Weil China der „wichtigste strategischer Partner“ Russlands ist: In Moskau eröffnet erstmals außerhalb Chinas ein Zentrum zum Studium der Gedanken von Staatschef Xi Jinping.
München/Moskau – Wer sich mit chinesischen Diplomaten oder Regierungsbeamten trifft, bekommt zum Abschied gerne ein Buch in die Hand gedrückt: „China regieren“, eine Sammlung von Aussprüchen und Reden von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Auf Deutsch erschien unlängst Band vier der Reihe, die den Leser „über die aktuelle Entwicklung der Xi-Jinping-Ideen des Sozialismus chinesischer Prägung im neuen Zeitalter auf dem Laufenden“ halten soll, wie es etwas sperrig in der offiziellen Buchbeschreibung heißt.
Auch ins Russische wurden die Werke bereits übersetzt. Über den Verkaufserfolg und damit das Interesse der Bürger Russlands an den Ergüssen Xi Jinpings ist nichts bekannt; Russen, die Hilfe beim Verständnis der bisweilen etwas sperrigen Xi-Gedanken benötigen, bekommen nun jedenfalls Unterstützung: In Russlands Hauptstadt Moskau hat ein Forschungszentrum eröffnet, das sich ganz auf das Studium der Ideen von Xi Jinping spezialisiert hat. Das berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag. Demnach ist das Studienzentrum an der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAS) angesiedelt. Laut Xinhua handelt es sich um die erste derartige Einrichtung außerhalb Chinas.
China und Russland: „wichtigster strategischer Partner“
„Wir müssen Xi Jinpings Ideen sehr gut kennen und analysieren, denn China ist heute unser wichtigster strategischer Partner, unser wichtigster Wirtschaftspartner“, zitierte Xinhua den Leiter des RAS-Instituts für China und das heutige Asien, Kirill Babaev. „Um die Beziehungen so effektiv wie möglich zu gestalten, sollte unsere Regierung daher die ideologische Grundlage für die Entwicklung des heutigen Chinas gut verstehen.“ Die Xi-Jinping-Gedanken würden „die Politik Chinas in vielen Bereichen“ und für viele Jahre bestimmen, sagte Babaev weiter.
Die Xi-Jinping-Gedanken wurden 2017 in die Verfassung der Kommunistischen Partei Chinas aufgenommen und ein Jahr später sogar in die Landesverfassung. An Dutzenden chinesischen Universitäten gibt es bereits seit einigen Jahren Zentren zum Studium der Xi-Gedanken; im August 2021 kündigte Chinas Erziehungsministerium zudem an, die Theorien in den Lehrplan für Grundschüler aufzunehmen. Chinesen können außerdem über eine App namens „Xuexi Qiangguo“ („lernen und das Land stärken“) ihre Kenntnisse der Xi-Theorien vertiefen.
Trotz Ukraine-Krieg: China und Russland verbindet „felsenfeste“ Freunschaft
Kerngedanke von Xi Jinpings Ideen ist die Herrschaft der Kommunistischen Partei über alle Aspekte des öffentlichen Lebens in China. Dabei stünden die Interessen des chinesischen Volkes im Zentrum, heißt es. China müsse sich weiter reformieren, um den „Sozialismus chinesischer Prägung“ und die Lehren des Marxismus-Leninismus in die Zukunft zu führen. Auch das Ziel einer „Wiedervereinigung“ Chinas mit dem demokratisch regierten Taiwan ist Teil der Xi-Jinping-Gedanken.
Dass das weltweit erste Zentrum zum Studium von Xi Jinpings Ideologie außerhalb Chinas ausgerechnet in Russland eröffnet, dürfte kein Zufall sein: Beide Länder nähern sich seit Jahren an und sind durch eine „felsenfeste“ Freundschaft miteinander verbunden, wie Politiker beider Seiten regelmäßig betonen. An Chinas Nähe zu seinem nördlichen Nachbarn hat auch der Ukraine-Krieg nichts geändert. Bis heute hat Peking den russischen Einmarsch in die Ukraine nicht verurteilt; auch einen Abzug der russischen Truppen fordert China nicht. Stattdessen plädiert Peking für eine friedliche Lösung, ohne aber darzulegen, wie diese aussehen könnte. Eine „Friedensinitiative“ eines chinesischen Sondergesandten endete vor wenigen Wochen ohne Ergebnis.
Beobachter: Russland ist längst Chinas Junior-Partner
Beobachtern zufolge ist Russland längst der Junior-Partner Chinas. So bezieht Peking russisches Öl und Gas zu deutlich reduzierten Preisen; umgekehrt ist Moskau nach den Sanktionen des Westens stark von China abhängig. China geht es wohl vor allem darum, zusammen mit dem Kreml eine Allianz gegen den Westen zu schmieden und so die weltweite Vorherrschaft der USA zu brechen. Bei seinem Besuch im Moskau im vergangenen März raunte Xi seinem Gastgeber Wladimir Putin zum Abschied zu: „Es steht ein Wandel bevor, wie er seit 100 Jahren nicht mehr stattgefunden hat. Und wir treiben diesen Wandel gemeinsam voran.“ (sh)