Drastische Worte

Medwedew droht Finnland: Minister bezeichnet Land als „Frontstaat“

  • schließen

Finnland und der Grenzzaun zu Russland: Fortschritte sichtbar. Nach Medwedews harscher Kritik an den Skandinaviern meldet sich Helsinkis Verteidigungsminister.

Helsinki - Die Rhetorik zwischen der NATO und dem russischen Regime des Autokraten Wladimir Putin verschärft sich zunehmend. US-Präsident Donald Trump erwägt weitreichende Raketen für die Ukraine, während ein Bundeswehr-General das deutsche Heer auf mögliche Gefechte vorbereiten will. Und auch aus dem finnischen Helsinki sind deutliche Töne in Richtung Moskau zu hören. Nach neuerlichen Provokationen aus dem Kreml.

Dmitri Medwedew (li.) gilt als enger Gefolgsmann des Moskau-Autokraten Wladimir Putin.

So zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ) den finnischen Verteidigungsminister Antti Häkkänen mit den Worten: „Wir kennen die Russen. Wir kennen unsere Geschichte, wir kennen die Landkarte, wir wissen, neben wem wir leben.“ Finnland sei ein „Frontstaat“ und Schwäche eine Einladung für Russland zum Angriff. Beide Staaten haben an Land eine 1343 Kilometer lange Grenze, zu See kommen 54 Kilometer hinzu.

Drohung aus Russland: Wladimir Putins Vertrauter Dmitri Medwedew poltert

Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, hatte zuletzt harsch gegen die Finnen gewettert. So hatte der frühere russische Präsident (2008 bis 2012) kürzlich in einer Kolumne für die staatliche Nachrichtenagentur Tass geschrieben, dass eine Konfrontation mit Russland „für immer zum Zusammenbruch der finnischen Staatlichkeit führen könnte“. Besagte Kolumne hatte laut ntv die Überschrift: „Finnlands neue Doktrin: Dummheit, Lüge, Undankbarkeit.“

Der enge Vertraute Putins behauptete gewohnt eigenwillig: „Nach dem Nato-Beitritt fährt Helsinki unter dem Vorwand von Abwehrmaßnahmen einen Konfrontationskurs in Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland und bereitet scheinbar einen Brückenkopf für einen Angriff auf uns vor.“ Ferner behauptete der 60-Jährige, dass in „unmittelbarer Nähe zur russischen Grenze“ militärische Anlagen in Lappland geschaffen würden.

Finnland
Einwohnerinnen und Einwohner:5,5 Millionen
Fläche:338.472 km²
Hauptstadt:Helsinki (rund 700.000 Einwohner)
Staats- und Regierungsform:parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber:Präsident Alexander Stubb
Grenzen mit:Norwegen, Schweden und Russland

Medwedew forderte ferner Reparationszahlungen in Höhe von 20 Billionen Rubel (rund 220 Milliarden Euro) für im Zweiten Weltkrieg erlittene Schäden, als Finnland an der Seite von Nazi-Deutschland gegen die Sowjetunion gekämpft hatte. Am 10. Februar 1947 hatte die Sowjetunion in Paris einen Friedensvertrag mit Finnland unterzeichnet, der die Feindseligkeiten beilegte, nachdem im sogenannten Winterkrieg von 1939/40 die durch Moskau bestimmte Sowjetunion seinen skandinavischen Nachbarn angegriffen hatte.

Sorge vor Wladimir Putins Regime: Finnland baut langen Grenzzaun zu Russland

Jüngst hatte der finnische Grenzschutz Journalisten Fortschritte der Bauarbeiten an einem 200 Kilometer langen und drei Meter hohen Grenzzaun in Karelien gezeigt. Die Hälfte des Grenzzauns ist demnach fertig, die andere Hälfte soll im nächsten Jahr fertiggestellt sein. Finnland war angesichts von Ukraine-Krieg und russischer Drohungen im April 2023 der NATO beigetreten.

Das kleine skandinavische Land mit seinen nur rund 5,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern unternimmt erhebliche Anstrengungen für seine Verteidigungsfähigkeit. Im März diesen Jahres hatte der finnische Präsident Alexander Stubb im „heute journal“ des ZDF auf die Größe der finnischen Armee verwiesen, die geschätzt 900.000 Reservisten und „mit Polen die größte Artillerie in Europa“ hat, wie er sagte.

Wegen Bedrohung durch Wladimir Putin: Finnland rüstet mächtig auf

Die Finnen rüsten ferner mächtig auf. So hatte Helsinki etwa am 14. Februar 2022, acht Tage vor dem russischen Überfall auf die Ukraine, die Verträge über den Kauf von 64 modernen F-35-Kampfjets unterschrieben. Seither kamen weitere große Rüstungskäufe hinzu, laut Fachmagazin ESUT zum Beispiel von 38 selbstfahrenden Haubitzen des Typs K9 und von 120 Transportpanzern Patria. (Quellen: SZ, SIPRI, Tass) (pm)

Rubriklistenbild: © Montage IPPEN.MEDIA / IMAGO / ZUMA Press / SNA

Kommentare