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4 Dinge, die deutsche Schulen beim Pisa-Streber spicken sollten

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Andere Länder, andere Sitten: Während wir uns mit Overheadprojektoren abmühen, haben die Kinder im Pisa-Gewinnerland seit 2001 (!!!) digitale Schulen.

Seit Corona wurde erstmals 2022 wieder eine Pisa-Studie durchgeführt. Doch hierzulande gibt es mal wieder keinen Grund zur Freude: Deutsche Schüler:innen schnitten so schlecht ab wie noch nie. Vor allem im Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften handle es sich um die niedrigsten Werte, die für Deutschland jemals im Rahmen von Pisa gemessen wurden. Auch international sei die durchschnittliche Leistung drastisch gesunken.

Wie würdest du bei Pisa abschneiden? Wenn du keine 7/10 Punkte in diesem Mathequiz schaffst, musst du sofort zurück in die 7. Klasse

Was ist die Pisa-Studie?

Pisa steht für „Programme for International Student Assessment“ und ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Es werden die Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen beim Lesen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften erfasst. Seit dem Jahr 2000 wird sie alle drei Jahre durchgeführt.

Mehr dazu: 9 Dinge, die in der Schule noch frustrierender sind als Mathematik

Pisa Studie 2023

Die erste Vergleichsstudie hatte damals für den „Pisa-Schock“ gesorgt: Die deutschen 15-Jährigen schnitten extrem schlecht ab, zudem wurde ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen festgestellt. Die Folge war eine heftige Bildungsdebatte. Danach verbesserten sich die Ergebnisse deutlich, doch in den letzten Pisa-Runden kam es erneut zu einem Abwärtstrend.

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Deshalb schneidet Deutschland so schlecht ab bei der Pisa-Studie ab

Eine Studie zeigte bereits vergangenes Jahr, welche Dinge bei der frühkindlichen Bildung in Deutschland schieflaufen. Und auch heute sind soziale Herkunft, zu hoher Leistungsdruck für die Schüler:innen sowie akuter Lehrer:innenmangel Brennpunktthemen in Sachen Bildung.

Bei der Vorstellung der Pisa-Ergebnisse nannten die Leiter:innen als Gründe für die schlechte Leistung auch „unterschiedliche Lebensrealitäten“ der Schüler:innen, also ob etwa eine Zuwanderungsgeschichte vorliegt. „Wenn wir Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungshintergrund haben, können wir nicht davon ausgehen, dass sie die deutsche Bildungssprache schon beherrschen, wenn sie nach Deutschland kommen“, sagte Studienleiterin Doris Lewalter. Eine Erziehungswissenschaftlerin erklärte gegenüber BuzzFeed News Deutschland bereits 2022, warum Kinder mit oder ohne Migrationshintergrund im Fach Deutsch schlechter werden.

Auch die Corona-Pandemie sei für den Leistungsabsturz verantwortlich. So haben Schulen in Deutschland beim Distanzunterricht weniger mit digitalen Medien gearbeitet und mehr Materialien an die Jugendlichen geschickt, als der europäische Durchschnitt.

Dieses EU-Land macht es so viel besser

Wenn es nach Pisa geht, hat Estland eines der effizientesten und besten Bildungssysteme Europas. Nachdem du dir die folgenden Punkte durchgelesen hast, verstehst du auch, warum. Schon von klein auf geht es ganz anders zu als bei uns.

Mehr dazu: Wo du in der Schule gesessen hast, beeinflusst dein späteres Leben

1. Fast jedes Kind geht in Estland in die Kita

84 Prozent der Ein- bis Dreijährigen und 95 Prozent der Drei- bis Siebenjährigen besuchen in Estland dank eines Rechtsanspruchs einen Kindergarten. Kostenlos ist der Kita-Besuch zwar nicht, aber die Preise sind mit 20 Prozent des Mindestlohns gesetzlich gedeckelt. Auch in Deutschland gibt es einen Rechtsanspruch, trotzdem bekommen viele Eltern keinen Platz in der Kita. Diese Erzieherin teilt auf TikTok ihren Frust über das deutsche Kita-System.

2. Kinder gehen auf eine Gesamtschule

In Deutschland trennen sich die Wege der meisten Kinder nach der vierten Klasse der Grundschule. Dann entscheiden in der Regel die Eltern, ob ihre zehn- bis elfjährigen Kinder auf der Hauptschule, Realschule oder auf dem Gymnasium weitermachen. Über die Einführung einer Gesamtschule diskutiert Deutschland schon lange – in Estland dagegen ist sie schon lange Realität. Bis zum 16. Lebensjahr besuchen dort alle Kinder die gleiche öffentliche Schule. Daran anschließend können die Jugendlichen eine weiterführende Schule besuchen, die unserem Gymnasium oder einer Berufschule entspricht.

3. Lehrer:innen arbeiten in Estland mit Unterstützungspersonal

Neben den Lehrer:innen sind an estländischen Schulen auch Sonderpädagog:innen, Bildungsberater:innen, diverse Assistent:innen und Psycholog:innen im Einsatz. Durch die soziale, medizinische und psychologische Unterstützung können sich die Lehrer:innen auf die Vermittlung von Wissensinhalten konzentrieren, ohne dass die Kinder auf eine zusätzliche individuelle Betreuung verzichten müssen. Ein ehemaliger Schüler eines bayerischen Gymnasiums hat mit BuzzFeed News Deutschland gesprochen: Trotz eines Schulpsychologen wurde er wegen einer körperlichen Einschränkung diskriminiert.

4. Seit 2001 sind alle Schulen in Estland an das Internet angebunden

Aber nicht nur im pädagogischen Bereich bekommt das Lehrpersonal Fachkräfte an die Seite gestellt. Auch sogenannte Bildungstechnolog:innen gehören an eine estländische Schule. Sie sollen die Lehrkräfte beim Medieneinsatz und bei der Wartung der Geräte unterstützen und im Umgang damit schulen: Ein Computer am Lehrerpult und ein Beamer oder Smartboard gehören zur Ausstattung eines jeden Klassenzimmers. Davon können wir nur träumen: Diese Bilder vermitteln dir einen guten Eindruck, wie weit deutsche Schulen mit der Digitalisierung sind.

(Mit Material der dpa)

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