Heute eine Gedenkstätte

Nova-Festival: Hamas-Angriffsziel heute einer der meistbesuchten Orte Israels

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Das Gelände des Nova-Festivals im Süden Israels ist einer der meistbesuchten Orte des Landes. Eine Gedenkstätte erinnert an die Opfer vom 7. Oktober 2023.

Reim – Zwei junge Frauen mit rosa Schirmkappen schlendern in der Mittagshitze durch einen Wald von Gedenktafeln. Jede Tafel zeigt einen jungen, strahlenden Menschen. Es sind Hunderte solcher Portraits, und die darauf Abgebildeten haben eines gemeinsam: Sie alle kamen am 6. Oktober 2023 hier, im staubigen Süden Israels, zusammen, um bis zum Morgen zu tanzen – oder rund um die tanzende Menge ihr Geld zu verdienen.

Und sie alle fanden den Tod, als die Terroristen der Nukhba früh am 7. hier einfielen und ein Blutbad anrichteten. 364 Menschen kamen hier ums Leben. Damit ist das Nova-Festivalgelände nahe des Kibbuz Reim von allen Schauplätzen des Massakers des 7. Oktober jenes mit der höchsten Zahl an Todesopfern. Heute erinnert die Gedenkstätte an die Opfer. Jedem und jeder Ermordeten und Verschleppten sind Foto und Text gewidmet, am Fuß jeder Tafel haben Künstlerinnen Anemonen aus Keramik angebracht.

Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern 

Vor 60. Gründungstag von Israel
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied 1947 über die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen jüdischen und einen arabischen. Im Teilungsplan wurde auch festgelegt, dass die Briten ihr Mandat für Palästina bis August 1948 niederlegen. Großbritannien hatte nach dem Ersten Weltkrieg das Gebiet besetzt und war 1922 offiziell mit dem Mandat über Palästina beauftragt worden. Am 14. Mai 1948 wurde auf Grundlage des UN-Beschlusses der jüdische Staat gegründet. © dpa
Proklamation des Staates Israel
Nach der Unterzeichnung der Proklamationsurkunde am 14. Mai 1948 im Stadtmuseum von Tel Aviv hält eine nicht identifizierte Person das Schriftstück mit den Unterschriften in die Höhe. Links ist David Ben Gurion zu sehen, der erste Ministerpräsident Israels. © dpa
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Ein historisches Datum für den Staat Israel. Doch die arabischen Staaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Irak erkannten die Gründung nicht an und überschritten nur einen Tag später mit ihren Armeen die Grenzen. So begann der Palästina-Krieg, der im Januar 1949 mit dem Sieg Israels endete. Das Foto zeigt israelische Mitglieder der paramilitärischen Organisation Haganah im August 1948.  © AFP
Operation Yoav
Die israelische Armee konnte während des Krieges 40 Prozent des Gebiets erobern, das eigentlich laut dem ursprünglichen UN-Plan zur Teilung für die arabische Bevölkerung vorgesehen war. So wurde auch der westliche Teil von Jerusalem von Israel besetzt.  © Imago
Waffenstillstand Israel Palästina 1949
Die Vereinten Nationen vermittelten zwischen Israel und Ägypten, und so kam es zwischen den beiden Ländern am 24. Februar 1949 zu einem Waffenstillstandsvertrag. Andere arabische Kriegsgegner folgten mit Waffenstillständen bis Juli 1949. Laut Schätzungen starben bei dem Krieg, den die arabischen Länder gestartet hatten, mehr als 6000 Israelis und 6000 Araber.  © ACME Newspictures/afp
Arafat. Geschichte des Krieges in Israel
Jassir Arafat gründete 1959 die Fatah, eine Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Laut ihrer Verfassung war ihr Ziel, auch mit terroristischen Mitteln die Israelis aus Palästina zu vertreiben und Jerusalem als Hauptstadt zu installieren. Ebenfalls als Ziel rief die Fatah die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ aus.  © PPO/afp
Arafat
1993 erkannte die Fatah mit ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels im Osloer-Friedensprozess an, und wollte den Terror als Waffe nicht mehr nutzen. Allerdings gab es immer wieder Bombenattentate in Israel. 2011 suchte Arafat den Schulterschluss mit der Hamas. Gemeinsam planten sie, eine Übergangsregierung zu bilden, was bis heute nicht umgesetzt wurde. Innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist die Fatah die stärkste Fraktion. © Aleksander Nordahl/Imago
1974 Arafat vor UN
Im Oktober 1974 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die PLO als Befreiungsbewegung an. Daraufhin wurde Arafat als Vertreter eingeladen. Am 13. November 1974 eröffnete Arafat die Debatte in der Vollversammlung. Er beendete die Rede mit dem Satz: „Ich bin mit einem Olivenzweig in der einen und dem Gewehr des Revolutionärs in der anderen Hand hierhergekommen. Lasst nicht zu, dass der grüne Zweig aus meiner Hand fällt!“ © dpa
Kampfflugzeug im Sechs-Tage Krieg
Vom 5. Juni bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite statt. Auslöser war die ägyptische Blockade der Seestraße von Tiran für die Israelis, die so abgeschnitten waren. Außerdem hatte der ägyptische Präsident den Abzug der Blauhelme erzwungen, die die nördliche Grenze Israels sicherten. Als Drohung schickte Ägypten dann 1000 Panzer und 100.000 Soldaten an die Grenzen zu Israel. Als Reaktion auf die Bedrohung flogen die Israelis einen Präventiv-Schlag. Auf dem Foto sieht man ein ägyptisches Kampfflugzeug. Während des Krieges konnte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem erlangen. Weil Israel seine Angreifer besiegen konnte, machte der Staat am 19. Juni 1967, neun Tage nach seinem Sieg, Ägypten und Syrien ein Friedensangebot. Darin enthalten die Aufforderung, Israel als Staat anzuerkennen. © AP/dpa
Arabisch-israelischer Krieg
Am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, startete eine arabische Militärkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens einen Überraschungsangriff, gleichzeitig auf die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. Nach anfänglichem Erfolg der arabischen Kriegsparteien gelang es Israel, sich zu behaupten. Erst mit dem Friedensvertrag sechs Jahre später am 26. März 1979, normalisierten sich die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Ägypten war der erste arabische Staat, der das Existenzrecht Israels anerkannte. © afp
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten, Jimmy Carter schüttelt dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat die Hand.
Das Friedensabkommen vom 26. März. 1979 war ein wichtiger Meilenstein. US-Präsident Jimmy Carter gratulierte damals dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin vor dem Weißen Haus. Nach den Camp-David-Verhandlungen unterzeichneten sie den Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern dort. © Consolidated News Pictures/afp
Beschuss im Libanonkrieg
1982 begann mit dem Libanonkrieg der erste große israelisch-arabische Konflikt, der von Israel gestartet wurde. Die Kriegsparteien waren die israelische Armee und verbündete Milizen auf der einen, die PLO und Syrien auf der anderen Seite. Israel besetzte im Rahmen des Krieges zwischen 1982 und 1985 den Süden Libanons. Später richtete Israel daraufhin dort eine „Sicherheitszone“ ein, die aber Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf nordisraelische Städte nicht verhindern konnte. Am 25. Mai 2000 zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab.  © Dominique Faget/afp
Soldaten und Kinder bei der Intifada 1987
Am 8. Dezember 1987 brach im Westjordanland und im Gazastreifen ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung aus. Diesen Aufstand nennt man Intifada. Auf dem Foto ist zu sehen, wie israelische Soldaten Kinder anweisen, das Gebiet zu verlassen, als Hunderte von Demonstranten Steine und Flaschen schleudern.  © Esaias Baitel/afp
Hamas-Kundgebung im Gaza-Streifen
Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die ihre Zentrale in Tunis hatte, wollte einen eigenen palästinensischen Staat ausrufen, hatte aber keine Kontrolle über die entsprechenden Gebiete. Im Zuge dessen kam es zu einem Gewaltausbruch, der erst 1991 abnahm. 1993 wurde schließlich mit dem Osloer Abkommen die erste Intifada beendet. © Ali Ali/dpa
Der PLO-Führer Yasser Arafat und der israelischen Premierminister Yitzahk Rabin schütteln sich 1993 die Hände.
Nach Jahrzehnten von Gewalt und Konflikten unterschrieben am 13. September 1993 Israels Außenminister Shimon Peres und Mahmoud Abbas, Verhandlungsführer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), unter Aufsicht der russischen und amerikanischen Außenminister die „Osloer Verträge“. Das Foto des Händedrucks zwischen Palästinenservertreter Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton wurde weltberühmt. © J. David Ake/afp
Yasir Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin erhalten den Friedensnobelpreis
Nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge bekamen Jassir Arafat, Schimon Peres und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis für 1994. Hier die Preisträger zusammen mit ihrer Medaille und ihrem Diplom im Osloer Rathaus. Die Friedensverträge wurden damals als wichtiger Startpunkt für Frieden in der Region gesehen. © Aleksander Nordahl/Imago
Bill Clinton, König Hussein und Rabin bei der Friedenssitzung
1994 folgten Friedensverhandlungen zwischen Jordanien und Israel 1994 im Weißen Haus. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der jordanische König Hussein und der israelische Premierminister Yitzahk Rabin bei der Friedenssitzung sich die Hände schütteln. © Imago/ ZUMA Press
Sarg von Yitzhak Rabin, Geschichte des Kriegs in Israel
Mit der Hoffnung auf Frieden in der Region wurde der Hass von israelischen Extremisten größer. Diese wollten Abkommen mit den arabischen Staaten und der PLO nicht akzeptieren. So wurde Yitzhak Rabin zur Zielscheibe und wurde 1995 im Anschluss an eine große Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden ermordet. Das Foto zeigt den Sarg des Premierministers in Jerusalem bei seiner Beerdigung.  © Jim Hollander/dpa
Junge schießt mit Katapult bei der zweiten Intifada, Geschichte des Krieges in Israel
Obwohl es in den 1990er Jahren mit den Osloer Verträgen große Hoffnung auf Frieden gab, hatte sich die Situation nach der Ermordung von Yitzhak Rabin massiv aufgeheizt. 2000 kam es zur zweiten Intifada, dem gewaltvollen Aufstand der Palästinenser mit Straßenschlachten. Die zweite Intifada dauerte bis 2005. © Imago/UPI Photo
Israelische Soldaten 2006, Geschichte des Krieges in Israel
2006 kam es wieder zwischen Israel und dem Libanon zum Krieg. Die Auseinandersetzung wird auch 33-Tage-Krieg oder zweiter Libanon-Krieg genannt, weil sie nach gut einem Monat am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand endete. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg im Jahr 2006. Eine israelische Artillerieeinheit hatte soeben an der libanesisch-israelischen Grenze in den Libanon gefeuert. Fast 10.000 israelische Soldaten kämpften in der Nähe von etwa einem Dutzend Dörfern im Südlibanon gegen Hisbollah-Kämpfer.  © Menahem Kahana/afp
Israelisches Militär feuert auf Ziele im Libanon
Auslöser des Libanon-Kriegs waren anhaltende Konflikte zwischen der Terrororganisation Hisbollah und der israelischen Armee. Um die Angriffe zu stoppen, bombardierte die israelische Luftwaffe die Miliz aus der Luft und verhängte eine Seeblockade. Die Hisbollah antwortete mit Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Später schickte Israel auch Bodentruppen in den Süden von Libanon.  © Atef Safadi/dpa
Angriff im Süden von Beirut
Die libanesische Regierung verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte internationale Friedenstruppen, um den Konflikt zu beenden. Am 14. August 2006 stimmten schließlich nach einer UN-Resolution die Konfliktparteien einem Waffenstillstand zu. Sowohl die Hisbollah als auch Israel sahen sich als Sieger.  © Wael Hamzeh/dpa
Krieg in Israel
2014 startete die israelische Armee (IDF) mit der Operation Protective Edge am 8. Juli eine Militäroperation, weil die Hamas aus dem Gazastreifen immer wieder Israel beschoss. Ab dem 26. Juli 2014 folgte eine unbefristete Waffenruhe, die kanpp neun jahre währte.  © Abir Sultan/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel mit Raketenbeschuss und Bodeninfiltrationen aus dem Gazastreifen, was zu schweren Verlusten und der Entführung zahlreicher Geiseln führte. Hier ist eine Gesamtansicht der zerstörten Polizeistation in Sderot nach den Angriffen der Hamas-Terroristen zu sehen.  © Ilia Yefimovich/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Minderjährige. © Ilia Yefimovich/dpa

Nova-Gelände in Israel wird zur Gedenkstätte des Hamas-Terrors vom 7. Oktober

„Früher kamen die Touristen im Frühling in diese Gegend, weil es hier überall rot blühte“, erklärt Ofir, ein Fremdenführer, der mit einer Gruppe Touristen aus Tel Aviv angereist ist. Heute steht das Rot der Anemonen für das Blut der Ermordeten – und die Tourist:innen kommen längst nicht mehr der blühenden Landschaft wegen, sondern um den Ort des Massakers zu besuchen. Kaum ein Ort in Israel zieht pro Tag mehr Besucher:innen an als das Nova-Gelände: Im Schnitt sind es 7000 Besucher pro Tag, 200.000 im Monat. Dieser Ort, den vor dem 7. Oktober außerhalb des Landes niemand kannte, hat heute längst das Tote Meer auf der Rangliste der meistbesuchten Orte in Israel verdrängt.

Hunderte Plakate zeigen junge, strahlende Menschen. Sie alle sind tot.

Mehr als 18 Monate nach dem Massaker gibt es in Israel immer noch keine nationale Gedenkstätte für die Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober. Also kommen alle, die einen Erinnerungsort suchen, hierher, auf das ehemalige Festivalgelände. Am Rande des Geländes stehen Toiletten, ein Picknickareal im Schatten von Bäumen lädt zum Rasten ein.

„Ganz Israel ist ein Leichenfeld“: Wie der Hamas-Terror das Land geprägt hat

Ken, ein 75-jähriger Kanadier, ist schon zum zweiten Mal hier, um den Gedenkort zu besuchen. Bei seinem ersten Besuch im Dezember 2023 lag das Massaker nur zwei Monate zurück. „Es war beklemmend“, erinnert sich Ken. Damals gab es noch keine Tafeln, keine Blumen, keine Kerzen und Gedenkbriefe für die Opfer. Heute hingegen ist jedem Opfer ein Platz gewidmet, der jüdische Nationalfonds hat Bäume gepflanzt. „Jetzt geht es um Erneuerung und Wiederbelebung, ich habe ein besseres Gefühl als damals“, meint Ken.

Aliza, eine Touristin aus den USA, kann das nicht nachvollziehen. „Aber das ist doch ein Leichenfeld“, sagt sie. „Ganz Israel ist ein Leichenfeld und die ganze jüdische Geschichte ist voll von Katastrophen“, sagt Ken, der selbst Jude ist. „Aber die Juden haben jedes Mal aufs Neue bewiesen, dass sie danach überleben und das Leben zur Blüte bringen können.“

Es handelt sich um die Gedenkstätte, die am Gelände des Nova-Festivals errichtet wurde, wo sich am 7. Oktober 2023 das schwere Hamas-Massaker ereignete. Die Gedenkstätte findet sich im Süden Israels, nahe dem Kibbuz Reim.

Während die Touristen auf dem sandigen Boden ihre Schritte machen, vorbei an den strahlenden Gesichtern der Ermordeten, hört man im Hintergrund dumpfe Detonationen. Gaza ist nur wenige Kilometer entfernt. Israels Artillerie greift an. Auf der anderen Seite der Grenze nimmt das Blutvergießen, das mit dem Überfall der Hamas begann, kein Ende.

Die beiden Touristinnen mit den rosa Schirmkappen bleiben vor einem Bild inmitten der Gedenkstätte stehen. Es zeigt einen braungebrannten, attraktiven Mann in strahlender blauer Polizeiuniform. Da nähert sich ein älterer Mann den Touristinnen und spricht sie auf Hebräisch an, dabei zeigt er auf das Bild. Merklich verunsichert wenden sich die Frauen ab, gehen weiter.

PLO

Das Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) hat Hussein al-Scheich zum Stellvertreter von Präsident Mahmud Abbas bestimmt. Damit wird Al-Scheich (64) zum potenziellen Nachfolger für den greisen Abbas (89) designiert.

Formell wurde al-Scheich Vizepräsident der Autonomieverwaltung sowie stellvertretender Vorsitzender der PLO, in der alle maßgeblichen politischen palästinensischen Organisationen vereint sind.

Die Ämter wurden erst am Donnerstag eingerichtet. Im Falle des Todes von Abbas könnte al-Scheich ihm direkt nachfolgen. Die bislang letzte Präsidentenwahl fand 2005 statt. Neuwahlen sind wegen des andauernden Streits zwischen Fatah-Bewegung und Hamas ausgefallen. dpa

„Das ist mein Sohn“, wiederholt der Mann seinen Satz, doch die zwei Frauen sind längst schon weitergegangen. In einer Hand hält der Mann, er heißt Sergej, eine halb gerauchte Zigarette. In der anderen sein Mobiltelefon. Er sucht jemanden, der ihm zuhört, mit ihm gemeinsam auf dem Smartphone Fotos und Videos seines verstorbenen Sohns betrachtet. Auf einem dieser Videos sieht man den Sohn in Uniform, er schleust Autoschlangen auf einer Sandpiste aneinander vorbei. „Hörst du die Schüsse?“, fragt Sergej. Es war der Morgen des 7. Oktober, Sergejs Sohn hatte die Aufgabe, die in den Autos flüchtenden Festivalbesucher nach außen zu leiten.

„Er konnte ja nicht weglaufen wie die anderen. Er musste bleiben, das war doch sein Job“, sagt Sergej. Seine Stimme bricht, er wischt sich die Tränen von der Wange.

Krieg zwischen Hamas und Israel: „Das ist unser israelisches Treblinka“

Ein paar Meter weiter folgt eine Gruppe europäischer Urlauber:innen ihrem Tourguide durch die Gedenkstätte. Sie sehen müde aus, es hat 29 Grad im Schatten, der warme Wind bringt kaum Erleichterung. Ihr israelischer Führer erzählt von Treblinka. Er sagt, dass das Vernichtungslager „schlimmer als Auschwitz“ war. „Und das hier“, sagt der Tourguide, und lässt den Arm über die Gedenkstätte schweifen, „das ist unser israelisches Treblinka“.

Reisende schreiten auf sandigem Boden – im Hintergrund sind dumpfe Detonationen zu hören: Der Krieg in Gaza.

Ein Mann führt seinen Hund durch die Gedenkstätte. Der Hund bleibt stehen, schnuppert an einem Stahlgestänge, auf dem ein Schild angebracht ist: Hier stand die Hauptbühne des Nova-Festivals, verrät das Schild in schrillen Regenbogenfarben. Ein paar Schritte weiter lädt ein Zelt zum Gebet ein. Neben einem Stapel von Gebetsbüchern hat eine rechte Vereinigung ein Flugblatt aufgelegt. Der Krieg in Gaza müsse „bis zum Ende“ fortgesetzt werden, fordern sie.

Ofir, ein Reservesoldat aus Tel Aviv, der Gruppen durch die Gedenkstätte führt, hat gemischte Gefühle, was sein Business betrifft. „Irgendwie ist es eine üble Art von Tourismus, dieser Massaker-Tourismus“, sagt Ofir. „Aber das ist eben unser Dienst an den Opfern und ihren Familien, um sie im Gedächtnis zu halten.“

Für Eyal Ben Yehuda, der seinen Sohn Gilad hier auf dem Festivalgelände verloren hat, ist das ein wichtiges Zeichen. Er sei dankbar, dass so viele Besucher:innen zum Nova-Camp kommen, sagt er. Gilad war bereits auf der Flucht, als ihn die Terroristen wenige Kilometer vom Festivalgelände entfernt niederschossen. Sein Körper wurde erst drei Tage später in einem Straßengraben gefunden. Eyal ist heute hier, um mit anderen Angehörigen der Opfer zu gedenken. Dass so viele Tourist:innen das Gelände besuchen, findet er gut. „Es ist wichtig, dass die Menschen erfahren, was hier geschah.“

Rubriklistenbild: © Maria Sterkl

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