Kommunalwahlen in England: Herbe Klatsche für Sunaks Tories
VonStefan Krieger
schließen
Die Kommunalwahlen in England und Wales sind mehr als nur eine lokale Abstimmung – sie könnten das politische Schicksal von Premier Sunak entscheiden.
Update vom 5. Mai, 9.03 Uhr: Die Kommunalwahlen enden für die Tories von Regierungschef Sunak verheerend: Auch bei der letzten Entscheidung verloren die Konservativen die Bürgermeisterwahl in der Region West Midlands knapp gegen die oppositionelle Labour-Partei. Das teilte die Wahlkommission gestern Abend mit.
Bei der Bürgermeisterwahl in London hat der Amtsinhaber und Labour-Politiker Sadiq Khan einen historischen Wahlerfolg errungen. Er sicherste sich als erstes Stadtoberhaupt Londons eine dritte Amtszeit, wie britische Medien gestern nach Auszählung aller Stimmen berichteten.
Drehtür Downing Street: Großbritannien lässt Tory-Chaos hinter sich
Kommunalwahlen in England: Sunaks Partei steuert auf herbe Niederlage zu
Update vom 3. Mai, 9.35 Uhr: Für Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak und seine Konservative Partei deutet sich eine schwere Niederlage bei den Kommunalwahlen an. Nach Einschätzung des Wahlforschers John Curtice steuert die Partei auf eines ihrer schlechtesten Ergebnisse seit 40 Jahren zu. „Bislang verlieren sie im Grunde die Hälfte der Sitze, die sie zu verteidigen versuchen“, sagte er am Freitagmorgen (3. Mai) der BBC. Wenn das so weitergehe, könnten sie am Ende etwa 500 Sitze verlieren.
Noch sei es früh am Tag, so Curtice weiter. Es könnte sein, dass die Ergebnisse in der mittelenglischen Region West Midlands und in Tees Valley im Nordosten den Tories noch ein wenig Aufwind bringen könnten. Man könne aber festhalten, dass die Botschaft der Umfragen aus den vergangenen zwölf Monaten – dass die Konservativen unter Sunak keine entscheidenden Fortschritte gemacht hätten, den Abstand zu Labour zu verringern – bisher bestätigt werde, sagte Curtice.
Update vom 3. Mai, 8.00 Uhr: In England hat die Auszählung der Kommunalwahl begonnen. Die Wahllokale schlossen um 23.00 Uhr am Donnerstag (MESZ). Das Ergebnis könnte die politische Zukunft des britischen Premierministers Rishi Sunak beeinflussen, der seit Oktober 2022 im Amt ist. Zwar wird eine Niederlage für seine Konservative Partei erwartet. Nach Ansicht von Kommentatoren könnte Sunak aber in seiner Partei in Bedrängnis geraten, falls die Tories deutlich mehr als 500 der knapp 1000 Sitze verlieren, die sie bei der Wahl in den Gemeinderäten verteidigen. Mit ersten richtungsweisenden Ergebnissen wird am Vormittag gerechnet.
Boris Johnson ohne Ausweis
Update vom 3. Mai, 4.55 Uhr: So kann’s gehen, wenn man offenbar sein eigenes Gesetz vergisst: Als britischer Premierminister hatte Boris Johnson die Regel eingeführt, dass man sich bei Wahlen mit einem Ausweis identifizieren muss. Jetzt allerdings sei Johnson bei der Kommunalwahl am Donnerstag ohne ein Ausweisdokument am Wahllokal aufgetaucht, berichtet der Sender Sky News. „Die Mitarbeiter des Wahllokals waren gezwungen, den ehemaligen Premierminister abzuweisen, nachdem er zunächst nicht die Gesetzgebung befolgt hatte, die er während seiner Amtszeit in der Downing Street eingeführt hatte“, hieß es.
Johnson wollte demnach in South Oxfordshire seine Stimme abgeben, wo er mit seiner Familie in einem denkmalgeschützten Anwesen lebt. Johnsons Sprecher dementierte den Bericht nicht, sagte aber, der ehemalige Premier habe seine Stimme später abgegeben.
Erstmeldung vom 2. Mai: London – Es ist der letzte Test vor den britischen Parlamentswahlen. Am heutigen Donnerstag (2. Mai) finden in England und Wales Kommunalwahlen statt. Und für den britischen Premierminister Rishi Sunak sieht es dabei gar nicht gut aus. Die Umfragen deuten große Verlusten für die regierenden Tories für den Nachfolger von Liz Truss an. Je nach Ausgang könnte die Wahl den Druck auf den Parteichef der Konservativen erhöhen – der eigentlich angetreten war, um seine Partei wieder auf Spur zu bringen.
Bei den Wahlen werden mehr als 2500 Ratssitze neu besetzt. In der britischen Hauptstadt London bewirbt sich der Labour-Bürgermeister Sadiq Khan um eine dritte Amtszeit. Seine Chance stehen nicht schlecht. Umfragen zufolge könnten die Tories am Donnerstag die Hälfte ihrer kommunalen Mandate verlieren. Sunak hatte angekündigt, die Wahl zum britischen Unterhaus in der zweiten Jahreshälfte abhalten zu wollen. Seine Partei liegt in Umfragen mit großem Abstand hinter der oppositionellen Labour-Partei mit ihrem Vorsitzenden Keir Starmer.
Allgemein geht man in Großbritannien davon aus, dass die Tories bei der Abstimmung in England Hunderte Mandate in Gemeinderäten verlieren. Das dürfte den Druck auf den Premierminister vor der Parlamentswahl erhöhen. Gewählt wird nun aber erst einmal in 107 der 317 englischen Gemeinden („councils“).
Wahlen in Großbritannien: London wählt einen Bürgermeister
Besonders wichtig ist die Bürgermeisterwahl in London sowie zehn Metropolregionen. In der Hauptstadt gilt Amtsinhaber Sadiq Khan von der sozialdemokratischen Labour-Partei ebenso als Favorit wie seine Parteikollegen in den Regionen Manchester und Liverpool. In der neu gebildeten Region York and North Yorkshire in Nordengland, in der auch der Wahlkreis von Premier Sunak liegt, führt ebenfalls ein Labour-Politiker in den Umfragen.
Ganz abgeschlagen sind die Konservativen aber nicht. Die Tories können hoffen, die Rathäuser der mittelenglischen Region West Midlands sowie von Tees Valley im Nordosten zu verteidigen. Gewählt werden außerdem mehr als 2500 Gemeinderäte, die 25 Mitglieder der Londoner Stadtversammlung sowie 37 sogenannte Police and Crime Commissioner in England und Wales, ein politisches Amt für die Aufsicht über die örtliche Polizeibehörde.
Opposition hofft auf die Wende
Spätestens im Januar 2025 müssen die Briten ein neues Parlament wählen, einen genauen Termin hat Sunak wegen der schlechten Werte bislang noch nicht festgelegt. Die Kommunalwahl gilt auch als Stimmungstest für die nationale Parlamentswahl. Die Konservativen regieren im Vereinigten Königreich seit rund 14 Jahren mit wechselnden Premierministern. In Umfragen liegt Sunaks Partei aber seit Längerem hinter der größten Oppositionspartei Labour zurück.
Deren Chef Keir Starmer warb damit, eine Stimme für seine Partei sei ein erster Schritt in Richtung einer Regierung, die „das Chaos“ stoppe und Großbritannien seine Zukunft zurückgebe. Premier Sunak dagegen machte vor der Abstimmung erneut auf seine schärfere Migrationspolitik und die Senkung von Sozialversicherungsabgaben aufmerksam. Finanzminister Jeremy Hunt sagte am Mittwochabend, seine Partei müsse sich auf herbe Verluste einstellen.
Zur Vorbereitung umstrittener Abschiebeflüge nach Ruanda haben die britischen Behörden damit begonnen, dafür infrage kommende Migranten in Gewahrsam zu nehmen. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, „diejenigen, die kein Recht haben, hier zu sein, schnell festzunehmen, damit wir mit den Flügen starten können“, erklärte Innenminister James Cleverly am Mittwoch. Sein Ministerium veröffentlichte Aufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie ein Mann in einen Kleinbus der Einwanderungsbehörde gesetzt wird und ein weiterer in Handschellen aus seinem Haus abgeführt wird.
Ergebnisse der Wahlen in Großbritannien in den nächsten Tagen
Die Ergebnisse der britischen Wahlen werden in den kommenden Tagen erwartet. Die Wahllokale sind von 8.00 bis 23.00 Uhr (MESZ) geöffnet. Wahlberechtigt sind schätzungsweise 44 Millionen der insgesamt 57 Millionen Einwohner Englands. Im Gegensatz zur Parlamentswahl dürfen auch EU-Bürger mit Wohnsitz in England teilnehmen. Während die meisten Gemeinden ihre Ergebnisse spätestens am Freitag bekannt geben wollen, wird das Ergebnis der Londoner Bürgermeisterwahl erst am Samstag erwartet. (skr mit Agenturen)