Foreign Policy

Trumps zehn größte Fehler in der Außenpolitik – bis jetzt

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Donald Trump krempelt nicht nur die USA um, sondern bringt das internationale Gleichgewicht zum Wanken. Foreign Policy erklärt die wichtigsten Fehler.

  • Zollkrieg von Donald Trump schadet nicht nur USA, sondern auch vielen anderen Ländern
  • Trump gefährdet mit seiner Politik das internationale geopolitische und diplomatische Gleichgewicht
  • Trumps fossil-freundliche Politik überlässt Zukunft der erneuerbaren Energieerzeugung Ländern wie China
  • Dieser Artikel liegt erstmals in deutscher Sprache vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn am 10. September 2025 das Magazin Foreign Policy.

Washington – Seien wir ehrlich: Es ist schwer, sich ein Video von einem Flugzeugabsturz oder einem Gebäudeabriss nicht anzusehen. Man empfindet die gleiche beunruhigende Faszination, wenn man die Außenpolitik der Trump-Regierung beobachtet. Wir sitzen in der ersten Reihe und beobachten die größte freiwillige Auflösung des Status und des geopolitischen Einflusses einer Großmacht in der modernen Geschichte: Die Ergebnisse sind dramatisch und alarmierend, aber es ist fast unmöglich, wegzuschauen. Und das nach weniger als acht Monaten.

Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen

Am 20. Januar legt Donald Trump den Amtseid ab und wird als US-Präsident vereidigt.
Am 20. Januar legt Donald Trump den Amtseid ab und wird als US-Präsident vereidigt. In seiner Rede spricht er davon, andere Länder mit Zöllen zu belegen, um die US-Bürger zu bereichern. Noch am ersten Tag als Präsident verkündet Trump, die US-Nachbarländer Kanada und Mexiko mit Zöllen in Höhe von 25 Prozent zu belegen. Diese sollen ab dem 1. Februar in Kraft treten. © IMAGO/CNP/AdMedia
ines der ersten Länder, das am eigenen Leib erfahren musste, dass Trump nicht nur leere Drohungen ausspricht, war Kolumbien.
Eines der ersten Länder, das am eigenen Leib erfahren musste, dass Trump nicht nur leere Drohungen ausspricht, war Kolumbien. Am 26. Januar schickte Trump zwei US-Militärflugzeuge mit Migranten in das Land und forderte von Präsident Gustavo Petro, diese wieder aufzunehmen. Petro widersetzte sich zunächst, da die Passagiere seiner Ansicht nach nicht würdevoll behandelt worden seien. Daraufhin kündigte Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent gegen Kolumbien an. Auch Petro drohte mit Gegenzöllen auf US-Importe – ruderte später jedoch zurück und erlaubte die Landung der Maschinen. © IMAGO/Sebastian Barros
US Trump Tariffs
Schon früh nahm Trump die beiden Nachbarländer Kanada und Mexiko, sowie China ins Visier. Am 1. Februar kündigte er offiziell Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe aus beiden Ländern an, in China sind es erstmal nur 10 Prozent. Ziel sei es, den Handel mit dem Opioid Fentanyl sowie die illegale Einwanderung in die USA einzudämmen – Probleme, die Trump zufolge von den Nachbarn zu sehr vernachlässigt würden. Kanadische Energieexporte sollten dabei lediglich mit zehn Prozent besteuert werden. Nur zwei Tage später, am 3. Februar, verschob Trump die geplanten Maßnahmen für Kanada und Mexiko jedoch um einen Monat. Die Zölle auf China bleiben in Kraft. © IMAGO/Stringer
2025 Liberal Leadership Election Results Announcement In Ottawa
Nach dem Aufschub im Februar setzt Trump die 25-prozentigen Zölle gegen Kanada schließlich am 4. März in Kraft. Kanada reagiert zunächst unter Premierminister Justin Trudeau mit Gegenzöllen in gleicher Höhe auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar – darunter Produkte wie Orangensaft und Kaffee. Zudem bereitet Kanada weitere Zölle auf US-Exporte wie Autos und Stahl im Wert von rund 90 Milliarden Dollar vor. Trump reagiert erneut: Am 5. März werden die Zölle auf kanadische Autoimporte ausgesetzt, am 6. März folgen weitere Sektoren. Kanada zeigt sich daraufhin vorerst zurückhaltend. Am 10. März übernimmt Mark Carney das Amt des Premierministers und kündigt an, sich Trumps Handelspolitik entschieden entgegenzustellen. Nach einem weiteren Schlagabtausch – Kanada droht mit einem Stromlieferstopp, Trump kontert mit der Verdopplung der Zölle – beruhigt sich die Lage vorübergehend. Doch am 9. April führt Kanada schließlich Gegenzölle in Höhe von 25 Prozent auf Autoimporte ein, sofern diese nicht den USMCA-Richtlinien entsprechen. © IMAGO/Artur Widak
Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum nimmt die US-Zölle nicht einfach hin.
Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum nimmt die US-Zölle nicht einfach hin. Nach Trumps Ankündigung, ab Februar Strafzölle gegen Mexiko zu erheben, reagiert ihre Regierung mit der Androhung von Gegenzöllen. Noch bevor konkrete Maßnahmen folgen können, setzt Trump – wie bereits im Fall Kanadas – die Zölle zunächst aus. Später werden sie nur selektiv in wenigen Sektoren umgesetzt. © IMAGO/Gerardo Vieyra
Die 10-prozentigen Zölle auf China sind nur der Anfang eines eskalierenden Handelsstreits zwischen China und den USA.
Die 10-prozentigen Zölle auf China sind nur der Anfang eines eskalierenden Handelsstreits zwischen den beiden Ländern. Nachdem die Zölle am 4. Februar in Kraft treten, reagiert China mit ersten Gegenmaßnahmen. Das Land leitet eine Kartelluntersuchung gegen Google ein und erhebt 15-prozentige Zölle auf Kohle und Flüssigerdgasprodukte sowie 10 Prozent auf Rohöl und Maschinen. Anfang März erhöht Trump die US-Zölle auf chinesische Einfuhren auf 20 Prozent. Daraufhin kündigt China 15-prozentige Zölle auf US-Agrarprodukte wie Hühnerfleisch, Weizen und Baumwolle an. Etwas reduzierte Zölle von zehn Prozent gelten für Produkte wie Schweinefleisch, Hirse und Sojabohnen. © Mikhail Klimentyev/Kremlin Pool via www.imago-images.de
Am 26. März folgt schließlich die Ankündigung von Zöllen auf Autoimporte in die USA: Fertigfahrzeuge sollen ab dem 3. April mit 25 Prozent besteuert werden, Autoteile ab dem 3. Mai.
Doch nicht nur einzelne Länder trifft Trump mit seinen Zöllen. Am 10. Februar kündigt er erstmals an, Zölle auf Aluminium und Stahl zu erheben – die am 12. März global in Kraft traten. Weitere Durchführungsverordnungen des Republikaners befassen sich mit möglichen Importzöllen auf Kupfer und Holz, da diese für Verteidigung, Infrastruktur und Technologie als essenziell gelten und somit die nationale Sicherheit betreffen. Konkrete Maßnahmen dazu stehen noch aus. Am 26. März folgt schließlich die Ankündigung von Zöllen auf Autoimporte in die USA: Fertigfahrzeuge sollen ab dem 3. April mit 25 Prozent besteuert werden, Autoteile ab dem 3. Mai. © IMAGO/Dwi Anoraganingrum
Mit der Zollerhebung auf importierten Stahl und Aluminium wird auch die Europäische Union aktiv.
Mit der Zollerhebung auf importierten Stahl und Aluminium wird auch die Europäische Union aktiv. Am 12. März kündigt die EU Vergeltungsmaßnahmen auf US-Waren im Wert von rund 26 Milliarden Euro an, die gestaffelt in Kraft treten sollen – darunter Textilien, Agrarprodukte, Motorräder sowie ebenfalls Stahl und Aluminium. Trump reagiert empört und droht mit Strafzöllen von 200 Prozent auf europäischen Wein, Champagner und Spirituosen, sollte die EU an einem 50-prozentigen Zoll auf amerikanischen Whiskey festhalten. Die EU verschiebt ihre Maßnahmen daraufhin zunächst auf Mitte April. © IMAGO/Bert Van Den Broucke
Am 24. März gerät auch Venezuela ins Visier von Trump.
Am 24. März gerät auch Venezuela ins Visier von Trump. Er verkündet, ab dem 2. April alle Länder mit einem 25-prozentigen Zoll zu bestrafen, die Öl oder Gas aus Venezuela kaufen. Er begründet diese Entscheidung damit, dass das Land Kriminelle in die USA schicke und sich feindselig gegenüber den USA verhalte. Den gleichen Zoll werde er auch über Venezuela selbst verhängen, verkündete er. © IMAGO/Markus Matzel
Trump Annouinces New Tariffs at a Make America Wealthy Again Event
Nachdem Trump Konzepte für reziproke bzw. „gegenseitige“ Zölle mit seinem Amtseintritt in Auftrag gibt, wird er am 13. Februar zum ersten Mal konkreter. Er warnt davor, bald US-Zölle zu erheben, die „aus Gründen der Fairness“ auf das Niveau der Einfuhrzölle anderer Länder angepasst werden. Konkret wird Trump am 2. April, den von ihm deklarierten „Tag der Befreiung“.  © IMAGO/CNP/AdMedia
Trump nennt die genauen Details seiner „gegenseitigen“ Zölle
Am 2. April ist es dann tatsächlich so weit, und Trump nennt die genauen Details seiner „gegenseitigen“ Zölle. Zunächst erfolgt am 5. April ein allgemeiner Importzoll auf alle Waren von 10 Prozent, und am 9. April treten dann die länderspezifischen Gegenzölle in Kraft. Für China bedeutet das nochmals 34 Prozent, und die EU trifft es mit 20 Prozent. Außerdem spricht sich Trump dafür aus, Waren aus Kanada und Mexiko, die dem USMCA-Handelsabkommen entsprechen, zollfrei zu halten. Alle anderen Importzölle sollen auf 12 Prozent sinken, sollten die beiden Nachbarländer Trumps Forderungen nachkommen. Am Ende werden die zehnprozentigen Zölle umgesetzt, doch die reziproken Zölle werden kurz nach Mitternacht am 9. April um 90 Tage ausgesetzt. Ausgeblieben von der Regelung bleibt ein Land: China. © IMAGO/Stringer
Hauptsächlich beladen mit Containern aus China fährt ein Containerschiff elbaufwärts in den Hamburger Hafen.
Die 10-prozentigen Zölle auf China sind erst der Anfang eines eskalierenden Handelstreits zwischen den beiden Ländern. Nach dem die Zölle gegen CHina am 4. Februar in Kraft treten, verhängt CHina erste Gegenmaßnahmen. Das Land zettelt eine Karteluntersuchung gegen Google and, erhebt 15-prozentige Zölle auf Kohle und Flüssigerdgasprdoukte, sowie 10 Prozent auf Rohöl und Maschinen. Anfang März erhöht Trump den US-Zoll auf chinesische Einfuhren auf 20 Prozent. Daraufhin kündigt China 15 Prozent auf US_Agrarprodukte an, darunter Hühnergleisch, Weizen und Baumwolle. Etwas reduziertere Zölle von zehn Prozent givt es auf Produkte wie Schweinefleisch Hirse der Sojabohnen.  © Imago/Winfried Rothermel
Apple produziert seine IPhones hauptsächlich in China. Sie sind von dem Zoll ausgenommen.
Im Zollstreit mit China rudert Trump wieder etwas zurück. Am 13. April verkündete er, dass rückwirkend zum 5. April alle Smartphones, Computer und andere Elektronikprodukte aus China von den Zöllen befreit seien. Auch die 10-prozentigen Basiszölle seien davon ausgenommen. Kurz darauf korrigierte er seine Aussage auf der Social-Media-Plattform Truth Social teilweise. Es handle sich dabei gar nicht um eine „Ausnahme“, sondern die Produkte würden in einem anderen „Zolleimer“ landen. Sie unterlägen zudem den 20-prozentigen Anfangszöllen. Weiterhin wolle Trump im Laufe der neuen Woche, ab dem 14. April, die Höhe der Zölle für importierte Halbleiter bekannt geben. © IMAGO/CFOTO
Vehicles Export in Nanjing Port
Weitere Ausnahmen macht Trump bei importierten Autoteilen aus China: Sie sollen den allgemeinen Autozöllen unterliegen, die Anfang Mai in Kraft treten, jedoch nicht von den hohen allgemeinen China-Zöllen betroffen sein. Zu weiteren Kompromissen gegenüber China zeigt sich Trump momentan nicht bereit. In einer Pressekonferenz an Bord der Air Force One erklärte Trump, er werde die hohen Zölle nicht fallen lassen, „es sei denn, sie geben uns etwas [...], das substanziell ist.“ Zudem ergänzte er: „Es wird alles klappen. Diese Dinge funktionieren immer.“ © IMAGO/CFOTO
U.S.-China trade talks
Nach den eskalierenden Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China haben sich beide Länder bei Verhandlungen in Genf auf eine 90-tägige Zollpause geeinigt. Sowohl die USA als auch China senken ihre Zölle um 115 Prozentpunkte und erheben in diesem Zeitraum nur noch 30 bzw. 10 Prozent auf die Einfuhr von Waren. Spezielle Sonderzölle sind von der Pause ausgenommen. Weitere Verhandlungen finden in der Zwischenzeit statt, wie das Handelsministerium in Peking mitteilt. Hier im Bild: US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) und US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer bei der Pressekonferenz in Genf am 12. Mai. © IMAGO/ Kyodo News
Kananaskis, Alberta, Kanada, 16.06.2025: Mountain Lodge: G7-Gipfel 2025: US-Präsident Donald Trump und der deutsche Bund
Ende Mai kündigte Trump erneut Zölle gegen die EU an. Er drohte mit einem Zollsatz von 50 Prozent, der ab dem 1. Juni gelten sollte. Als Grund nannte er das Handelsdefizit. „Unsere Gespräche mit ihnen führen zu nichts“, sagte er im Zusammenhang mit den Verhandlungen. Wenige Tage nach der Ankündigung gewährte Trump auf Bitte der EU jedoch eine Verschiebung auf den 9. Juli, um mehr Zeit für Verhandlungen zu schaffen. CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte in diesem Zusammenhang das Vorgehen der EU und bezeichnete es am Tag der Industrie in Berlin am Montag, 23. Juni, als „viel zu kompliziert“. Er forderte, die Verhandlungen auf vier bis fünf große Branchen zu konzentrieren, darunter die Automobilindustrie, Chemie, Pharma und Maschinenbau. Hier im Bild: Donald Trump und Friedrich Merz beim G7-Treffen in Kanada Mitte Juni.  © IMAGO/Bergmann, Guido/BPA/dts Nachrichtenagentur
NATO Summit In The Hague
Am 29. Mai entschied das Gericht für internationalen Handel, dass Trumps Zölle nicht rechtswidrig sind. Denn laut dem Richter darf Trump sich nicht auf das Notstandsgesetz berufen. Eine mehrtägige Frist wurde verhängt, um die Zölle auszusetzen. Daraufhin legte die amerikanische Regierung jedoch Berufung ein, wodurch das Urteil vorerst ausgesetzt wurde. Das Berufungsgericht will den Fall nun eingehender prüfen. Am Ende steht der Supreme Court, der überwiegend mit Republikanern besetzt ist. Weitere Verfahren laufen derzeit vor dem Bezirksgericht in Washington und im Bundesstaat Kalifornien. Ein kurzfristiges Urteil ist vorerst jedoch nicht zu erwarten. © IMAGO/Jakub Porzycki
Waschmaschine, Kuehlschrank Copyright: xZoonar.com/LutzxWallrothx 829120
Die US-Regierung unter Trump erhöhte ab dem 4. Juni die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium von zuvor 25 Prozent auf 50 Prozent, um die heimische Industrie weiter zu schützen. Außerdem wurden ab dem 23. Juni die Zölle auf bestimmte Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Gefrierschränke, Geschirrspüler und Herde ausgeweitet, da diese oft stahlhaltige Komponenten enthalten. Von den erhöhten Zöllen sind britische Waren ausgenommen. © IMAGO/Zoonar.com/Lutz Wallroth
Brazil BRICS Summit
Als Reaktion auf ein Treffen der BRICS-Staaten in Rio de Janeiro verkündete Trump, jedes Land mit zusätzlichen Zöllen von 10 Prozent zu belegen, das erwäge, dem Verbund beizutreten. Diese Warnung veröffentlichte er am Sonntag, dem 6. Juli, in einem Beitrag auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social – kurz nachdem die Staatengruppe in einer Erklärung betont hatte, dass Trumps Zölle eine Bedrohung für den Welthandel darstellten. Hier im Bild: Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim Treffen in Brasilien. © IMAGO/Kirill Zykov
U.S.-WASHINGTON, D.C.-WHITE HOUSE-PRESS BRIEFING-TARIFFS
Trumps aufgeschobene, sogenannte gegenseitige Zölle sollten eigentlich am 9. Juli in Kraft treten. Doch kurz vor Ablauf der Frist verkündete die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt (im Bild: mit Trumps Brief an Südkorea), eine erneute Verschiebung – nun auf den 1. August. Als Begründung nannte sie den Wunsch, zusätzlichen Raum für Verhandlungen zu schaffen. Eine wichtige Ausnahme bildet die Volksrepublik China: Trump bezieht das Land nicht in den Fristaufschub ein, doch beide Seiten hatten sich zuvor in Gesprächen auf ein Handelsabkommen verständigt. Gleichzeitig setzt Trump ein deutliches Signal an andere Staaten: Er verschickt insgesamt 14 Briefe an verschiedene Länder, in denen neue Zollsätze angekündigt werden – mit Wirkung zum 1. August. Die ersten beiden Schreiben gehen an Japan und Südkorea. Laut den Briefen soll für beide Länder ein Zollsatz von 25 Prozent gelten. Die Maßnahmen sind nicht sektorspezifisch und gelten daher unabhängig von bestehenden Zöllen etwa auf Stahl oder Aluminium. In dem Schreiben warnt Trump zudem vor möglichen Gegenreaktionen: Sollten betroffene Länder mit eigenen Maßnahmen antworten, behalte sich die US-Regierung vor, die Zölle weiter zu erhöhen. © IMAGO/Hu Yousong
Japan PM comments on trade deal with U.S.
Im Zuge der Handelsstreitigkeiten mit den USA einigen sich US-Präsident Trump und der japanische Premierminister Shigeru Ishiba auf ein Handelsabkommen. Das am 23. Juli verkündete Abkommen soll die Zolllast für Japan verringern, die in einem zuvor versandten Brief von Trump noch bei 25 Prozent liegen sollte. Nun haben sich beide Seiten auf einen Zollsatz von 15 Prozent geeinigt. Im Gegenzug verspricht Japan, verstärkt in die USA zu investieren. Laut japanischen Medienberichten soll die 50-prozentige Abgabe auf Stahl- und Aluminiumgüter jedoch unverändert bleiben. Trump selbst bezeichnete das Abkommen als das „vielleicht größte, das jemals geschlossen wurde“. © IMAGO
Ursula von der Leyen für Handelsgespräche mit den USA offen
Nachdem Trump bereits Anfang Juli 14 Briefe an verschiedene Länder verschickt hatte, in denen er sie über geplante Zollerhöhungen informierte, folgte Mitte des Monats ein weiterer Brief an die EU. Demnach drohen Zölle in Höhe von 30 Prozent, die ab dem 1. August in Kraft treten sollen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte umgehend und warnte vor den wirtschaftlichen Folgen solcher Maßnahmen. Die EU zeigt sich laut Diplomaten in einem Bericht der Financial Times weiterhin verhandlungsbereit und wäre demnach bereit, einem Zollsatz von 15 Prozent zuzustimmen. Auch Abgaben auf bestimmte Produkte, etwa medizinische Geräte oder Flugzeuge, könnten entfallen. Eine endgültige Einigung steht jedoch noch aus. Von der Leyen warnte zudem, dass bei einem Scheitern der Gespräche Gegenmaßnahmen folgen könnten. © IMAGO/Matrix Images

Es sind so viele schlimme Dinge passiert, dass selbst Vollzeit-Außenpolitikexperten Schwierigkeiten haben, den Überblick zu behalten. Erinnern Sie sich überhaupt noch an Signalgate? Als öffentlichen Dienst biete ich Ihnen daher heute meine Top 10 der außenpolitischen Fehler der Trump-Regierung (bis jetzt) an.

1. Der schreckliche, furchtbare, nutzlose, sehr schlechte Handelskrieg

Ich bin kein Verfechter des absoluten Freihandels und ich erkenne an, dass es einige legitime Gründe gibt, den internationalen Handel durch Zölle oder andere Maßnahmen zu beschränken. Aber Präsident Donald Trumps inkonsequenter, unberechenbarer und ungerechtfertigter Angriff auf die globale Handelsordnung schadet gleichzeitig den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern.

Obwohl die Reaktionen der Märkte aus verschiedenen Gründen bisher verhalten waren, führt die Besteuerung ausländischer Importe bereits zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums in den USA und weltweit. Sie heizt die Inflation an, behindert die US-Fertigungsindustrie durch steigende Kosten für importierte Vorleistungen und verärgert viele andere Länder. Außerdem steht dies im Widerspruch zu einigen anderen Zielen der Regierung: Von Verbündeten zu verlangen, mehr für Verteidigung auszugeben, und dann mit einem Baseballschläger auf ihre Volkswirtschaften einzuschlagen, ist selbstzerstörerisch. Die Verwendung von Zöllen, um Regierungen zu bestrafen, deren Führer zufällig den dünnhäutigen US-Präsidenten verärgern, lässt die Vereinigten Staaten wie einen rachsüchtigen Tyrannen erscheinen.

Die kontrollierte, regelbasierte Liberalisierung der Weltwirtschaft ist eine der beeindruckendsten außenpolitischen Errungenschaften der Nachkriegszeit und einer der Gründe, warum die meisten Amerikaner heute ein reichhaltigeres Leben führen als ihre Großeltern. Ist diese Ordnung perfekt? Nein. Erfordert sie ständige Pflege und gelegentliche, gut durchdachte Reformen? Natürlich. Was sie jedoch nicht braucht, ist das zerstörerische Feuer, das Trump entfacht hat – ein Ansatz, der sowohl wirtschaftlich unvernünftig als auch geopolitisch töricht ist.

Welcher strategische Genie erklärt offen im Voraus, dass er gerne Gebiete einnehmen würde, die eindeutig zu einem anderen Land gehören? Trumps Vorschlag, Kanada zum 51. Bundesstaat zu machen, und seine Strafzollpolitik gegenüber diesem Land – siehe oben – trugen dazu bei, einen pro-Trump-Kandidaten bei den letzten kanadischen Wahlen zu besiegen. Sie haben möglicherweise eine Gesellschaft, die seit mehr als einem Jahrhundert ein außergewöhnlich guter Nachbar ist, dauerhaft entfremdet.

Sein ebenso fehlgeleiteter Wunsch, Grönland zu erobern, macht weder strategisch noch wirtschaftlich Sinn, hat aber die Beziehungen zu Dänemark, einem der zuvor proamerikanischsten Länder Europas, getrübt. Das ist nun nicht mehr der Fall: Eine aktuelle Umfrage einer dänischen Zeitung ergab, dass 41 Prozent der Dänen die Vereinigten Staaten nun als Bedrohung betrachten. Und ist Trump sich bewusst, dass die Untergrabung bestehender Normen gegen dieses imperiale Verhalten anderen die Tür für ähnliche räuberische Handlungen öffnen wird? Die Antwort lautet nein – das ist ihm nicht bewusst.

3. Andere gegen die Vereinigten Staaten vereinen

In einer multipolaren Welt sollte es das Ziel sein, so viele wichtige Verbündete wie möglich zu gewinnen und die wichtigsten Rivalen zu isolieren. Wie der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck es ausdrückte, sollte in einer Welt mit fünf rivalisierenden Mächten das Ziel sein, eine der drei zu sein. Der verstorbene US-Außenminister Henry Kissinger vertrat während des Kalten Krieges eine ähnliche Ansicht und sagte, dass es in einer dreiseitigen Beziehung (wie zwischen den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und China) besser sei, sich mit dem schwächeren der beiden zu verbünden, um den stärkeren in Schach zu halten.

Da die Vereinigten Staaten weit von den anderen Großmächten entfernt sind und keine nennenswerten territorialen Ambitionen in Eurasien hatten, zogen es viele wichtige Staaten dort vor, mit den Vereinigten Staaten ein Gleichgewicht herzustellen, anstatt sich gegen uns zu verbünden. Das ist ein wichtiger Grund, warum das von den USA geführte Bündnissystem größer, stärker und viel reichhaltiger war als der Warschauer Pakt und warum alle anderen Großmächte sich nicht zusammengeschlossen haben, um die Vereinigten Staaten während der unipolaren Phase in Schach zu halten. Im Gegenteil, viele von ihnen suchten die Hilfe der USA, um Herausforderungen in ihrer näheren Umgebung zu bewältigen.

Trump hat es geschafft, diesen beträchtlichen Vorteil zu gefährden, vor allem durch seine persönliche Fehde mit dem indischen Premierminister Narendra Modi. Wie der Gipfel vom 31. August und 1. September in Tianjin gezeigt hat, haben seine Handlungen dazu beigetragen, Indien näher an Russland, China und Nordkorea heranzuführen. Damit untergraben sie die fast drei Jahrzehnte langen Bemühungen der USA, Neu-Delhi als Gegengewicht zur wachsenden Macht Pekings zu kultivieren. Ich wusste, dass Trumps bevorzugtes Modell für die globale Governance – eine „Konferenz der Königsmacher“ – nicht funktionieren würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass er es selbst zunichte machen und die Vereinigten Staaten außen vor lassen würde.

Präsident Donald Trump spricht mit Reportern, bevor er mit Marine One vom South Lawn des Weißen Hauses abfliegt

4. Grünes Licht für Völkermord

Die Nahostpolitik der USA ist seit langem dysfunktional, und Trump ist nicht verantwortlich für die beschämende und ineffektive Reaktion der Biden-Regierung auf Israels Völkermordkrieg gegen Gaza. Die großzügige und bedingungslose Unterstützung Israels trotz seiner Handlungen dort und im Westjordanland macht die Amerikaner weder sicherer noch reicher oder weltweit angesehener. Meinungsumfragen zeigen zunehmend, dass das amerikanische Volk dies nicht mehr unterstützt.

Viele Demokraten und eine wachsende Zahl prominenter Republikaner stellen diese Politik offen in Frage. Das bedeutet, dass Trump eine einmalige Gelegenheit hatte, den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu daran zu erinnern, dass die Vereinigten Staaten eine Großmacht und Israel ein abhängiger Klientelstaat sind. Er hätte damit die Beziehungen der USA zu Israel und anderen Staaten in der Region auf eine neue und solidere Grundlage stellen können. Er hätte Netanjahu lediglich mitteilen müssen, dass die US-Hilfe eingestellt würde, wenn er keinen Waffenstillstand akzeptiere, die faktische Annexion des Westjordanlands beende und sich ernsthaft um eine Zwei-Staaten-Lösung bemühe.

Was hat Trump stattdessen getan? Er hat die Gelegenheit verpasst und sich stattdessen dafür entschieden, Israels vergeblichen und selbstzerstörerischen Versuch zu unterstützen, eine dauerhafte regionale Vorherrschaft zu errichten.

5. Putin die Tasche leeren lassen

Im Gegensatz zu vielen Kritikern Trumps halte ich seine Ansichten zur Beendigung des Krieges in der Ukraine nicht für völlig falsch. Ich wünschte, die Situation wäre anders, aber er hat Recht mit seiner Einschätzung, dass die Ukraine (in absehbarer Zukunft) nicht alle ihre verlorenen Gebiete zurückerhalten wird. Eine Friedenslösung muss einige (wenn auch nicht alle) der Gründe berücksichtigen, die Russland überhaupt erst dazu veranlasst haben, seinen illegalen Krieg zu beginnen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass Russland seine Übergriffe nicht wieder aufnimmt.

Aber Trumps Überzeugung, er könne den Krieg beenden, indem er die ukrainischen Führer einschüchtert und den russischen Präsidenten Wladimir Putin beschwichtigt, war bestenfalls naiv. Das schlecht vorbereitete und letztlich bedeutungslose „Gipfeltreffen“ mit Putin in Alaska war eine peinliche Erinnerung daran, dass Trump ein unvorsichtiger und unfähiger Verhandlungsführer ist. Er ist mehr daran interessiert, Aufmerksamkeit zu erregen, als echte Fortschritte in Richtung Frieden zu erzielen.

6. Die grüne Revolution rückgängig machen

Quizfrage: Ist es in einer Zeit, in der Treibhausgasemissionen die globalen Temperaturen in die Höhe treiben, gefährliche Wetterereignisse verstärken und Millionen von Menschenleben weltweit bedrohen, und in der künstliche Intelligenz und andere technologische Entwicklungen gleichzeitig den Bedarf an riesigen Mengen neuer Elektrizität steigern, überhaupt sinnvoll, die Bemühungen der USA zum Ausbau der Solar- und Windkraftkapazitäten zu untergraben? Und dann andere Länder zu drängen, dasselbe zu tun? Ist das ein Witz?

Selbst wenn man große Öl- und Gasunternehmen schützen wollte (und weiterhin ihre Wahlkampfspenden anziehen wollte), lassen diese Vogel-Strauß-Politiken die Vereinigten Staaten nur ignorant und kurzsichtig erscheinen. Sie bedeuten auch, dass die Vereinigten Staaten die Zukunft der erneuerbaren Energieerzeugung an Länder wie China abtreten. China dominiert bereits viele grüne Technologien und wird wahrscheinlich auch in Zukunft die Vorherrschaft in diesen Bereichen haben. Es bedarf einer besonderen Art von Blindheit, um die Torheit dieser Handlungen nicht zu erkennen, aber ich fürchte, dass diese Regierung mehr als genug Kurzsichtigkeit zu bieten hat.

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7. Sinnlose Demonstrationen militärischer Stärke

Zu Trumps Ehrenrettung muss gesagt werden, dass er sich vor den „ewigen Kriegen“ hütet, in die der ehemalige Präsident George W. Bush verstrickt war und denen auch Präsident Barack Obama nicht entkommen konnte. Aber er greift gerne auf Luftangriffe in kurzen Kampagnen gegen schwache Gegner zurück, die uns nicht ohne Weiteres zurückschlagen können, wie beispielsweise der Iran, die Houthis im Jemen oder ein kleines Boot mit mutmaßlichen Drogenschmugglern in der Karibik.

Das Problem ist, dass diese halb zufälligen Kriegshandlungen keinen konkreten strategischen Zweck erfüllen – die Houthis bleiben trotzig, das iranische Atomprogramm wurde nicht zerstört, und der Fluss illegaler Drogen aus Lateinamerika wird durch diesen illegalen Akt politischer Theateraufführung unvermindert anhalten. Trumps parallele Bemühungen, das US-Militär zu einem Instrument der inneren Repression zu machen, sollten alle Amerikaner beunruhigen. Das gilt sowohl wegen der Gefahr, die sie für die Freiheit im eigenen Land darstellen, als auch weil der Einsatz der Nationalgarde und anderer militärischer Mittel auf US-Boden unweigerlich die Fähigkeit der Vereinigten Staaten beeinträchtigen wird, mit einer immer mächtiger werdenden Reihe ausländischer Feinde fertig zu werden.

8. Der Versuch, die Federal Reserve zu übernehmen

Trumps Versuch, den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell und Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen, mag wie eine rein innenpolitische Angelegenheit erscheinen, hat jedoch große Auswirkungen auf die Außenwirtschaftspolitik der USA. Eine zuverlässig unabhängige Zentralbank stärkt das Vertrauen des Auslands, dass die US-Geldpolitik nicht auf die persönlichen Interessen oder Launen eines Präsidenten zugeschnitten ist. Das führt wiederum dazu, dass sie eher bereit sind, US-Schulden zu akzeptieren und den Dollar als Reservewährung zu verwenden.

Wenn Politiker die Kontrolle über die Geldpolitik übernehmen – wie es Präsident Recep Tayyip Erdogan in der Türkei oder verschiedene argentinische Staatschefs in der Vergangenheit getan haben –, sind die Folgen in der Regel katastrophal. Wenn die Republikaner im Senat und der derzeitige Oberste Gerichtshof Trumps Versuch, die Fed zu politisieren, unterstützen, werden sich Oberrichter John Roberts und seine Kollegen einen besonderen Platz in den Annalen destruktiven richterlichen Fehlverhaltens sichern.

9. Institutionalisierung von Inkompetenz

Diese außenpolitischen Fehltritte sind nicht überraschend, da die Regierung bewusst Beamte ernannt hat, die für ihre Positionen nicht qualifiziert sind. Sie haben wenig oder keine Erfahrung in der Leitung großer Organisationen und wurden nicht aufgrund ihrer Fachkenntnisse, sondern aufgrund ihrer persönlichen Loyalität gegenüber dem Präsidenten ausgewählt.

Ich spreche von Ihnen, Verteidigungsminister Pete Hegseth, und Ihnen, Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes Tulsi Gabbard, und insbesondere von Ihnen, Sonderbeauftragter Steve Witkoff. Um Himmels willen: Wer würde einem Immobilienmagnaten ohne jegliche diplomatische Erfahrung die schwierige Aufgabe übertragen, den Krieg in der Ukraine zu beenden und den Völkermord in Gaza zu beenden? Antwort: ein Präsident, dem beides eigentlich egal ist. Das sind die unseriösen Leute, die glauben, dass die Benennung eines Gewässers als „Golf von Amerika“ oder der Versuch, das Verteidigungsministerium umzubenennen, die Vereinigten Staaten auf magische Weise sicherer, stärker und wohlhabender machen würde.

Ich weiß, was Sie denken. Angesichts einiger meiner anderen Schriften könnten Sie denken, dass ich dafür bin, mit der Machete gegen die Außenpolitik vorzugehen. Sie könnten daher denken, dass ich Trumps Bemühungen begrüßen würde, das Außenministerium zu säubern, viele hochrangige Militärs und Spitzenbeamte des Geheimdienstes zu entlassen und zahlreiche andere Beamte zum Rücktritt zu drängen.

Aber wie ich bereits zuvor angemerkt habe, sind die Hauptprobleme der jüngsten US-Außenpolitik nicht auf die überparteilichen Fachleute im zivilen oder auswärtigen Dienst zurückzuführen. Sie sind entweder auf die fehlgeleiteten Ambitionen aller Präsidenten seit dem Ende des Kalten Krieges zurückzuführen oder auf die politischen Beauftragten, auf deren Rat sie sich verlassen haben, um ihre Vision umzusetzen.

Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik

Donald Trump
Seit dem 20. Januar 2025 sitzt Donald Trump wieder im Weißen Haus. Es folgen Attacken auf Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Menschenrechte. Wie aber kann man die Lage in den USA beschreiben? Der renommierte Faschismusforscher Jason Stanley bringt es Ende März in einem Interview mit „Zeit Online“ auf den Punkt. Auf die Frage, ob er von faschistischen Zuständen im Land sprechen würde, sagt er: „Ja, natürlich. Welche Begriffe sollen wir denn sonst verwenden?“ Faschismus sei nicht einfach nur ein Schimpfwort, sondern ein Konzept, das helfe, die Realität zu verstehen. „Und was wir jetzt sehen – das ist Faschismus.“  © Saul Loeb/AFP
Donald Trump
Gleich zum Amtsantritt demonstriert Trump Tatendrang. Schon am 20. Januar unterzeichnet er Dutzende Dekrete – mit einigen schafft er Fakten, mit anderen setzt er Zeichen. Aber vor allem demontiert er das Vermächtnis seines demokratischen Vorgängers Joe Biden.  © Jim Watson /AFP
Amtseinführung Trump
Eine seiner Anordnungen sorgt für Aufruhr: Trumps Versuch, das verfassungsmäßige Recht auf US-Staatsangehörigkeit durch Geburt zu beschränken, wird umgehend angefochten. Mehrere Gerichte blockieren Trumps Dekret. Im 14. Zusatzartikel zur Verfassung heißt es, dass Personen, die in den USA geboren werden, die Staatsbürgerschaft erhalten. Trump argumentiert, das gelte nicht, wenn die Mutter bei der Geburt widerrechtlich oder nur temporär in den USA gewesen sei. Die Frage der Rechtmäßigkeit wird wohl der Supreme Court klären müssen.  © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP/dpa
Grenze zu Mexiko
Um die illegale Migration einzudämmen, verhängt Trump an seinem ersten Arbeitstag den nationalen Notstand an der Südgrenze zu Mexiko. Zugleich erteilt er dem Verteidigungsminister die Befugnis, das Militär zu entsenden, um diesem Notstand zu begegnen und das Heimatschutzministerium zu unterstützen. Niemand soll mehr über die Südgrenze in die USA gelangen, so das erklärte Ziel. Darüber hinaus ordnet Trump den Ausbau von Grenzbefestigungen zu Mexiko an. © Kyle Chan/AFP
Kapitol
Kurz nach Trumps Amtsantritt rückt auch der Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 wieder ins Rampenlicht. Trump begnadigt alle Personen, die deswegen verurteilt worden sind. Es handelt sich um etwa 1500 Menschen, darunter befinden sich auch Mitglieder der rechtsradikalen „Proud Boys“ und „Oath Keepers“. Trumps Erlass zeigt auch Wirkung in Deutschland. Wenn ein Präsident 1500 verurteilte Menschen aus politischen Gründen begnadige, „dann ist das das Ende des Rechtsstaats“, schreibt Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte auf der Plattform X. „Es bedeutet schlicht, dass die Anhänger des Präsidenten über dem Gesetz stehen.“ © Roberto Schmidt/AFP
Elon Musk
Elon Musk gilt seit Trumps Amtsübernahme als so eine Art Schattenpräsident. Bei einer Veranstaltung zur Amtseinführung macht der Tech-Milliardär eine Geste, die viele schockiert. Während seiner Rede hält er seine rechte Hand an sein Herz – und streckt sie dann in einer schnellen Bewegung nach oben raus. Danach wiederholt er die Geste noch einmal in eine andere Richtung. „Musk hat zwei Mal den Hitlergruß gezeigt“, hält USA-Expertin Annika Brockschmidt auf Bluesky nüchtern fest. © Angela Weiss/AFP
Potomac
Kurz nach Trumps Amtsübernahme häufen sich die Flugunfälle in den USA. Die Flugaufsichtsbehörde FAA steht nach dem Rücktritt ihres Chefs am 20. Januar ohne Leitung da. Wenige Tage später kollidiert ein Passagierflugzeug über dem Potomac River in der Hauptstadt mit einem Militärhubschrauber. Alle 67 Menschen an Bord beider Maschinen kommen ums Leben. Trump schockiert danach mit einem zynischen Kommentar. Auf die Frage, ob er die Absturzstelle besuchen werde, antwortet der Präsident: „Soll ich etwa schwimmen gehen?“ © Roberte Schmidt/AFP
USAID
Anfang Februar nehmen Trump und Musk beim Umbau des Staatsapparates die Behörde für internationale Entwicklung USAID ins Visier. Musk startet einen regelrechten Feldzug gegen die Behörde, die er als „Schlangennest von linksradikalen Marxisten, die Amerika hassen“ bezeichnet. Auch Trump wettert regelmäßig gegen die Ausgaben der USA für internationale humanitäre Hilfe. © Tom Williams/Imago
Panama-Proteste
Schon in seiner Antrittsrede macht Trump klar, dass die USA während seiner zweiten Amtszeit ihr Territorium zu erweitern gedenken. So verspricht er seinen Fans, den Panamakanal zurückzuholen. Während des Besuchs von Außenminister Marco Rubio am 2. Februar protestieren Dutzende Menschen auf den Straßen von Panama-Stadt gegen die Ansprüche der US-Regierung. Die für den internationalen Handel wichtige Wasserstraße verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von den USA gebaut und wird seit 1999 ausschließlich von Panama verwaltet.  © Martin Bernetti/AFP
Pro-Kanada Demo in Ottawa
Zudem erklärt Trump ein ums andere Mal, den weltweit zweitgrößten Flächenstaat Kanada zum 51. Bundesstaat machen zu wollen. Die Menschen in Kanada reagieren entsetzt. Die Feindseligkeit gegenüber den USA wächst. Bei Sportwettkämpfen wird die US-Hymne ausgebuht, auf dem Parliament Hill in Ottawa kommt es zu Protesten. © Justin Tang/dpa
Trump Dekret
Am 5. Februar unterzeichnet Trump ein Dekret, die Transmenschen von der Teilnahme am Frauensport ausschließen soll, vor allem an öffentlichen Schulen und Hochschulen. Damit sei „der Krieg gegen den Frauensport beendet“, erklärt Trump im Weißen Haus und kritisiert wie bereits häufig zuvor die in seinen Augen „militante Transgender-Ideologie“ der „radikalen Linken“. © Andrew Harnik/AFP
Proteste USA
Doch es regt sich auch erster Protest in den USA. Anfang Februar gehen zahlreiche Menschen in den gesamten USA gegen Trump, Musk und das Kabinett auf die Straße. Die 50501-Bewegung – 50 Staaten, 50 Proteste, ein Tag – ruft zu Protesten vor den Kapitolen der einzelnen Bundesstaaten auf. © Fred Greaves/AFP
Golf von Mexiko
Am 11. Februar schließt das Weiße Haus einen Reporter von Associated Press von der Berichterstattung über eine Veranstaltung aus. Die Nachrichtenagentur wehrt sich mit einer Klage. Hintergrund des Konflikts ist die Weigerung der AP, in ihrer Berichterstattung Donald Trumps Neubezeichnung für den Golf von Mexiko zu verwenden. Die Umbenennung der Meeresbucht in „Golf von Amerika“ hat Trump per Exekutivorder verfügt. Der Name „Golf von Mexiko“ für das Randmeer des Atlantiks ist seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich. © Roberte Schmidt/AFP
Trump
Dann greift Trump nach der Kultur: Ihm unliebsame Shows mit Dragqueens soll es im Kennedy-Center nicht mehr geben. Deshalb macht er sich dort selbst zum Boss. In der Geschichte des 1971 eröffneten Zentrums ist das Eingreifen Trumps (hier in der Präsidentenloge zu sehen) ein noch nie dagewesener Vorgang. Im März werden US-Vize JD Vance und seine Ehefrau Usha beim Besuch eines Konzertes ausgebuht. © Jim Watson/AFP
Robert kennedy
Am 13. Februar bestätigt der Senat Robert F. Kennedy Jr. als 26. US-Gesundheitsminister. In den Jahren zuvor hat der Neffe des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy vielfach Zweifel an Impfungen gestreut, Verschwörungsmythen verbreitet und mit schrillen Wortmeldungen von sich reden gemacht. Im März steigt im Süden der USA die Zahl der Masernerkrankungen. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Erkrankten nicht geimpft. Kennedy verweist auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel.  © Win McNamee/dpa
Brown Hegseth
Trump macht auch vor dem Militär nicht halt. Ende Februar feuert er den Generalstabschef der US-Streitkräfte. Charles Q. Brown (links) war erst der zweite Afroamerikaner auf dem Spitzenposten. Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth (rechts) hatte schon kurz nach der eigenen Nominierung davon gesprochen, dass Brown aus seiner Sicht entlassen gehöre – wegen dessen Fokus auf Diversität, Gleichbehandlung und Inklusionsthemen im US-Militär. © Saul Loeb/AFP
Trump Selenskyj Vance
Am 28. Februar kommt es im Oval Office zum Eklat: Ein Gespräch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, an dem auch JD Vance teilnimmt, läuft völlig aus dem Ruder. Nach einem beispiellosen Streit vor laufenden Kameras wird das Treffen vorzeitig abgebrochen. Eine gemeinsame Pressekonferenz fällt ins Wasser.  © Jim LoScalzo/Imago
US-Präsident Donald Trump (Mitte) gibt dem Leiter der Bundesgerichte und Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, John Roberts (rechts), die Hand.
Vor allem die Justiz stellt sich den Plänen der US-Regierung entgegen. Deshalb fordert Trump immer wieder, missliebige Richter und Richterinnen einfach abzusetzen. Daraufhin schaltet sich auch der Oberste US-Richter ein. „Seit mehr als zwei Jahrhunderten steht fest, dass ein Amtsenthebungsverfahren keine angemessene Reaktion auf eine Meinungsverschiedenheit über eine gerichtliche Entscheidung ist“, erklärt John Roberts (rechts).  © Win McNamee/imago/Archivbild
US-Heimatschutzministerin Noem besucht Gefängnis in El Salvador
Hintergrund ist ein Streit zwischen den Gerichten und Trump über die Abschiebung mehrerer Hundert mutmaßlicher Mitglieder eines venezolanischen Verbrecherkartells nach El Salvador unter Berufung auf ein Gesetz von 1798. Der Konflikt über die Abschiebungen könnte sich zu einer Verfassungskrise entwickeln. Bei einem Besuch vor Ort droht die Heimatschutzministerin Kristi Noem später allen, die illegal in die USA einreisen und Straftaten begehen, mit einer Unterbringung im Hochsicherheitsgefängnis Cecot.  © Alex Brandon/dpa
Trump vor US-Kongress
Und was machen eigentlich die oppositionellen Demokraten? Sie geben weitgehend ein trauriges Bild ab. Parteistratege James Carville plädiert in der NY Times sogar dafür, sich erst einmal tot zu stellen. Die meisten tun das auch. Al Green sieht das anders. Der 77-Jährige unterbricht Trump bei dessen Rede vor dem Kongress am 4. März mit lauten Zwischenrufen. Deswegen wird der Abgeordnete aus Texas aus dem Saal geführt. Hinterher rügt das Repräsentantenhaus Green wegen seines Protests – auch zehn Parteikollegen stimmen dafür. © Win McNamee/dpa
Schumer
Wenige Tage später kommt es bei der Abstimmung über den Haushalt zum offenen Bruch. Im Raum steht die Frage, ob die Demokraten das Finanzierungsgesetz der Republikaner mittragen oder aus Protest einen Shutdown in Kauf nehmen. Während die Demokraten im Repräsentantenhaus fast geschlossen gegen den Haushalt stimmen, legt Chuck Schumer, der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, eine Kehrtwende hin und sorgt dafür, dass der Haushalt mit den Stimmen seiner Partei die Parlamentskammer passierte. Noch Ende Januar hatte Schumer eine drastische Ausgabensperre als „verfassungswidrig“ sowie „gefährlich, zerstörerisch, grausam“ bezeichnet. Jetzt sagt er, kämpfen lohne sich hier nicht, der Preis dafür sei zu hoch.  © Annabelle Gordon/Imago
Alexandria Ocasio-Cortez ''AOC'' und Bernie Sanders
Doch es geht auch anders. Das beweist mal wieder der unabhängige Senator Bernie Sanders, der mit seiner „Kampf gegen die Oligarchie-Tour“ Tausende Linke im Land bei seinen Auftritten um sich schart. Man müsse blind sein, um nicht zu sehen, dass es heute in den USA eine Regierung der Milliardäre, gesteuert von Milliardären und gemacht für Milliardäre gebe, sagt er dem Sender NPR. Der 83-Jährige ist nicht allein: Mehrfach zeigt sich die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez an seiner Seite. Die 35-Jährige ist die prominenteste Vertreterin des linken Flügels der Demokraten. © Gage Skidmore/Imago
Einwanderungsbeamte verhaften palästinensischen Aktivisten
Die Columbia-Universität ist das Epizentrum der propalästinensischen Gaza-Proteste in den USA. Für großes Aufsehen sorgt seit dem 8. März der Fall des palästinensischen Studenten Machmud Chalil. Die US-Regierung wirft dem an jenem Tag verhafteten Absolventen der New Yorker Universität unter anderem vor, auf dem Campus Flugblätter mit Hamas-Logo verteilt zu haben, und will ihn abschieben. Dabei besitzt der mit einer Amerikanerin verheiratete Student seiner Anwältin zufolge eine Greencard und damit eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in den USA. © Yuki Iwamura/dpa
Migration in den USA - Studentin inhaftiert
Ebenfalls im März erschüttern die verstörenden Bilder einer Überwachungskamera die USA. An der Tufts Universität bei Boston wird eine türkische Doktorandin auf dem Weg zum Fastenbrechen auf offener Straße in der Nähe ihres Apartments von zivil gekleideten Beamten des Heimatschutzministeriums gestoppt und festgenommen. Die Behörden werfen ihr Unterstützung der Hamas vor. Ihr droht die Abschiebung. © dpa
US-Vizepräsident Vance besucht Grönland
Die Expansionspolitik Trumps betrifft auch Grönland. Schon Anfang Janaur schließt er wirtschaftlichen Zwang und militärische Gewalt nicht aus, um sich die größte Insel der Erde einzuverleiben. Ende März erhöht Vize Vance noch einmal den Druck. Bei einem Besuch mit seiner Ehefrau Usha macht er Dänemark schwere Vorwürfe. „Wenn der Präsident sagt, dass wir Grönland haben müssen, dann sagt er damit, dass diese Insel nicht sicher ist“, erklärt Vance. © Jim Watson/dpa
Polarlichter in Alaska
Trump hat auch Alaska im Blick – nicht aber wegen der Polarlichter. Vielmehr will er dafür sorgen, dass die USA noch mehr Öl und Gas fördern. Schon im Wahlkampf hatte er das Motto „Drill, baby, drill“ ausgegeben. Zudem will er die USA wieder aus dem Pariser Klimaschutzabkommen führen. © Hasan Akbas/dpa
Smithsonian
Trump will auch die Geschichte der USA per Dekret umdeuten lassen. Ende März beauftragt er JD Vance deshalb damit, vor allem in Museen auf Darstellungen im Sinne der neuen Regierung hinzuarbeiten. Als Beispiel nennt Trump die berühmte Smithsonian Institution, die vor allem in der Hauptstadt etliche Museen betreibt. Das Smithsonian sei unter den Einfluss einer spalterischen, auf ethnische Zugehörigkeit ausgerichteten Ideologie geraten, kritisiert Trump.  © Kevin Dietsch/AFP
US-Präsident Trump
US-Präsidenten dürfen laut Verfassung maximal zwei Amtsperioden regieren. Trump sinniert inzwischen öffentlich darüber nach, wie die Regel zu umgehen sei. Auch die oppositionellen Demokraten fürchten, der Republikaner könne versuchen, die Verfassung anders auszulegen, um länger an der Macht zu bleiben. Die juristische Fachwelt hat ebenfalls schon Theorien durchgespielt, wie Trump das versuchen könnte. © dpa
Tesla "Cybertruck"
Unterdessen gehen in den USA immer wieder Tesla-Autos in Flammen auf – aus Protest gegen Firmenchef und Trump-Intimus Elon Musk, der ohne jegliches politisches Mandat einen Kahlschlag im US-amerikanischen Staatsapparat durchsetzt. Bei einem Auftritt im Weißen Haus beklagt sich Trump über „brennende Verkaufsräume“ und Tesla-Autos, „die überall brennen, explodieren“.  © Lindsey Wasson/dpa
Musk Wisconsin
Grund für die Aufregung ist der enorme Einfluss von Elon Musk. Ein Beispiel: Vor der Justizwahl im US-Bundesstaat Wisconsin überreicht der Tech-Milliardär zwei Millionenschecks an Personen, die seinen Angaben zufolge eine Petition gegen „aktivistische Richter“ unterzeichnet haben. Die Demokraten prangern Musks Geldgeschenke als illegalen Stimmenkauf an. Am Ende muss Musk das Geld abschreiben: Der konservative Kandidat Brad Schimel verliert gegen die linksliberale Richterin Susan Crawford. © Robin Legrand/AFP
US-Präsident Trump
Den 2. April erklärt Trump zum „Tag der Befreiung“: Im berühmten Rosengarten des Weißen Hauses kündigt er neue US-Zölle für Handelspartner aus aller Welt an. Die härtesten Strafzölle treffen ein französisches Überseegebiet – die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon – und den afrikanischen Kleinstaat Lesotho, über den Trump kurz vorher noch gescherzt hatte, niemand habe von dem je gehört. Das Zollpaket ist der bisher aggressivste Baustein seiner rabiaten Handelspolitik. Trump sieht bereits ein „goldenes Zeitalter“ der USA aufziehen – aber sein folgenreicher Schritt dürfte auch US-Verbraucher hart treffen. © Mark Schiefelbein/dpa
US-Präsident Trump
Fünf Millionen Dollar für ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht in den USA – diese Pläne einer „Gold Card“ stellt Trump bereits im Februar vor. Anfang April präsentiert er dann seine erste goldene Karte, die er auch als „Trump Card“ bezeichnet. In den USA ist es bereits möglich, im Gegenzug für Investitionen im Land eine sogenannte Green Card zu erhalten – also eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Die neue Karte zielt auf wohlhabende Menschen ab. Als mögliche Nutznießer des Programms sieht Trump auch russische Oligarchen.  © dpa
US-Präsident Trump
In den USA fungiert der Präsident als Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Doch Trump zeigt in der Regel nur wenig Interesse an seinen Soldaten. So lässt er sich am 4. April bei einer Militärzeremonie in Delaware von seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth vertreten. Anstatt der Rückführung der sterblichen Überreste von vier US-Soldaten beizuwohnen, die im März bei einer Übung in Litauen ihr Leben verloren haben, verbringt Trump seine Zeit lieber in Florida. © Alex Brandon/dpa
Anti-Trump-Proteste
Zehn Wochen nach Trumps Amtsantritt kommt es in zahlreichen Städten in den USA zu lautstarken Protesten. Auf Plakaten fordern sie unter anderem, die Verfassung zu verteidigen, Trump des Amtes zu entheben und das Sozialsystem nicht anzutasten. Auf anderen Schildern steht: „Nicht mein Präsident!“, „Schande über Trump“ und „Der Faschismus ist da“.  © Jim Ruymen/Imago
Pete Hegseth besucht Pearl Harbor
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (hier mit Admiral Sam Paparo) ist alles, was mit Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zu tun hat, ein Dorn im Auge. Um den DEI-Richtlinien der Trump-Regierung zu entsprechen, hat die U.S. Naval Academy 381 Bücher aus ihrer Bibliothek entfernt. Darunter ist auch Maya Angelous berühmte Autobiografie „I Know Why the Caged Bird Sings” („Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“). Zudem wurden viele Bücher zu Themen wie Feminismus, Rassismus oder dem Holocaust verbannt. Ein anderes Buch steht dagegen noch immer in den Regalen: „Mein Kampf“. © Imago
trump und Rubio
Am 11. April sorgt wieder das von Marco Rubio (links) geleitete US-Außenministerium für Aufregung – diesmal aber im Inland. Die Angestellten werden angewiesen, über Kolleginnen und Kollegen zu berichten, die sich „anti-christlich“ benehmen und „Voreingenommenheit“ gegenüber der Religion zeigen. „Politico“ zitiert einen Beamten, der sich an den dystopischen Roman „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood über totalitäre Gesellschaften erinnert fühlt.  © Brendan Smialowski/AFP
2025 Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien
Auf seinem selbsterklärten Kampfzug gegen die „Oligarchie“ in den USA begeistert Bernie Sanders auch am 12. April mit einem Überraschungsauftritt beim Coachella-Musikfestival in der kalifornischen Wüste das überwiegend junge Publikum. Kurz nach dem letzten Song der britischen Sängerin Charli XCX bringt er mit seiner Botschaft gegen Politikverdrossenheit die Leute zum Jubeln. „Dieses Land steht vor großen Herausforderungen und von eurer Generation hängt ab, was mit Amerika passiert“, sagt Sanders. © Amy Harris/dpa
Kilmar Ábrego García Proteste
Unter Trump schieben die USA immer wieder mutmaßliche Bandenmitglieder nach El Salvador ab. Einige der Männer haben nach Angaben ihrer Anwälte aber nie ein Verbrechen begangen. Für Aufsehen sorgt besonders die irrtümliche Abschiebung des salvadorianischen Einwanderers Kilmar Ábrego García, der mit einer US-Bürgerin verheiratet ist. Der Oberste Gerichtshof der USA weist die Trump-Regierung im April offiziell an, sich für seine Freilassung aus dem Gefängnis in El Salvador und für seine Rückkehr in die USA einzusetzen. Trump interessiert das nicht. Konkrete Maßnahmen zur Rückholung bleiben aus. © Alex Wong/AFP
Trump Bukele
Später zelebrieren Trump und El Salvadors Staatschef Nayib Bukele im Weißen Haus sogar ihre enge Zusammenarbeit bei der Abschiebepolitik. Bukele stellt nüchtern fest, dass er Ábrego García nicht zurück in die USA schicken werde. Und Trump? Der liebäugelt erneut mit der Idee, auch US-Straftäter in El Salvador einsperren zu lassen. US-Historiker Timothy Snyder nennt es hinterher beim Namen: In einem Substack-Beitrag spricht er von „beginnendem Staatsterror“.  © Brendan Smialowski/AFP
Universität Harvard
Auch die Eliteuniversität Harvard gerät in Trumps Visier. Seine Regierung legt Milliardenzuschüsse auf Eis. Trump begründet sein Vorgehen mit einer verfehlten „Ideologie“ der Uni und angeblichem Antisemitismus. Der frühere US-Präsident Barack Obama, der selbst an der Uni studiert hat, hält dagegen: „Harvard hat ein Beispiel für andere Hochschulen gesetzt, indem es einen ungesetzlichen und unbeholfenen Versuch zurückgewiesen hat, die akademische Freiheit zu unterdrücken“, schreibt Obama auf der Plattform X. Er hoffe, dass andere Institutionen folgten. © Charles Krupa/dpa
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.
Als Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren im Vatikan starb, war die Trauer groß. US-Präsident Donald Trump nahm an der Beisetzung des Heiligen Vaters teil: er in blau – ohne rote Krawatte. Melania ganz in Schwarz. Vor dessen Tod befand sich Trump im offenen Widerspruch mit dem Papst: Franziskus hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.  © IMAGO / NurPhoto

Was macht Trump also? Er geht gegen die Ersteren vor, wie den führenden Russland-Analysten der CIA, überparteiliche Cybersicherheitsexperten wie Jen Easterly oder General Timothy Haugh, den Leiter der National Security Agency und des Cyber Command. Sein Grund dafür ist, wenn man das glauben kann, dass die verrückte Social-Media-Influencerin Laura Loomer sie nicht mag.

Wie einer unserer fähigsten Diplomaten, der ehemalige Botschafter und CIA-Direktor William Burns, kürzlich feststellte: „Wenn die Geheimdienstanalysten der CIA sehen würden, dass unsere Rivalen sich auf einen solchen Selbstmord der Großmächte einlassen, würden wir den Bourbon herausholen. Stattdessen hören wir das Klirren von Champagnergläsern im Kreml und in Zhongnanhai.“

Warum ist das wichtig? Weil eine der Supermächte der Vereinigten Staaten das weit verbreitete Gefühl war, dass das Land von kompetenten Menschen geführt wurde, die größtenteils wussten, was sie taten. Sie waren nicht unfehlbar (wer ist das schon?), aber seit dem Zweiten Weltkrieg erkannten sowohl Verbündete als auch Gegner, dass die meisten hochrangigen US-Beamten seriöse Menschen waren. Sie machten ihre Hausaufgaben, verstanden ihre Arbeit und man sollte ihnen zuhören, auch wenn andere nicht ihrer Meinung waren.

Trump bevorzugt jedoch Schmeichelei und Loyalität gegenüber Kompetenz oder Integrität. Deshalb hat er den Leiter des Bureau of Labor Statistics entlassen, weil dieser korrekt berichtet hatte, dass seine Wirtschaftspolitik nicht so funktionierte, wie er es versprochen hatte. In Zukunft werden ausländische Politiker weniger bereit sein, den USA zu folgen, weil sie die Fachkompetenz und das Urteilsvermögen ihrer US-amerikanischen Kollegen oder die sogenannten Fakten, an die diese glauben, nicht respektieren werden. Sie werden dies nicht laut sagen, weil sie wissen, dass schmeichelhafte Lobeshymnen der Preis für den Zugang zum aktuellen Weißen Haus sind, aber Sie können sicher sein, dass sie eine Clownshow erkennen, wenn sie eine sehen.

10. Die Verdummung Amerikas

Der größte strategische Vorteil der Vereinigten Staaten ist ihre äußerst günstige geopolitische Lage, aber dieser enorme Vorteil wird durch die erstklassigen Forschungsuniversitäten, Colleges und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes noch verstärkt. Diese Organisationen bringen jedes Jahr Milliarden von Dollar an ausländischen Studiengebühren ein, entwickeln neue Entdeckungen und Ideen, die die Produktivität steigern und uns gesünder und sicherer machen, und tragen dazu bei, den technologischen Vorsprung des US-Militärs zu erhalten. Wenn Sie Präsident wären und wollten, dass die Vereinigten Staaten die führende Weltmacht bleiben, würden Sie Überstunden machen, um eine dominante Position in den meisten Bereichen der Wissenschaft, Technologie und Bildung zu behalten – vor allem, wenn Sie wüssten, wie hart China daran arbeitet, uns zu überholen.

Was Sie nicht tun würden, wäre, die Bundesmittel für wissenschaftliche Forschung zu kürzen, US-amerikanische Universitäten aufgrund erfundener Anschuldigungen ins Visier zu nehmen, ausländische Studenten davon abzuhalten, diese Hochschulen zu besuchen, und die Vereinigten Staaten zu einem weniger attraktiven Ort für Wissenschaftler zu machen, die ihre Arbeit gerne tun möchten. Und doch ist genau das, was die Trump-Regierung getan hat. Der Schaden mag nicht sofort sichtbar sein, aber er wird umfangreich, dauerhaft und schwer rückgängig zu machen sein.

Systematische Zerstören des US-Systems durch Donald Trump

Wenn man diese 10 Punkte zusammenfasst, ergibt sich eine systematische Zerstörung dessen, was mein verstorbener Kollege Joseph Nye als „Soft Power“ bezeichnet hat. Nye argumentierte, dass Soft Power in erster Linie die „Anziehungskraft“ sei – eine Gesellschaft zu sein, die andere bewundern, der sie zumindest in gewisser Weise nacheifern wollen, die sie als allgemein wohlwollend und nicht als egoistisch aggressiv ansehen und die für weit verbreitete Werte oder Bestrebungen steht. Soft Power kann Hard Power nicht ersetzen, aber sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass andere Staaten freiwillig dem Beispiel der USA folgen, und macht daher den Einsatz von Hard Power weniger notwendig.

China versucht, mehr Soft Power zu erlangen, um seiner wachsenden Hard Power gerecht zu werden. Es versucht vor allem, andere davon zu überzeugen, dass es sich wirklich für eine stabilere und gerechtere Weltordnung einsetzt als die Vereinigten Staaten. Man muss Pekings Behauptungen nicht glauben, um zu erkennen, dass sie in vielen Teilen der Welt auf ein wohlwollendes Publikum stoßen werden.

Und wie reagieren die Vereinigten Staaten darauf? Unter Trump 2.0 verhängen die Vereinigten Staaten aus verschiedenen willkürlichen Gründen und ohne Rücksicht auf die Folgen Strafzölle gegen andere Länder. Sie greifen illegal andere Länder und zivile Schiffe an und helfen ihren Verbündeten dabei, Zehntausende unschuldiger Zivilisten zu töten, darunter viele Kinder. Sie verhängen Sanktionen nicht gegen die Täter solcher Verbrechen, sondern gegen die Beamten des Internationalen Strafgerichtshofs, die versuchen, ihre Handlungen zu untersuchen. Im Inland hat es Truppen in die Straßen der Hauptstadt beordert, verhaftet und deportiert Menschen ohne ordentliches Verfahren und verstößt auf unzählige andere Weise gegen das Gesetz. Und währenddessen bereichert sich der Präsident und seine Familie, ehrt Aufständische und bestraft diejenigen, die versucht haben, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Nur andere angehende Autokraten werden diese Handlungen als etwas Bewundernswertes, Nachahmenswertes oder Nachzuahmendes ansehen.

Viele Präsidentschaftsregierungen machen Anfängerfehler, und ihre Leistung verbessert sich mit der Zeit. Die am wenigsten kompetenten Beamten werden entlassen und die übrigen lernen, ihre Arbeit effektiver zu erledigen. Aber dies ist nicht Donald Trumps erste Amtszeit – er ist älter und intellektuell unflexibler, und sein Team scheint diesmal ungewöhnlich unempfänglich für Fakten, Beweise, Logik oder Lernprozesse zu sein. Das lässt vermuten, dass diese Liste außenpolitischer Fehltritte mit der Zeit noch viel länger werden wird.

Zum Autor

Stephen M. Walt ist Kolumnist bei Foreign Policy und Robert-und-Renée-Belfer-Professor für Internationale Beziehungen an der Harvard University. Bluesky: @stephenwalt.bsky.social X: @stephenwalt

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 10. September 2025 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/dpa

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