VonChristoph Gschoßmannschließen
Recep Tayyip Erdogan erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA: Der in der Nähe Israels stationierte Flugzeugträger werde in Gaza „Massaker verüben“.
Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat vor dem Hintergrund des Krieges in Israel schwere Vorwürfe in Richtung Washington erhoben. Er kritisierte die Entscheidung der USA, den Flugzeugträger Gerald R. Ford ins östliche Mittelmeer zu verlegen. „Was haben amerikanische Flugzeugträger in Israel zu suchen?“, fragte Erdogan und antwortete auf seine rhetorische Frage im nächsten Satz gleich selbst. Der Flugzeugträger werde „schwere Massaker verüben, indem er Gaza angreift und zerstört“, so Erdogan auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag (11. Oktober 2023) mit dem österreichischen Bundeskanzler Karl Nehammer in der Hauptstadt Ankara.
Erdogan zum Israel-Krieg: US-Flugzeugträger „wird in Gaza schwere Massaker verüben“
Erdogan kritisierte mit Blick auf das Krisengebiet die von Israel verkündete komplette Abriegelung des Gazastreifens. „Derzeit wird kein Wasser für Gaza bereitgestellt. Es gibt keinen Strom. Was ist mit den Menschenrechten?“, äußerte Erdogan. Den Stopp sämtlicher Lieferungen hatte Israel als Reaktion auf die gewalttätigen Angriffe auf israelische Zivilisten und den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen beschlossen.
Gegen die Kritik auch von Seiten der UN, die Unterbrechung aller Lieferungen von Wasser, Strom oder Benzin in den Gazastreifen sei unter dem humanitären Völkerrecht verboten, hatte sich Israel zuvor verteidigt. Das Land habe das Recht, sich gegen solche Brutalität zu wehren, und nehme ausschließlich terroristische Ziele in Gaza ins Visier, hieß es in Tel Aviv.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




Erdogan forderte alle einflussreichen Akteure in der Region auf, sich ernsthaft für den Frieden im Nahen Osten einzusetzen. Der türkische Präsident sagte, die endgültige Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts sei nur durch die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates mit den Grenzen von 1967 und Ostjerusalem als Hauptstadt möglich.
Erdogan kritisiert US-Stützpunkte in Syrien und spricht über Drohnen-Vorfall
Bei dem Medientermin kritisierte Erdogan auch, dass es über 20 amerikanische Stützpunkte in Syrien gebe. „Was machen die amerikanischen Stützpunkte in Syrien?“ Auch einen kürzlichen Zwischenfall sprach er an: „Leider hat Amerika (letzte Woche) eines der unbemannten Luftfahrzeuge der Türkei abgeschossen. Ist die Türkei derzeit nicht Amerikas Partner in der Nato?“, fragte er. Die USA haben den Abschuss der Drohne am vergangenen Donnerstag als „bedauerlichen Vorfall“ bezeichnet, aber nicht erklärt, warum sich US-Truppen in der Nähe von YPG/PKK-Terroristen in Nordsyrien befanden. Das türkische Militär hatte zuvor Medienberichten zufolge eine Luft-Boden-Offensive in Nordsyrien begonnen.
Das Verhältnis zwischen Israel und der Türkei gilt als schwierig, zuletzt hatte es aber eine Annäherung gegeben. Zu den kritischen Punkten gehört auch die Unterstützung Ankaras für die Hamas. Die Hamas, die von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft wird, hatte am Samstag bei einem Überraschungsangriff auf das israelische Grenzgebiet unter Zivilisten das schlimmste Blutbad seit der israelischen Staatsgründung angerichtet. Israel reagierte mit Gegenangriffen.
Von einem Krieg in den nächsten: Nach Israel geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer stehen nun vor der Wahl, ob sie erneut ausreisen. (cgsc mit dpa)
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