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Ein Ende im Ukraine-Krieg ist nach aktueller Aussage von Ex-US-General David Petraeus möglich, wenn er in Russland zwei Bedingungen erfüllt sieht.
München – Rückt ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs in immer weitere Ferne? Der 24. Februar markiert ein besonderes Datum: den Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine. Den Jahrestag der russischen „Spezialoperation“ will der Kreml wohl sogar mit einer Party für Präsident Wladimir Putin begehen. Militärisch verdichten sich die Hinweise, dass es zu einem Showdown und damit zu einer weiteren Intensivierung der Kampfhandlungen in der Ukraine kommen könnte. Droht also eine weitere Eskalation anstatt ein Ende im Ukraine-Krieg?
Einige Experten befürchten zum Jahrestag des Ukraine-Kriegs eine Offensive der Streitkräfte von Wladimir Putin in der Ukraine. Andere sehen eine großangelegte militärische Operation vonseiten Russlands, das eine erschütternde Bilanz im Ukraine-Krieg aufweist, eher skeptisch. Sie schließen sogar eine mögliche Gegenoffensive von Kiew nicht aus. Für den ehemaligen US-General David Petraeus hingegen scheinen beide Szenarien im Ukraine-Krieg zumindest denkbar zu sein. „Es hat den Anschein, dass Russland die Voraussetzungen für eine neue Offensive im Donbass, möglicherweise im Gebiet Luhansk, schafft“, gab Petraeus jüngst im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) seine Einschätzung zum Ukraine-Krieg ab, während Gerüchte kursieren, dass Moldau ein Ziel Russlands sein könnte.
Ende des Ukraine-Kriegs: Ex-US-General David Petraeus schließt Gegenoffensive der Ukraine nicht aus
„Die Streitkräfte der Ukraine hingegen erhalten westliche Panzer, sie trainieren mit den neuen Systemen und bereiten sich auf eine Gegenoffensive irgendwo im Süden des Landes vor. Es ist schwer vorherzusagen, wann eine der beiden Offensiven starten wird“, so der ehemalige Befehlshaber der Multi-National-Force im Irak. Er gab darüber hinaus einen weiteren wichtigen Faktor für den Start einer Offensive von Russland oder einer ukrainischen Gegenoffensive zu bedenken. Das Wetter werde einen großen Teil dazu beitragen, wann die Befahrbarkeit des Geländes die Operationen zulasse.
Zweifel hegt der Vier-Sterne-General, der über 37 Jahre im US-Militär gedient hat, allerdings daran, ob eine dieser beiden möglichen Offensiven zu einem entscheidenden Schlag und somit zu einem militärischen Ende des Ukraine-Kriegs führen kann.
Ende des Ukraine-Kriegs wird laut Ex-General Petraeus wohl am Verhandlungstisch entschieden
Nach Meinung des ehemaligen Chefs des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA wird das Ende des Ukraine-Kriegs wohl eher nicht durch „Putins Niederlage“ besiegelt, wie es der US-amerikanische Politologe Francis Fukuyama im Gespräch mit t-online prophezeit. Der 70-Jährige geht vielmehr davon aus, dass eine Beendigung der Kämpfe wohl am Verhandlungstisch vonstattengehen wird.
„Ich denke, dass der Krieg schließlich in einer Verhandlungslösung enden wird“, sagte der ehemalige Oberbefehlshaber über die Koalitionstruppen in Afghanistan beim Gespräch mit dem RND über das wahrscheinlichste Szenario für das Ende des Ukraine-Kriegs. „Das wird kommen, wenn Russlands Führung erkennt, dass der Krieg weder auf dem Schlachtfeld noch an der Heimatfront durchzuhalten ist.“
Ende des Kriegs in der Ukraine: Russland beklagt auf dem Schlachtfeld mehr Verluste als in Afghanistan
Noch scheint diese Einsicht in Russland und beim Kreml-Chef Wladimir Putin selbst nicht angekommen zu sein. Auch deshalb scheint der Zeitpunkt für ein Ende des Ukraine-Kriegs noch nicht angebrochen zu sein. Doch die Verluste für Russland türmen sich im Krieg in der Ukraine wohl rasant. Dieser Tatsache pflichtet auch der Ex-General im Gespräch mit dem RND bei: „Auf dem Schlachtfeld haben die Russen wahrscheinlich schon jetzt achtmal mehr Verluste erlitten als die damalige Sowjetunion in fast einem Jahrzehnt Krieg in Afghanistan“, verweist Petraeus auf die gefallenen und verletzten russischen Soldaten im Ukraine-Krieg.
Darüber hinaus geht er auf die wirtschaftlichen Entbehrungen von Russlands Bevölkerung ein und spricht sich für eine weitere Verschärfung der Sanktionen als Mittel aus, um Putin zur Einsicht zu zwingen und ein schnelleres Ende des Ukraine-Kriegs herbeizuführen. „An der Heimatfront haben die finanziellen, wirtschaftlichen und persönlichen Sanktionen und Handelsbeschränkungen eine Rezession verursacht. Die Strafmaßnahmen gegen Russland müssen jedoch noch verschärft werden“, so Petraeus.
Ende des Ukraine-Kriegs: Petraeus kann keine Angaben über einen genauen Zeitpunkt machen
„Wir in den USA und im Westen sollten alles tun“, so der Ex-Chef der CIA zur Rolle des Westens, der aufs Neue von Russlands Außenminister Lawrow attackiert wurde, im weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs, „was wir nur irgendwie können, um die Ukraine zu unterstützen und den Tag schneller herbeizubringen, an dem Wladimir Putin erkennt, dass der Krieg in der Ukraine und zu Hause in Russland unhaltbar ist.“
Während ein weiterer Ex-General die Krim für den „Schlüssel“ zu Putins Sturz im Krieg in der Ukraine hält, sieht Petraeus im Gespräch mit dem RND die oben genannte Punkte für die essenziell im weiteren Verlauf der Kampfhandlungen. Allerdings vermochte auch der ehemalige Chef der CIA keine Prognose zu einem Zeitpunkt abzugeben, wann das Ende des Ukraine-Kriegs eintreten könnte. „Leider kann ich nicht vorhersagen, wann diese Bedingungen gegeben sein werden.“ (mst)
