VonSandra Katheschließen
Israel droht den Hamas mit einer Großoffensive und ordnet die „Evakuierung“ der Zivilbevölkerung an. Vielen Palästinensern bleibt nur noch die Flucht nach Ägypten.
Gaza – Für seine bevorstehende Offensive auf die Stadt Rafah hat Israels Militär dem Gazastreifen „extreme Gewalt“ angedroht und die Zivilbevölkerung zur „Evakuierung“ aufgefordert. Doch viele Menschen, die bereits vor Wochen aus anderen Regionen des Gazastreifens vor den israelischen Angriffen gegen die Hamas geflohen sind, wissen nicht mehr wohin. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und der arabischsprachige Nachrichtensender Al Jazeera, dessen Büro in Israel am Wochenende geschlossen wurde.
Laut Berichten aus der Stadt gilt die Evakuierungsaufforderung vor allem für die östlichen Teile der Stadt sowie den westlichen Bereich nahe dem Grenzübergang zu Ägypten. „Es regnet stark und wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen. Ich hatte befürchtet, dass dieser Tag kommen wird und muss jetzt sehen, wie es für mich und meine Familie weitergeht“, zitierte Reuters einen Palästinenser, der mit seiner Familie in Rafah Zuflucht gesucht hat.
Israel plant Angriff auf Rafah: Grenzübergang nach Ägypten soll vorerst offen bleiben
Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, war der Grenzübergang Rafah, der aus dem Gazastreifen nach Ägypten auf die Sinai-Halbinsel führt, am Montagmittag entgegen erster gegenteiliger Berichte weiterhin geöffnet. Die Agentur beruft sich dabei auf Berichte der Grenzbehörde auf palästinensischer Seite. Für die Ausreise von Palästinensern habe Ägypten den Transitbereich geöffnet. Auch Hilfsgüter-Lieferungen Richtung Gazastreifen würden weiterhin durchgelassen, heißt es aus ägyptischen Sicherheitskreisen.
Rafah ist seit Monaten mit Geflüchteten aus anderen Regionen des Gazastreifens überfüllt, die bereits seit Wochen einen seit längerem angekündigten israelischen Angriff befürchten. Dieser soll laut Behördenangaben darauf abzielen, weitere führende Personen der Terrormiliz Hamas auszuschalten und damit die Freilassung der verbleibenden Geiseln nach dem Angriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 zu erzwingen. Menschenrechtsorganisationen hingegen befürchten, dass durch die Offensive erneut vor allem Zivilpersonen gefährdet werden. Israel dagegen argumentiert laut Agenturberichten, dass die Großoffensive nach den gescheiterten Verhandlungen mit den Hamas ohne Alternative sei.
Kritik an Israels Militärplänen: Organisation spricht von schweren humanitären Konsequenzen
Laut einem Al Jezeera-Bericht hat sich infolge von Israels Ankündigung etwa die internationale gemeinnützige Organisation Islamic Relief zu Wort gemeldet und davor gewarnt, dass es bei Israels Angriff „unvermeidbar“ zu Toten aus der palästinensischen Zivilbevölkerung kommen werde. Die Organisation betonte in einer Stellungnahme vom Montag, dass es „unmöglich“ sei, „so viele Menschen zum Verlassen eines Bereichs zu zwingen“, ohne dabei schwere humanitäre Konsequenzen hinzunehmen.
Das israelische Militär widerspricht den Vorwürfen und kündigte durch einen Sprecher einen „begrenzten Einsatz“ an, aufgrund dessen rund 100.000 Menschen zur „Evakuierung“ aufgerufen seien. Israel fordert die Palästinenser in den betroffenen Gebieten auf, sich in eine „erweiterte humanitäre Zone“ im Bereich Al-Mawasi begeben, wo es Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente gebe. Nach Informationen des Wall Street Journal will Israel seine Bodenoffensive in Rafah in Etappen durchführen. Das Blatt schrieb von zwei bis drei Wochen Evakuierung und sechs Wochen Offensive. (saka mit dpa)
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