Washington-Post-Kolumne

Mamdanis New York trifft jetzt hart auf Trumps nationalistisches Projekt – ein Fingerzeig für Europa?

Zohran Mamdani wird neuer Bürgermeister New Yorks. „Washington Post“-Kolumnist Ishaan Tharoor sieht darin eine größere Bedeutung.

Einige Kritiker Zohran Mamdanis möchten weismachen, dass sein Aufstieg einen Konflikt der Kulturen beschleunigt. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen in New York City – die Mamdani laut Prognosen der Associated Press vom Dienstagabend gewonnen hat – haben prominente US-Rechte, darunter Präsident Donald Trump, den 34-jährigen demokratischen Sozialisten als vermeintlichen „Dschihadisten“, „Judenhasser“ und sogar als Befürworter der Terroranschläge vom 11. September 2001 bezeichnet. Damals war Mamdani gerade einmal zehn Jahre alt. In ihren Augen ist Mamdanis indisch-ugandische Herkunft verdächtig und sein teilweise muslimischer Hintergrund eine Bedrohung. Anstatt mit ihrem politischen Rivalen zu debattieren, suchten eine Reihe republikanischer Abgeordneter nach Wegen, Mamdani die Staatsbürgerschaft zu entziehen und ihn auszuweisen.

Zohran Mamdani, der gewählte Bürgermeister von New York City, wandte sich nach seinem historischen Sieg am 4. November 2025 an seine Anhänger.

Aber in den Augen vieler Einwohner des Big Apple ist Mamdani der perfekte New Yorker. Seine sozialen Medien vermitteln eine Authentizität und Verbundenheit mit der Stadt, die andere Bürgermeisterkandidaten nicht erreichen. Seine Betonung der Wohnkostenkrise in der Stadt brachte einen Anstieg der Wählerregistrierungen unter jungen Wählern mit Sehnsucht nach Veränderung. Sein müheloser Kosmopolitismus – einschließlich Wahlwerbung in verschiedenen Sprachen – aktivierte zuvor vernachlässigte Gemeinschaften in einer der vielfältigsten Städte der Welt.

Mamdani gegen Trump – und an der Spitze eines größeren Trends

Wenngleich sich Mamdani auf die Themen der Arbeiterklasse in New Yorks konzentrierte, scheute er sich nie die nationale Debatte. „Wir befinden uns in einer Zeit politischer Finsternis: Donald Trump und seine ICE-Agenten entreißen uns unsere immigrantischen Nachbarn direkt vor unseren Augen“, sagte er bei einer Veranstaltung vor der Wahl. „Seine autoritäre Regierung führt eine Politik der verbrannten Erde gegen alle, die es wagen, sich ihm zu widersetzen.“

Als er mit unverhohlenen islamfeindlichen Angriffen und Hetzreden bombardiert wurde, hielt Mamdani eine kraftvolle Rede über die Erfahrungen mit Fanatismus in den Vereinigten Staaten und die Notwendigkeit, diesen abzulehnen. Er stand zu seinem langjährigen Engagement für Palästina, distanzierte sich jedoch von einigen Exzessen der Aktivistenrhetorik. Und er versprach, als Bürgermeister „Hunderte von Anwälten einzusetzen“, um sich gegen Trumps Übergriffe auf Bundesebene zu wehren und die schwächsten Bevölkerungsgruppen der Stadt zu schützen.

Bürgermeisterwahl in New York: Mamdani will Geschichte schreiben - Trump droht

Skyline von New York City
Am 4. November 2025 entscheiden die Wahlberechtigten in New York City darüber, wer die Ostküstenmetropole die nächsten vier Jahre als Bürgermeister regieren soll. Die Wahl in der Hochburg der Demokraten elektrisiert aber nicht nur die Menschen in Manhattan, Queens und den weiteren Stadtteilen, sondern strahlt über die Stadt hinaus in die ganzen USA. Das hat vor allem einen Grund. © Imago
Zohran Mamdani im Wahlkampf
Dieser Grund trägt den Namen Zohran Mamdani. Der 34 Jahre alte Newcomer in der US-Politik tritt für die Demokraten bei der Wahl in New York an. Laut aktuellen Umfragen ist Mamdani der Favorit auf den Wahlsieg im Big Apple. © Imago
Mamdani vor der Bürgermeisterwahl in NEw York
Mamdani gilt als Vertreter des linken Flügels der Demokraten. Sollte er die Wahl in New York gewinnen, würde er der erste muslimische Bürgermeister der Stadt werden. Es wäre darüber hinaus auch das erste Mal, dass der in Uganda geborene Hobby-Rapper, der seine Kindheit in Südafrika verbrachte, ein politisches Amt bekleiden würde. © Imago
Mira Nair (im Bild), ist als Filmregisseurin erfolgreich
Das politische Engagement wurde Mamdani offenbar schon in die Wiege gelegt. Sein Vater Mahmood Mamdani ist Politikwissenschaftler. Seine Mutter, Mira Nair (im Bild), ist als Filmregisseurin erfolgreich und unterrichtet nebenbei an der Columbia University in New York City. © Imago
Wahlkampf in New York
Zentrales Wahlkampfthema Mamdanis ist die Bezahlbarkeit des Lebens im immer teurer werdenden New York City. Der Kandidat der Demokraten will den Anstieg der Mietpreise stoppen und den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und kostenlos machen. Damit kommt Mamdani im Wahlkampf vor der Bürgermeisterwahl gut an, wie ein dieser Mann per Schild auf einer Veranstaltung im New Yorker Stadtteil Queens belegt. © Imago
Tatsächlich ist das Leben in New York City aktuell so teuer wie noch nie.
Tatsächlich ist das Leben in New York City aktuell so teuer wie noch nie. Die Mieten in der Millionenmetropole erreichten im Februar 2025 einen neuen Rekord. Im New Yorker Stadtteil Manhattan lag der durchschnittliche Mietpreis bei mehr als 5300 US-Dollar. Laut einer Untersuchung des Maklerbüros Douglas Ellimann stiegen die Mieten in dem als teuerste Stadt der Welt berüchtigten New York im Jahresvergleich erneut um 6,4 Prozent. © Imago
New Yorker Ubahn während der Comic Con
Ein weiteres zentrales Thema im Wahlkampf von Zohran Mamdani ist der öffentliche Nahverkehr in New York. Der Kandidat für die Bürgermeister-Wahl will die U-Bahn, die hier vom Publikum der Comic Con genutzt wird, ausbauen. Der Busverkehr, der vor allem von Bürgerinnen und Bürgern mit niedrigem Einkommen genutzt wird, soll kostenlos werden. Finanziert werden sollen diese Vorhaben mit einer Erhöhung des kommunalen Spitzen- und des Unternehmenssteuersatzes. © AFP
US-Präsident Donald Trump, hier als Gast bei den US Open
Mit derartigen Plänen rief Zohran Mamdani vor der Bürgermeisterwahl New Yorks berühmtesten Sohn auf den Plan: US-Präsident Donald Trump, hier als Gast bei den US Open in der Ostküsten-Metropole. Trump nannte Mamdani einen „Kommunisten“ und drohte New York mit Konsequenzen, sollte der linke Kandidat der Demokraten die Wahl am 4. November 2025 gewinnen. © Imago
Rudy Giuliani und Donald Trump
Für Donald Trump ist die Bürgermeisterwahl in New York eine Herzensangelegenheit. Der US-Präsident ist gebürtiger New Yorker und langjähriger Vertrauter des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt, Rudy Giuliani. (Archivbild) © Imago
Zohran Mamdani in New York
Kontroversen löste Zohran Mamdani im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in New York mit seiner Position im Gaza-Israel-Krieg aus. Bereits als Student engagierte sich Mamdani für die Rechte der Palästinenser. Auch im Wahlkampf hielt sich der Demokrat mit Israel-Kritik nicht zurück. Das wiederum rief einen Teil der großen jüdischen Community in New York auf den Plan. „Ich glaube, dass Zohran Mamdani eine Gefahr für die jüdische Gemeinde in New York darstellt“, sagte Rabbi Elliot Cosgro, der eine Synagoge im Stadtbezirk Upper East Side leitet, laut dem britischen Guardian in einer Predigt. © Imago
Bürgermeisterwahl in New York
Wahltag für die Bürgermeisterwahl in New York ist der 4. November. Die Stimmabgabe begannt aber bereits mehrere Tage zuvor. Mehr als 100.000 Menschen nutzten die Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe - mehr als je zuvor bei einer Wahl in New York. © imago
Größter Konkurrent Mamdanis bei der Bürgermeisterwahl in New York City ist Andrew Cuomo.
Größter Konkurrent Mamdanis bei der Bürgermeisterwahl in New York City ist Andrew Cuomo. Der 67-jährige Politik-Veteran war zehn Jahre Gouverneur des Bundesstaates New York, trat im August 2021 aber infolge einer Reihe von Skandalen und Vorwürfen zurück. 13 Frauen werfen Cuomo vor, er habe sie sexuell belästigt. Zahlreiche Demokraten, darunter auch der damalige Präsident Joe Biden, forderten Cuomo zum Rücktritt auf. © Imago
Protest gegen Andrew Cuomo in New York
Ebenfalls im Jahr 2021 sah sich Andrew Cuomo mit weiteren Vorwürfen konfrontiert. Dem damaligen Gouverneur wurde vorgeworfen, er und seine Regierung hätten im Zuge der Corona-Pandemie die Todeszahlen in New Yorker Seniorenheimen manipuliert, um Ermittlungen der Bundesregierung unter Donald Trump zu verhindern. © Imago
Andrew Cuomo kündigt seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahlen in New York City an
Doch vier Jahre versuchte Andrew Cuomo sich am politischen Comeback und kündigte seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahlen in New York City an. In den Vorwahlen der Demokraten unterlag der ehemalige Gouverneur aber dem Newcomer Zohran Mamdani. Davon ließ sich Cuomo aber nicht entmutigen. Kurz darauf gab er bekannt, als unabhängiger Kandidat bei der Wahl in der Hochburg der Demokraten anzutreten. © Imago
Der dritte im Bunde für die Bürgermeisterwahl in New York City ist Curtis Sliwa.
Der Dritte im Bunde für die Bürgermeisterwahl in New York City ist Curtis Sliwa. Er tritt als Kandidat der Republikaner an. Der 71 Jahre alte Radiomoderator machte sich als Gründer der „Guardian Angels“ einen Namen – eine Bürgerwehr, die seit 1979 in New York gegen Kriminalität vorgehen will und sich seitdem auf 130 Städte in den USA und weltweit ausgebreitet hat. Bei der Bürgermeisterwahl im Big Apple gilt Sliwa aber als Außenseiter im Rennen gegen Mamdani und Cuomo. © Imago
Wahlkampf in New York
Für die Anhängerschaft von Curtis Sliwa in New York ist Zohran Mamdani Feindbild Nummer Eins. Das Schild dieser Frau macht deutlich, wovor die Republikaner sich fürchten: Eine Wahl Mamdanis würde Sozialismus, Enteignung und Gewalt versursachen, heißt es dort. © imago
Amtsinhaber Eric Adams zog seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in New York City zurück.
Amtsinhaber Eric Adams zog seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in New York City zurück. Er hatte 2021 die Wahl als Kandidat der Demokraten gewonnen. Doch Vorwürfe der Bestechlichkeit und der illegalen Wahlkampffinanzierung führten von 2024 an zum Bruch zwischen Adams und seiner Partei. Der ehemalige Polizist, der zeitweise von Donald Trump unterstützt wurde, verkündete im April 2025, dass er als unabhängiger Kandidat in New York antreten wolle. Im September zog er sich aus dem Wahlkampf zurück – wohl auch, um die Chancen Cuomos im Duell mit Mamdani zu erhöhen. © Imago
Bei einer Wahlkampfveranstaltung vor der Bürgermeisterwahl in New York hielten sowohl Bernie Sanders als auch Alexandria Ocasio-Cortez Reden
Während Andrew Cuomo auf die Unterstützung der Eliten in New York hofft, stellt sich der linke Flügel der Demokraten demonstrativ hinter Zohran Mamdani. Bei einer Wahlkampfveranstaltung vor der Bürgermeisterwahl in New York hielten sowohl Bernie Sanders als auch Alexandria Ocasio-Cortez Reden, in denen sie zur Wahl Mamdanis aufriefen. © dpa
Die 36 Jahre alte Alexandria Ocasio-Cortez ist gebürtige New Yorkerin und vertritt den 14. Kongresswahlbezirk der Stadt im US-Repräsentantenhaus.
Die 36 Jahre alte Alexandria Ocasio-Cortez ist gebürtige New Yorkerin und vertritt den 14. Kongresswahlbezirk der Stadt im US-Repräsentantenhaus. Wie Mamdani wird auch „AOC“ dem linken Parteiflügel der Demokraten zugerechnet. © Imago
Chuck Schumer, Führer der Demokraten im US-Senat, und Hakeem Jeffries.
Im Gegensatz zum linken Flügel tut sich die Führung der Demokraten in Washington DC weiter schwer mit der Kandidatur von Zohran Mamdani in New York City. Chuck Schumer, Führer der Demokraten im US-Senat, sprach sich im Vorfeld der Bürgermeisterwahl nicht für Mamdani aus. Hakeem Jeffries (r.), Sprecher der demokratischen Fraktion im US-Repräsentantenhaus, unterstützte Mamdani erst spät. © imago
Comedian Andrew Schulz
Doch nicht nur linke Demokraten finden an Zohran Mamdani Gefallen. Auch zahlreiche Prominente aus New York sprachen sich vor der Bürgermeisterwahl für Mamdani aus. Darunter der Comedian Andrew Schulz, der vor der US-Wahl noch als Unterstützer der Kampagne Donald Trumps gegolten hatte.  © Imago
Unterstützung erhält Zohran Mamdani vor der Wahl in New York City auch von Ava DuVernay
Unterstützung erhält Zohran Mamdani vor der Wahl in New York City auch von Ava DuVernay. Die US-amerikanische Filmregiesseurin sprach sich öffentlich für eine Wahl des Kandidaten der Demokraten bei der Bürgermeisterwahl aus. © Imago
Emily Ratajowski. Das Supermodel, hier bei einem Formel 1 Rennen in Monte Carlo
Gleiches gilt für Emily Ratajkowski. Das Supermodel, hier bei einem Formel-1-Rennen in Monte Carlo unterstützte die Wahlkampagne von Zohran Mamdani mehrfach in den sozialen Medien. © Imago
Die Schauspielerin Cynthia Nixon
Cynthia Nixon ist eine weitere prominente Vertreterin aus dem Lager Zohran Mamdanis. Die Schauspielerin wurde durch ihre Rolle in der Kult-Serie „Sex and the City“, die in New York spielt, berühmt. Nixon unterstütze im Vorfeld der dortigen Bürgermeisterwahl Mamdanis Kampagne durch Auftritt auf Wahlkampfveranstaltungen und durch Posts in sozialen Medien. © Imago
Comedian Bowen Yang, hier auf dem New Yorker Empire State Building
Comedian Bowen Yang, hier auf dem New Yorker Empire State Building, postete ein Video auf Instagram, in dem er sich als Unterstützer von Zohran Mamdani zeigte. Dessen Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl in New York bezeichnete Yang als „historischen Moment“. © Imago
Sängerin Lorde stammt aus Neuseeland, lebt aber in New York.
Sängerin Lorde stammt aus Neuseeland, lebt aber in New York. Dort engagierte sich der 28 Jahre alte Popstar vor der Bürgermeisterwahl für Zohran Mamdani und forderte ihre Fans auf, ihre Stimme am 4. November dem Kandidaten der Demokraten zu geben. © Imago
New Yorker Rathaus
Ob Zohran Mamdani wirklich der Einzug in das New Yorker Rathaus gelingen wird, entscheidet sich am Dienstag, dem 4. November 2025. Die Wahllokale in der Millionenmetropole werden bis 21 Uhr Ortszeit geöffnet bleiben. Ein Ergebnis dürfte also erst am Mittwoch in den frühen Morgenstunden deutscher Zeit bekannt sein. © Imago

Der Konflikt, den Mamdanis Sieg auslöst, ist keiner zwischen Zivilisationen. Es geht um konkurrierende Weltanschauungen – die eine verankert in Trumps wütendem nationalistischem Projekt, die andere in Mamdanis globaler Stadt. Erstere bedroht Nichtstaatsbürger wegen ihrer Äußerungen mit Inhaftierung und Abschiebung. Zweitere ermöglicht es einem frühreifen ehemaligen Rapper, zum Führer der größten Metropole Amerikas aufzusteigen. Er fühlt sich in Kampala wohl eher zu Hause als in Kansas.

Wie ich bereits Anfang dieses Jahres schrieb, steht Mamdani auch an der Spitze eines breiteren Trends. Überall auf der Welt stehen liberale Bürgermeister großer Städte in Konflikt zur nationalistischen Politik ihres Hinterlands. Diese Spannung hat sich in einer Zeit des aufkommenden rechtsextremen Populismus im Westen noch verschärft. Bürgermeister vertreten Wählerkreise, die von Natur aus vielfältiger und multikultureller sind als die Nationen, in denen sie sich befinden. Sie erkennen, wie wichtig diese Vielfalt für die Dynamik ihrer Städte ist.

Femke Halsema, die linksgerichtete Bürgermeisterin von Amsterdam, warnte vor dem „drohenden Zusammenbruch einer sehr zivilisierten demokratischen Ordnung“ in ihrem Land aufgrund der durch die extreme Rechte angeheizten Polarisierung und der zunehmenden Angriffe auf Minderheiten. „Eine demokratische Gesellschaft schützt ihre Minderheiten“, sagte sie im August. „Freiheiten werden zuerst den Minderheiten genommen.“ Eine Zentrumspartei hat die niederländische extreme Rechte bei den Parlamentswahlen letzte Woche knapp geschlagen.

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Gergely Karacsony, der liberale Bürgermeister von Budapest, sieht es als seine tägliche Aufgabe an, sich den Maßnahmen des illiberalen nationalistischen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zu widersetzen oder ihnen entgegenzuwirken. „Wenn die Regierung die Zivilgesellschaft ins Visier nimmt, arbeiten wir mit diesen Organisationen zusammen. Wenn sie die unabhängige Presse angreift, solidarisieren wir uns mit den Journalisten“, sagte Karacsony mir Anfang dieses Jahres.

„Wir zeigen auch die Grenzen der Macht der Regierung auf – indem wir politische und rechtliche Mittel einsetzen, um uns gegen die finanzielle Strangulierung unserer Stadt zu wehren“, fügte er hinzu. „Wir versuchen, ein Beispiel zu setzen und ein Modell anzubieten, um zu beweisen, dass Politik auf moralischen Prinzipien basieren und von ethischen Zielen geleitet sein kann – und sollte.“

Mamdani wird sich in den kommenden Monaten zweifellos in ähnlichen Kämpfen mit Trump wiederfinden. Als Vorbild könnte er sich von der Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan inspirieren lassen, einem weiteren muslimischen Politiker südasiatischer Herkunft. Im Wahlkampf beschworen sowohl Mamdanis als auch Khans Gegner hysterische Visionen von den Politikern als extremistischen Dschihadisten herauf. Die Kandidaten selbst waren jedoch viel mehr daran interessiert, ihre Verbindungen und ihr Engagement für die finanziellen Belange der Arbeiterklasse in London und New York zu betonen.

Die meisten Insider der Demokratischen Partei in New York haben Trumps Beschreibung von Mamdani als „Kommunist“ ignoriert. Einige bezeichnen ihn sogar als „progressiven Kapitalisten“, der bereit ist, mit gemäßigteren Kollegen sowie Führungskräften aus Wirtschaft und Technologie zusammenzuarbeiten. Khan, der in Inhalt und Stil ein eher gemäßigterer Politiker ist als Mamdani, hat London durch die Turbulenzen des Brexit und der Pandemie geführt. Oft stand er im Widerspruch zur Tory-Regierung und diente in jüngerer Zeit als rhetorischer Punchingball der aufstrebenden rechtsextremen Partei Reform UK.

Linke Politiker in Europa beobachten Mamdanis Erfolg genau

„Wir befinden uns in beiden Ländern in einer Phase populistischer, rechtsextremer Aufstände. Und die Mitte-Links-Parteien sind völlig aus dem Konzept geraten“, sagte Matthew McGregor, Geschäftsführer von 38 Degrees, einem progressiven Think Tank mit Sitz in London, der New York Times. Und doch, so sagte er, „sind Sadiq und Zohran insofern ungewöhnlich und inspirierend, als sie versuchen, die Macht ihrer jeweiligen Städte zu nutzen, um den Fortschritt voranzutreiben.“

In Europa nehmen andere Politiker der Linken dies zur Kenntnis und schließen sich Mamdani an. In seinem Aufstieg suchen sie Inspiration, um ihr eigenes schwindendes Glück wiederzubeleben. Der ehemalige britische Labour-Chef Jeremy Corbyn veranstaltete am vergangenen Wochenende eine Telefonaktion zur Unterstützung von Mamdanis Kandidatur. Er verwies dabei auf ihre gemeinsame Liebe zum Arsenal Football Club in Nord-London. Manon Aubry, eine französische Politikerin, die eine Gruppe linker Fraktionen im Europäischen Parlament anführt, warb gemeinsam mit Mamdanis Anhängern und lobte die „Hoffnung auf einen radikalen Wandel“, für die er steht.

David Belliard, der Kandidat der Grünen für das Amt des Bürgermeisters von Paris, sagte in einem Interview mit Politico, Mamdanis Wahlkampf habe den Blickwinkel für Parteien wie seine verändert. Diese hätten in der Vergangenheit weniger populistische Wahlkämpfe geführt. „Wir haben viel Zeit damit verbracht, gegen das Ende der Welt zu kämpfen, aber vielleicht nicht genug damit, den Menschen zu helfen, über die Runden zu kommen“, sagte er.

Zum Autor

Ishaan Tharoor ist Kolumnist für Außenpolitik bei der Washington Post, wo er den Newsletter und die Kolumne „Today‘s WorldView“ verfasst. Im Jahr 2021 wurde er von der American Academy of Diplomacy mit dem Arthur Ross Media Award in der Kategorie „Kommentar“ ausgezeichnet. Zuvor war er leitender Redakteur und Korrespondent beim Time Magazine, zunächst in Hongkong und später in New York.

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 5. November 2025 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © Anadolu Selcuk Acar/Imago

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