Kämpferischer Landesvater

Grüner Ministerpräsident geht auf Konfrontation mit den Linken – „Wir sollten sie angreifen“

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Nach der Wahlschlappe fordert Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine klare Linie von seiner Partei. Von der Linken-Politik hält er wenig.

Stuttgart/Berlin - Bei der Bundestagswahl sind die Grünen nach der Union, der AfD und der SPD nur auf dem vierten Platz gelandet, während die Linkspartei mit 8,77 Prozent den Einzug in den Bundestag schaffte. Dadurch schafft es unter anderem auch der Stuttgarter Stadtrat Luigi Pantisano in den Bundestag, der sich jüngst erbost von einem Kommentar eines BSW-Politikers zeigte. Dass die Linke den Grünen die Stimmen streitig gemacht haben, sieht Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann allerdings nicht.

Das waren die Spitzenkandidat:innen für die Bundestagswahl 2025 aus Baden-Württemberg

Saskia Esken auf dem Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg.
Saskia Esken ist die Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl der SPD Baden-Württemberg.  © Jan-Philipp Strobel/dpa
SPD-Chefin Saskia Esken bei einem Interview.
Die gebürtige Stuttgarterin Saskia Esken ist seit 2019 eine der beiden Bundesvorsitzenden der SPD.  © Kay Nietfeld/dpa
Saskia Esken, SPD-Bundesvorsitzende, und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nehmen an der Fraktionssitzung ihrer Partei teil.
Bei der Bundestagswahl 2021 hatte die SPD 25,7 Prozent der Zweitstimmen erhalten und ging als stärkste Partei hervor.  © Kay Nietfeld/dpa
Thorsten Frei (CDU), Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, spricht bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg.
Die CDU Baden-Württemberg geht mit Thorsten Frei als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2025 ins Rennen.  © Bernd Weißbrod/dpa
Thorsten Frei (l, CDU), Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, nimmt bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg von Manuel Hagel (r), Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg, die Gratulation für den Listenplatz 1 für die Bundestagswahl entgegen.
Thorsten Frei (links), hier neben BW-Landeschef Manuel Hagel, ist Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion. © Bernd Weißbrod/dpa
Thorsten Frei (CDU), Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, spricht in der Holstenhalle in Neumünster.
Die CDU ging mit 18,9 Prozent bei der Bundestagswahl 2021 als zweitstärkste Kraft hervor und bildet seitdem die Opposition.  © Frank Molter/dpa
Franziska Brantner, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, spricht beim Programmparteitag ihrer Partei zu den Delegierten.
Die Grünen in Baden-Württemberg haben Franziska Brantner zur Spitzenkandidatin gewählt.  © Michael Kappeler/dpa
Felix Banaszak, Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, und Franziska Brantner, Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, nehmen am Programmparteitag ihrer Partei teil.
Franziska Brantner (rechts) bildet seit November 2024 gemeinsam mit Felix Banaszak (links) den Bundesvorsitz der Grünen.  © Kay Nietfeld/dpa
Außenministerin Annalena Baerbock (links), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Mitte) und die Parteivorsitzende Franziska Brantner (rechts) beim Bundesparteitag der Grünen.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichten die Grünen 14,8 Prozent der Stimmen.  © Kay Nietfeld/dpa
Judith Skudelny, Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg, spricht in der Schwabenlandhalle beim Landesparteitag der FDP.
Die Spitzenkandidatin der FDP in Baden-Württemberg ist Judith Skudelny.  © Bernd Weißbrod/dpa
Hans-Ulrich Rülke, FDP-Landeschef in Baden-Württemberg (links), und Judith Skudelny, Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg (rechts) auf dem Parteitag in Fellbach.
Judith Skudelny (r.), hier neben Landeschef Hans-Ulrich Rülke, ist unter anderem Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg. © Bernd Weißbrod/dpa
Hans-Ulrich Rülke, Michael Theurer, Christian Lindner und Judith Skudelny (von links nach rechts) beim Dreikönigstreffen in Stuttgart 2023.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte die FDP 11,5 Prozent der Zweitstimmen.  © Bernd Weißbrod/dpa
Alice Weidel (AfD), Spitzenkandidatin für die anstehende Bundestagswahl, spricht zu ihren Anhängern.
AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel ist auch Spitzenkandidatin der Partei in Baden-Württemberg. © Andreas Arnold/dpa
Tino Chrupalla (l-r), AfD-Bundesvorsitzender und Co-Fraktionsvorsitzender der AfD, Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion sitzen im Plenarsaal im Bundestag.
Alice Weidel ist neben Tino Chrupalla, links auf dem Foto, Parteivorsitzende der AfD. © Michael Kappeler/dpa
Die AfD-Chefs Alice Weidel (links) und Tino Chrupalla (rechts) bei der Fraktionssitzung der AfD vor der Vertrauensfrage durch Bundeskanzler Scholz.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte die AfD 10,3 Prozent der Zweitstimmen.  © Kay Nietfeld/dpa
Sahra Mirow (Die Linke) steht vor der Landesgeschäftsstelle von Die Linke in Stuttgart.
Spitzenkandidatin der Partei Die Linke für die Bundestagswahl 2025 in Baden-Württemberg ist Sahra Mirow. © Marijan Murat/dpa
Sahra Mirow bei der Bundespressekonferenz 2021.
Sahra Mirow ist Landessprecherin von Die Linke in Baden-Württemberg und Stadträtin in Heidelberg.  © IMAGO/Frederic Kern
Eine Delegierte stimmt auf dem Bundesparteitag der Partei Die Linke in Halle/Saale mit ihrer Stimmkarte.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte Die Linke 4,9 Prozent der Zweitstimmen.  © Hendrik Schmidt/dpa
Jessica Tatti (BSW) spricht während der Gründungsveranstaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Landesverbands Baden-Württemberg zu Parteimitgliedern.
Jessica Tatti ist Spitzenkandidatin des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Landesverbands Baden-Württemberg.  © Christoph Schmidt/dpa
Jessica Tatti (BSW), Mitglied des Deutschen Bundestages, spricht im Bundestag.
Jessica Tatti ist BSW-Landeschefin und Mitglied im Deutschen Bundestag. © Hannes P Albert/dpa
Die Parteichefinnen Amira Mohamed Ali (links) und Sahra Wagenknecht (Mitte) mit deren Ehemann Oskar Lafontaine (rechts) auf der Wahlparty für das Europäische Parlament.
Das im Januar 2024 als Partei gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht nimmt 2025 erstmals an einer Bundestagswahl teil. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Dass bei der Bundestagswahl gerade die etablierten Parteien massiv Stimmen an die AfD verloren haben, ist kein Geheimnis. Die Grünen haben laut Kretschmann aber in beide Richtungen verloren. „Wir haben in beide Richtungen ungefähr gleich viel Wähler verloren“, erklärte der Landesvater im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Das deutet mehr darauf hin, dass wir einen klaren eigenständigen Kurs brauchen.“ In Bezug auf die Linkspartei zeigte sich der 76-Jährige ungewöhnlich kämpferisch.

Winfried Kretschmann hält wenig von Positionen der Linken – „lässt nur radikale Sprüche ab“

Nach der Bundestagswahl haben die Sondierungsgespräche zwischen dem Wahlsieger CDU und der SPD begonnen, doch auch die Bildung der Opposition ist umkämpft. Cem Özdemir, der im kommenden Jahr für die Nachfolge von Winfried Kretschmann kandidieren wird, hat von den Grünen bereits eine „patriotische Postion“ gefordert. Kretschmann selbst fordert dagegen eine klare Abgrenzung zur Linken. „Statt Signale auszusenden, wie wunderbar es ist, dass die Linke in den Bundestag eingezogen ist, sollten wir sie angreifen“, machte er in dem Interview deutlich.

Laut Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (l., Grüne), vertritt die Linke Postionen, mit denen man keine vernünftige Wirtschaftspolitik machen könne. (Fotomontage)

Die Linke würde Positionen vertreten, mit denen man keine vernünftige Wirtschaftspolitik machen könne, so Kretschmann. „Das ist Robin-Hood-Politik, mehr nicht“, führt er aus. „Die Linke lässt nur radikale Sprüche ab.“ Die Grünen dürften sich nicht in eine solche Protestriege einreihen, sagte der Ministerpräsident, der in seinen jungen Jahren selbst als Links-Rebell galt. Auch die Grünen hatten früher eine gewisse rebellische Ader, das ist laut Kretschmann aber Vergangenheit. „Wir waren jetzt an der Regierung und regieren in vielen Bundesländern sehr erfolgreich“, machte er deutlich.

Landesverband der Linken in Baden-Württemberg reagiert – „nicht nur taktlos, sondern brandgefährlich“

Am Freitagnachmittag (28. Februar) nahmen die Linken Stellung zu Kretschmanns Äußerungen. „Was geht eigentlich bei den Grünen ab? Die AfD holt in Baden-Württemberg Rekordergebnisse, und die CDU, die erst neulich mit der AfD gemeinsame Sache gemacht hat, stellt bald den Kanzler – und was machen die Grünen? Statt sich klar gegen Rechts zu positionieren, suchen sie die Konfrontation mit uns. Das ist nicht nur taktlos, sondern brandgefährlich. Jetzt wäre die Zeit, gemeinsam gegen Rechts zu kämpfen, anstatt sich immer weiter der Union anzubiedern“, sagte Sahra Mirow, die Landessprecherin der Linken Baden-Württemberg.

Sahra Mirow, die Landessprecherin der Linken Baden-Württemberg, reagierte auf die Aussagen Kretschmanns.

Elwis Capece, Landessprecher, fügte hinzu: „Was der Ministerpräsident als Robin-Hood-Politik bezeichnet, ist für uns nicht weniger als der Kampf um mehr Gerechtigkeit.“

Winfried Kretschmann sieht Anzeichen für eine erfolgreiche grüne Politik in der Opposition

An der Regierung werden die Grünen in der neuen Legislaturperiode mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr beteiligt sein, stattdessen werden sie wohl die Opposition bilden. „Unsere Oppositionspolitik muss so gestaltet werden, als wären wir am nächsten Tag in der Regierung“, erklärte Kretschmann im Gespräch mit dem Tagesspiegel weiter. „Mit Politikerinnen wie Katharina Fegebank in Hamburg und Mona Neubaur in Nordrhein-Westfalen haben wir starke Persönlichkeiten, die zeigen, wie erfolgreiche grüne Politik geht.“ Im vergangenen Jahr hatte Kretschmanns Frau gegen die Grünen in Berlin ausgeteilt.

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