VonKathrin Reikowskischließen
Joe Biden verkündet, dass der Schuldenstreit in den USA beigelegt ist. Bei dem, was nun folgt, steht besonders McCarthy unter Druck - was noch schiefgehen kann.
Washington D.C. (USA) - „Sprecher McCarthy und ich haben eine parteiübergreifende Haushaltsvereinbarung getroffen, die die schlimmste Krise verhindern wird - einen Zahlungsausfall zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes“, teilte der Präsident der USA, Joe Biden am Sonntag (Ortszeit) bei Twitter mit.
Der nun erreichte Kompromiss im Streit um die Schuldenobergrenze soll den Umfang des Bundeshaushaltes, den die Demokraten unter Biden eigentlich vergrößern wollten, faktisch einfrieren. Dafür würden die Budgets vieler Bundesbehörden und Ministerien angepasst. Kevin McCarthy sprach von „historischen Ausgabenkürzungen“, zu denen keine neuen Steuern oder Regierungsprogramme hinzukämen. Die Demokraten wollten die staatlichen Einnahmen eigentlich durch die stärkere Besteuerung von Reichen erhöhen. Dagegen stemmten sich die Republikaner. Sie hatten Biden bei den Verhandlungen im Gegenzug für eine Erhöhung der Schuldengrenze zu Einsparungen etwa im sozialen Bereich gedrängt.
USA: Joe Biden und Kevin McCarthy werben für Kompromiss im Schuldenstreit
Der Deal sei eine „gute Nachricht“ für das amerikanische Volk, schrieb Biden auf Twitter. Er forderte den Kongress auf, das Abkommen zur Erhöhung der US-Schuldenobergrenze bis 2025 im Gegenzug zu deutlichen Kürzungen bei den Ausgaben unverzüglich zu verabschieden. Eine Abstimmung in der Kammer ist für Mittwoch geplant.
Biden und McCarthy warben für den Kompromiss: Biden ließ am Samstag mitteilen, es handle sich um einen wichtigen Fortschritt, der die Ausgaben senke und gleichzeitig wichtige Programme für die arbeitende Bevölkerung schütze sowie die Wirtschaft für alle stärke. Außerdem sichere die Vereinbarung die wichtigsten Teile seiner Agenda. Der 80-Jährige räumte jedoch auch ein, „dass nicht jeder bekommt, was er will.“ McCarthy sprach von einer „Vereinbarung, die des amerikanischen Volkes würdig ist.“ Beim Sender Fox News gab er sich zuversichtlich: „Ich denke, dass die Mehrheit der Republikaner für diesen Gesetzentwurf stimmen wird“. Auch Präsident Biden stehe hinter dem Text, „daher denke ich, dass auch viele Demokraten dafür stimmen werden.“
Schuldenstreit in den USA: Was jetzt noch schiefgehen kann
Der Entwurf muss nun so schnell wie möglich in beiden Kammern des Kongresses - also dem Repräsentantenhaus und dem Senat - verabschiedet und vom Präsidenten unterzeichnet werden, damit der US-Regierung das Geld nicht ausgeht. Eine Zustimmung am Mittwoch im Repräsentantenhaus gilt zwar als wahrscheinlich, aber nicht als garantiert. Die Situation in der Kammer ist besonders verfahren, weil die Republikaner nur eine sehr knappe Mehrheit haben. In der Fraktion sitzen auch radikale Abgeordnete, die kein Interesse an einem realistischen Kompromiss zeigen. McCarthy ist zu Beginn des Jahres erst nach einem historischen Wahlchaos von seiner Fraktion zum Vorsitzenden gewählt worden. Das hatte seine Position enorm geschwächt.
Der Streit über die Schuldengrenze ist eine große Bewährungsprobe für McCarthy, bei der er für seine Partei Ergebnisse liefern muss. Dabei muss es ihm auch gelingen, einige Radikale hinter der Einigung zu versammeln, um eine möglichst breite Mehrheit in seiner Partei zu haben. Wäre er bei einer Abstimmung auf besonders viele Stimmen der Demokraten angewiesen, weil seine Parteikollegen sich quer stellen, würde ihn das weiter schwächen. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte zuletzt gewarnt, das Geld könnte den USA am 5. Juni ausgehen. Vorausgegangen war ein intensiver Streit, der Biden sogar dazu veranlasst hatte, Auslandsreisen abzusagen. (dpa/kat)
