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Irland-Wahl: Mitte-Rechts-Parteien vorne – Sinn Fein kassiert herben Dämpfer

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  • Franziska Schwarz
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Bei der Irland-Wahl dürften die regierenden Mitte-Rechts-Parteien Fianna Fail und Fine Gael den Sieg einfahren. Die linksnationalistische Sinn Fein liegt dahinter. Der News-Ticker.

Update vom 1. Dezember, 19.49 Uhr: Nach der Parlamentswahl in Irland haben die vorläufigen Auszählungsergebnisse sowie Prognosen am Sonntag auf einen wahrscheinlichen Sieg des konservativen Lagers hingedeutet. Die regierenden Mitte-Rechts-Parteien Fianna Fail und Fine Gael lagen demnach mit rund 21,7 Prozent beziehungsweise 20,8 Prozent vorn. Die linksnationalistische Oppositionspartei Sinn Fein folgte mit 18,6 Prozent auf dem dritten Platz.

Die kurz nach dem Schließen der Wahllokale am Freitag beflügelten Hoffnungen von Sinn Fein erhielten damit einen kräftigen Dämpfer: In den Nachwahlbefragungen hatten die Linksnationalisten noch mit 21,1 Prozent knapp vorn gelegen.

Die Auszählung findet im RDS Simmonscourt statt, nachdem die Wähler bei den Parlamentswahlen 174 Abgeordnete in 43 Wahlkreisen gewählt haben.

Auszählungen bei Irland-Wahl dauern an – Fianna Fail wohl stärkste Kraft

Wegen des komplexen Wahlsystems in dem EU-Mitgliedstaat könnte sich die Veröffentlichung des offiziellen Endergebnisses noch hinziehen. Prognosen irischer Medien sagten voraus, dass die Fianna Fail von Vize-Regierungschef Micheal Martin mit mehr als 40 der 174 Mandate die stärkste Kraft im neuen Unterhaus sein wird, gefolgt von der Fine Gael von Premierminister Simon Harris und von der Sinn Fein.

In der vergangenen Legislaturperiode hatten sich die Anführer von Fianna Fail und Fine Gael im Amt des Regierungschefs abgewechselt. Die beiden Mitte-Rechts-Parteien koalierten bislang mit den Grünen, die aber stark an Unterstützung verloren und künftig voraussichtlich nur noch einen einzigen Sitz im Unterhaus haben werden.

Update vom 1. Dezember, 8.53 Uhr: Bei der Irland-Wahl haben die Wahllokale bereits am späten Freitagabend geschlossen – doch bis ein Ergebnis feststeht, kann es dauern. Grund ist das irische Verhältniswahlsystem. Bei der Europawahl dauerte es eine Woche, bis alle Mandate vergeben waren.

Update vom 30. November, 22.34 Uhr: In Irland zeichnet sich nach der Parlamentswahl eine schwierige Regierungsbildung ab. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, deuten Hochrechnungen zwar auf einen erneuten Sieg der beiden großen Mitte-Rechts-Parteien hin. Um eine Regierung zu bilden, seien sie jedoch auf mindestens einen weiteren Koalitionspartner angewiesen. Laut aktueller Hochrechnungen erlangen die Regierungsparteien Fine Gael und Fianna Fail  jeweils 20,5 und 21,9 Prozent.

Warum die Auszählung bei der Irland-Wahl lange dauern könnte

Update vom 30. November, 13.01 Uhr: Warum die Auszählung bei der Irland-Wahl lange dauern könnte: Das irische Verhältniswahlsystem sieht vor, dass Wählerinnen und Wähler in der Reihenfolge ihrer Präferenz mit „1“, „2“, „3“ und so weiter abstimmen, mit einer einzigen übertragbaren Stimme. Man kann also nach dem Ankreuzen der ersten Wahl aufhören oder so vielen Kandidaten auf dem Wahlzettel eine sogenannte Vorzugsstimme geben, wie man möchte. 

Wenn mehr als eine Vorzugsstimme abgegeben wird, weiß der Wahlleiter, dass diese Stimme auf den Kandidaten der zweiten Wahl übertragen werden soll, falls der bevorzugte Kandidat ausscheidet oder mit einem Überhang an Stimmen gewählt wird. Bei der Europawahl dauerte es eine Woche, bis alle Mandate vergeben waren.

Update vom 30. November, 6.23 Uhr: Bei der Irland-Wahl liegen die drei größten Parteien bei einer ersten Schätzung zufolge fast auf Augenhöhe. Eine „Exit Poll“ mehrerer Medien und Institute auf Grundlage von Nachwahlbefragungen sieht die links-nationale Oppositionspartei Sinn Féin mit 21,1 Prozent hauchdünn in Front. 

Dahinter folgen die bisherigen Koalitionspartner Fine Gael von Regierungschef Simon Harris mit 21 Prozent und Fianna Fáil von Vizepremier Micheál Martin mit 19,5 Prozent. Die beiden Mitte-Rechts-Parteien regieren seit 2020 in einer historischen Koalition gemeinsam mit den Grünen, die in der „Exit Poll“ auf 4 Prozent kamen.

Das Ergebnis ist allerdings mit Vorsicht zu bewerten. Es wurden nämlich nur die ersten Präferenzen der Wählerinnen und Wähler abgefragt. Nicht berücksichtigt wurde, dass im komplizierten irischen Verhältniswahlrecht Stimmen übertragen werden können. Die Auszählung beginnt am Samstagvormittag. Das tatsächliche Resultat in dem EU-Mitgliedstaat wird nicht vor Sonntagabend erwartet. Es kann auch deutlich später werden.

Trotz Führung bei Irland-Wahl: Sinn Fein hat schweren Stand – und wird wohl nicht mitregieren

Sinn Féin liegt zwar knapp vorn, dürfte aber kaum mitregieren. Fianna Fail und Fine Gael hatten eine Zusammenarbeit mit der Partei, die vehement für eine irische Wiedervereinigung eintritt und früher als politischer Arm der Terrorgruppe IRA galt, vor der Wahl ausgeschlossen.

Knapp 3,7 Millionen Menschen waren aufgerufen, insgesamt 174 Abgeordnete zu wählen. Wichtigste Themen bei der Wahl sind soziale Probleme wie Wohnungsnot. Viele junge Leute können sich trotz Jobs keine Unterkunft leisten und wohnen weiter bei ihren Eltern. Zuletzt nahmen Vorwürfe von Rechtspopulisten zu, der Zuzug von Migrantinnen und Migranten verknappe den Wohnraum weiter.

Irland-Wahl: Regierungspartei liegt in Umfragen zurück

Erstmeldung: Dublin – Irland gehört zu den wenigen EU-Staaten, in denen sich keine rechtsextreme Partei etabliert hat und die einen Haushaltsüberschuss haben. Dennoch zählen im Vorfeld der Irland-Wahl am Freitag (29. November) die Eindämmung der Migration und die hohen Lebenshaltungskosten zu den zentralen Themen. Die konservative Partei Fine Gael von Premierminister Simon Harris fiel zuletzt in Umfragen zur Irland-Wahl zurück, ihr konservativer Koalitionspartner Fianna Fail sowie die linksnationalistische Sinn Fein gingen demnach knapp in Führung.

Knappes Rennen bei Irland-Wahl: Fine Gael schwächelt plötzlich – Chance für Sinn Fein

Anfang des Monats hatte Fine Gael noch als Favorit bei der Irland-Wahl gegolten, doch die Regierungspartei verlor nach einer Reihe von Pannen und Fehltritten an Rückhalt. So tauchte vorige Woche in Online-Netzwerken ein Video auf, in dem Harris einer schimpfenden Sozialarbeiterin brüsk den Rücken zukehrte und sie einfach stehen ließ. Der Clip wurde millionenfach aufgerufen, Harris entschuldigte sich einen Tag später öffentlich bei der Betroffenen.

Die Klage der Sozialarbeiterin ist nicht die einzige Kritik, die Harris sich anhören muss. Unter den Iren wächst der Unmut über die Einwanderungspolitik, sodass diese erstmals zu den großen Wahlkampfthemen in Irland gehört.

Wandel in Europa: Die Geschichte der EU in Bildern

Karte der Europäische Union
Die Europäische Union ist eine wirtschaftliche und politische Vereinigung von 27 europäischen Ländern. Insgesamt leben etwa 450 Millionen Menschen im Gebiet der EU. Ursprünglich als Wirtschaftsverbund gegründet, hat sie sich zu einer Organisation entwickelt, die eine Vielzahl von Feldern abdeckt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist der europäische Binnenmarkt der größte gemeinsame Markt weltweit. Er ermöglicht die freie Bewegung der meisten Waren, Dienstleistungen, Kapital und Menschen. © PantherMedia (Montage)
Römischen Verträge EU
Der Grundstein für die heutige EU wurde am 25. März 1957 gelegt. Die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg unterzeichneten damals die Römischen Verträge. Für Deutschland setzten Kanzler Konrad Adenauer (links) und Walter Hallstein, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ihre Unterschriften unter das Dokument. Damit waren die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) besiegelt. © dpa
Margaret Thatcher und François Mitterrand
Am 1. Januar 1973 traten Dänemark, die Republik Irland und das Vereinigte Königreich der EG bei. Einfach war das Verhältnis zwischen Großbritannien und Europa nie. Auch Premierministerin Margaret Thatcher (links) war keine Freundin Europas. Mit der Forderung „We want our money back“ setzte die Eiserne Lady 1984 beim Gipfel in Fontainebleau einen Rabatt bei den Zahlungen Großbritanniens in die Gemeinschaftskasse durch. Verhandlungspartner wie der französische Präsident François Mitterrand (rechts) waren machtlos. © Daniel Janin, Gabriel Duval/afp
Militärjunta in Griechenland
Zum 1. Januar 1981 trat Griechenland der Europäischen Gemeinschaft bei. Die Aufnahme des Landes war heftig umstritten. Europa befürchtete, sich einen unangenehmen Partner ins Nest zu holen. So sorgte zum einen das konfliktreiche Verhältnis Griechenlands zur Türkei für Unbehagen. Noch schwerer wog die Diktatur der rechtsextremen Militärjunta, die erst im Juli 1974 zu Ende gegangen war. Ein interner Machtwechsel am 25. November 1973, als Panzer im Athener Zentrum auffuhren (im Bild), konnte den Wandel nicht mehr aufhalten. © Imago
Von wegen grenzenlos - Ärger in Schengen über Grenzkontrollen
1985 unterzeichneten Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten das „Schengener Abkommen“ über den schrittweisen Abbau der Personenkontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen. Die weitgehende Reisefreiheit erleichterte das Leben und Arbeiten in anderen europäischen Ländern erheblich. Alle Bürgerinnen und Bürger der EU haben das Recht und die Freiheit, selbst zu entscheiden, in welchem EU-Land sie arbeiten, studieren oder ihren Ruhestand verbringen möchten.  © Harald Tittel/dpa
Franco und Juan Ćarlos
1986 nahm die EG zwei neue Mitglieder auf: Portugal und Spanien. Damit konnten beide Staaten ihre Isolation auf dem Kontinent beenden. Vor allem für Spanien war der Beitritt in die EG ein markanter Wendepunkt, um die Folgen der jahrzehntelangen Diktatur unter Francisco Franco (rechts) zu überwinden. Juan Carlos (links), der zwei Tage nach Francos Tod am 20. November 1975 zum König proklamiert worden war, spielte eine entscheidende Rolle bei der Überwindung der Diktatur. Bei der Aufnahme des Bildes im Jahr 1971 hatte er noch im Schatten Francos gestanden. © afp
Silvester 1989 am Brandenburger Tor
Eine Erweiterung im eigentlichen Sinne war es nicht. Doch als am 3. Oktober 1990 die Länder der DDR der Bundesrepublik Deutschland beitraten, wurde die EG automatisch um ein gutes Stück größer. Mit der Wiedervereinigung erstreckte sich das gesamte Gemeinschaftsrecht nun auch auf das Beitrittsgebiet. Mit einer Bevölkerungszahl von mehr als 80 Millionen Menschen ist Deutschland seitdem der bevölkerungsreichste Mitgliedsstaat. © Wolfgang Kumm/dpa
Genscher und Waigel unterzeichnen Maastrichter Vertrag
Anfang der Neunziger war die Zeit reif für einen Wandel. Die Römischen Verträge hatten ausgedient. Am 7. Februar 1992 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU ein neues Vertragswerk. Für Deutschland unterzeichneten Außenminister Hans-Dietrich Genscher (links) und Finanzminister Theo Waigel (rechts) das Dokument. Der Vertrag von Maastricht zur Gründung der Europäischen Union trat am 1. November 1993 in Kraft. Mit dem EU-Vertrag entwickelte sich die europäische Gemeinschaft zu einer politischen Union. © dpa
Volksabstimmung zum EU-Beitritt in Norwegen 1994
1995 nahm die EU drei neue Länder auf. In Österreich, Schweden und Finnland hatten zuvor die Menschen in Volksentscheiden dem Beitritt zugestimmt. Auch Norwegen ließ das Volk in einem Referendum darüber abstimmen. Doch hier sah das Ergebnis anders aus. 52,2 Prozent der Wahlberechtigten in Norwegen votierten in einer Volksabstimmung gegen einen Beitritt.  © Berit Roald/Imago
Tschechien feiert EU-Beitritt
Neun Jahre später kam es zur ersten Osterweiterung. Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und die Republik Zypern der EU bei. Die neuen EU-Länder feierten den Beitritt, in Prag (hier im Bild) und anderen Hauptstädten freuten sich die Menschen über eine Zukunft unter dem Dach der EU. Die Europäische Union setzte sich somit aus 25 Mitgliedstaaten zusammen. © Michal Svacek/afp
Rumänien - EU
Der zweite Teil der Osterweiterung ließ nicht lange auf sich warten. Am 25. April 2005 unterzeichneten Rumänien und Bulgarien den Beitrittsvertrag zur EU. Beide Länder wurden zum 1. Januar 2007 in die Europäische Union aufgenommen. Für die Menschen in Bukarest (hier im Bild) gab es also mehr als nur einen Grund, die Nacht zum Tage zu machen. Die Fläche der EU wuchs mit dieser Erweiterung auf etwas mehr als 4,3 Millionen Quadratkilometer.  © Robert Ghement/dpa
Kroatien wird EU-Mitglied
Schon im Juni 2004 war Kroatien der Status eines offiziellen Beitrittskandidaten verliehen worden. Doch die Verhandlungen verzögerten sich mehrmals, erst sieben Jahre später konnten sie erfolgreich abgeschlossen werden. Kurz danach stimmten 66,3 Prozent der Wahlberechtigten bei einem Referendum für den Beitritt in die EU. Am 1. Juli 2013 war schließlich der Zeitpunkt gekommen, um vor dem Europäischen Parlament in Straßburg die Flagge Kroatiens zu hissen. Die EU bestand damit aus 28 Mitgliedsstaaten. © Frederick Florin/afp
EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp
Banksy-Kunstwerk zu EU und Brexit
Seit dem 31. Januar 2020 besteht die EU nur noch aus 27 Staaten. Nach 47 Jahren verließ das Vereinigte Königreich als erstes Mitgliedsland die Europäische Union. Im Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit in einem Referendum für den Abschied aus der EU gestimmt. Der britische Street-Art-Künstler Banksy kommentierte den Brexit auf seine Art. In der Hafenstadt Dover malte er eine riesige EU-Flagge an eine Hauswand – zusammen mit einem Handwerker, der einen der Sterne entfernt. © Glyn Kirk/afp
Friedensnobelpreis für EU.
2012 wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Herman Van Rompuy, José Manuel Barroso und Martin Schulz (von links nach rechts) nahmen den Preis bei der Verleihung im Osloer Rathaus am 10. Dezember 2012 in Empfang. © Cornelius Poppe/afp

Starke Wirtschaft zieht Einwanderer an – Rechte können vor Irland-Wahl kaum profitieren

Der Dubliner Anwalt Malachy Steenson ist einer von einer Reihe von ultranationalistischen Politikern, die dieses Jahr bei Kommunalwahlen gut abschnitten und nun auf einen Einzug ins irische Parlament hoffen. An seiner als Wahlkampfzentrale fungierenden Anwaltskanzlei prangt der Slogan „Die Kontrolle über unser Land zurückgewinnen“. „Wir müssen die Grenzen schließen und verhindern, dass noch mehr Migranten ins Land kommen“, sagt Steenson, der als unabhängiger Kandidat zur Irland-Wahl antritt.

Irlands boomende Wirtschaft, die dem Land den Beinamen „Keltischer Tiger“ bescherte, zieht bereits seit den 1990er Jahren zahlreiche Einwanderer an. Laut offizieller Statistik wurden etwa 20 Prozent der 5,4 Millionen in Irland lebenden Menschen im Ausland geboren.

Wegen des Ukraine-Kriegs nahm Irland etwa 110.000 Ukrainerinnen und Ukrainer auf und gehört damit zu den wichtigsten Aufnahmeländern EU-weit. Doch mittlerweile bereitet die steigende Migrantenzahl dem EU-Land zunehmend Probleme. Seit 2022 ist die Zahl der Asylanträge in Irland auf Rekordstand.

In der Folge verkündete die Regierung 2023 – noch weit vor der Irland-Wahl – sie könne nicht mehr genügend Notunterkünfte für alle Schutzsuchenden bereitstellen; Familien, Frauen und Kinder bekamen Vorrang. In der Folge campierten hunderte männliche Asylsuchende auf den Straßen.

Die Wut mancher Iren entlud sich in Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte sowie Krawallen im November 2023 infolge des Messerangriffs eines Iren mit ausländischen Wurzeln auf Kinder. Die Kritik an der Aufnahme von Geflüchteten nimmt auch deshalb zu, weil Irland ohnehin unter Wohnungsnot und sehr hohen Mieten leidet. Auch sonst haben die Lebenshaltungskosten angezogen.

Aus der Unzufriedenheit kann die extreme Rechte im Land aber nur bedingt Profit schlagen, denn sie ist zersplittert. Auch bei der bevorstehenden Parlamentswahl ist kein Durchbruch der ultranationalistischen Kleinstparteien und unabhängigen rechtsextremen Kandidaten zu erwarten, wie der Politikwissenschaftler Eoin O‘Malley sagt. Ihr Stimmenzuwachs dürfte sich dem Experten zufolge auch deshalb in Grenzen halten, weil die meisten etablierten Parteien mittlerweile einen restriktiveren Kurs bei der Einwanderungspolitik vertreten.

Trump sorgt vor Irland-Wahl vor Kopfschmerzen: Angst um Konzernsitze

Kopfzerbrechen bereitet den irischen Parteien auch der bevorstehende Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident. Wenn Trump wie angekündigt die Zölle auf ausländische Produkte erhöht, träfe dies Irland besonders hart. „Irland verkauft mehr Güter pro Kopf an die USA als jedes andere europäische Land oder sogar Mexiko und Kanada“, sagt der Chef-Ökonom des Institute of International and European Affairs in Dublin, Dan O‘Brien.

Außerdem muss Irland befürchten, dass Weltkonzerne wie Apple, Google und Meta ihre europäischen Konzernsitze in Dublin verkleinern oder dicht machen, wenn Trump die Unternehmenssteuer in den USA von 21 Prozent auf den in Irland geltenden Satz von 15 Prozent senkt.

Für Verwerfungen könnte nach der Irland-Wahl außerdem die Debatte über Irlands nationale Identität sorgen. Sinn-Fein-Chefin Mary Lou McDonald, deren Partei aus dem politischen Flügel der paramilitärischen Untergrundorganisation IRA hervorgegangen ist, hat für den Fall ihres Wahlsiegs angekündigt, bis 2030 eine Volksabstimmung über eine Vereinigung mit der britischen Provinz Nordirland abzuhalten. (nak/AFP)

Rubriklistenbild: © Brian Lawless/dpa

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