Krieg in Israel

Sicherheitsrisiko Netanjahu? Israels Premierminister will Verantwortung für Hamas-Überfall abschieben

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Der Hof-Sender von Israels Premier Netanjahu zeigt Details zum Hamas-Angriff vom 7. Oktober - der Zeitpunkt ist wohl kein Zufall.

Frankfurt – Zensur ist kein beliebtes Wort, schon gar nicht bei Journalist:innen. In Israel ist die Militärzensur jedoch ein respektiertes Instrument, um die Medien daran zu hindern, Geheimnisse zu enthüllen, die aus guten Gründen im Dunkeln bleiben – meist der nationalen Sicherheit zuliebe.

So kommt es, dass seit Monaten zwar viele Journalist:innen in Israel wissen, warum die Armeeführung sich bereits Stunden vor dem Beginn des Massakers vom 7. Oktober darüber austauschte, ob eine ernste Gefahr eines nahenden Terroranschlags bestünde. Allein, sie verschwiegen sie – denn so verlangte es der Zensor der Armee.

Die Wand der Autowracks am Ort des Supernova-Musikfestivals vom 7. Oktober, wo 364 Menschen niedergemetzelt wurden, ist nun ein weiterer Gedenkort für die israelische Nation.

Neue Informationen zu Hamas-Überfall auf Israel – SIM-Aktivierungen als Warnsignal

Umso überraschender, dass vor wenigen Tagen der israelische Nachrichtensender Kanal 14 Details veröffentlichte: „Hunderte“ israelische SIM-Karten seien am Abend vor dem 7. Oktober im Gazastreifen plötzlich aktiviert worden. Es waren jene SIM-Karten, derer sich die Terroristen am nächsten Morgen bei der Ausführung ihres mörderischen Tatplans bedienten.

In den Geheimdiensten und der Armee-Intelligenz gilt die gehäufte Aktivierung israelischer SIMs in Gaza als Warnsignal. Palästinenser:innen in Gaza nutzen zwar neben dem lokalen Anbieter auch israelische Provider, weil sie entweder in Israel Jobs nachgingen oder nahe an der Grenze leben. Dennoch behielt die Armee die Netzaktivität im Auge. In jenen kritischen Stunden vor dem Hamas-Überfall entschied sich die Armeeführung, keinen Alarm zu schlagen.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Netanjahu will Verantwortung für Hamas-Terrorangriff abschieben

Es handle sich entweder um eine bloße Übung der Terrorgruppen oder im Ernstfall maximal um einen punktuellen Angriff, urteilte man. Um einen solchen abzuwehren, wurde eine Einsatzgruppe des Inlandsgeheimdienstes noch in den Nachtstunden an die Grenze geschickt. Diese Kämpfer waren die Ersten, die in Schusswechsel mit den eindringenden Terroristen verwickelt wurden, viele von ihnen starben.

Wer Verantwortung für das Versagen im Vorfeld des 7. Oktober trägt, wird in der Armee nun untersucht. Nach dem Krieg in Israel, so heißt es, solle zudem ein Untersuchungsausschuss die Causa durchleuchten, dabei soll auch die politische Verantwortung geklärt werden. Dass die SIM-Karten-Affäre genau jetzt an die Öffentlichkeit kommt, ist wohl kein Zufall. Kanal 14 gilt als Schoßhund-Kanal von Benjamin Netanjahu. Seit Monaten ist er damit beschäftigt, alle Verantwortung für das sicherheitspolitische Versagen rund um den 7. Oktober der Armee zuzuschieben.

In den vergangenen Tagen kam Netanjahu erneut in die Kritik, unter anderem durch US-Präsident Joe Biden. Er erklärte die von Netanjahu geführte rechts-religiöse Koalition als Sicherheitsrisiko für Israel. Das will Netanjahu nicht auf sich sitzen lassen.

Terroranschlag vom 7. Oktober – Netanjahu wirft Militärführung Fehleinschätzung vor

Prompt reagierte er auf die Kanal 14-Leaks, indem er betonte, er habe von nichts gewusst – die Armee habe ihm das SIM-Karten-Faktum verschwiegen und sei eigenmächtig zu ihrer Fehleinschätzung der Lage gelangt. Eine breite Öffentlichkeit erfuhr dank Aufhebung der Zensur schließlich, dass Netanjahu sehr wohl involviert war. Er hatte die Warnungen gekannt – das gab der Premier schließlich auch öffentlich zu. Man erfuhr auch, dass es sich, anders als auf Kanal 14 behauptet, nicht um mehrere Hundert, sondern nur um ein paar Dutzend SIM-Karten handelte. Während Netanjahu zurückruderte, ist der Schaden – die Ausbreitung von Geheimdienst-Interna in Medien, die auch den Terrorgruppen zugänglich sind – aber nicht wieder gutzumachen.

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Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat indes die Hoffnung geäußert, dass es im Gazakrieg innerhalb von Tagen zu einer Vereinbarung über eine Feuerpause kommen könnte. Das werde erlauben, den Menschen in dem dicht besiedelten Küstenstreifen echte Hilfe zukommen zu lassen, sagte er am Mittwoch. (Mit Material von dpa)

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