Krieg in Nahost

Hisbollah-Beschuss in Israels Norden: USA warnen vor Flächenbrand

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Von der Hisbollah auf Israel geschossene Raketen befeuern die Gewaltspirale – die USA und Militärs warnen vor einem Flächenbrand in der Region.

Tiberias – Mehr als 170 Raketenangriffe in wenigen Stunden: Der Norden Israels erlebte am Mittwochvormittag den stärksten Beschuss durch die Hisbollah seit Kriegsbeginn. Die erste Salve aus dem Libanon umfasste fast 100 Raketen, wobei der Großteil von Israels Luftabwehr abgefangen werden konnte. Der Rest landete in unbewohntem Areal und löste Brände aus. Insgesamt waren 21 Feuerwehren und mehrere Löschflugzeuge im Einsatz.

Fast täglich gibt es auf beiden Seiten der Grenze Angriffe. Zuletzt war der Beschuss von Israels Norden so intensive wie noch nie im aktuellen Konflikt.

Hisbollah-Raketen auf Israel: Einschläge am See Genezareth – Norden fühlt sich allein gelassen

Vom Raketenfeuer der Hisbollah betroffen waren auch weite Landstriche, die nicht Teil der Massenevakuierung im vergangenen Herbst waren. Erstmals wurde auch die Stadt Tiberias am See Genezareth beschossen. In Tiberias wurden viele der Bewohnerinnen und Bewohner aus den Grenzgebieten zum Libanon untergebracht – im Glauben, sie seien dort in sicherem Abstand.

„Die Bewohner im Norden des Landes zittern, aber im Fernsehen bringen sie Quiche-Rezepte. Es sieht fast so aus, als gehörte der Norden nicht zu Israel“, ärgerte sich Mosche Davidovich, Gouverneur des Landkreises Mateh Ascher im nördlichen Galiläa.

Israel beging am Mittwoch das jüdische Fest Shavuot, das Land war im Feiertagsmodus. Das Gefühl, dass sie im Stich gelassen werden, begleitet die Menschen im Norden Israels aber schon seit Oktober. Damals wurden weite Landstriche im Abstand von bis zu fünf Kilometern zur libanesischen Grenze aus Sicherheitsgründen geräumt.

Israelische Zivilisten flohen schon vor Monaten aus dem Norden – Hisbollah-Führer getötet

Die Terrorgruppen im Libanon beschossen aber regelmäßig auch Gebiete südlich der Evakuierungszone. Daher haben auch dort viele Menschen ihre Häuser verlassen – unaufgefordert, aber dennoch unfreiwillig, und in vielen Fällen vom Staat unentschädigt.

Die vom Iran gestützte Hisbollah im Libanon bekannte sich zu den heftigen Angriffen vom Mittwoch. Es sei eine Reaktion auf die Tötung von vier Hisbollah-Kommandanten durch Israels Luftwaffe in der Nacht zuvor, hieß es. Unter ihnen soll auch Taleb Abdallah sein. Er gilt als der höchstrangige Hisbollah-Führer, der seit Kriegsbeginn getötet wurde, und soll für einen wesentlichen Teil der Hisbollah-Angriffe auf Israel seit dem 7. Oktober verantwortlich sein.

Debatte über Einmarsch: USA warnen vor Flächenbrand bei Einmarschs Israel in den Libanon

Nun stellt sich erneut die Frage, ob es zu einer groß angelegten israelischen Offensive im Libanon kommen wird. Die Risiken einer solchen Operation sind beträchtlich und schwer begrenzbar. Die Hisbollah verfügt über ein ungleich größeres Arsenal als die Hamas, der Krieg würde ganz Israel und wohl auch Syrien betreffen. Die USA warnen vor einem Flächenbrand und hohen Verlusten für Israels Armee. Washington dringt auch aus diesem Grund auf einen Waffenstillstand in Gaza – im Kalkül, dass dann auch die Hisbollah ihre Angriffe auf Israels Norden einstellt. Für eine solche Vorgangsweise sprechen sich auch einige Militärfachleute in Israel aus, etwa der frühere Militärgeheimdienst-Offizier Amos Yadlin.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Netanjahus rechtsextreme Koalitionspartner fordern Israels Einmarsch in den Libanon

Die rechtsextremen Parteien in Israels Regierung fordern jedoch schon seit längerem einen Einmarsch im Libanon, zudem lehnen sie Zugeständnisse an die Hamas – und damit einen Waffenstillstands-Deal – kategorisch ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der die rechtsextremen Parteien für den Erhalt seiner Koalition braucht, scheut sich vor einer Entscheidung.

Militärs wie Yadlin befürchten, dass die Realität an der Front der Regierung die Entscheidung abnehmen könnte: Es reiche ein kleiner Fehler mit hohen Verlusten – entweder Schäden einer Militärbasis oder eine hohe Anzahl an Toten und Verletzten –, um das Pulverfass zum Explodieren zu bringen. Israel und der Libanon könnten dann in einen langwierigen Krieg gezogen werden, den beide nicht beabsichtigt hatten. (Maria Sterkl)

Rubriklistenbild: © AFP

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