Höcke von Wahlen ausschließen wie Le Pen? Merz und Klingbeil könnten Manöver planen
VonChristoph Gschoßmann
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Nach Le Pens Urteil droht vielleicht auch Höcke ein Wahlverbot. Koalitionspläne von Union und CDU könnten für ihn ernsthafte Konsequenzen haben.
Berlin – Könnte Björn Höcke bald ein ähnliches Schicksal wie Marine Le Pen ereilen? Das international beachtete Urteil gegen die französische Rechtspopulistin, die nun fünf Jahre lang nicht mehr kandidieren darf, könnte auch Auswirkungen auf die AfD in Deutschland haben. Müssen Höcke und seine rechtsgerichteten Kollegen in der AfD befürchten, bald von Wahlen ausgeschlossen zu werden?
Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD: Entzug des passiven Wahlrechts wegen Volksverhetzung?
Im Koalitionsvertrag der potenziellen Regierungspartner CDU und SPD wird angedeutet, dass bei mehrfacher Verurteilung wegen Volksverhetzung das passive Wahlrecht entzogen werden soll. „Im Rahmen der Resilienzstärkung unserer Demokratie regeln wir den Entzug des passiven Wahlrechts bei mehrfacher Verurteilung wegen Volksverhetzung. Wir wollen Terrorismus, Antisemitismus, Hass und Hetze noch intensiver bekämpfen und dazu insbesondere den Tatbestand der Volksverhetzung verschärfen.“
Das machte Höcke offenbar nervös. „Der Volksverhetzungsparagraph wird im Koalitionsvertrag von CDU und SPD komplett umdefiniert. Die Opposition soll kriminalisiert und mit Entzug des Wahlrechts letztlich ausgeschaltet werden“, schrieb er auf X. Er fügte hinzu: „Es handelt sich um die verzweifelten Rückzugsgefechte eines sterbenden, machtbesessenen Parteienkartells.“
Marine Le Pen hat Frankreich-Wahl 2027 im Blick – trotz Ausschluss
Der Thüringer Landtag hat bereits mehrfach Höckes Immunität aufgehoben, und es laufen Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen ihn. Das Landgericht Mühlhausen klagt ihn derzeit an, nachdem er nach dem Anschlag in Ludwigshafen einen ausländerfeindlichen Beitrag auf Telegram veröffentlicht hatte. In diesem schrieb er: „Wahrscheinlich ist der Täter psychisch krank und leidet an jener unter Einwanderern weit verbreiteten Volkskrankheit, welche die Betroffenen ‚Allahu Akbar‘ schreien lässt und deren Wahrnehmung so verzerrt, dass sie in den ‚ungläubigen‘ Gastgebern lebensunwertes Leben sehen.“
Prominente Politiker in Frankreich von den Wahlen ausgeschlossen - in Deutschland noch nicht
In Frankreich wurden bereits prominente Politiker verurteilt und von Wahlen ausgeschlossen. In Deutschland gibt es zwar keine bekannten Fälle, aber Politiker können bei schweren Rechtsverstößen ihr passives Wahlrecht verlieren. Rechtsexperte Fabian Wittreck erklärte gegenüber t-online, dass eine solche Regelung im Strafgesetzbuch existiert, etwa im Paragraf 45. „Dieser Automatismus greift bei schwersten Delikten: Mord, Raub, Rechtsbeugung.“
Auch andere Vergehen wie Wahlfälschung, Bestechlichkeit, Landesverrat oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen können zum Ausschluss von Wahlen führen. Wittreck betont, dass „ein enger Bezug zwischen dem Delikt und dem Sachbereich, in dem bestraft wird“, besteht. Er vergleicht: „Ein Politiker, der zum Beispiel Wahlen fälscht – das ist vergleichbar mit einem Berufskraftfahrer, der alkoholisiert gefahren ist oder einem Professor, der plagiiert hat.“ Höcke wurde bereits zweimal wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen verurteilt, nachdem er die Nazi-Parole „Alles für Deutschland“ verwendet hatte.
Rechtspopulistin Marine Le Pen will sich gegen das Urteil wehren
Marine Le Pen wurde verurteilt, weil sie und 23 weitere Angeklagte zwischen 2004 und 2016 die Gehälter von EU-Parlamentsassistenten missbrauchten, um die Finanzen ihrer Partei, des heutigen Rassemblement National (RN), zu sanieren. Der Schaden wurde auf über vier Millionen Euro geschätzt. Nach dem Urteil, das am Montag verkündet wurde, darf Le Pen fünf Jahre lang nicht kandidieren. Eine vierjährige Haftstrafe und eine Geldstrafe von 100.000 Euro sind durch ein Berufungsverfahren ausgesetzt. Die Richterin, die das Urteil fällte, erhielt Morddrohungen und steht nun unter Polizeischutz.
Le Pen plant, das Urteil anzufechten, um 2027 bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich antreten zu können. „Ich lasse das nicht mit mir machen“, sagte sie der Zeitung Le Parisien. Ihre Partei Rassemblement National (RN) plant am Wochenende Protestaktionen gegen das Urteil in Paris und anderen Städten.