„Nicht finanzierbar“

Klingbeil-Papier offenbart gigantisches Haushalts-Loch – Warnung vor Sozialstaats-Kollaps

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Klingbeils Haushaltsplan bis 2029 offenbart eine riesige Lücke – und Sprengpotenzial für die Merz-Regierung. Harte Einschnitte im Sozialstaat werden befürchtet.

Berlin – Ein internes Papier aus Klingbeils Finanzministeriums offenbart: Die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) steht in den kommenden Jahren vor immensen finanziellen Problemen. Diese könnten nicht nur den Haushalt, sondern auch den Zusammenhalt der schwarz-roten Merz-Koalition auf eine harte Probe stellen.

Internes Klingbeil-Papier zeigt gigantisches Loch im Haushalt der Merz-Regierung bis 2029

Bis 2029 werden dem Bund 171 Milliarden Euro fehlen, wie am Montag aus Regierungskreisen bekannt wurde und einem internen Papier zu entnehmen ist, das unter anderem der Bild und dem ZDF vorliegt. Mitte Juni war Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) noch von einem Haushaltsloch von 144 Milliarden ausgegangen.

Ausgaben in Mrd. EuroEinnahmen in Mrd. Euro
2024474,2440,8
2025503,0421,2
2026520,5430,6
2027507,5419,4
2028546,4429,9
2029572,1445,2

Linke befürchten durch Klingbeil-Haushalt Einschnitte im Sozialstaat

Bei den Linken lassen die neuen Haushalts-Zahlen schlimme Befürchtungen aufkommen. Der Linken-Abgeordnete Dietmar Bartsch sieht Finanzminister Klingbeil angesichts der Finanzierungslücken kurz vor dem Kontrollverlust. Merz und Klingbeil müssten von ihrer „maßlosen Aufrüstungsspirale“ absehen, ansonsten drohe eine Kernschmelze des Sozialstaats.

Klingbeil werde die Finanzlücke in seinem Haushalt „auf dem Rücken der kleinen und mittleren Einkommen schließen“, warnte auch der Linken-Finanzpolitiker Christian Görke. Gerechter wären dagegen eine Vermögensteuer, eine Erbschaftsteuer und eine Reform der Einkommensteuer. Die beschlossene Senkung der Körperschaftsteuer für Unternehmen müsse hingegen „sofort zurückgenommen werden – sie ist schlicht nicht finanzierbar“.

Finanzentwurf von Klingbeil für Haushalt bis 2029 birgt Sprengstoff für Koalition

Mögliche Einschnitte der Bundesregierung beim Sozialstaat, zum Beispiel bei der Rente und beim Bürgergeld, dürften auch der mit Merz regierenden SPD schwerfallen. Hier zeichnet sich erhebliches Konfliktpotenzial für die schwarz-rote Koalition ab.

Die Merz-Regierung will die Sozialsysteme wie die Rente, die Pflege und das Bürgergeld in nächster Zeit grundlegend reformieren, um unter anderem dadurch den Haushalt zu konsolidieren. Konflikte zwischen SPD und Union sind programmiert, zu Beispiel, wenn Bürgergeld gekürzt wird oder Menschen länger arbeiten sollen, wie es jüngst Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) forderte und prompt scharf angegangen wurde.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Klingbeils Finanzplan offenbar Haushaltsloch: Maßnahmen im Koalitionsvertrag auf Prüfstand

Im Koalitionsvertrag vorgesehene Maßnahmen wie die Stromsteuersenkung für alle dürften außerdem noch stärker auf den Prüfstand gestellt werden – ebenfalls ein sensibles Thema innerhalb der Regierung. Auch andere Vorhaben könnten dem fehlenden Geld zum Opfer fallen. Aus Regierungskreisen hieß es bereits, die einzelnen Ressorts müssten einsehen, wie schwierig derzeit die Lage sei.

Streit innerhalb der Bundesregierung dürfte es auch über eine generelle Reform der Schuldenbremse im Grundgesetz geben. Eine Expertenkommission soll dazu Vorschläge machen. Die Union dämpfte aber schon mal Erwartungen an weitreichende Lockerungen der Schuldenbremse. Klingbeil dagegen betonte, es brauche eine kluge Modernisierung, um Handlungsspielräume für Investitionen zu schaffen.

Wie das Haushaltsloch in den Griff kriegen? Der Finanzplan von Lars Klingbeil (l., SPD) birgt Konfliktpotenzial mit der Union von Kanzler Friedrich Merz.

Merz-Regierung mit gigantischer Wette auf künftiges Wirtschaftswachstum in Deutschland

Um das Haushaltsloch zu stopfen, wettet die Bundesregierung auf ein Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren und dadurch wieder wachsende Steuereinnahmen. Die Hoffnung erlitt am Montag (28. Juli) jedoch einen Dämpfer durch die neue Zollvereinbarung der EU mit US-Präsident Donald Trump.

Merz erwartet davon einen „erheblichen Schaden“ für die deutsche Wirtschaft. Dennoch will die Koalition durch einen Wachstumsbooster für Unternehmen, ein gewaltiges Investitionspaket in die Infrastruktur und durch Entlastungen für Bürger und Unternehmen die Konjunktur wieder zum Laufen bringen.

Die Bundesregierung verweist außerdem auf Einsparungen. Kürzer treten will der Bund zum Beispiel bei der Zahl seiner Beamten, vier Prozent sollen bis 2029 beim Personal wegfallen. Auch bei der Entwicklungshilfe und beim Klimaschutz im Gebäudebereich soll gespart werden. (smu)

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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