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Viele Menschen wollen Immobilien im von Russland besetzten Mariupol kaufen. Sorgen vor einer ukrainischen Gegenoffensive haben sie nicht.
Mariupol/Moskau/München - Wenn im Ukraine-Krieg die Gegenoffensive der Ukraine nach Plan verläuft, werden die Streitkräfte irgendwann auch Mariupol erreichen. Aktuell wechseln sich Meldungen über Erfolg und Misserfolg ab. Um Bachmut sollen die Angriffsbemühungen fruchten, in Cherson stoßen die Soldaten offenbar auf russische Gegenwehr.
Run auf Immobilien in Mariupol trotz drohender Gegenoffensive
Wann die Streitkräfte der Ukraine Städte am Asowschen Meer befreien können und ob sie das überhaupt schaffen, steht in den Sternen. Umso erstaunlicher ist es, dass der Immobilienmarkt dennoch boomt, wie die Internet-Zeitung Bumaga schreibt. Kauffreudige Russen scheinen die Gegenoffensive nicht zu fürchten.
Ebensowenig ist es ihnen offenbar egal, in welchen Zustand sich Gebäude und Wohnhäuser befinden. Mariupol war im Ukraine-Krieg Angaben des Bürgermeisters zufolge zu 90 Prozent zerstört worden, die Vereinten Nationen schätzten, dass 90 Prozent der Wohngebäude beschädigt wurden.
Mariupol: Kaufinteressenten glauben an große Zukunft der Stadt
Die Zeitung durchforstete zahlreiche Portale mit Immobilien-Inseraten. Sie fand heraus, dass Menschen aus allen Teilen Russlands Häuser oder Wohnungen in Mariupol, dessen Einnahme Russland am 20. Mai 2022 verkündete, kaufen wollen. Im russischen sozialen Medium VKontakte tauchten bereits Anfang Mai, als die Kämpfe noch liefen, erste Inserate auf, schreibt Bumaga. Sie seien bereit, die Gebäude nach dem Beschuss wiederherzustellen.
„Ich halte es für eine gute Investition. Vielleicht kommt es jemandem seltsam vor, aber ich glaube an die Entwicklung der Stadt. Unter den Fittichen Russlands erwartet sie eine große Zukunft. Ich habe keine Angst, dass Mariupol unter den Feindseligkeiten leiden könnte. Das Schlimmste, was dort passieren konnte, ist bereits passiert“, sagte etwa eine Kaufinteressentin aus Omsk Bumaga.
Mariupol für Immobilienkäufer wegen Lage am Meer interessant
Auf der russischen Kleinanzeigen-Website Avito werden zahlreiche Wohnungen und Häuser in Mariupol angeboten, auch Gewerbeflächen. Der Preis liegt im Durchschnitt bei drei Millionen Rubel (rund 30.700 Euro) für Wohnungen und 4,8 Millionen Rubel für Häuser und Grundstücke.
Alle Interessenten, mit denen Bumaga sprach, wollten Immobilien in Mariupol aufgrund der Lage am Meer erwerben. „Ich denke, dass die Stadt in naher Zukunft florieren und ein guter Ort zum Entspannen sein wird. Ich habe keine Angst, dass die Stadt noch leiden könnte. Unsere Grenzen werden von den Streitkräften zuverlässig bewacht, der Krieg nähert sich seinem logischen Ende“, sagte ein potenzieller Käufer. (mt)
