VonFriederike Hilzschließen
Immer weniger Börsenunternehmen haben einen rein männlich besetzten Vorstand. Eine Studie zeigt, warum wir dennoch einen weiten Weg vor uns haben.
Wir schreiben das Jahr 2023 und erstmals sind die Börsenunternehmen mit rein männlich besetzten Vorständen in der Minderheit. Bevor du jetzt den Sekt aufmachst, muss ich dich aber leider enttäuschen: Von insgesamt 160 deutschen Unternehmen haben 71 Unternehmen nur eine einzige Frau im Vorstandsteam. Auch der Gender Pay Gap ist noch längst nicht Geschichte.
Wie ungleich die Verteilung der Vorstandposten immer noch ist, zeigen die absoluten Zahlen aus dem jährlichen Bericht der Allbright Stiftung: Auf insgesamt 574 männliche Vorstandsmitglieder deutscher Börsenunternehmen kommen lediglich 121 weibliche Vorstandsmitglieder. Immerhin sind es im Vergleich zum Jahr 2022 25 Männer weniger und 22 Frauen mehr. Das ist doch positiv, oder?
Immerhin holen Frauen in Sachen Rente auf – aber nicht genug, findet ein Experte.
Christian, Christian und nochmal Christian
Die Anzahl von Frauen in Führungspositionen in deutschen Börsenunternehmen steigt langsam an, doch eben nur langsam. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich ziemlich schlecht da und das schon seit Jahren. Während in 88 Prozent der Vorstände der 40 erfolgreichsten Unternehmen in den USA mindestens zwei Frauen sitzen, sei das in Deutschland in weniger als der Hälfte (40 Prozent) der Fall, kritisiert die Allbright Stiftung in ihrer Studie.
Das waren jetzt ganz schön viele Zahlen, oder? Wenn wir uns die Namen der Vorstandsmitglieder genauer anschauen, wird der Unterschied verdammt deutlich. Fangen wir dafür an der Spitze an: „Es gibt mehr Vorstandsvorsitzende, die Christian heißen (9), als weibliche Vorstandsvorsitzende (7)“, geht aus der Studie hervor. Alles klar, Christians sind Unternehmer, aber was verraten eigentlich andere Vornamen?
Doch damit nicht genug: Der häufigste Frauenname in Vorständen ist Sabine, fünf Mitglieder heißen so. Jedoch kommen ganze 22 Männernamen häufiger vor. Beispielsweise heißen insgesamt 30 Prozent aller männlichen Vorstandsmitglieder in deutschen Börsenunternehmen 2023 Thomas.
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Der Thomas-Kreislauf geht immer weiter
Das bedeutet nicht, dass du unbedingt Thomas heißen musst, um in diesen Unternehmen Karriere zu machen, allerdings würde dir der Thomas-Kreislauf ziemlich helfen. So nennt die Stiftung das Phänomen, dass „CEOs […] sich noch immer bevorzugt mit etwas jüngeren Spiegelbildern ihrer selbst [umgeben]“. Das typische Vorstandsmitglied sieht daher in etwa so aus: männlich, deutsch, Wirtschaftswissenschaftler, Mitte 50 und Ausbildung und Studium in Westdeutschland. Dabei können Westdeutsche das ein oder andere von Ostdeutschen lernen.
So schnell wird sich das leider nicht ändern. Zwar scheinen sich die deutschen Börsenunternehmen so langsam aus ihrer Thomas-Wohlfühlzone zu trauen, doch immer noch sind mehr als die Hälfte (63 Prozent) aller neu eingestellten Vorstandsmitglieder Männer. Die Allbright Stiftung macht dafür unter anderem die „fehlende Kindertagesbetreuung“ und „gesetzliche Fehlanreize wie Ehegattensplitting und Minijobs“ verantwortlich. Zwar sei die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland hoch, doch die meisten von ihnen würden in Teilzeit arbeiten, „was ihnen die Übernahme von Führungspositionen erschwert“.
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