Israel geht mit einer neuen Großoffensive im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas vor. Kritik kommt vom Politikwissenschaftler Carlo Masala.
München/Berlin – Der Politikwissenschaftler Carlo Masala übt Kritik am Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen. Der Wissenschaftler, der an der Universität der Bundeswehr in München lehrt, sieht Verstöße gegen das Völkerrecht. Insbesondere sei die seit mehr als zwei Monaten anhaltende Blockade humanitärer Hilfsgüter durch Israel völkerrechtlich ein „No-Go“. Hier bewege man sich „außerhalb jeder völkerrechtlichen Norm“, formulierte es Masala „Im Krisenmodus“, dem Podcast der Funke-Mediengruppe.
Auch ordnete er die von der israelischen Regierung um Benjamin Netanjahu angedrohte Umsiedlung der Menschen im Gazastreifen als „ethnische Säuberung“ ein, die „völkerrechtlich überhaupt nicht gedeckt und nicht zu begründen“ sei. Eine Vertreibung dieser Bevölkerung werde „für Israel nicht gut enden, in dem Sinne, dass der Terrorismus dann stärker zurückkehren wird, aller Wahrscheinlichkeit nach“, warnte der Politikwissenschaftler. Auch sei er „sehr, sehr skeptisch, was die Zukunft der israelischen Sicherheit und des Mittleren und Nahen Ostens anbelangt“.
Offenbar habe man nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt: 2005 habe sich Israel aus Gaza zurückgezogen, weil die eigenen Streitkräfte ständig angegriffen worden seien: „Das reproduziert Israel jetzt wieder“, sagte Masala der Funke-Mediengruppe.
Kritik an Israels Großoffensive im Gazastreifen
Nicht nur Masala zeigt sich besorgt. Israels neue Großoffensive gegen die islamistische Hamas stößt auch in Berlin und international auf Kritik. Der Beginn einer neuerlichen Bodenoffensive sei Grund „zu tiefer Sorge“ – sowohl mit Blick auf die strategischen Ziele Israels als auch die humanitäre Lage in dem Küstengebiet, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. EU-Ratspräsident António Costa zeigte sich „schockiert“ und appellierte auf der Plattform X an beide Konfliktparteien: Die „Gewalt muss aufhören!“
Israels Militär hatte in der Nacht zu Samstag (17. Mai 2025) den Auftakt zu einem neuen Großangriff in Gaza bekanntgegeben. Man habe damit begonnen, „umfangreiche Angriffe durchzuführen und Truppen zu mobilisieren, um die operative Kontrolle in Gebieten des Gazastreifens zu erlangen“. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete unter Berufung auf medizinische Kreise, bei einem Bombardement in der Gegend von Al-Mawasi im Süden des Küstenstreifens habe es mehr als 20 Tote und rund 100 Verletzte gegeben. Die Angaben aus dem Palästinensergebiet ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert
Währenddessen befürchten die Angehörigen israelischer Geiseln, dass das Vorgehen des israelischen Militärs für die verbliebenen Geiseln den Tod bedeuten könnte. In mehreren Städten Israels gingen erneut Menschen auf die Straße und forderten die Freilassung der Verschleppten. Nach israelischen Angaben werden derzeit noch mindestens 20 Geiseln lebend im Gazastreifen festgehalten. Der Status von drei weiteren Entführten ist unklar. Zudem befinden sich die sterblichen Überreste von 35 Verschleppten in dem Küstengebiet. (ktho mit dpa)