Funken statt Feuer: Mit Thermit beladenen Drohnen sind todbringende Pfennigartikel, die verheerende Brände verursachen. Die Ukraine bringt diese Waffen zur Einsatzreife, Russland – hier ein russischer Drohnen-Pilot – scheint Schwierigkeiten mit der Funktionstüchtigkeit zu haben (Symbolbild).
Putins „Flügel der Rache“ sind lahm – im Drohnen-Krieg hechelt Russland der Ukraine hinterher. Noch. Trotz Rückschlägen bleibt Russland hartnäckig.
Kiew – „Angriffsdrohnen sind unsere Flügel der Rache, sie bringen Feuer direkt vom Himmel!“, soll die 60. Mechanisierte Brigade der Ukraine via Social Media verbreitet haben. Die Verteidiger scheinen in ihrem Krieg gegen die russischen Invasoren auf eine Flotte feuerspeiender „Drachen-Drohnen“ zurückzugreifen mit einer Munition, die in den beiden Weltkriegen mit schrecklicher Wirkung eingesetzt worden sei – die bekäme dank der Drohnen eine moderne Note, berichtet der Sender CNN. So vernichtend, dass Wladimir Putins Invasionsarmee diese Idee kopiert hat – und wohl kläglich an sich selbst gescheitert ist.
Die Kiew Post berichtet aktuell, dass ein Moskauer Militärblogger auf Telegram ein Video veröffentlicht habe; das zeigt wie eine russische Brandsatz-Drohne niedergeht – allerdings in einem Funkenregen statt einem Höllenfeuer, und ein Schaden sei kaum feststellbar gewesen. Laut der Post sei das erste öffentlich publizierte Video dieser Art; das ist jetzt auch auf X (vormals Twitter) zu sehen. Darin wird gezeigt, wie ein Soldat einen Behälter, der angeblich Thermit enthält, an einer First-Person-View-Drohne (FPV) befestigt. Dann wird sie gestartet, angeblich in Richtung einer ukrainischen Stellung.
Funken-Regen: Russlands enttäuschende Drachen-Drohne fliegt durch die Medien
Anstatt ein Feuer zu entfachen, landet die Drohne dann Funken sprühend neben einer Baumreihe. Die Drachen-Drohne hat ihren Spitznamen vom brennenden Thermit, das aus der Drohne fällt und an das Feuer aus dem Rachen eines mythischen Drachens erinnert. Das Feuer stammt aus einem Mix aus pulverisiertem Eisenoxid – also Rost – und Aluminium. Das Feuer entstehe dadurch, dass der Sauerstoff im Rost stärker von Aluminium als von Eisen angezogen werde und Temperaturen entwickle von etwa 2.000 Grad Celsius, berichtet das Magazin Forbes. Die chemische Reaktion bringe alles zum Schmelzen, was gegen diese Temperaturen keinen Widerstand bieten könne.
„Die russische Rüstungsindustrie ist dabei, die Fähigkeitslücke zur Ukraine bei der Entwicklung von unbemannten Einwegangriffs-Oberflächenfahrzeugen zu schließen.“
Anders als Explosivstoffe müsse Thermit aber nahe an seinem Ziel platziert werden, um Wirkung zu erzielen. Eine Drohne kann den Zünder direkt ins Ziel tragen, allerdings ist kein direkter Treffer erforderlich, da die durch Thermit ausgelöste Hitze eine Breitenwirkung erzielt. Die Thermit-Bomben könnten sich bei entsprechender Größe somit auch in Panzerstahl hineinfressen. Ziel der Angriffe mit Drachendrohnen sei, den Flammenwerfer-Effekt von Thermit zu nutzen, um Baumreihen zu entzünden, Laub und andere brennbare Materialien wie Tarnnetze, die den Truppen Deckung bieten, wie die Kiew Post schreibt.
Offensive aus der Luft: Ukraine entfacht ein günstiges Höllenfeuer
Die kleinste Bombe wiege demnach ein halbes Kilo und sei für kleine Quadrocopter geeignet, wie Forbes schreibt. Sie brenne sich in zehn Sekunden durch vier Millimeter dicken Stahl – zum Schnäppchenpreis von neun Euro Materialwert. Die größte wiege mehr als zweieinhalb Kilo und brenne sich durch einen Zentimeter Stahl, hinterlasse ein Loch von zehn Zentimeter Durchmesser und fülle das Innere mit glühend heißem flüssigen Metall. Diese koste an Material 22 Euro.
Brandstoffe, brennbare Metalle, Aerosole
Napalm ist Benzin vermischt mit einem Verdickungsmittel, damit das Benzin rund um die Detonation haften bleibt. Ursprünglich wurde Natriumpalmitat als Verdickungsmittel genutzt, heute eher Polystyrol-Kunststoffkügelchen – bekannt ist Napalm aus dem Vietnamkrieg zum Niederbrennen des Dschungels.
Thermit ist eine Mischung aus Eisenoxid – im Wesentlichen Rost – und Aluminium und gehört zu den am häufigsten verwendeten Brandstoffen.
Weißer Phosphor brennt nur in trockener Form. Durch Sprengstoff freigesetzt, haftet er in kleinen Stück an der Haut und brennt sich dort hinein.
Aerosole sind brennbare Kohlenwasserstoffe – beispielsweise Oktan, Ethylen – in Tröpfchenform freigesetzt. Dadurch entsteht bei der Detonation der Waffe ein gewaltiger Feuerball, der gleichzeitig große Mengen an Zielmaterial und atembaren Sauerstoff verbraucht.
Die Experten des britischen Konfliktforschungsinstituts Conflict Armament Research (CAR) sahen darin eine neue Dimension des Krieges: dass sich die Russen unabhängig machen von Waffenkäufen aus dem Ausland und sich mit Nachschub aus eigenen Mitteln versorgen. Möglicherweise konnte Russland auch Sanktionen westlicher Länder besser umgehen: Die Teile der eigenen Shahed-Drohnen stammen vermutlich aus sieben verschiedenen Ländern und von mehr als 20 unterschiedlichen Unternehmen, dabei solche mit Sitz in China, der Schweiz und den USA. Die Experten haben zudem herausgefunden, dass mindestens ein Dutzend Komponenten erst nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine Anfang 2022 hergestellt worden sind.
Keine Verluste trotz Sanktionen: Russland kopiert mit Bauteilen aus China
Ein weiteres Beispiel für den Ideen-Klau für eine Waffe – in diesem Falle einer ukrainischen – sei, laut dem Magazin Defense Express – ein Roboter-Geschützturm. Mitte August hatten die Russen auf der Verteidigungsmesse Armiya-2024 das automatisierte Geschütz Chapai vorgestellt. Inspiriert hätte sie das gleiche Modell, das die ukrainischen Verteidiger unter dem Namen ShaBlya seit einem Jahr bereits eingesetzt hatten, wie Defense Express schreibt.
A week later, Russia started using its “dragon drones”, armed with thermite, against Ukrainian positions. pic.twitter.com/opDNRwTI5M
Mitte Juli hatte der Business Insider(BI) publiziert, dass Russland sogar die ukrainischen Seedrohnen kopieren würde – damit hatte die Ukraine die Schwarzmeer-Flotte von der Krim vertrieben und im Schwarzen Meer weit zurückgedrängt. Analysten wundern sich, weil der Seekrieg um die Krim herum längst entschieden sei und Russland für eigene Seedrohnen keinen Gegner mehr finde. Allerdings warf Jewhen Jerin ein, dass Wladimir Putins militärische Führung womöglich bereits andere Kontrahenten vor Augen habe. „Russland denke allerdings möglicherweise über künftige Kriege nach, beispielsweise mit der Nato“, sagt der Offizielle des ukrainischen Militärgeheimdienstes gegenüber dem BI.
Russlands Gegenoffensive: In der Drohnen-Technologie bleibt Putin zweiter Sieger
Jerin gehe jedoch davon aus, dass Russland scheitern werde. Allerdings hatte der britische Telegraph bereits im Dezember vergangenen Jahres berichtet, dass der ukrainische Militärgeheimdienst beobachtet habe, wie russische Streitkräfte Fragmente zerstörter Marinedrohnen sammelten, damit russische Ingenieure diese untersuchen und versuchen könnten, sie nachzukonstruieren, wie das Blatt unter Berufung auf einen ukrainischen Militärsprecher schreibt: „Sie arbeiten daran und sammeln sorgfältig Wrackteile ein“, sagte Andrii Yusov.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine
Der Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes äußerte weiter, dass der Kreml von einem seiner Waffenlieferanten zehn moderne, größere Marinedrohnen bestellt habe. Diese sollen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde erreichen und eine Sprengladung von mehr als einer halben Tonne über eine Reichweite von etwa 190 Kilometern tragen können. Andere als Jerin ist Yusov scheinbar zuversichtlicher ob der Erfolge der russischen Replikate: „Sie versuchen, so weit wie möglich aus den Überresten etwas Funktionsfähiges zusammenzubauen und eine Produktion aufzubauen.“