Wettlauf um Bodenschätze

Wagner-Gruppe wirbt mit lukrativem Angebot für Einsatz weit entfernt vom Ukraine-Krieg

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Investigativjournalist:innen enthüllen die Rekrutierung russischer Soldaten und Söldner für Afrika. Das könnte Auswirkungen im Ukraine-Krieg haben.

St. Petersburg – Libyen, Mali, Sudan, Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrikanische Republik – seit Jahren nimmt die Wagner-Söldnertruppe militärisch und politisch Einfluss in afrikanischen Ländern. Seit Februar dieses Jahres rekrutiert Wagner unter der Führung des neuen Kommandeurs Anton Jelisarow wieder Söldner für Afrika. Die Kämpfer könnten Russland im Ukraine-Krieg fehlen.

Tausende Männer sollen laut Berichten in Afrika eingesetzt werden, um russische und regionale Machtinteressen zu stärken. Wie ein Bericht der russischen Rechercheplattformen Verstka und Nordsint zeigt, wurden allein im März 2023 mindestens 18 Nachrichten über den Beginn der Rekrutierung über der Telegram-Kanal der Wagner-Gruppe veröffentlicht. Die Botschaft: „Wagner hat in Afrika viel zu tun!“ Die Recherche enthüllt außerdem Hinterleute und Verbindungen der Rekrutierer.

Wagner bietet Söldner in Afrika ähnliche Verträge wie im Ukraine-Krieg

Tausende russische Soldaten und Söldner sollen laut einer anonymen Quelle aus dem russischen Verteidigungsministerium seit Mitte Februar bereits aus der Ukraine nach Afrika transferiert worden sein, darüber berichtet Moscow Times. Ihre Aufgabe ist es, lokales Militärpersonal und Söldner auszubilden. Der investigative Bericht benennt vor allem Mali als Ziel der neuen Rekruten.

Die Wagner-Gruppe rekrutiert aktuell Söldner für Einsätze in Afrika, weniger für Putins Krieg gegen die Ukraine.

Wagner biete den neugewonnenen Kämpfern Verträge zu ähnlichen Konditionen wie in der Ukraine an: Sechsmonatsverträge mit einem Einstiegsgehalt von 240.000 Rubel (2.600 US-Dollar) pro Monat sowie eine Lebensversicherung für Männer im Alter von 22 bis 50 Jahren. Nachdem die Rekrutierung für Ziele außerhalb der Ukraine seit einem Jahr ausgesetzt wurde, sollen jetzt unter der Führung des neuen Kommandeurs Anton Jelisarow wieder Söldner für Afrika gewonnen werden.

Wagner-Rekrutierer Jelisarow hat in Libyen, Syrien und Ukraine gekämpft

Jelisarow war selbst als Wagner-Kämpfer bereits bei den russischen Interventionen in Syrien, der Ukraine, der Zentralafrikanischen Republik und in Libyen im Einsatz. Seit Jahren gilt Wagner als Moskaus bewaffneter Arm in Afrika. Vergangenen November wurde die Gruppe Wagner dann offiziell in „Afrikanski Korpus“ (auf Deutsch: „Afrikakorps“) umbenannt.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Das „private Sicherheits- und Militärunternehmen“, wie sich die Wagner-Gruppe selbst nennt, ist seit dem gescheiterten Aufstand im Juni 2023 und dem mysteriösen Tod bei einem Flugzeugabsturz von Anführer Jewgeni Prigoschin noch enger mit dem Kreml verbunden. Wagner untersteht jetzt als offizielle Einheit dem russischen Verteidigungsministerium.

Gold, Lithium, Uran: Putin will sich vor allem Afrikas Bodenschätze sichern

Wladimir Putin dürfte also mindestens einverstanden sein mit der Afrika-Rekrutierung, auch wenn ihm dadurch Soldaten in der Ukraine fehlen. Russland bietet afrikanischen Regierungen laut BBC „Überlebenspakete für Regimes“ an. Im Gegenzug will sich der Kreml den Zugang zu Bodenschätzen wie Kobalt, Uran, Lithium oder Diamanten sichern sowie seinen politischen Einfluss ausbauen.

Erst letzte Woche hat Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem Chef der malischen Junta, Oberst Assimi Goita, gesprochen und dabei vereinbart, die Zusammenarbeit bei Energie-, Agrar- und Bergbauprojekten sowie bei der Terrorismusbekämpfung zu intensivieren. (lm)

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