Verhandlungen in Genf

Zähes Ringen über Ukraine-Friedensplan: Spielt Putin überhaupt mit?

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In Genf wurde über ein Ende vom Ukraine-Krieg verhandelt. Washington und Kiew zeigen sich optimistisch über den Friedensplan. Doch Russland schweigt.

Washington/Moskau – Die Beratungen in Genf zogen sich über Stunden. Doch jetzt steht ein nachverhandelter Friedensplan für die Ukraine. Der ursprüngliche 28-Punkte-Plan, der ein Ende vom Ukraine-Krieg einleiten soll, war vergangene Woche über US-Medien bekanntgeworden – und war von Kritikern als viel zu günstig für Russland gewertet worden. Aber nun liegt ein neuer Vorschlag auf dem Verhandlungstisch. Die US-Verhandlungsführer zeigten sich im Anschluss vorsichtig optimistisch. Aber die alles entscheidende Frage ist: Spielt Russlands Präsident Wladimir Putin überhaupt mit?

Sein offizielles Statement zum Ukraine-Friedensplan steht noch aus: Kremlchef Wladimir Putin (Archiv)

Verhandlungen über Ende vom Ukraine-Krieg: Europäer wollen US-Plan abschwächen

Seit einigen Tagen hält ein möglicher Friedensplan für den Ukraine-Krieg die Welt in Aufregung. US-Medien hatten über einen 28-Punkte-Plan der US-Regierung berichtet, mit dem der russische Angriffskrieg beendet werden sollte. In der Ukraine und in den EU-Hauptstädten hatte das Papier hektische diplomatische Bemühungen ausgelöst. Denn aus Sicht vieler Politikerinnen und Politiker enthielt die erste Fassung viele Punkte, die eine zu deutliche Handschrift aus Moskau trugen.

Am Sonntag berieten deswegen Unterhändler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, der EU, der Ukraine und der Vereinigten Staaten über einen möglichen Gegenvorschlag zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. Der ursprüngliche 28-Punkte-Plan hatte unter anderem folgendes gefordert:

  • Kiew soll die ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk als faktisch russisch anerkennen
  • Die beiden teilweise von Russland kontrollierten Regionen Cherson und Saporischschja sollen entlang der aktuellen Frontlinie aufgeteilt werden
  • Die Ukraine soll die Größe ihres Heers auf 600.000 Mann beschränken und atomwaffenfrei bleiben
  • Die Ukraine soll auf einen Beitritt zur NATO verzichten
  • Russland auf in der EU eingefrorenes Staatsvermögen verzichten

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Der neue Entwurf wurde bislang noch nicht veröffentlicht, Details sickerten aber schon durch. Nach Informationen von Reuters sieht er eine Milderung der vorgeschlagenen Gebietsabtretungen und eine Sicherheitsgarantie der USA für die Ukraine nach dem Vorbild der NATO im Falle eines Angriffs vor.

Wie dpa berichtet, soll die Regierung in Kiew keine Gebiete an Russland abgeben müssen, die sie bislang noch selbst kontrolliert. Zudem sei auch keine de facto Anerkennung der von Russland eingenommen Gebiete vorgesehen. Die im US-Plan genannte Frist für Wahlen in der Ukraine innerhalb von 100 Tagen wird im Gegenentwurf der Europäer ebenfalls nicht genannt. Stattdessen sollen sie nur so „schnell wie möglich“ organisiert werden. 

Neuer Friedensplan soll „nationale Interessen“ der Ukraine widerspiegeln

Eine eigene Erklärung aus Kiew zum neuen Friedensplan lag laut Reuters zunächst nicht vor. Beide Seiten wollen ihre Beratungen am heutigen Montag (24. November) fortsetzen. CNN-Korrespondent Matthew Chance berichtete aus Genf, dort sei US-Außenminister Marco Rubio „wiederholt“ seinen Nachfragen ausgewichen, ob die USA nicht nur von der Ukraine, sondern auch von Russland nennenswerte Zugeständnisse erwarten.

Das steht in einem gewissen Widerspruch zu Aussagen aus dem Weißen Haus. Das Weiße Haus hat – Stand Montagvormittag unserer Zeit – bislang mitgeteilt, bei den Verhandlungen in Genf habe die ukrainische Delegation erklärt, der neue Entwurf spiegele „ihre nationalen Interessen wider“ und gehe auf „ihre zentralen strategischen Anforderungen“ ein.

Friedensplan: Laschet wettert gegen Annahme, „dass die Russen es eh nicht machen“

Doch stimmt Wladimir Putin der überarbeiteten Friedensplan-Version zu? Sobald es einen finalen Plan geben wird, den Kiew, Washington und die europäischen Partner gutheißen, kommt es noch auf Putin an. Ohne die Zustimmung des Kremlchefs kann es keinen Frieden im von ihm begonnenen Ukraine-Krieg geben.

Armin Laschet (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, wurde indes bei der Frage nach Putins Reaktion schon ungeduldig. In der jüngsten Sendung von „Caren Miosga“ (ARD) war der Friedensplan Thema, allerdings noch in seiner ursprünglichen Version.

Laschet kritisierte in dem Politik-Talk den Pessimismus der anderen eingeladenen Gäste: „Jetzt schon, beim Erarbeiten des Plans, davon auszugehen, dass es die Russen eh nicht machen, so werden wir keinen Millimeter weiterkommen“, sagte er. Wichtig sei, dass man jetzt verhandelt und die Amerikaner bei der Stange hält. Jede Chance müsse genutzt werden, um diesen Krieg zu beenden.

Friedensplan für die Ukraine: Angeblich Trump-Selenskyj-Treffen diese Woche

Trump hatte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zuerst eine Frist bis Donnerstag gesetzt, um einen Friedensplan zu akzeptieren. Rubio erklärte jedoch am Sonntag (23. November), diese Frist sei möglicherweise nicht in Stein gemeißelt. Selenskyj könnte noch diese Woche in die USA reisen, um die heikelsten Aspekte des Plans mit Trump zu besprechen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Insider laut Reuters.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan brachte unterdessen sein Land erneut als Vermittler ins Spiel und kündigte ein Telefonat mit Putin an. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte das für den heutigen Montag geplante Gespräch. Die Türkei war schon in der Vergangenheit Austragungsort direkter Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. 

EU legt Gegenentwurf zu Ukraine-Friedensplan vor – Ablehnung aus Russland

Nach Informationen von focus.de reagierte der russische Verteidigungspolitiker Alexei Zhuravlev bereits ablehnend auf die europäischen Gegenvorschläge zum Ursprungs-28-Punkte-Plan. Sie seien „komplett inakzeptabel für Russland“, soll er gesagt haben. Zuvor habe bereits Putins Unterhändler Kirill Dmitriev auf X die Europäer als „Kriegstreiber“ bezeichnet. (Quellen: CNN, Reuters, dpa, ARD, focus.de) (frs)

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