Wahl zur Bürgerschaft

Ergebnisse zur Hamburg-Wahl: Diese Koalitionen sind jetzt möglich

  • schließen

Erste Ergebnisse zur Hamburg-Wahl: Laut Prognose und Hochrechnung gewinnt die SPD. Doch mit welcher Koalition? Unsere Live-Grafik gibt Antworten.

Hamburg – In Hamburg ist die Welt für die SPD noch in Ordnung. Hier wurden die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl trotz deutlicher Verluste mit knapp 23 Prozent wieder stärkste Kraft – was ihr sonst nur noch in Bremen gelang. Und auch die Hamburg-Wahl am 2. März verhieß von vornherein Gutes für die SPD: Auch bei der bundesweit einzigen Landtagswahl in diesem Jahr galt sie im Vorfeld als haushohe Favoritin. 

Die letzten Umfragen vor der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt machten deutlich, dass der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher den Stadtstaat auch in den kommenden fünf Jahren regieren wird – offen ist nur, mit wem. Ein Blick auf die Live-Grafik zur Hamburg-Wahl 2025 zeigt, welche Koalitionen jetzt möglich sind.

Live-Grafik zeigt an, welche Koalition nach den Umfragen und Prognosen zur Hamburg-Wahl möglich ist

Die Mehrheitsverhältnisse waren schon vor der Hamburg-Wahl relativ klar. Einer Neuauflage der seit 2015 regierenden Koalition aus SPD und den Grünen stand im Grunde nie etwas im Weg. Beide Parteien sprachen sich im Wahlkampf dafür aus. Es sei sein „Wunsch“, den politischen Kurs in der Hansestadt fortzusetzen und mit den Grünen „schnell zu einer stabilen Regierung“ zu kommen, betonte auch Tschentscher im TV-Triell vor der Bürgerschaftswahl noch einmal.

Als zweite Koalition außer Rot-Grün böte sich noch Rot-Schwarz an. Im Wahlkampf war der mögliche Wechsel der Koalition zu einem Bündnis aus SPD und CDU aber kein Thema. Noch zwei weitere Parteien sind in der Bürgerschaft vertreten: Die Linke und die AfD. Alle anderen Parteien – darunter FDP, Volt und BSW – bleiben dagegen unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Brauer, Scholz und Tschentscher – alle Bürgermeister Hamburgs in der Übersicht

Hamburgische Bürgerschaft - 1946
Noch während der Besatzungszeit steht in Hamburg die erste Bürgerschaftswahl nach dem Zweiten Weltkrieg an. Die SPD gewinnt die Wahl im Oktober 1946 deutlich. Die Hamburgische Bürgerschaft tritt am 30. Oktober 1946 das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Sitzung zusammen (im Bild).  © dpa
Max Brauer Hamburg
Der am 15. November 1946 von der Bürgerschaft gewählte Senat konstituiert sich am 19. November und wählt den SPD-Politiker Max Brauer (Mitte) zum Ersten Bürgermeister und Präsidenten des Senats. Er kümmert sich vor allem um die soziale Not in der zerbombten Stadt. Brauer bleibt bis zum 2. Dezember 1953 im Amt.  © Imago
Besuch im Rathaus
Nachfolger von Brauer wird der CDU-Politiker Kurt Sieveking (rechts, hier mit Wilhelm Kopf). Zum Zweck des Machtwechsels hatten CDU, FDP, die rechtsgerichtete Deutsche Partei (DP) und der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) den sogenannten Hamburg-Block gegründet. Gegen Ende der Wahlperiode zerfällt der Block. 1957 treten die Parteien wieder einzeln an.  © Imago
Hamburg atomtod Proteste
Die SPD holt bei der Bürgerschaftswahl 1957 die absolute Mehrheit. Max Brauer wird erneut Bürgermeister. Die Zeit bis Ende 1960 ist vor allem mit Brauers bundespolitischem Engagement in der Frage der atomaren Bewaffnung der Bundeswehr verbunden. Hamburg entwickelt sich zum Zentrum der Protestbewegung, die unter der Parole „Kampf dem Atomtod“ bekannt wird. Höhepunkt ist die Demonstration am 17. April 1958 auf dem Hamburger Rathausmarkt, an der mehr als 150.000 Menschen teilnehmen.  © Imago
50 Jahre Sturmflut
Noch vor Ablauf der Wahlperiode übergibt Brauer Ende 1960 das Amt an seinen Parteifreund Paul Nevermann. In seine Zeit als Bürgermeister fällt die Sturmflut von 1962. Bei der Katastrophe in der Nacht vom 16. zum 17. Februar sterben 315 Menschen, davon alleine 200 in dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Nevermann geht danach persönlich auf die Betroffenen zu. Das Bild zeigt seinen Besuch eines Evakuiertenlagers auf der Veddel am 23. Februar 1962. Dort versucht er, eine weinende Frau zu beruhigen. © Lothar Heidtmann/dpa
50 Jahre „Spiegel“-Affäre
In das Jahr 1962 fällt auch die Spiegel-Affäre. Sie wird im sozial-liberalen Senat um den Ersten Bürgermeister mit Entrüstung aufgenommen. Nevermann wendet sich an Bundeskanzler Konrad Adenauer: Es sei dafür zu sorgen, dass das Erscheinen der Zeitschrift nicht verhindert werde, heißt es in einem Blitzfernschreiben. 50 Jahre später kommt es zu einer zweitägigen konfrenz in Hamburg. © Marcus Brandt/dpa
Queen Elizabeth II
Ein dreiviertel Jahr vor der nächsten Bürgerschaftswahl gibt Nevermann sein Amt auf. Auslöser ist der Besuch der britischen Königin Elisabeth II. am 28. Mai 1965 in Hamburg. Das Protokoll sieht den Empfang von Staatsgästen durch den Ersten Bürgermeister und seine Gattin vor. Doch Nevermanns von ihm getrennt lebende Ehefrau Grete weigert sich, ihre repräsentativen Aufgaben wahrzunehmen. Die Presse des Axel-Springer-Verlages skandalisiert den Vorgang. Nevermann tritt am 9. Juni 1965 zurück.  © Paul Schutzer/Imago
Ex-Senator Weiss spricht auf 50-Jahr-Feier SPD
Danach übernimmt Herbert Weichmann (SPD) das Amt, hier rechts als Porträt bei einer Rede des ehemaligen Sozialsenators Ernst Weiss im Kurt-Schumacher-Haus im Hintergrund neben Paul Nevermann (links) zu sehen. Im Alter von 75 Jahren tritt Weichmann 1971 zurück. © Markus Beck/dpa
Peter schulz Uwe seeler
Am 9. Juni 1971 wird Peter Schulz (SPD) als Nachfolger von Herbert Weichmann zum Ersten Bürgermeister gewählt. Als er am 1. Mai 1972 dem HSV-Idol Uwe Seeler eine Medaille zu dessen Abschied vom Fußball überreicht, ist die Welt für Schulz noch in Ordnung. Bei der Bürgerschaftswahl 1974 verliert die SPD allerdings rund zehn Prozentpunkte, danach hat er keine Rückendeckung mehr. Am 31. Oktober 1974 tritt er zurück. © Imago
Hans Ulrich Klose
Nachfolger wird Hans-Ulrich Klose. Der SPD-Politiker ist bis 1981 im Amt. Bis 1978 regiert die SPD mit der FDP, danach dank absoluter Mehrheit allein. Ein Giftmüll-Skandal der Firma Stoltzenberg überschattet seine Amtszeit. Wegen eines innerparteilichen Konflikts über den Bau des Kernkraftwerks Brokdorf tritt er am 25. Mai 1981 zurück. Klose lehnt den Bau ab, kann sich aber nicht gegen SPD-Landeschef Werner Staak durchsetzen. © Imago
Klaus von Dohnanyi
Von 1981 bis 1988 ist Klaus von Dohnanyi (Mitte) im Amt. Seine Mutter Christine von Dohnanyi war eine Schwester des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906 bis 1945). Der Vater Hans von Dohnanyi, der von 1929 bis 1938 im Reichsjustizministerium arbeitete, hatte seit 1934 Kontakt zu Kreisen des NS-Widerstandes. Er und seine Frau wurden am selben Tag (5. April 1943) verhaftet wie Dietrich Bonhoeffer. Hans von Dohnanyi wurde kurz vor Kriegsende im KZ Sachsenhausen ermordet, ebenfalls am selben Tag wie Bonhoeffer. © Imago
Hamburger Kessel
In seine Amtszeit fällt die Affäre um den berüchtigten „Hamburger Kessel“ am 8. Juni 1986. Auf dem Heiligengeistfeld schließen Hunderte von Uniformierten mehr als 800 Menschen bei Protesten gegen das Atomkraftwerk Brokdorf bis zu 13 Stunden lang in einer Polizeikette ein. Es handelt sich um die bis dahin größte Massenfestnahme in der Bundesrepublik. Mit der später gerichtlich als rechtswidrig eingestuften Aktion beginnt auch der „Hamburger Polizeiskandal“. Das Verwaltungsgericht Hamburg erklärt den Einsatz später für rechtswidrig. © Werner Baum/dpa
Henning Voscherau Jassir Arafat
Nächster Bürgermeister ist Henning Voscherau. Von 1988 bis 1997 führt der SPD-Politiker drei Hamburger Senate an. In seiner Funktion begrüßt er 1997 auch den Palästinensführer Jassir Arafat.  © Imago
Besetzte Häuser in der St. Pauli Hafenstraße
Dem von seinem Amtsvorgänger im Herbst 1987 erzielten Kompromiss mit ehemaligen Hausbesetzern der Hafenstraße steht er kritisch gegenüber. Er verzichtet aber darauf, die Häuser räumen und abreißen zu lassen. Nach einem schlechten Wahlergebnis 1997 tritt Voscherau zurück. © Stephan Wallocha/Imago
Kleiner Grasbrook
Voscherau ist einer der Initiatoren der Hamburger HafenCity. Auch die denkmalgeschützte Speicherstadt wird Teil des neuen Stadtteils im Bezirk Hamburg-Mitte. Die Speicherstadt wurde zwischen 1885 und 1927 auf Tausenden Holzpfählen gegründet. 2015 kam sie zusammen mit dem Kontorhausviertel um das Chilehaus auf die Welterbeliste der Unesco. © Daniel Bockwoldt/dpa
Runde eröffnet Modelleisenbahnanlage in Hamburg
Der neue Bürgermeister Ortwin Runde gilt als kompetent, aber etwas farblos. Bei der Bürgerschaftswahl 2001 wird die SPD zwar klar die stärkste Fraktion vor der CDU, doch zum Regieren reicht es wegen hoher Verluste der Grünen nicht. Runde scheidet am 31. Oktober 2001 aus dem Amt und verzichtet auch auf die Ausübung seines Bürgerschaftsmandats. © Ulrich Perrey/dpa
Ole von Beust und Ronald B. Schill mit Glücksschwein
Nun ist in Hamburg eine neue Koalition an der Macht: Ole von Beust (CDU) bildet ein Bündnis aus CDU, FDP und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive des Rechtspopulisten Ronald Schill (links). Von Beust ist sich bewusst, wen er da an seiner Seite hat: „Schill war ein Mittel zum Zweck“, sagt er später in einem zeit-Interview. „Die Koalition mit ihm war ein machtpolitisches Kalkül. Ich war der Meinung, nach 44 Jahren muss die SPD weg, und hatte gehofft, dass er sich im Amt fängt.“ © Sören Stache/dpa
Von Beust und Kusch
Im August 2003 entlässt Ole von Beust den Zweiten Bürgermeister Ronald Schill, als dieser ein angebliches Verhältnis des Bürgermeisters mit Justizsenator Roger Kusch (links) öffentlich machen will. Beust und Kusch weisen das entschieden zurück. Nach der Entlassung Schills steigt die Popularität Beusts stark an, Schill büßt dagegen Sympathien ein. © Sören Stache/dpa
Ahlhaus neuer Hamburger Bürgermeister
Am 18. Juli 2010 gibt Ole von Beust im Hamburger Rathaus seinen Rücktritt vom Amt als Erster Bürgermeister von Hamburg mit Wirkung zum 25. August 2010 bekannt. Nachfolger wird Christoph Ahlhaus (CDU).  © Marcus Brandt/dpa
FC St. Pauli
Dessen Amtszeit steht unter keinem guten Stern. Am 25. September 2010 wollen ihn die Fans des FC. St. Pauli am liebsten „wegschlumpfen“. Der Zauber wirkt wohl. Die Koalition mit den Grünen zerbricht, im Februar 2011 kommt es zu Neuwahlen. © Imago
G20-Gipfel _ Partnerprogramm
Am 7. März 2011 übernimmt der nachmalige Bundeskanzler Olaf Scholz das Ruder in Hamburg. Die ersten vier Jahre reagiert er mit absoluter Mehrheit. Danach bildet die SPD mit den Grünen eine Koalition. In seine Amtszeit fällt der G20-Gipfel im Sommer 2017. Damals lädt er zum Familienfoto im Hamburger Rathaus ein.  © Jens Büttner/dpa
G20 Gipfel - Demonstrationen
In Erinnerung bleiben aber vor allem die damit verbundenen Ausschreitungen. Bei den Demonstrationen gegen das Treffen der Regierungschefs der führenden Industrienationen gerät unter anderem eine Barrikade im Schanzenviertel in Brand. © Markus Scholz/dpa
Eröffnung der Elbphilharmonie
Wesentlich schöner fällt die lang erwartete Eröffnung der Elbphilharmonie aus. Am Abend des 11. Januar 2017 wird das Konzerthaus mit einem Festakt und Konzert eröffnet. Der 11. Januar 2017 sei nicht nur für die Hansestadt „ein historisches Datum“, sondern auch für die gesamte Kulturnation Deutschland, sagt Scholz damals vor 2100 geladenen Gästen.  © Christian Charisius/dpa
Peter Tschentscher
Im März 2018 tritt Scholz zurück, weil er in der neu zusammengesetzten Bundesregierung Finanzminister und Vizekanzler wird. Nun übernimmt Peter Tschentscher das Ruder im Hamburg.  © Axel Heimken/dpa
Ausschuss zur "Cum-Ex Steuergeldaffäre"
Seit 2020 sorgt der Cum-Ex-Skandal in Hamburg für Aufsehen. Offen ist die Frage, ob es bei der steuerlichen Behandlung der Warburg Bank und der früheren Landesbank Hamburgs und Schleswig-Holsteins, HSH Nordbank, eine politische Einflussnahme gegeben hat. Auch Tschentscher steht als Finanzsenator im Senat Scholz II unter Druck. Die Bürgerbewegung Finanzwende erkennt in ihm sogar einen „Cum-Ex-Paten“. Der Untersuchungsausschuss um Steuerbetrug hat Tschentscher offenbar aber nicht geschadet. © Marcus Brandt/dpa

Live-Grafik zeigt: Umfragen und Prognosen deuten auf eine bestimmte Koalition nach der Hamburg-Wahl hin

Angesichts des „desaströsen Wahlergebnisses“ seiner SPD bei der Bundestagswahl trieb Tschentscher auch für Hamburg die Sorge um stabile Mehrheiten um. Eine Zusammenarbeit mit den wohl auch in Hamburg stärker werdenden Linken zog er nicht in Betracht, da die Partei angeblich gar nicht regieren wolle. Eine Koalition mit der CDU schloss Tschentscher zwar nicht aus, sprach ihr aber die Regierungsfähigkeit ab.

Die Grünen-Spitzenkandidatin und Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank zeigt sich ein wenig irritiert, „dass die SPD schon vor der Wahl sehr viel über Posten spricht“. Das sei nicht Stil der Grünen. Auch die Linken waren etwas verärgert. Tschentscher verdrehe „vor lauter Angstschweiß“ die Fakten, sagte Spitzenkandidatin Heike Sudmann. Wenn es in der neuen Bürgerschaft eine Mehrheit für eine wirklich soziale Politik gebe, „können wir gern reden“.

Peter Tschentscher (links vorne) kann sich nach der Hamburg-Wahl wohl aussuchen, mit wem die SPD eine Koalition eingehen wird. Am ehesten zur Auswahl stehen die Grünen von Katharina Fegebank und die CDU von Dennis Thering.

Hamburg-Wahlen: Die Koalitionen seit 2010

  1. 2010 bis 2011: Ahlhaus (CDU + GAL)
  2. 2011 bis 2015: Scholz I (SPD)
  3. 2015 bis 2018: Scholz II (SPD + Grüne)
  4. 2018 bis 2020: Tschentscher I (SPD + Grüne)
  5. seit 2020: Tschentscher II (SPD + Grüne)

Laut Umfragen und Prognosen bietet sich nach der Hamburg-Wahl noch eine zweite Koalition an: Live-Grafik

CDU-Spitzenkandidat Dennis Thering wies die Kritik des Bürgermeisters an seiner Partei zurück. Er könne verstehen, dass Tschentscher aufgrund des Ergebnisses der SPD bei der Bundestagswahl nervös sei. „Diese Niederlage gibt der SPD aber keinen Grund, den Hamburgerinnen und Hamburgern jetzt wenige Tage vor der Wahl Angst zu machen“, sagte der CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende. 

Für eine Zusammenarbeit mit der SPD zeigte er sich weiter offen. „Es wird die Möglichkeit für ein stabiles Zweierbündnis geben, jedoch muss das nicht zwingend mit den Grünen sein.“ (cs/dpa)

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

Kommentare