Atomkriegs-Rhetorik

Polnische Städte „sofort auslöschen“ – Putins Propaganda-Fallbeil droht erneut

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Die Nato verstärkt ihre Präsenz in Polen mit einem Lage-Zentrum; Anlass genug für Moskau, dem Westen mit totaler Vernichtung zu drohen. Wieder einmal.

Moskau – „Die Zeit der Maulhelden in der Politik geht zu Ende“, soll die Süddeutsche Zeitung am 5. März vor 30 Jahren geschrieben haben; an diesem Beispielsatz erklärt das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache einen Menschen, „der große Reden führt, aber nicht danach handelt“, einen „Wichtigtuer“. Die Welt hofft nun aufs Neue, dass Wladimir Solowjow mit „Maulheld“ umfänglich beschrieben ist, als dass hinter seinen öffentlichen Reden doch noch ein Körnchen Wahrheit steckt. Solowjow behauptet, dass Russland zwar „Mitleid“ mit seinen „Brüdern“ in der Ukraine habe, Moskau aber keine Hemmungen zeigen würde, polnische Städte „sofort“ auszulöschen – so zitiert ihn jetzt gerade Newsweek.

Solowjow ist seit rund zehn Jahren Moderator der Talkshow „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ im Staatsfernsehen Russlands und gilt seit dem Beginn des Ukraine-Krieges neben dem stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew, als Megaphon von Wladimir Putins imperialistischer Politik. Laut einem Clip auf X (vormals Twitter), den der Ukrainer Anton Geraschtschenko geteilt hat, soll Solowjow in einer Sendung geäußert haben, die Nationen der Europäischen Union würden Russlands Vorherrschaft auf dem Kontinent erst wahrzunehmen beginnen, wenn sich sein Land dazu entschieden habe, „Europas Gesicht zu zerstören“.

Russlands Rhetorik geifert auch gegen Außenministerin Baerbock

Anton Geraschtschenko ist ein offizieller Berater und ehemaliger stellvertretender Minister des ukrainischen Innenministeriums – 2017 wurde ein Attentat auf ihn verhindert, das soll vom Kreml aus gesteuert gewesen sein. Geraschtschenko macht immer wieder auf seinem Social-Media-Kanal auf Solowjows öffentliche Auftritte aufmerksam. Auch im November, als Solowjow die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) beschimpfte und Deutschland ebenfalls mit Unterjochung drohte, wie ihn Newsweek zitierte: „Mit lauter Stimme sagte Solowjow: ,Annalena Baerbock, Sie werden sehen, wie wegen Ihrer korrupten Dummheit, Berlin brennen und über dem Reichstag ein Siegesbanner hängen wird!‘“

Solowjow hat sich den Ruf erworben, mit überzogenen Aussagen in die Öffentlichkeit zu gehen, seit Russland im Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert ist. Er hat mehr als einmal behauptet, dass die Nato-Länder sich auf einen Angriff vorbereiteten, und prophezeit, dass Moskau Atomangriffe starten sollte gegen Länder, die die Ukraine unterstützen.

Putins propagandistisches Fallbeil: der russische Moderator Wladimir Solowjow: Er droht Polen mit Einäscherung. Auch gegen Außenministerin Annalena Baerbock hat er schon gegeifert. (Archivfoto)

Der Einmarsch Russlands mit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 war insofern tatsächlich ein Schock für Polen; laut Beobachtern aber ein erwarteter. Seit 30 Jahren bereitet sich Warschaus Ostpolitik auf eine mögliche territoriale Aggression Moskaus vor und versucht, diese abzuschrecken. Polen hat Angst, wie der Publizist Janusz A. Majcherek im deutsch-polnischen Magazin Dialog schreibt: Die polnische Einstellung zu Russland und den Russen bildete sich infolge der jüngeren Geschichte, die seiner Meinung nach als eine ständige, aggressive Expansion Russlands auf Kosten Polens verlief. 

Russlands Großmacht-Phantasien bedrohen Polen seit Jahrhunderten

Dass Russland bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen großen Teil der Ukraine annektierte, gilt den Polen noch heute als Warnung und darauf aufbauend als Leitlinie der polnischen Ostpolitik. Warschau will nicht zulassen, dass Russland sich die Ukraine unterwirft, denn dadurch würde Putins Territorium zu einer für Polen bedrohlichen Großmacht. Eine unabhängige Ukraine garantiert insofern die Unabhängigkeit Polens. Aus diesem Grunde betreibt Polen heute eine grundsätzlich wohlwollende Politik gegenüber der Ukraine. Seit 20 Jahren gehört Polen der Nato an und ist dort ein wichtiger Partner für den Schutz der Nato-Ostflanke.

Wir müssen einkalkulieren, dass Wladimir Putin eines Tages ein Nato-Land angreift.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Tagesspiegel

Die Nato beschloss auf ihrer Sondersitzung im März 2022, die Truppen an der Grenze zu Russland dauerhaft zu stärken. Vier Nato-Gefechtseinheiten sollen künftig in der Slowakei, in Ungarn, Bulgarien und Rumänien die Ostflanke verteidigen. Zusätzlich zu den Einheiten, die bereits in den baltischen Staaten und Polen stationiert sind, ohne dass dort Nato-Kommando-Strukturen institutionalisiert werden dürfen, um Russland weiter milde zu stimmen. Im April 2022 meldete die Nato, mit ihren Bemühungen um eine Verstärkung der Ostflanke voranzukommen – die vier neuen multinationalen Gefechtsverbänden hätten die erste Stufe der Einsatzbereitschaft erreicht. 

Die Nato und die Ukraine errichten jetzt aber gemeinsam ein Zentrum für die Analyse militärischer Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg, wie die tagesschau berichtet. Die in der zentralpolnischen Stadt Bydgoszcz geplante Einheit soll es ermöglichen, aus dem aktuellen Kriegsgeschehen möglichst effizient gemeinsam zu lernen. Dafür könnten die Ukrainer etwa Erkenntnisse über die Taktik, Fähigkeiten und Schwächen der russischen Angreifer bereitstellen. Zudem würde dort nach Angaben von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg auch gemeinsam trainiert werden. Grund genug für scharfe Kritik von verschiedenen russischen Offiziellen, die sich jetzt plötzlich doch von Nato-Kommando-Strukturen bedroht sehen.

Der Duma-Abgeordnete aus der Region Krim, Leonid Babaschow, sagte laut Prawda, die Einrichtung eines Nato-Trainingszentrums für die Ukraine in Polen erinnere an die Politik Nazi-Deutschlands, das damals auch Mittel für die Ausbildung von Bandera-Gruppen bereitgestellt habe. Ihm zufolge wolle die Nato im Trainingszentrum in Polen einzig und allein eine Armee von Kollaborateuren aus ukrainischen Bürgern vorbereiten.

Bandera-Kult: Keil zwischen Russland und der Ukraine

Stepan Bandera (1909–1959) wird als der ultimative antisowjetische Held gefeiert und ist eine der umstrittensten Figuren der ukrainischen Geschichte. Die Diskussion über Bandera und sein Erbe sind auch deshalb so schwierig, weil Wladimir Putin seinen Angriff auf die Ukraine als „Spezialoperation“ zur angeblichen „Entnazifizierung“ des Landes bezeichnet; damit verunglimpft er das Land als einen Hort von antirussischen Rechtsradikalen und Nazis.

Bereits Anfang 1933 war er Führer der Landesexekutive der Organisation Ukrainischer Nationalisten in Polen. Während seiner Amtszeit ermordete die Organisation mehrere polnische Politiker, aber auch Ukrainer, die sich dem ukrainischen Nationalismus entgegenstellten oder mit dem polnischen Staat zusammenarbeiteten. In den 1930er und frühen 1940er Jahren hatte sich der ukrainische Nationalismus radikalisiert und begann sich immer mehr dem italienischen Faschismus anzugleichen. Im Austausch mit anderen völkischen Bewegungen in Europa entstand so eine ukrainische Variante des Faschismus. Ab Mitte der 1930er Jahre schmiedete die Bewegung konkrete Pläne, wie Juden, Polen und Russen für die Errichtung eines solchen Staates vertrieben oder ermordet werden sollten.

Wichtig für das Verständnis der Geschichte der Gewalt in der Westukraine und für den darauf folgenden Bandera-Kult in dieser Region ist aber auch der stalinistische Terror, der im Sommer 1944 begann. Sie ermordete in der Westukraine über 150 000 Personen und deportierte mehr als 200 000 ins Innere der Sowjetunion. Nach seiner Entlassung im September 1944 unterstützte Bandera die Wehrmacht. Nach dem Krieg lebte er in München. Nachdem ihn der sowjetische Geheimdienst 1959 ermordet hatte, begann die ukrainische Diaspora ihn zunehmend als Nationalhelden zu stilisieren, der für die Ukraine im Kampf gegen die Sowjetunion gefallen war. Dieser Mythos wurde in der Westukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion sowohl von antisowjetischen Dissidenten als auch von Neofaschisten aufgegriffen.

Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung / Neue Zürcher Zeitung

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist Polen neben den baltischen Ländern und Finnland ein Frontstaat der Nato und die logistische Nabelschnur der Ukraine zum Westen. Um grundsätzlich die Sicherheit der Nato-Ostflanke zu verbessern, hat das westliche Verteidigungsbündnis seine Präsenz erhöht – aktuell stehen mehr als 11.000 Nato-Soldaten an elf Standorte auf polnischem Boden, davon 10.000 Amerikaner; vorerst werden die auch dort bleiben. Gleichzeitig spielt bei Polens Aufrüstung auch die nukleare Dimension eine immer gewichtigere Rolle, wie das Magazin Internationale Politik berichtet: So bekräftigte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am 30. Juni 2023 Polens Bereitschaft, im Rahmen der nuklearen Teilhabe der Nato Atomwaffen auf polnischem Staatsgebiet zu stationieren.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

In dem Zusammenhang hatte Polen bereits zwei Jahre vor Beginn des Ukraine-Krieges insgesamt 32 F-35A-Kampfflugzeuge bestellt, wie das Magazin Europäische Sicherheit & Technik schreibt: In diesem und im kommenden Jahr soll die Auslieferung beginnen mit den ersten sechs Maschinen, die allerdings zunächst in den USA verbleiben, damit die polnischen Piloten daran ausgebildet werden. Diese Flugzeuge sollten im Zeitraum 2025 bis 2026 dann nach Polen überführt werden. Anschließend wird Polen bis 2030 jährlich vier bis sechs F-35-Flugzeuge erhalten, bis dann die gesamte Flotte polnischer F-35-Flugzeuge offiziell übergeben und einsatzfähig ist.

Auch die Bundesregierung kalkuliert ein, dass ein Scharfmacher wie Wladimir Solowjow mehr ist als ein Maulheld. Auch sie warnt vor einer Ausweitung des Kriegs in der Ukraine. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte kürzlich dem Tagesspiegel: „Wir hören fast jeden Tag Drohungen aus dem Kreml – zuletzt wieder gegen unsere Freunde im Baltikum. Wir müssen also einkalkulieren, dass Wladimir Putin eines Tages sogar ein Nato-Land angreift.“

Rubriklistenbild: © Peter Kovalev/Imago

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