Flächenbrand im Nahen Osten: Eskalation des Kriegs in Israel droht
VonErkan Pehlivan
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Die Spannungen in der Region erreichen einen neuen Höhepunkt. Auch die Türkei könnte in den eskalierenden Konflikt in Gaza hineingezogen werden.
Ankara - Die Intensität des Gaza-Konflikts nimmt stetig zu und droht sich zu einem umfassenden Brandherd zu entwickeln. Die israelischen Streitkräfte müssen bereits ihre nördliche Grenze zum Libanon sichern, da sie immer wieder von Hisbollah-Milizen angegriffen oder infiltriert werden. Bei diesen Angriffen gab es bereits Todesopfer auf beiden Seiten.
Die Hisbollah-Miliz, die vom Iran unterstützt wird, bleibt die stärkste nichtstaatliche militärische Macht der Welt, mit einer Kampfkraft und Ausbildung, die weit über der der Hamas liegt. Am 12. Juli 2006 brach ein 33-tägiger Krieg im Libanon aus, nachdem die Hisbollah-Miliz zuvor zwei israelische Soldaten entführt hatte. Obwohl die israelische Luftwaffe große Teile Beiruts und der Hisbollah-Infrastruktur zerstörte, endete der Krieg am 14. August ohne klaren Gewinner.
Die Bilanz des damaligen Krieges war ernüchternd. Israel hatte 163 Tote zu beklagen. Auf der libanesischen Seite gab es rund 1.200 Tote, fast siebenmal mehr. Und nicht nur in Beirut gab es massive Zerstörungen. Viele Dörfer im Grenzgebiet zu Israel wurden zerstört. Dennoch feiert die Schiiten-Miliz den Krieg als Erfolg.
Der Krieg in Israel könnte sich auch auf Syrien ausweiten. Zuletzt bombardierte die israelische Luftwaffe die Flughäfen in Damaskus und Aleppo. Ziel der Angriffe waren offenbar Waffenlieferungen aus dem Iran. Russland kritisierte die israelische Militäraktion scharf und warnte vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. Angesichts der Verschärfung des palästinensisch-israelischen Konflikts könnten solche Aktionen eine Ausweitung des militärischen Konflikts auf die gesamte Region provozieren, so das russische Außenministerium.
Türkei unterhält mehrere Militärstützpunkte in Syrien
Das Land unterstützt zudem Dschihadisten in Idlib und kontrolliert kurdische Städte im Norden des Landes. Diese Gruppen geraten immer wieder mit syrischen Truppen und den sie unterstützenden russischen Kräften sowie Hisbollah-Milizen aneinander. Die Türkei unterhält zudem zahlreiche eigene Stützpunkte in dem Nachbarland.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Obwohl sich alle türkischen Parteien demonstrativ mit den Palästinensern solidarisieren und Israel die Schuld an der Eskalation der Gewalt geben, haben die Türkei und Israel eine lange Partnerschaft hinter sich. Zuletzt unterstützten Israel und die Türkei gemeinsam Aserbaidschan bei der Rückeroberung von Bergkarabach. Ohne die modernen Waffenlieferungen aus beiden Ländern wäre ein militärischer Sieg gegen die Armenier kaum möglich gewesen.
Sollte es zu einem größeren Konflikt zwischen Israel auf der einen Seite und syrischen Regierungstruppen sowie Hamas-Milizen im Libanon und Syrien auf der anderen Seite kommen, könnten die Dschihadisten dies als Chance sehen. Sie könnten versuchen, weitere Gebiete in dem Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Iran und Russland würden in diesem Fall eingreifen und die Türkei dadurch auch unter Druck setzen, um ihre Verbündeten im Nachbarland zu schützen.
Spannungen auch an der jordanischen Grenze
Mittlerweile gibt es auch Spannungen an der jordanischen Grenze. Dort versammelten sich am Freitag (13. Oktober) Tausende von Menschen, um gegen Israel zu protestieren. Viele versuchten, auf die Grenzmauer zu klettern. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Menschen davon abzuhalten. Ähnliche Demonstrationen gegen Israel gab es in vielen anderen Teilen der Welt.
Israel Jordan border: Jordanian security forces are firing tear gas at people trying to approach the fence pic.twitter.com/cfYveJKS9V
Zehntausende Menschen versammelten sich auch auf dem zentralen Tahrir-Platz im Irak und demonstrierten ebenfalls gegen Israel. Ähnliche Proteste gab es auch in vielen anderen Städten der Welt. (erpe)
Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Christian Stör sorgfältig überprüft.