VonPaula Völknerschließen
Wie Israels Antwort auf den Angriff des Iran ausfallen wird, ist unklar. Die Sorge vor Eskalation und Regionalkrieg steigt. Die USA drängen auf Zurückhaltung.
Washington D.C. – Noch am Freitag (12. April) hatte US-Präsident Joe Biden gegenüber dem Iran eine rote Linie gezogen. „Tut es nicht“, lautete Bidens kurze, dennoch klare Botschaft an die iranische Führung. Einen Tag später taten sie es. Mehr als 300 Drohnen und Raketen hat der Iran in Richtung Israel abgefeuert. Es ist das erste Mal, dass Iran Israel von seinem Staatsgebiet aus beschossen hat. Auch mithilfe von US-Luftabwehr konnten die meisten der Flugobjekte bereits außerhalb des israelischen Luftraums abgefangen werden. Die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts ist nun groß.
Der UN-Sicherheitsrat forderte nach einer Dringlichkeitssitzung am Sonntag Zurückhaltung – von allen Parteien. Dass auf den Vergeltungsschlag des Iran keine Vergeltung Israels folgen dürfe, das fordern auch die USA. Berichten des Senders CNN zufolge soll Biden in einem Telefonat mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu noch in der Nacht des iranischen Angriffs versucht haben, den „erfolglosen Angriff“ des Iran als einen Sieg für Israel darzustellen, der eine Reaktion unnötig mache. Obwohl Biden Israel die volle Unterstützung der USA zugesichert hat, zeichnet sich ab, dass diese Unterstützung Grenzen hat. Die Grenze der US-Unterstützung scheint zwischen Verteidigung und Vergeltung zu liegen.
Auch die US-Administration nannte Spiegel-Berichten zufolge die Abwehr der iranischen Drohnen und Raketen einen „großen strategischen Erfolg“. Ein US-Regierungsvertreter betonte demzufolge, ebenso wie Biden es gegenüber Netanyahu getan haben soll, ein Vergeltungsschlag gegen den Iran sei aufgrund der erfolgreichen Abwehr nicht erforderlich. Im Sicherheitsrat sagte der US-Botschafter Robert Wood laut New York Times, die US-Regierung wolle „keine Eskalation anstreben“ und betonte, dass die Maßnahmen der Vereinigten Staaten nur zur Verteidigung Israels gedient haben sollen.
Nahost-Expertin warnt vor Eskalation in Nahost: „Am Rande eines gefährlichen Abgrunds“
Während die US-Führung auf Zurückhaltung drängt, warnen Expertinnen und Experten vor einer drohenden Gewaltspirale. Die Nahostexpertin Maha Yahya nannte gegenüber CNN den Angriff des Irans einen Wendepunkt im Konflikt zwischen Iran und Israel. „Wir stehen offen gesagt am Rande eines gefährlichen Abgrunds“, sagte die Direktorin der US-Denkfabrik Carnegie Middle East Center.
Den Angriff schätze Yahya bereits als „riesige Eskalation“ ein, sagte sie gegenüber dem US-Sender. Die Nahostexpertin drängte außerdem auf die Einflussnahme der USA und eine regionale Waffenruhe. Anderenfalls könne ein „umfassender Krieg in der gesamten Region“ drohen, mahnte sie.
Israels Ex-Verteidigungsminister droht mit Vergeltung: „Iran zur Rechenschaft ziehen“
In Israel wurden bereits Forderungen nach Vergeltung für den Angriff laut. So hat Benny Gantz, Mitglied des Kriegskabinetts und Israels Ex-Verteidigungsminister, laut Tagesschau gesagt: „Wir werden eine regionale Koalition bilden und den Iran zur Rechenschaft ziehen, zum richtigen Zeitpunkt und so, wie es für uns richtig ist.“
Premierminister Netanyahu hatte am Sonntag ein Kriegskabinett einberufen, das auch über mögliche Reaktionen auf den iranischen Angriff beraten sollte. Entscheidungen seien in Israels Kriegskabinett bislang jedoch noch nicht gefallen.
Teheran sieht Angriff als abgeschlossen an und mahnt Israel und USA
Den Angriff aus Teheran sieht die iranische Führung als Antwort auf den mutmaßlich israelischen Angriff auf die iranische Botschaft in Syrien an, bei der sieben iranische Offiziere getötet wurden. Nach Angaben Israels wurden in der Nacht von Samstag (13. April) auf Sonntag circa 300 Geschosse von Iran nach Israel abgefeuert. Rund 30 Menschen sollen dabei verletzt worden sein.
Die Regierung in Teheran bezeichnete den Angriff auf Israel als „verhältnismäßig“. Auf der Plattform X schrieb die iranische Vertretung der Vereinten Nationen, die Angelegenheit könne als abgeschlossen angesehen werden und warnte Israel und seine Verbündeten davor, auf den Angriff mit einem Gegenschlag zu reagieren. Im iranischen Staatsfernsehen sei auch eine Drohung an die USA ausgesprochen worden, berichtete der Deutschlandfunk. Sollten sich die USA an einer militärischen Antwort Israels beteiligen, könnten auch US-Stützpunkte Ziel eines Angriffs werden, hieß es demnach im iranischen Staatsfernsehen.
Iran will Angriff gegenüber USA angekündigt haben: Washington streitet ab
Am Sonntag sagte der iranische Außenminister Hossein Amirabdollahian, der Iran habe neben einigen weiteren Staaten, auch den USA, 72 Stunden im Voraus mitgeteilt, dass er der Angriff auf Israel starten werde. Ein türkischer Diplomat bestätigte dies gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Das türkische Außenministerium teilte demnach mit, man habe sowohl mit Washington, als auch mit Teheran gesprochen und versucht zu vermitteln.
Die US-Regierung hat die Erzählung bestritten. Zwar sei sie Reuters zufolge über Schweizer Vermittler in Kontakt mit der iranischen Führung gewesen, sei jedoch nicht 72 Stunden im Voraus vor dem Angriff gewarnt worden. Irakische, türkische und jordanische Beamte sagten jeweils, der Iran habe frühzeitig vor dem Angriff gewarnt und im Voraus einige Einzelheiten bekannt gegeben.
Arabische Staaten in Sorge vor Israels Reaktion und weiterer Eskalation
Wie Israel auf den Angriff Teherans reagieren wird, bleibt bislang unklar. Vor dem Angriff sagte der israelische Außenminister Israel Katz, Israel werde „in Iran angreifen“, sollte der Iran Israel direkt angreifen. Auch ein israelischer Armeesprecher soll nach der Sitzung des Kriegskabinetts in Israel gesagt haben: „Wir werden Iran mit Taten antworten, nicht mit Worten.“ Schenkt man den Drohungen des Iran Glauben, würden Taten vonseiten Israels wiederum nicht unbeantwortet bleiben.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




Neben den westlichen Staaten, die den Angriff verurteilten und ihre Sorge vor einer weiteren Eskalation äußerten, zeigten sich auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien und Ägypten besorgt und riefen ebenso wie die USA zu Zurückhaltung auf. (pav)
Rubriklistenbild: © Miriam Alster/AP/dpa

