US-Präsident prescht vor

Trump: Ukraine erhält wohl Tomahawk-Raketen für Gegenoffensive

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Der nächste „Gamechanger“ oder wieder heiße Luft? Die Ukraine soll jetzt Tomahawk-Raketen bekommen, um Wladimir Putin zum Frieden zu zwingen.

Kiew – „Der größte Vorteil des Tomahawk gegenüber allen Waffen, die den ukrainischen Streitkräften derzeit zur Verfügung stehen, ist seine große Reichweite“, schreibt Illia Kabachynskyi. Gegen Wladimir Putins aggressiven Expansionsdrang werden die Verteidiger im Ukraine-Krieg jetzt wohl doch mit weit reichenden Waffen ausgestattet. Nach Angaben von Reuters prüften die Vereinigten Staaten die Anfrage der Ukraine nach Tomahawk-Langstreckenraketen; „für ihre Bemühungen, die russischen Invasoren zurückzudrängen“, sagte Vizepräsident JD Vance laut der Nachrichtenagentur. Offenbar ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit seinen lang anhaltenden Bitten zu US-Präsident Donald Trump durchgedrungen. Russland reagiert aufgeschreckt.

Erfolgreich: Der Lenkwaffenzerstörer USS Porter feuerte eine Tomahawk Land Attack Missile (TLAM) in Richtung Irak ab, um die Operation Iraqi Freedom zu unterstützen; jetzt greift der tief fliegende Marschflugkörper möglicherweise auch in den Ukraine-Krieg ein, weil US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten zu Verhandlungen motivieren will (Archivfoto).

Tomahawks sind lediglich ein möglicher Raketentyp für das Abschuss-System Typhon. Das Waffensystem wird auch als „Strategic Mid-range Fires System“ (SMRF) bezeichnet – mindestens 2.000 bis 2.500 Kilometer soll die Waffe tragen, jedenfalls die Tomahawk-Raketen, beziehungsweise genauer: Tomahawk-Marschflugkörper. Die werden permanent angetrieben und fliegen knapp über dem Boden auf ihr Ziel zu; der alternativ zu verschießenden SM-6-Rakete wird eine Entfernung bis zu 500 Kilometer zugeschrieben; anders als eine Tomahawk zündet sie einmalig und fliegt dann in einer Kurve vom Boden aus wieder auf die Erdoberfläche zu. Beide Waffenarten kann die Typhon abfeuern.

Putin ein Blender? „Offenbar gelang es Selenskyj und den Europäern, Trump davon zu überzeugen“

Sowohl der Republikaner Donald Trump als auch sein Amtsvorgänger Joe Biden von den Demokraten hatten Waffen für Langstreckenschläge auf Russland abgelehnt, beziehungsweise die Nutzung von gelieferten Waffen höherer Reichweite unter Vorbehalt gestellt. Frieden in der Ukraine war eines der wichtigsten außenpolitischen Wahlkampfversprechen, mit dem Donald Trump um seine zweite Amtszeit gerungen hatte. Während der Verhandlungen wechselte der US-Präsident seine Sympathien munter durch, derzeit steht Wladimir Putin auf Trumps Abschussliste. Im März hatte Trump schon gedroht, dass er Putins Hartleibigkeit gegenüber der Ukraine mit Zöllen bestrafen oder Sanktionen gegen seine Geschäfte mit Öl anstrengen wolle.

„Aus militärischer Sicht müsste man massive Angriffe mit unterschiedlichen Waffensystemen kurz hintereinander ausführen. Dies würde zur notwendigen Übersättigung der russischen Abwehrmaßnahmen führen. Dazu benötigte es viele und hochwertige Wirkmittel. Wenn diese nicht verfügbar sind, müssten sie geliefert werden.“

Markus Reisner, Website Österreichisches Bundesheer

Moritz Gathmann erinnert daran, dass Donald Trump inzwischen auch realisiert haben könnte, dass das mit viel Tamtam inszenierte Gipfeltreffen in Alaska nur heiße Luft produziert hat. „Was Putin Trump offenbar weismachen wollte: Früher oder später werde die russische Armee diese Gebiete ohnehin erobern, da könne die Ukraine sie für einen sofortigen Frieden doch gleich preisgeben.

Doch dem ist nicht so. Und offenbar gelang es Selenskyj und den Europäern, Trump davon zu überzeugen, schreibt der Journalist aktuell für den deutschen Thinktank „Friedrich-Ebert-Stiftung“. Nach den Drohnen-Attacken auf NATO-Länder an der östlichen Peripherie der Verteidigungsallianz hatten die USA auch wieder demonstrativ den engen Schulterschluss zu ihren europäischen Alliierten kundgetan.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

„Wenn es mit Russland nicht gelingt, eine Einigung über die Beendigung des Blutvergießens in der Ukraine zu erzielen, und falls ich glaube, dass es Russlands Schuld war – was nicht sein muss –, aber falls ich glaube, dass es Russlands Schuld war, werde ich Sekundärzölle auf Öl erheben, auf alles Öl, das aus Russland kommt“, sagte Trump in einem Telefonat mit NBC News, wie der Sender im März berichtete. Jetzt also überlegt Donald Trump, zu einem größeren Kaliber zu greifen. Auch der britische Independent vermutet, dass die angekündigte Abkehr von der eingefahrenen Strategie aus Trumps Frust geboren zu sein scheint. Jetzt sollen Tomahawks Putins Motivation zu einem Friedensabkommen fördern.

Hoffnung der Ukraine: Tomahawks als Träger für „kombinierte Angriffe tief in russisches Gebiet“

Allerdings scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Russland droht mit Eskalation des Konflikts in Richtung der NATO – wenn auch bisher indirekt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters habe Russland erklärt, wichtig sei, ob die USA auch die Zieldaten für den Abschuss der Tomahawks zur Verfügung stellen wollten. „Die Frage ist nach wie vor: Wer kann diese Raketen abfeuern? Können nur die Ukrainer sie abfeuern oder müssen das amerikanische Soldaten tun?“, habe Kremlsprecher Dmitri Peskow gefragt. „Wer bestimmt die Zielrichtung dieser Raketen? Die amerikanische Seite oder die Ukrainer selbst?“ Laut der Nachrichtenagentur wolle Russland das genau prüfen; Peskow habe aber klargemacht, dass nach russischer Ansicht auch diese Waffe außerstande sei, eine Wende zu bringen.

Was die Ukraine anders sieht. Zwischenzeitlich hatte sie Hoffnung geschöpft aus der fortgeschrittenen Entwicklung ihrer eigenen Langstreckenwaffen; beispielsweise des Marschflugkörpers Flamingo. Allerdings fehlen belegbare Beweise für durchschlagende Erfolge, weshalb die ukrainische Medienplattform United24 die Tomahawks als Silberstreif am Horizont sieht – was übrigens die F-16-Kampfjets auch schon sein sollten – und bis heute nicht geworden sind. United24-Autor Illia Kabachynskyi betont den deutlichen Reichweiten-Vorteil der US-Waffe gegenüber den ukrainischen Entwicklungen. Die Differenz beträgt mindestens mehrere hundert Kilometer. Daneben führt Kabachynskyi die höhere Geschwindigkeit von fast 900 Kilometern pro Stunde auf und den Tomahawk-Sprengkopf von rund einer halben Tonne. Kabachynskyi hofft, dass die US-Waffe das Arsenal der ukrainischen Marschflugkörper ergänzen und „kombinierte Angriffe tief in russisches Gebiet“ ermöglichen könne.

Lösung des Ukraine-Krieges: „Massive Angriffe mit unterschiedlichen Waffensystemen kurz hintereinander“

„Die Ukraine hat mehrere vorrangige Angriffsziele“, schreibt der Autor und zielt ab auf Militärflughäfen, Waffenlager, militärische Einrichtungen und Infrastruktur, Radargeräte, Luftabwehrsysteme oder Abschussrampen – genauso größere wie kleinere Ziele von taktischem oder strategischem Wert. Gemessen an einem Radius von bis zu 2.500 Kilometern rücken viele Ziele in den Fokus ukrainischer Rachegelüste – und sie zwingen die russische militärische Führung dazu, ihre Taktik zu ändern. Bisher konnten sie die Reichweitenvorteile ihrer Waffen dazu nutzen, ihre Depots außerhalb der Reichweite ihres Gegners zu platzieren. Das wird jetzt schwerer werden. Grundsätzlich gilt die Waffe als sehr präzise; 1983 war sie in Dienst gestellt worden und habe ihre Startschwierigkeiten gehabt, urteilt der US-Thinktank „Center for Strategic & International Studies“ (CSIS).

Allerdings habe sie maßgeblich zu den Erfolgen der USA in den Kriegen am Golf beigetragen, so die CSIS-Analysten. „So wurden beispielsweise bei der Invasion des Irak im Jahr 2003 über 800 Tomahawk-Raketen abgefeuert, und auch in Afghanistan, Somalia, Libyen und Syrien wurden damit Kampferfolge erzielt.“ Diese Einsätze hätten auch dazu geführt, die Waffe zu optimieren, weil die Genauigkeit anfangs die Achillesferse der von verschiedenen Plattformen aus abzufeuernden Waffe dargestellt habe: „Trotz dieser anfänglichen Mängel wurden spätere Varianten der Rakete mit TERCOM (Terrain Contour Matching), GPS (Global Positioning System), und DMAC (Direct Memory Access Controller) ausgestattet, um die Genauigkeit der Rakete zu verbessern und das Risiko von Abstürzen zu verringern.“

Demzufolge wurde die Rakete darauf ausgerichtet, präziser ihren Kurs zu bestimmen und die gesammelten Daten schneller zu verarbeiten. Für Russland stellt sie insofern einen ernst zu nehmenden Gegner dar, wo die Invasionsarmee doch bisher gewohnt war, relativ ungestört weit hinter der Front operieren zu können. Allerdings besteht die Frage nach der Menge der möglicherweise zu liefernden Geschosse. Wie im Laufe des Krieges immer wieder betont wurde, müsse die Ukraine so massiert wie möglich angreifen können. Beispielsweise hatte der österreichische Oberst Markus Reisner in verschiedenen Medien wiederholt dafür geworben, dass nur ein „ATACMS-Effekt“ der Ukraine zum Umschwung des Krieges verhelfen könne – in Anspielung an die Diskussion um das vormals gelieferte „Army Tactical Missile System“ und die Diskussionen um dessen Einsatz.

Reisner äußerte sich beispielsweise auf der Website des Österreichischen Bundesheeres dezidiert, was von den westlichen Partnern von den Praktikern an der Front zu verlangen sei: „Aus militärischer Sicht müsste man massive Angriffe mit unterschiedlichen Waffensystemen kurz hintereinander ausführen. Dies würde zur notwendigen Übersättigung der russischen Abwehrmaßnahmen führen. Dazu benötigte es viele und hochwertige Wirkmittel. Wenn diese nicht verfügbar sind, müssten sie geliefert werden.“ (Quellen: Friedrich-Ebert-Stiftung, Center for Strategic & International Studies, Reuters, NBC, United24, Independent, Website des Österreichischen Bundesheeres) (hz)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Christopher Senenko/U.S .Navy

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