Vor der Landtagswahl

So würde Bayerns Jugend wählen: Grüne bei U18-Wahl überraschend schwach – AfD trumpft auf

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Es gibt deutliche Unterschiede zu den Umfragen zur Bayern-Wahl. Die AfD schneidet besser ab, eine andere große Partei verliert massiv an Stimmen.

München - In einer Woche steht die bayerische Landtagswahl an. Bevor am 8. Oktober die Erwachsenen bei der Bayern-Wahl ihre Stimme abgeben können, haben jedoch in der letzten Septemberwoche rund 60.000 Kinder und Jugendliche im gesamten Freistaat ihren symbolischen Wählerwillen zum Ausdruck gebracht. Bereits zum achten Mal richtete der Bayerische Jugendring (BJR) begleitend zur Landtagswahl die U18-Wahl aus. Es war die bisher größte U18-Wahl auf Landesebene.

Vom 21. bis 29. September konnten die 10- bis 17-Jährigen eine Woche lang in rund 620 eigenen Wahllokalen ihre Stimme abgeben. In 86 von 91 Wahlkreisen wurde abgestimmt. Das Prozedere gleicht dabei dem in den echten Wahllokalen, in denen am 8. Oktober gewählt wird, wie der BR berichtete. Die Minderjährigen machten auf dem Stimmzettel zwei Kreuze. Eins für eine Partei und ein weiteres für einen Direktkandidaten. Am Ende gibt es ein vorläufiges Endergebnis, das am Montag (2. Oktober) verkündet wird. Vorläufige Ergebnisse gibt es aber schon jetzt.

Mit den anlässlich von Landtags-, Bundestags- und Europawahlen durchgeführten U18-Wahlen soll das Interesse für Politik bei Kindern und Jugendlichen gefördert werden (Archivbild).

U18-Wahl in Bayern: Vergleichsweise schwache CSU, Überraschung auf Platz zwei

Die bisherigen Zweitstimmenergebnisse der U18-Landtagswahl (Stand: 30.9., 10.30 Uhr) zeigen zum Teil deutliche Unterschiede zu den Umfragen zur Bayern-Wahl, die unter Wahlberechtigten erhoben werden. Die CSU kommt hier lediglich auf 26,12 Prozent - ein Ergebnis, das für die Partei von Ministerpräsident Präsident Markus Söder absolut desaströs wäre. Es reicht aber immer noch für den ersten Platz und ein Plus von gut zwei Prozent im Vergleich zur letzten U18-Wahl des BJR 2018.

Eine Überraschung gibt es auf Platz zwei. Mit knapp 15 Prozent rangiert hier die AfD direkt hinter der regierenden CSU. Damit erzielt die Rechtsaußen-Partei ein besseres Ergebnis als bei den Umfragen unter Erwachsenen, wo sie regelmäßig bei 13 bis 14 Prozent und fast immer auf dem vierten Platz landet. Verglichen mit der bayerischen U18-Wahl 2018 hat die AfD ihr Ergebnis beinahe verdoppelt. Damals kam sie auf 8,27 Prozent.

Bayern-Wahl: Freie Wähler und Grüne bei Minderjährigen weniger beliebt, SPD deutlich stärker

Platz drei geht an die SPD, die mit 13,72 Prozent etwas besser als 2018 (11,42 Prozent) und deutlich besser als in den jüngsten Umfragen unter Erwachsenen abschneidet, wo sie regelmäßig mit um die 9 Prozent auf Platz fünf landet. Die Grünen hingegen verlieren massiv im Vergleich zur letzten U-18 Wahl (23,28 Prozent) und rangieren mit 13,23 Prozent knapp hinter der SPD auf Platz vier. Unter den Erwachsenen kamen die Grünen zuletzt mit 14 bis 16 Prozent meist auf Platz drei oder zwei.

Die CSU kommt bei den Kindern und Jugendlichen in Bayern nur auf 26,12 Prozent, die Freien Wähler schaffen mit 9,09 Prozent nur Platz fünf.

Die Freien Wähler hingegen, die bei den Demoskopen zuletzt mit 14 bis 17,5 Prozent fast durchgehend den zweiten Platz belegen konnten, kommen in der U18-Wahl nur auf knapp über 9 Prozent. Die Partei von Hubert Aiwanger, die Söders CSU unter den Wahlberechtigten am meisten Konkurrenz macht, kommt bei den minderjährigen Wählern nur auf Platz fünf.

Was die FDP angeht, würde es bei den Jugendlichen knapp für einen Wiedereinzug in den bayerischen Landtag reichen. Die Liberalen kommen auf vergleichsweise gute 5,83 Prozent (29018: 6,12 Prozent) und belegen Platz sechs. Die Linke hingegen schafft auch bei den Minderjährigen den Sprung in den Landtag mit 4,25 Prozent nicht. Dafür gaben immerhin 3,87 Prozent der Tierschutzpartei ihre Stimme.

U18-Wahlen sollen seit 1996 Minderjährige für Politik und Demokratie begeistern

Die U18-Wahlen werden seit 1996 immer im Vorfeld größerer Wahlen, insbesondere Bundestags-, Landtags- und Europawahlen, abgehalten. Sie sollen Kinder und Jugendlichen niedrigschwellig für Politik begeistern und ihnen vermitteln, dass Demokratie vom Mitmachen lebt, erklärte Philipp Seitz vom BJR gegenüber dem BR. Die Verantwortlichen der Koordinierungsstelle der U18-Wahlen betonen auf u18.org, dass „ausnahmslos ALLE Minderjährigen, die sich in Deutschland aufhalten“, an den Wahlen beteiligen können.

Sie sprechen von einer „Jugendverdrossenheit“ der Politik, die ein Projekt wie die U18-Wahlen notwendig mache, und verweisen darauf, dass 56,1 Prozent der Wahlberechtigten zur Bundestagswahl 2017 über 50 Jahre alt waren. „Viel zu selten gibt es Gelegenheit, junge Themen vorzubringen, öffentlichen Druck zu erzeugen dafür, dass sich mit Jugend auseinandergesetzt wird und Politiker_innen zu konfrontieren. U18 kann eine solche Gelegenheit sein.“

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

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