Trump legt Wende bei Putin hin: Freigabe zum Abschuss von russischen Kampfjets?
VonNils Thomas Hinsberger
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Es sind harte Worte, die US-Präsident Trump gegen Putins Russland anklingen lässt. Ist die Freundschaft der Staatschefs im Ukraine-Krieg endgültig dahin?
New York – „Ich mag Putin, er mag mich.“ Noch 2020 schien die Beziehung zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin bestens zu funktionieren. Diese von CNN dokumentierte Sympathiebekundung, die er trotz Hinweisen auf russische Attacken gegen die amerikanische Demokratie äußerte, wirkt heute wie aus einer anderen Zeit. Die Wortwahl verschärft sich. Mittlerweile hat der Chef im Weißen Hauses dem Moskauer Machthaber sogar mit militärischen Maßnahmen gedroht – wenn auch nur indirekt.
Zuletzt sorgten Berichte über russische Kampfflugzeuge oder unbemannte Flugkörper im Hoheitsgebiet von NATO-Staaten für Aufsehen. Beim Vorgehen gegen diese weithin als russische Provokation verstandenen Aktionen Putins herrscht unter den Mitgliedern des Atlantikbündnisses noch Uneinigkeit. Einige Länder möchten die Lage keinesfalls verschärfen. Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann betrachtet die Zerstörung von Kampfjets aus Russland als absolut letzten Ausweg, wie es auch in den NATO-Regeln festgehalten ist. Polen hingegen richtete an den Kreml eine unmissverständliche Warnung, militärisch gegen Drohnen und Kampfflugzeuge vorzugehen.
Während der UN-Generalversammlung kam Trump erneut mit dem ukrainischen Staatsoberhaupt Wolodymyr Selenskyj zusammen. Auch in diesem Gespräch ging es um die Frage, wie das Atlantikbündnis auf die russischen Verletzungen des Luftraums reagieren soll. Eine Reporterin fragte den amerikanischen Präsidenten, ob Bündnispartner Flugzeuge abschießen sollten, die in ihr Hoheitsgebiet eindringen. Trumps eindeutige Antwort: „Ja, das glaube ich.“
Russische Kampfflugzeuge im NATO-Luftraum – Polens Außenminister feiert Trumps Aussagen
Es handelt sich um eine außergewöhnlich klare Wortwahl, die Trump gegenüber seinem früheren Verbündeten Putin verwendet. Nicht nur befürwortet er damit eine militärische Konfrontation zwischen Russland und dem Atlantikbündnis. Er schloss bei der Zusammenkunft auch eine mögliche Mitwirkung der USA zumindest nicht aus. Denn auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten Verbündete beim Abfangen russischer Jets unterstützen würden, antwortete Trump, dass es „auf die Umstände ankommt“.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Der NATO-Mitgliedstaat Polen, der bereits mehrere russische Drohnen nach Verletzung des nationalen Luftraums abgeschossen hatte, zeigt sich erfreut über die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten. Außenminister Radoslaw Sikorski, der bei einer UN-Sondersitzung eine scharfe Warnung an Russland richtete, veröffentlichte das Video von Trumps Stellungnahme auf X. Dazu schrieb er: „Roger that“, was so viel bedeutet wie „habe verstanden“.
Situation im Ukraine-Krieg: Trump sieht plötzlich Gewinnchancen für die Ukraine
Trump vollzieht jedoch nicht nur bei der Bekämpfung russischer Kampfflugzeuge und Drohnen eine Wende. Auch bezüglich des Ausgangs des Ukraine-Kriegs erkennt der amerikanische Präsident plötzlich eine realistische Möglichkeit, dass das von Putins Streitkräften angegriffene Land siegreich sein könnte. „Nachdem ich mich mit der militärischen und wirtschaftlichen Lage der Ukraine und Russlands vertraut gemacht und diese vollständig verstanden habe und nachdem ich gesehen habe, welche wirtschaftlichen Probleme sie Russland bereitet, bin ich der Meinung, dass die Ukraine mit der Unterstützung der Europäischen Union in der Lage ist, zu kämpfen und die gesamte Ukraine in ihrer ursprünglichen Form zurückzugewinnen“, schrieb er auf seiner Online-Plattform Truth Social.
Russland habe „ziellos“ den Konflikt gegen die Ukraine geführt, so Trump. Mit ausreichend Zeit „und der finanziellen Unterstützung Europas und insbesondere der NATO“ sei eine Wiederherstellung der ursprünglichen Staatsgrenzen durchaus erreichbar. Russland habe im Ukraine-Konflikt keine besonders große militärische Macht demonstriert. „Tatsächlich lässt es sie sehr nach einem ‚Papiertiger‘ aussehen.“
Trump: Russlands Wirtschaft könnte leiden, wenn Menschen erfahren was „wirklich passiert“
Doch nicht nur eine Wiederherstellung der Staatsgrenzen stellt Trump in Aussicht. Sollten die Menschen in Russland erfahren, was im Ukraine-Konflikt „wirklich passiert“ und welche Folgen dieser für die Wirtschaft ihres Landes hat, sei es möglich, dass „die Ukraine ihr Land in seiner ursprünglichen Form zurückerobern und, wer weiß, vielleicht sogar noch weiter gehen“ könne. Das Atlantikbündnis wolle er weiterhin mit Waffen beliefern, „damit die NATO damit machen kann, was sie will“. (Quellen: Truth Social, X, eigene Recherche, CNN) (nhi)