Le Pen vor Gericht: Rechtnationale sieht „nicht die geringste Regelwidrigkeit“
VonSimon Schröder
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Marine Le Pen strebt an, 2027 die Präsidentin von Frankreich zu sein. Ihr laufender Gerichtsprozess könnte jedoch ihre politischen Pläne durchkreuzen.
Paris – Marine Le Pen, Chefin der französisch-rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN), sieht sich derzeit einem heiklen Gerichtsprozess ausgesetzt. Ihr und weiteren Mitgliedern ihrer Partei wird vorgeworfen, öffentliche Gelder durch die Scheinbeschäftigung von Assistenten im EU-Parlament veruntreut zu haben. Insgesamt sollen etwa sieben Millionen Euro für Tätigkeiten geflossen sein, die entweder nicht existierten oder parteiinterner Natur waren.
Sollte Le Pen schuldig gesprochen werden, drohen ihr möglicherweise nicht nur fünf Jahre Haft, von denen drei auf Bewährung ausgesetzt wären, sondern auch eine Geldstrafe von 300.000 Euro. Besonders gravierend wäre jedoch der Verlust ihres passiven Wahlrechts für fünf Jahre, eine Forderung der Staatsanwaltschaft, die bereits nach dem Urteilsspruch in Kraft treten könnte. Dies bedeute, sie könnte bei der Präsidentschaftswahl 2027 nicht als Kandidatin für das RN antreten, was ihre politischen Ambitionen torpedieren würde.
Probleme für Le Pen: Was ein Schuldspruch für das Rassemblement National bedeuten würde
Ein Schuldspruch könnte nicht nur Le Pens persönliche politische Karriere erheblich beeinträchtigen, sondern auch die strategische Ausrichtung des Rassemblement National. Die Partei, die sich in den letzten Jahren von einer rechtsextremen Gruppierung zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft gewandelt hat, könnte gezwungen sein, ihre Führungsstruktur und ihren öffentlichen Auftritt neu zu überdenken. Le Pen war und ist zentrale Figur der Partei, weshalb sie sich während des Prozesses als Märtyrerin inszeniert, wie der Stern über den Prozess in Frankreich schreibt.
In einem TV-Interview des französischen Senders TF1 vergangene Woche hatte Le Pen den Prozess als politisch motiviert bezeichnet. Hinter der Anklage stecke der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, der den Prozess 2015 ins Rollen gebracht hatte und die französische Ex-Justizministerin Christiane Taubira.
Le Pen droht mit Misstrauensvotum und erhöht Druck auf das Justizministerium
Le Pen hat auf den Prozess mit der Drohung reagiert, ein Misstrauensvotum gegen die Regierung einzubringen, sollte der Schuldspruch gegen sie fallen, um Druck auf das Justizministerium auszuüben. Sollten dabei die Linken und Rechten Oppositionskräfte im französischen Parlament mitspielen, könnte das die Regierung in Frankreich erneut ins Chaos stürzen. Sollte das Misstrauensvotum gelingen, würde es eine vorgezogene Präsidentschaftswahl geben.
Marine Le Pen hat Frankreich-Wahl 2027 im Blick – trotz Ausschluss
Während des Prozesses äußerte sich Le Pen: „Ich habe nicht das Gefühl, die geringste Regelwidrigkeit, die geringste Rechtswidrigkeit begangen zu haben.“ Zwar endet der Prozess heute, ein Urteil jedoch wird erst Anfang nächsten Jahres erwartet. (sischr/dpa)