SPD-Überraschung

Bayern-Umfrage stützt Söders Atom-Volte – schlechte Neuigkeiten für Grüne und FDP

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Aufgemerkt: Markus Söders CSU liegt einer Umfrage zufolge weiter auf Kurs Wiederwahl in Bayern.
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Die Bayern-Wahl wird wohl kein Fotofinish bieten. Eine neue Umfrage liefert aber dennoch Diskussionsstoff für CSU, Freie Wähler, Grüne und FDP.

München – Fünf Monate vor der Bayern-Wahl scheint das Rennen um die Staatskanzlei bereits entschieden: Auch eine am Mittwoch (3. Mai) veröffentlichte Sonntagsfrage sieht die CSU um Ministerpräsident Markus Söder klar in Führung - und obendrein fast eine absolute Mehrheit für das regierende Bündnis aus CSU und Freien Wählern.

Allerdings zeigte der „17:30 SAT.1 Bayern Wählercheck“ eine etwas unerwartete Verschiebung in der Wählergunst auf den hinteren Rängen. Zugleich scheint die FDP im Freistaat weiter massiv um den Einzug ins Münchner Maximilianeum bangen zu müssen.

Bayern-Wahl-Umfrage: CSU und Aiwanger auf Kurs Wiederwahl - FDP bangt, Grüne leiden

Die Erhebung des Hamburger Instituts GMS taxiert die CSU in der Sonntagsfrage auf 41 Prozent. Ihr Koalitionspartner, Hubert Aiwangers Freie Wähler, kommt auf 9 Prozent. Der Wert der Christsozialen ist im Vergleich zur vorangegangenen Bayern-Umfrage aus dem Dezember und Januar unverändert geblieben - die Freien Wähler büßten einen Prozentpunkt ein. Zusammen hätten die Koalitionspartner damit hypothetisch 50 Prozent der Stimmen - angesichts der Tatsache, dass einige Prozentpunkte auf nicht in den Landtag einziehende Parteien entfallen werden, wäre das eine komfortable Mehrheit.

An der Fünfprozenthürde scheitern könnte offenbar auch die FDP. Sie rangiert der Sat.1-Umfrage zufolge bei 4 Prozent. Gleiches gilt für die Linke, sie erzielt in der Sonntagsfrage sogar nur 3 Prozent. Das ist allerdings immerhin ein Prozentpunkt mehr als noch zu Jahresbeginn. Die AfD scheint mit unverändert 10 Prozent in der Sonntagsfrage nicht bangen zu müssen.

ParteiUmfragewert MaiÄnderung zur Januar-UmfrageWahlergebnis 2018
CSU41%-37,2%
Grüne16%-2%17,6%
Freie Wähler9%-1%11,6%
AfD10%-10,2%
SPD11%+2%9,7%
FDP4%-5,1%
Linke3%+1%3,2%

Quelle: Sat.1./GMS vom 3. Mai 2023 / Wahlergebnis 2018 nach bayern.landtag.de

Kleinere Sorge dürften die aktuellen Werte auch den Grünen bereiten. Sie verlieren gegenüber der Vorgängererhebung 2 Prozentpunkte. Damit blieben die Bayern-Grünen um die Aushängeschilder Katharina Schulze und Ludwig Hartmann zwar zweitstärkste Kraft - müsste aber mit Einbußen auch im Vergleich zur Wahl 2018 leben. Damals erhielten die Grünen 17,6 Prozent. Eine Koalition mit der Öko-Partei hat die CSU allerdings ohnehin bereits mehrfach abgelehnt.

Ein Profiteur ist in der vorliegenden Sonntagsfrage die SPD. Die von Wahlschlappen gebeutelten bayerischen Genossen rangieren laut GMS bei 11 Prozent. Gemessen am Rest der Republik ist das nicht viel - 2018 aber hatte die SPD in Bayern sogar die Zehn-Prozent-Marke verfehlt. Auch zum Bayern-Wahlkampfstart der Sozialdemokraten hatte es Schwierigkeiten gegeben, Generalsekretär Arif Tasdelen musste gehen.

Umfrage zur Bayern-Wahl: Söder trifft offenbar den richtigen AKW-Ton

Ob diese kleineren Verschiebungen auch mit der Debatte um die Atomkraft zu tun haben, ist unklar. Die Umfrage im Auftrag von Sat.1 lieferte allerdings nichtsdestotrotz einen Einblick in die bayerische Gemütslage zum Aus der deutschen AKW: 64 Prozent der Befragten gaben an, sie hielten die Entscheidung nicht für richtig. 32 Prozent der Befragten sprachen sich für eine längerfristige weitere Nutzung der Atomkraft aus, 37 Prozent befürworteten dies zumindest vorübergehend.

Söder könnte also im April durchaus die richtigen Töne für die bayerische Wählerschaft getroffen haben: Der Ministerpräsident forderte sogar, die Atomkraft in eigener Landesregie weiterbetreiben zu können - ein Experte ordnete dies im Gespräch mit Merkur.de allerdings als „absolut illusorisch“ ein.

Lautstark setzte sich die CSU zuletzt auch beim Thema Cannabis-Legalisierung von der Ampel-Koalition in Berlin ab. Sie will - trotz Interesse etwa der Landeshauptstadt München - keine Modellprojekte im Freistaat. Der CSU-Gesundheitsexperte Bernhard Seidenath warnte auf Anfrage von Merkur.de: „Wir lassen hier einen Dämon aus der Flasche, den wir dann nicht mehr kontrollieren können.“ (fn)

Für die vorliegende repräsentative Umfrage hatte das Institut GMS nach eigenen Angaben zwischen 26. April und 2. Mai 1005 Wahlberechtigte in Bayern per Telefon befragt.

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