Heizkosten sparen

Wer wegen der Gaskrise nicht heizt, riskiert seine Gesundheit

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Energiesparen ist in der Gaskrise das Gebot der Stunde – seit 1. September sogar von der Regierung verordnet. Doch weniger Heizen kann negative gesundheitliche Folgen haben.

Bremen – Die Nachricht ist wahrlich nicht neu: In ganz Deutschland haben die Menschen seit Ausbruch des Ukrainekrieges mit hohen Energiekosten zu kämpfen. Doch auch andernorts sind die Sorgen um die hohen Gas- und Strompreise allgegenwärtig. So gaben im Vereinten Königreich ein Viertel der Menschen an, im Winter darauf verzichten zu wollen, ihre Häuser und Wohnungen zu heizen. Das hat eine aktuelle Umfrage ergeben.

Verordnung zum Energiesparen: Bald nur noch 19 Grad in öffentlichen Gebäuden

Und auch hier stehen die Zeichen für den Winter auf Sparen. Ab dem 1. September gelten verschiedene von der Bundesregierung vereinbarte Regeln, wie der Energieverbrauch in Deutschland gedrosselt werden kann. Darunter fällt beispielsweise das Senken der Temperaturen in öffentlichen Gebäuden auf 19 Grad, aber eben auch die Aussetzung der Klauseln in Mietverträgen, die Mieterinnen und Mieter dazu verpflichtet, ihre gemieteten Wohnungen auch im Winter auf ein gewisses Mindestmaß zu heizen – natürlich rein freiwillig, nur für diejenigen, die ihren Verbrauch senken wollen.

Hohe Energiepreise und Inflation: Wenn Heizen zum Luxus wird

In der Realität könnte es aber auch bei vielen Menschen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, dazu führen, dass sie – aus Not – die Verordnung als Schlupfloch nutzen, um ihre Heizkosten wegen der hohen Preise drastisch oder sogar ganz herunterzuschrauben. Denn wegen der anhaltenden Inflation wird ja auch das restliche Leben immer teurer. Heizen könnte dann ein „Luxus“ werden, den sich viele nicht mehr leisten können.

Die Maßnahmen zum Energiesparen mögen aus Gründen der Versorgungssicherheit ja durchaus sinnvoll sein. Aber unter Umständen könnten sie sogar bedrohlich für die Gesundheit werden, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) schreibt. Der Experte in Sachen Innenraum- und Lufthygiene vom Umweltbundesamt, Prof. Heinz-Jörn Moriske sagt, dass 20 bis 22 Grad in Innenräumen optimal seien. 19 Grad seien zwar auch noch vertretbar, könnten aber bei vielen Menschen schon zum Auskühlen der Gliedmaßen, also Armen und Beinen, führen.

Viele Menschen könnten sich durch die hohen Energiekosten gezwungen sehen, im Winter nicht mehr zu heizen – mit Folgen für die Gesundheit. (Symbolbild)

Umweltbundesamt: Unter 19 Grad wird es gesundheitlich kritisch

Unterhalb von 19 Grad würde es hingegen bereits kritisch, wie er sagt. Eine derart abgesenkte Raumtemperatur würde die Anfälligkeit für Infekte erhöhen. Dies betreffe vor allem Ältere, Menschen mit niedrigem Blutdruck und solchen, die sich wenig bewegen, erklärt Moriske.

Laut Umweltbundesamt dürfen in den einzelnen Räumen je nach Nutzung durchaus unterschiedliche Temperaturen herrschen: Im Wohnzimmer sind demnach 20 Grad ein guter Wert. Im Schlafzimmer dürften es aber auch nur 18 Grad sein. In der Küche reichten 17 bis 18 Grad, im Badezimmer 20 Grad.

Wer wegen der hohen Energiepreise nicht mehr heizt, riskiert Infekte und Schlimmeres

Die Verordnung, dass Büroräume in öffentlichen Gebäuden nur noch auf 19 Grad geheizt werden sollen, findet er, sei an der Schwelle zum Bedenklichen. „Das ist eigentlich auch schon die Grenze, die man nicht unterschreiten sollte.“ Büros sollten seiner Empfehlung nach nicht unter 19 Grad geheizt werden, sonst drohten auch hier Infekte – gerade vor dem Hintergrund eines schwierigen Corona-Herbsts alles andere gerade ideal.

Zudem erhöht sich in kalten Räumen das Risiko, dass sich Schimmel an den Wänden bildet, da Menschen bei Atmen, Sprechen und Kochen Feuchtigkeit an die Raumluft abgeben, die sich dann an den kalten Wänden absetzt. Um das zu vermeiden wurden auch ursprünglich die Klauseln in die Mietverträge geschrieben, die Mieter zum Einhalten einer gewissen Mindesttemperatur verpflichtet. Schimmel greift nicht nur die Bausubstanz, er ist auch ein Gesundheitsrisiko, wie auch der Focus in diesem Zusammenhang schreibt.

Niedrige Temperaturen in Innenräumen machen laut der Weltgesundheitsorganisation WHO außerdem anfälliger für Atemwegserkrankungen wie Asthma. Darüber hinaus verengen sich bei Kälte die Blutgefäße – mit der Konsequenz, dass der Blutdruck in Folge steigt. Bluthochdruck birgt bekanntermaßen eine Menge an gesundheitlichen Risiken. Das Robert-Koch-Institut listet in diesem Zusammenhang Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Niereninsuffizienz auf. Das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte ist durch niedrigere Raumtemperaturen also erhöht.

Kälte erhöht den Blutdruck, das Risiko für Herzinfarkte steigt

Laut Herzstiftung sind einige Patienten besonders gefährdet:

  • bei einer coronaren Herzkrankheit
  • nach einem Herzinfarkt
  • bei Angina-Pectoris-Beschwerden
  • bei Bluthochdruck, Herzschwäche, Vorhofflimmern
  • bei tiefen Beinvenen-Thrombosen

Die WHO deklariert daher 18 Grad in Innenräumen als absolutes Minimum – das gilt allerdings für gesunde Menschen. Für gesundheitlich beeinträchtige oder alte Menschen müsste daher ein entsprechend höherer Wert gelten. Gerade ärmere Rentner, die oftmals zur Risikogruppe für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören, und Menschen, die aufgrund von anderen Gesundheitsproblemen nicht erwerbstätig sein können, werden aber besonders von den hohen Energiepreisen betroffen sein und sich möglicherweise gezwungen sehen, die Heizung im Winter abzudrehen – auf Kosten ihrer Gesundheit.

Energiesparen darf nicht zum Gesundheitsproblem werden

Natürlich ist es wichtig, die Energiesicherheit in Deutschland zu gewährleisten und jedem seinen Beitrag zum Energiesparen abzuverlangen. Vonseiten der Politik muss aber ebenso sichergestellt werden, dass dies nicht zulasten der Gesundheit von einkommensschwachen Menschen und vulnerablen Gruppen geht.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Paul von Stroheim

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