Nawalnys Tod bringt Putin unter Druck: 43 Staaten fordern internationale Untersuchung
VonJens Kiffmeier
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Breite Front gegen Wladimir Putin: 43 Staaten wollen mit internationalen Ermittlern die Umstände von Alexej Nawalnys Tod aufklären lassen.
Moskau – Wie starb Alexej Nawalny? Drei Tage nach der Beerdigung bleiben die Umstände rund um den Tod des Kremlkritikers rätselhaft. Während Russlands Regierung weiterhin von einer natürlichen Todesursache ausgeht, wittert der Unterstützerkreis des Putin-Gegners einen gezielten Mordanschlag. Deshalb haben jetzt mehr als 40 Staaten eine unabhängige internationale Untersuchung gefordert.
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„Wir sind empört über den Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, für den letztlich Präsident (Wladimir) Putin und die russischen Behörden verantwortlich sind“, erklärte die EU-Botschafterin Lotte Knudsen am Montag (4. März) im Namen von 43 Staaten vor dem UN-Menschenrechtsrat. Russland müsse eine unabhängige und transparente internationale Untersuchung zulassen und so die genauen Umstände des plötzlichen Todes von Nawalny aufklären. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, tragen alle 27 EU-Staaten zusammen mit 16 weiteren Ländern, darunter Kanada, das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten und die Ukraine, den Aufruf mit.
Der 47-jährige Nawalny war nach Angaben der russischen Behörden am 16. Februar in dem berüchtigten russischen Straflager „Polarwolf“ in der Arktis gestorben, wo er eine 19-jährige Haftstrafe absaß. Der Gefängnisleitung zufolge war der Kremlkritiker bei einem Hofgang plötzlich zusammengebrochen und eines „natürlichen Todes“ gestorben. Jedoch weigerten sich die Behörden acht Tage lang, Nawalnys Leichnam an dessen Angehörige zu übergeben. Diese vermuteten dahinter einen Versuch, die Beteiligung der Behörden an dessen Tod zu vertuschen.
Internationale Ermittler nach Nawalny-Tod: Russland verbittet sich Einmischung
Tatsächlich gibt es weiterhin viele ungeklärte Hintergründe. So passen die Angaben vom Todeszeitpunkt, dem Notruf und der angeblich eintreffenden Hilfe durch Rettungssanitäter nicht zusammen. Nach Insiderinformationen soll Nawalnys Körper auch viele blaue Flecken aufgewiesen haben. Außerdem war auf Nawalny bereits 2020 ein Attentat mit dem Nervengift Nowitschok verübt worden. Sowohl die Familie als auch der Erfinder des Gifts, Vil Mirsajanow, halten es nicht für ausgeschlossen, dass Nawalny erneut Opfer einer Vergiftung geworden sein könnte.
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Der Kreml weist die Anschuldigungen zurück. Jedoch äußerte sich Russlands Regierung bislang nur äußerst schmallippig. Die Aufklärung der Hintergründe sei weder die Aufgabe westlicher Regierungen noch des Kreml, sondern obliege einzig und allein den russischen Justizbehörden, erklärte Putins Sprecher Dimitri Peskow kürzlich der Nachrichtenagentur Tass. Zuvor hatte bereits der EU-Außenbeauftragte Josep Borell eine internationale Untersuchung gefordert – und sich von Peskow gleich eine Retourkutsche eingefangen. „Wir akzeptieren solche Forderungen im Allgemeinen nicht – und erst recht nicht von Herrn Borrell“, giftete der Kremlsprecher damals. (jkf)