VonJana Stäbenerschließen
Für ihre Altersvorsorge können Frauen immer mehr Versicherungsjahre vorweisen. Eine „gute Entwicklung“, aber nicht genug, findet ein Experte.
Frauen, die zum Thema Finanzen und Rente eine schwierige Beziehung haben, sammeln immer mehr Versicherungsjahre, die später ihrer Altersvorsorge angerechnet werden. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Verweis auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV).
Laut dieser Zahlen kamen Frauen bei Beginn ihrer Altersrente im Jahr 2022 noch auf durchschnittlich 26,4 Versicherungsjahre, im Jahr 2022 waren es schon 37,2 Jahre. Besonders in Westdeutschland seien die Versicherungsjahre mehr geworden. Gute Nachrichten, findet der Ökonom Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bei BuzzFeed News Deutschland. Und verrät, warum das trotzdem nicht reichen wird.
Mehr Versicherungsjahre: „Frauen holen bei der Rente auf“
Warum steigen die Versicherungsjahre von Frauen überhaupt? Weil Frauen immer mehr und länger arbeiten. Neben der gestiegenen Erwerbsbeteiligung, trage auch die auslaufende Möglichkeit der Rente ab 60 und die Anrechnung von Kindererziehungszeiten in der Mütterrente dazu bei, dass Frauen mehr Versicherungsjahre aufweisen, schreibt das RND.
„Wenn man unter Gleichberechtigung eine Angleichung der eigenen Altersrenten versteht, ist dies eine gute Entwicklung. Frauen holen bei der Rente auf“, sagt Geyer, der beim DIW in der Abteilung „Staat“ tätig ist. Neue Rentner:innen im Jahr 2010 kamen auf etwa 60 Prozent der Rente von Männern. Im Jahr 2021 erreichten sie schon 66 Prozent. „Der Unterschied ist allerdings immer noch sehr groß und die Geschwindigkeit der Angleichung ist sehr langsam“, so der Ökonom.
Er geht davon aus, dass diese Entwicklung erstmal weiter zunehmen werde, weil die Erwerbstätigkeit von Frauen weiter zugenommen hat. „Irgendwann wird sicher eine Art ‚Grenze‘ erreicht sein, aber für einen Rückgang spricht wenig. Die Erwerbstätigkeit über den Lebenszyklus nimmt kontinuierlich zu.“
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Welche Auswirkungen haben Versicherungsjahre auf die Rente?
BuzzFeed News Deutschland fragt Geyer, welche Auswirkungen gestiegene Versicherungsjahre auf die spätere Rente haben. „Das kann man so pauschal nicht beantworten“, so der Wirtschaftsforscher. Habe man beispielsweise Versicherungsjahre während des Bezugs von Arbeitslosengeld II gesammelt, so stiegen die Rentenansprüche in der Regel nicht. Solche Zeiten werden nur bei Wartezeiten für eine vorgezogene Rente oder bei der Berechnung einer Erwerbsminderungsrente bedeutsam.
„Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Beitragszeiten bei den Frauen gestiegen sind, daneben sicher auch die Kindererziehungszeiten – beides erhöht die Rente“, erklärt Geyer. Grund dafür ist, dass alle Mütter für ab 1992 geborene Kinder während der Kindererziehungszeiten 36 Monate lang ein Durchschnittsgehalt beziehungsweise drei Rentenpunkte angerechnet bekommen. Für Frauen, die ihre Kinder davor bekamen, glichen das die 2014 und 2019 eingeführten „Mütterrenten“ aus.
Ob die Mütterrente das richtige Mittel sei, um zu verhindern, dass Mütter in Altersarmut rutschen, bezweifelt Geyer. Es hätten zwar faktische viele Menschen mit unterem Einkommen davon profitiert, aber der Zuschlag hänge „nur von der Anzahl der Kinder ab und nicht vom Haushaltseinkommen, insofern ist die Reform keine gezielte Maßnahme gegen Altersarmut.“
„In jedem Fall sollte man sich mit den finanziellen Folgen für das Alter befassen“
Trotz Erziehungszeiten ist es für Frauen also nach wie vor wichtig, die eigene Rentenlücke zu berechnen und gegebenenfalls privat für die Rente zurückzulegen – eine Finanzexpertin weiß, wie viel. Denn: Später mal keine finanziellen Einbußen zu haben, sei für Frauen kaum möglich, so Geyer. „Teilzeitarbeit kann notwendig sein, um den Alltag hinzubekommen, sie ist aber meistens nicht ausreichend für die Altersvorsorge.“
Immerhin gebe es die drei Entgeltpunkte pro nach 1992 geborenem Kind, sagt der Ökonom zu BuzzFeed News. Wenn der Ausstieg nur kurz stattfinde und man schnell wieder zur Vollzeit oder vollzeit-nahen Teilzeit zurückkehre, seien die Lücken nicht gravierend. „In jedem Fall sollte man sich mit den finanziellen Folgen für das Alter befassen“, mahnt er.
„Wichtig ist dabei auch die Partnerschaft. Das betrifft einmal das Risiko der Scheidung oder des vorzeitigen Todes des Partners/Partnerin. Beides gravierende Ereignisse, die schwer zu kompensieren sind und mit denen man sich nicht gerne befasst, die aber besser überstanden werden, wenn man sie – soweit es geht – plant.“
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