US-Friedensplan sorgt für Streit

Trump erhöht Druck auf die Ukraine: USA setzen Kiew Frist für „Friedensplan“ und drohen mit Kürzungen

  • schließen

Donald Trump drängt Kiew zur schnellen Zustimmung: Die Ukraine soll den US-Friedensplan bis Donnerstag annehmen – trotz harter Bedingungen.

Kiew/Washington, D.C. – Die USA erhöhen den Druck auf die Ukraine: Präsident Donald Trump treibt einen 28-Punkte-Plan voran, der den Krieg mit Russland beenden soll – Kiew soll dafür Land abtreten, seine Armee verkleinern und auf einen NATO-Beitritt verzichten. Präsident Wolodymyr Selenskyj steht vor einer Entscheidung, die die Sicherheitsordnung Europas auf Jahre prägen könnte.

US-Präsident Donald Trump (r.) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) stehen unter internationaler Beobachtung: Washington drängt Kiew zu einer raschen Entscheidung über den neuen 28-Punkte-Friedensplan.

Zusätzlich verschärfte Trump den Ton: Er setzte der Ukraine öffentlich eine Frist bis Donnerstag (28. November) und erklärte am Freitag (21. November) gegenüber dem US-Sender Fox News, dieser Tag sei für eine Entscheidung „angemessen“. Damit erhöhte er den Druck auf Kiew weiter – in einer ohnehin historischen Belastungssituation.

Trump erhöht Druck im Ukraine-Krieg: USA setzen Kiew Frist für Friedensplan

Nach übereinstimmenden Berichten arbeitet die US-Regierung an einem Friedensrahmen, den die Ukraine binnen Tagen akzeptieren soll. Aus informierten Kreisen verlautete, Washington habe Kiew unmissverständlich signalisiert, dass Waffenlieferungen und der Austausch von Geheimdienstinformationen eingeschränkt oder ausgesetzt werden könnten, falls der Plan abgelehnt werde, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Der Entwurf wurde Selenskyj laut übereinstimmenden Angaben persönlich in Kiew übergeben – und zwar durch Dan Driscoll, den US-Army-Secretary, also den zivilen Minister der US-Landstreitkräfte. Nach Angaben aus Washington, über die unter anderem CNN und die Associated Press (AP) berichteten, einigten sich beide Seiten dabei auf einen „aggressiven Zeitplan“ für ein Rahmendokument.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Selenskyj warnt vor „Verlust der Würde“ – Ukraine unter historischem Druck

Selenskyj selbst zeichnet ein dramatisches Bild der Lage. In einer Ansprache, die er auf seinem Telegram-Kanal teilte, nennt er die aktuelle Phase „einen der schwersten Momente“ der ukrainischen Geschichte. Die Ukraine könne „mit einer sehr schwierigen Wahl konfrontiert werden: entweder einem Verlust der Würde oder dem Risiko, einen Schlüsselfreund zu verlieren“, sagte er. Zur Auswahl stünden „entweder ein komplexer 28-Punkte-Plan oder ein extrem harter Winter – der härteste – und weitere Risiken“.

Er betonte zugleich, man werde „keine lauten Erklärungen“ abgeben, sondern „ruhig mit Amerika und allen Partnern arbeiten“. Es gebe einen „konstruktiven Suchprozess“, ohne Russland Vorwände zu liefern, die Ukraine wolle keinen Frieden.

Ukraine-Krieg: Trumps 28-Punkte-Plan verlangt Gebietsverzicht und Militärbegrenzung

Der Entwurf sieht tiefgreifende Zugeständnisse der Ukraine an Russland vor. Nach einem von CNN eingesehenen Dokument sollen Krim, Luhansk und Donezk „de facto“ als russisch anerkannt werden – ausdrücklich auch durch die USA. Teile der Regionen Cherson und Saporischschja würden entlang der Frontlinie „eingefroren“. Ukrainische Truppen müssten sich aus noch kontrollierten Bereichen von Donezk zurückziehen, dort entstünde eine entmilitarisierte Zone.

Die Ukraine dürfte nicht der NATO beitreten, und die Allianz würde zusagen, keine Truppen im Land zu stationieren. Die Größe der ukrainischen Streitkräfte wäre auf 600.000 Soldatinnen und Soldaten begrenzt. Laut Associated Press beinhaltet der Entwurf außerdem vorgezogene Wahlen innerhalb von 100 Tagen sowie eine gemeinsame US-russische Arbeitsgruppe zur Überwachung.

Das steckt im 28-Punkte-Plan

Die zentralen Forderungen:

- Gebietsverzicht an Russland

- Keine NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine

- Begrenzung der ukrainischen Armee auf 600.000 Soldaten

- Entmilitarisierte Zone im Donbass

- Sanktionslockerungen für Russland

- Rückkehr Moskaus in die G8

- Gemeinsamer „Friedensrat“ unter Vorsitz von Trump

Trump Ukraine-Plan: Russland soll in G8 zurückkehren – Sanktionen würden fallen

Der Plan eröffnet Russland zugleich eine Rückkehr in die internationale Gemeinschaft. Wie aus Analysen von AP und CNN hervorgeht, sollen Sanktionen schrittweise aufgehoben und Moskau wieder in die G8 eingeladen werden. Gefrorene russische Vermögenswerte würden in einen Fonds überführt, der den Wiederaufbau der Ukraine finanzieren soll.

Auch energetische Fragen sind Teil des Papiers. Das von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja solle unter Aufsicht der IAEA wieder ans Netz gehen, die produzierten Strommengen würden zwischen Russland und der Ukraine aufgeteilt. Ein „Friedensrat“ unter Vorsitz von Trump solle gemäß Associated Press über die Umsetzung wachen.

Streit um angebliche Zustimmung Umjerow – Kiew weist Darstellung zurück

Für weitere Spannung sorgt die Frage, ob der ukrainische Sicherheitschef Rustem Umjerow dem Plan zugestimmt hat. US-Vertreter erklärten gegenüber Reuters, Umjerow habe „der Mehrheit“ der Punkte zugestimmt und den Entwurf Selenskyj übergeben.

Umjerow selbst widersprach dem deutlich. Auf seinem Telegram-Kanal schrieb er, er habe lediglich die Organisation der Gespräche koordiniert. Einschätzungen oder gar Zustimmungen zu einzelnen Punkten seien nicht seine Aufgabe und entsprächen nicht dem formalen Verfahren.

Ukraine setzt rote Linien, keine Anerkennung russischer Gebiete – Europäer fühlen sich übergangen

Kiew hat unterdessen klare rote Linien formuliert. Die stellvertretende UN-Botschafterin Khrystyna Hayovyshyn betonte laut AP, es werde „niemals irgendeine Anerkennung“ ukrainischen Territoriums als russisch geben. Die Ukraine lehne zudem jede Begrenzung ihrer Streitkräfte und jede Einschränkung ihrer Bündnisfreiheit ab. Auch Selenskyj bekräftigte intern, dass territoriale Zugeständnisse politisch wie verfassungsrechtlich nicht möglich seien. Eine Aufgabe aktuell gehaltener Frontabschnitte würde zudem militärisch als riskant eingestuft.

Der US-Plan hat europäische Regierungen, exklusive Ungarn, überrascht und irritiert. Aus Diplomatenkreisen in Brüssel und Kiew hieß es gegenüber CNN, viele Außenminister hätten keine Vorabinformationen erhalten. Ein westlicher Diplomat verglich die Situation mit „Groundhog Day“, da alte Maximalforderungen Moskaus erneut auftauchten.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte laut Reuters, jede Friedenslösung müsse sowohl die Ukraine als auch Europa einbeziehen. Russland habe „kein legales Recht auf Zugeständnisse von dem Land, das es überfallen hat“. In mehreren europäischen Hauptstädten wird bereits an einem alternativen, Kiew-freundlicheren Plan gearbeitet.

Ukraine-Krieg und Trumps „Friedensplan“: Militärische Lage verschlechtert sich für Kiew

Der wachsende diplomatische Druck trifft die Ukraine zu einem Zeitpunkt, an dem sich die militärische Lage eintrübt. Nach Analysen von Reuters hält Russland knapp ein Fünftel des Landes und meldet Fortschritte an mehreren Frontabschnitten. Ein Korruptionsskandal belastet gleichzeitig die Regierung, das Parlament entließ zuletzt zwei Minister.

Selenskyj wird in den kommenden Tagen mit Trump über den Plan sprechen. Zeitgleich arbeitet Europa mit Kiew an Alternativen, die die ukrainischen „roten Linien“ berücksichtigen. Welcher Weg sich durchsetzt, wird über die Zukunft der Ukraine – und über die Sicherheitsordnung Europas – entscheiden. (Quellen: Reuters, Ukrainska Pravda, CNN, Associated Press) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Beide Fotos: IMAGO / ZUMA Press Wire

Kommentare