„Oft als Allheilmittel verkauft“

Warum „Girlbosse“ in der Arbeitswelt problematisch sind

  • schließen

Das Konzept Arbeit ergibt keinen Sinn mehr. Eine Charaktereigenschaft bei Chefinnen fällt besonders negativ auf.

Vielleicht bist du gerade auf dem Weg ins Büro, daddelst in der Mittagspause am Handy oder erholst dich von deinem Arbeitstag auf der Couch. Am besten noch mit einer Anti-Stress-Maske auf dem Gesicht für die optimale Self-Care-Dröhnung. Dann ist dieser Artikel was für dich – vor allem, wenn du auch zu den Menschen gehörst, die das Konzept Arbeit (zumindest so wie es aktuell ist) hinterfragen.

Eine Person, die viel über die Arbeitswelt der Zukunft nachdenkt, ist Verena Bogner. Im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland bezeichnet sich die Autorin und Journalistin als ein typisches „Snowflake-Millennial“. Die sind in den Augen ältere Generationen verweichlicht, kritikunfähig und wenig belastbar. Wie Schneeflocken eben, die sofort schmelzen, wenn man sie berührt.

Für die 31-Jährige ist das kein Schimpfwort. Sie wünscht sich mehr Schneeflöckchen in der Arbeitswelt. Denn dort herrscht ihrer Meinung nach eine „toxische Confidence Culture“, also eine giftige Kultur des Selbstbewusstseins. „Wer laut ist, hat es leichter als die, die ihre Leistung im Stillen erbringen“, erklärt sie. Auch Studien kommen zu dem Schluss, dass Extrovertierte finanziell erfolgreicher sind als Introvertierte.

Abonnier‘ unsere Kanäle: Das Beste von BuzzFeed Deutschland gibt es jetzt auch auf WhatsApp und Telegram.

Selbstbewusstsein im Job ist nichts für dich, Baby

Mit ihrem Buch „Not your business, babe!“ will Bogner vor allem FLINTA (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen) Mut machen, die Arbeitswelt neu zu denken. Ihre Message: Dieses veraltete Konzept von Arbeit ist nichts für dich, Baby. Eigentlich ist es für niemanden etwas – nur die Generation Z macht es bei der Arbeit besser.

„Gerade Frauen wird Selbstbewusstsein im Job oft als Allheilmittel verkauft. Klar ist es nicht schlecht, confident zu sein. Aber die wahren Probleme löst es nicht“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Selbstbewusstsein ist viel mehr ein Symptom unserer individualistischen Arbeitskultur. Immer wenn was falsch läuft, schieben wir die Schuld auf das Individuum.“

Nur weil alle Frauen auf einmal selbstbewusst sind, verschwindet zum Beispiel nicht der Gender-Pay-Gap, also der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Genauso wenig hat eine Pflegekraft auf einmal angenehme Arbeitszeiten, wenn sie ihre Patient:innen selbstbewusst stehen lässt.

Was steckt hinter der toxischen Confidence Culture in der Arbeitswelt?

Neben dem Gender-Pay-Gap gibt es auch den Gender-Pension-Gap, den wir hier erklären

 „Girlboss sein ist Scheiße“

Das heutige Konzept von Arbeit sei leider immer noch, dass sich erfolgreiche Frauen an die patriarchale** Arbeitswelt anpassen. Auch deswegen, weil sie ebenfalls in einer von Männern dominierten Welt aufgewachsen seien.

Diese Frauen seien die klassischen „Girlbosse“. Sie versuchen selbstbewusst zu sein, sehen die Verantwortung beim Individuum und beuten auch mal andere aus, um selbst an die Spitze zu kommen, erklärt Bogner im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. „Girlboss sein ist Scheiße“, sagt die Österreicherin. Das habe sie aus eigener Erfahrung gelernt.

Girlboss sein ist nicht so cool, wie du vielleicht denkst. Verena Bogner erklärt im Gespräch mit BuzzFeed News, wieso.

Girlboss zu sein ist das klassische „High-Performer-Mindset“, das Bogner in ihrem eigenen Berufsleben stark belastet habe. Sich dessen bewusst zu werden, war für die 31-Jährige ein großer Schritt. Fast neidisch schaut sie auf die Gen Z, die schon lange andere Ansprüche an Arbeit stellt und sich besser gegen nervtötende Boomer durchsetzt als sie es als Millennial je könnte.

Bogners Wunsch für die Zukunft: „Dass die verschiedenen Generationen aufeinander zugehen und eine kollektivistische Arbeitskultur schaffen“. In ihrem Buch erklärt sie, was dahintersteckt und wie das gelingen kann.

Girlboss sein und „weißer Feminismus“ gehen Hand in Hand: Woran du erkennst, dass du eine „weiße Feministin“ bist

*Das Buch von Verena Bogner mit dem Titel „Not Your Business, Babe!“ erschien am 11. Januar 2024 im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
**Patriarchat = Gesellschaftsordnung, bei der der Mann eine bevorzugte Stellung in Staat und Familie innehat.

Rubriklistenbild: © Science Photo Library/IMAGO, Collage

Kommentare