkannt. Im April 2024 legten die USA im UN-Sicherheitsrat erneut ihr Veto gegen eine Vollmitgliedschaft Palästinas ein. (Quellen: dpa, afp, BBC, portugiesisches Außenministerium) (jal)