VonMaria Sterklschließen
Fast 30 Länder fordern Israel auf, den Krieg zu stoppen – Deutschland ist nicht dabei. Israels Regierung zeigt sich unbeeindruckt und weitet die Offensive aus.
Israel kommt wegen der humanitären Katastrophe in Gaza und der Ausweitung seiner militärischen Offensive immer mehr in die Kritik. Die Außenministerinnen und -minister von 28 Ländern fordern in einer gemeinsamen Erklärung ein sofortiges Ende des Kriegs im Gazastreifen. „Weiteres Blutvergießen dient keinem Zweck“, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem von den Außenministern Frankreichs, Italiens und des Vereinigten Königreichs unterzeichnet wurde. Die militärische Notwendigkeit der fortgesetzten Kriegsführung für Israels Sicherheit wird bestritten.
Dass sich Deutschland – anders als Österreich, das ebenfalls stets seine Verbundenheit mit Israel betont – dem gemeinsamen Schreiben nicht anschloss, sorgt nun auch für regierungsinterne Kritik (siehe Kasten). Israels wichtigster Verbündeter USA hat das Schreiben ebenfalls nicht unterstützt. Die Situation in Gaza sorgt dennoch auch in Washington für Kritik. US-Präsident Donald Trump „will, dass das Töten aufhört“, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, am Montag. Der Beschuss der katholischen Kirche in Gaza am Donnerstag habe den Präsidenten „unvorbereitet getroffen“, sagte Leavitt. Drei Menschen waren bei dem Beschuss getötet worden, der Pfarrer der Kirche wurde verletzt.
SPD macht Druck
Die SPD-Fraktion im Bundestag hat gefordert, dass die Bundesregierung den Stopp von Waffenexporten an die israelische Regierung durchsetzen solle. Das sei geboten, „um unsere völkerrechtliche Verantwortung, die in unserem Grundgesetz verankert ist, konsequent zu erfüllen“, heißt es in einer Erklärung.
Das Abkommen der EU mit Israel für einen humanitären Zugang zum Gazastreifen bleibe wirkungslos. Parallel nähmen Planungen für die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung konkrete Formen an. Es müsse deshalb ein Ende der militärischen Operation geben. Außerdem brauche es einen politischen Willen zur perspektivischen Zwei-Staaten-Lösung. dpa
Der Angriff hatte scharfe Kritik nach sich gezogen, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drückte in einem Telefonat mit dem Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Leo XIV, sein Bedauern aus. Die Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem entschlossen sich daraufhin, der Kirche in Gaza einen Besuch abzustatten – und dabei auch humanitäre Hilfe zu bringen. Diese Hilfslieferung solle allen zugutekommen, betonten die Kirchenvertreter – nicht nur Christen, sondern auch Muslimen.
Trotz der Kritik weitet Israel seine Offensive in Gaza aus
„Wir sind aus Gaza mit gebrochenen Herzen zurückgekehrt“, sagte Patriarch Pierbattista Pizzaballa nach der Reise. „Wir haben es gesehen: Männer, die stundenlang in der Sonne durchhalten, weil sie auf ein einfaches Mahl hoffen. Das ist eine Erniedrigung, die schwer zu ertragen ist, wenn man sie mit eigenen Augen sieht. Es ist moralisch unannehmbar und durch nichts zu rechtfertigen.“
Trotz der Kritik weitet Israel seine Offensive in Gaza aus. Zehntausende Menschen wurden aus der Stadt Deir el-Balah in Zentralgaza in Richtung Süden vertrieben. Laut der UN-Organisation OCHA müssen die mehr als zwei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza sich nun auf 14 Prozent der Fläche drängen. Israels Militär halte mehr als 86 Prozent des Gazastreifens besetzt.
Humanitäre Organisationen üben scharfe Kritik an Israel
In Gaza geraten die Hungernden weiter unter Feuer. Am Dienstag berichtete die Rettungsorganisation erneut von 118 Verletzten, die unter Beschuss kamen, als sie nahe Gaza-Stadt auf Nahrung warteten. Laut UN-Angaben sind seit Mitte März fast 900 Menschen ums Leben gekommen, als sie nahe den Verteilstationen für Lebensmittel unter Beschuss gerieten.
Humanitäre Organisationen üben scharfe Kritik an Israel, weil die Armee nur winzige Mengen an Lebensmittel und von dem für Krankenhäuser, Küchen und Bäckereien so dringend benötigten Treibstoff in den Gazastreifen lässt. Dort, wo Nahrung verteilt wird, kommt es zu chaotischen Zuständen. Fast jeden Tag fallen nahe den Verteilzentren Schüsse.
Hunger und Mangelernährung nehmen in Gaza zu
Am Sonntag kam ein Konvoi des UN-Welternährungsprogramms WFP unter Beschuss, mindestens 93 Menschen starben. Laut WFP wurden die Schüsse von Panzern und Scharfschützen abgefeuert. Israels Armee spricht von „Warnschüssen“.
Hunger und Mangelernährung nehmen in Gaza zu. Das Personal in den UN-Kliniken sehe „Kinder dahinschwinden und vor ihren Augen sterben, und es gibt absolut nichts, was sie dagegen unternehmen können“, sagt ein UN-Mitarbeiter. Helfende sprechen von dem anhaltenden Flüssigkeits- und Nahrungsmangel, gepaart mit Durchfallkrankheiten als „tödlicher Kombination“, die vor allem Kindern zusetze.
