Geopolitik trifft Urlaubsinsel

USS Gerald R. Ford: US-Kriegsschiff sorgt auf Mallorca für Aufruhr

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Mallorca erwartet den größten Flugzeugträger der Welt. Das US-Kriegsschiff sorgt bereits für politischen Tumult. Der Besuch spaltet die Insel.

Palma – Der Bucht von Palma steht Anfang Oktober der Besuch eines außergewöhnlichen Kriegsschiffs bevor. Medienberichten zufolge wird die „USS Gerald R. Ford“ – derzeit der größte Flugzeugträger weltweit – ab Freitag (3. Oktober) in der Inselhauptstadt erwartet. Eine Bestätigung von offizieller Seite steht allerdings noch aus: Die Vertretung der spanischen Zentralregierung auf den Balearen konnte die Information zunächst nicht verifizieren. Doch vor Ort sorgt das mögliche Einlaufen des Kriegsschiffes schon jetzt für Tumult.

Die USS Gerald R. Ford, hier im Jahr 2023 vor der griechischen Küste.

Die letzte bestätigte Position der USS Gerald R. Ford datiert vom 12. September, als sich das Schiff in Oslo befand. Marine Vessel Traffic, eine Webseite, die Bewegungen von Kriegsschiffen dokumentiert, verortete den Flugzeugträger auch am vergangenen Donnerstag (25. September) noch westlich von Dänemark. Dort hatte der Koloss an der Übung „Neptun Strike 25“ teilgenommen, mit der die Seestreitkräfte der NATO inmitten zunehmender geopolitischer Spannungen ihre Fähigkeit für Abschreckung und Verteidigung zur Schau gestellt hatten.

Obwohl es auf der Website keine neueren Informationen gibt, berichtet die mallorquinische Tageszeitung Última Hora, dass der 337 Meter lange US-Flottenriese vom 3. bis 8. Oktober in der Bucht von Palma vor Anker gehen werde. Mit an Bord seien 4500 Marinesoldaten und 90 Flugzeugen, darunter die F/A-18- und F-35-Jets.

Ex-Botschafter zu US-Kriegsschiff: Besuch normal, aber Bedenken wegen Gaza-Konflikt

Für Mallorca wäre ein solcher Besuch keineswegs ungewöhnlich. Im Juli 2022 lag die „USS Harry S. Truman“ in der Bucht von Palma und bereits im November 2021 hatte der britische Flugzeugträger „HMS Queen Elizabeth“ sechs Tage im Hafen verbracht. 2019 machte die „USS Abraham Lincoln“ für fünf Tage Station auf der Insel – mit 333 Metern Länge, 40 Metern Breite und Platz für bis zu 85 Flugzeuge kam sie den Dimensionen der „USS Gerald R. Ford“ bereits sehr nahe.

„Die Besuche der Sechsten Flotte in Palma waren vor einigen Jahren häufig, da es sich um eine sichere und attraktive Stadt handelt, die ideal ist, um der Besatzung Erholung zu bieten. Ich bin nicht überrascht, dass sie kommt, und ich glaube auch nicht, dass wir uns darüber übermäßig Gedanken machen sollten. Wenn es sich um eine deutsche Fregatte handeln würde, würde niemand etwas sagen“, sagte Josep Pons Irazazába, ein ehemaliger Botschafter Spaniens, laut der Zeitung. Dennoch habe Irazazába auch Bedenken, da er nicht ausschließen könne, dass die USS Gerald R. Ford im Rahmen einer Mission zur Unterstützung Israels Gaza-Krieg unterwegs sei. Dies sei aber ein Konflikt, der „nicht mit Raketen“ lösbar sei.

Proteste gegen NATO angekündigt: Plattform ruft zu Demonstration am Freitag auf

Auf der Insel selbst hat der mögliche Besuch bereits Proteste hervorgerufen. Wie die deutschsprachige Mallorca Zeitung schreibt, hat die Plattform Mallorca per la Pau (Mallorca für den Frieden) für den kommenden Freitag, zu einer Demonstration aufgerufen. Unter dem Motto „OTAN No. Fora vaixells de guerra de la nostra terra“ (Nein zur NATO. Kriegsschiffe raus aus unserem Land) solle an der Einmündung des Paseo Marítimo in die Avenidas gegen die militärische Präsenz protestiert werden. Mallorca sei keine Militärbasis, heiße es in der Ankündigung.

Auch auf politischer Ebene habe die Ankündigung des Besuchs bereits Auseinandersetzungen ausgelöst. Die Linkspartei Esquerra Unida habe sich am Montag, 29. September, in einer Stellungnahme gegen die Anwesenheit des US-Militärs auf den Balearen ausgesprochen. Sie habe den Besuch als „unerwünscht“ bezeichnet und gewarnt, dieser rücke die Balearen „ins Zentrum der Weltgeopolitik“. Man hoffe daher, dass das Schiff „an den Inseln vorbeifährt“.

Konservative PP ruft zur Gelassenheit auf: US-Kriegsschiff bringe wirtschaftliche Vorteile für Mallorca

Die im Regionalparlament vertretene Partei Més habe ebenfalls Vorbehalte gegen die geplante Visite geäußert. Der Flugzeugträger sei „nicht willkommen“, sei man dort überzeugt. Im selben Atemzug habe die Partei ihre ablehnende Haltung zur NATO-Mitgliedschaft Spaniens geäußert, da man sich als Mitglied gegen derartige Zwischenstopps nicht wehren könne. Més fordere daher, die Rolle Spaniens in der NATO zu überdenken – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die USA unter Präsident Donald Trump die Mitgliedsstaaten wie einen „Club von Bediensteten“ behandelten.

Dahingegen habe die konservative Regierungspartei PP zur Gelassenheit gemahnt. Fraktionssprecher Sebastià Sagreras habe darauf verwiesen, dass die Ankunft von Flugzeugträgern oder anderen Schiffen aus den USA „schon immer vorgekommen“ sei. Die Balearen seien schließlich Teil Spaniens seien, einem NATO-Mitglied. Das Bündnis biete dem Land immerhin Sicherheitsgarantien.

„Es würde ja gerade noch fehlen, dass NATO-Schiffe nicht im Meer der Balearen Station machen dürften“, so Sagreras laut dem Bericht. Zudem habe er die positiven wirtschaftlichen Effekte hervorgehoben, die der Besuch für Palma und die gesamte Insel haben könnte. (Quellen: Mallorca Zeitung, Marine Vessel Traffic, Última Hora) (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Vasilis Rebapis / Eurokinissi

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