16 Jahre als Kanzlerin

Merkels Buch veröffentlicht: Was die Altkanzlerin in ihren Memoiren nicht offenbart

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Merkel erzählt von ihren 16 Jahren als Regierungschefin. Ihr Privatleben findet auch Platz in einigen Kapiteln ihrer Memoiren. Was hat die Altkanzlerin ausgespart?

Update vom 26. November, 20.13 Uhr: Die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel hat in ihrer politischen Karriere nach eigenem Bekunden auch auf ihren persönlichen Erfahrungen aus DDR-Zeiten aufgebaut. Es sei doch eigentlich „eine schöne Mitteilung“, dass die Fähigkeiten, die sie dort erworben habe, dafür gereicht hätten, 16 Jahre Bundeskanzlerin in der Bundesrepublik Deutschland zu sein, sagte Merkel bei der Präsentation ihrer Memoiren in Berlin. Sie habe die ganze Zeit ihre Kraft aus ihrem Leben in der DDR geschöpft. „Ein anderes hatte ich ja nicht.“ Ihr Leben als Politikerin nach der Einheit 1990 habe ja nicht „bei Null“ begonnen, machte sie deutlich.

Die frühere CDU-Chefin legt ihre Autobiografie knapp drei Jahre nach dem Ausscheiden aus der Politik vor. Geschrieben hat sie das gut 700 Seiten starke Buch mit dem Titel „Freiheit. Erinnerungen 1954 - 2021“ zusammen mit ihrer langjährigen Vertrauten Beate Baumann. Merkel sagte, ihre Hoffnung sei, dass ihr Buch „auch Menschen verstehen, die sich nicht jeden Tag die ganze Zeit mit Politik beschäftigen.“ Die Veranstaltung im Deutschen Theater in Berlin wurde von der Journalistin Anne Will moderiert. 

Ex-Kanzlerin Angela Merkel kommt im Deutschen Theater zur Vorstellung ihres Buchs „Freiheit. Erinnerungen 1954 - 2021“. Gemeinsam mit ihrer langjährigen Büroleiterin Beate Baumann verfasste die ehemalige Bundeskanzlerin Merkel ihre Erinnerungen.

In dem Buch, das im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheint, geht Merkel alle wichtigen Krisen und Entscheidungen ihrer 16-jährigen Amtszeit als Kanzlerin durch - die Flüchtlingskrise 2015/2016 ebenso wie zum Beispiel die Weltwirtschafts-, die Euro- oder die Ukraine-Krise. Ausführlich schildert sie auch ihr Aufwachsen in der DDR. Inhaltliche Überraschungen bietet der Blick hinter die Kulissen der Politik kaum. Dafür gewährt die heute 70-Jährige einige kleine Einblicke in ihr Privatleben, das sie sonst stark bedeckt hielt.

Lücken in den Merkel-Memoiren: Was die Altkanzlerin in ihren Erinnerungen nicht erwähnt

Erstmeldung: Berlin – Ab Dienstag (26. November) sind die Memoiren der Altkanzlerin erhältlich. In ihrem Buch geht es über das Leben in der DDR bis zu ihrem Verhältnis mit dem russischen Autokraten Wladimir Putin. 16 Jahre führte Merkel die Bundesrepublik Deutschland als Kanzlerin. In ihrer Biografie rechtfertigt sie auch ihre Russlandpolitik oder etwa den verpassten Nato-Beitritt der Ukraine 2008. Doch auch in ihr Privatleben gibt die 70-Jährige einige Einblicke in dem 740 Seiten dicken Buch, wie etwa über ihre Studienzeit.

Einige Stationen ließ Merkel jedoch aus, zum Beispiel den Rücktritt von Horst Köhler. Am 31. Mai 2010 erklärte Köhler nämlich überraschend seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten. Der Rücktritt des Bundespräsidenten kam damals plötzlich und unerwartet. Hintergrund seines Rücktritts waren Äußerungen über den möglichen Einsatz der Bundeswehr. Bei einem Truppenbesuch in Afghanistan sagte der Bundespräsident, man müsse notfalls auch militärisch eingreifen, um beispielsweise „freie Handelswege“ zu garantieren. Damals wurden die Aussagen heftig kritisiert, da es sich anhörte als rechtfertige Köhler Wirtschaftskriege. Merkel bedauerte damals seinen Rücktritt und versuchte ihn noch von dem drastischen Schritt abzubringen.

Bundespräsident Gauck rechnet mit Merkels Russland-Politik ab

Auch zwischen Merkel und Joachim Gauck, Bundespräsident zwischen 2012 und 2017, kriselte es immer mal wieder. Gauck selbst hatte mit Merkels Putin-Politik in seinem Buch „Erschütterungen“ abgerechnet. In seinem Buch führte der ehemalige Bundespräsident 2023 an: „Berlin und Paris versuchten alles zu vermeiden, was Russland zum Gegner gestempelt hätte.“ Als Beispiele führte er die Nord-Stream-Ostseepipeline auf oder das Bemühen Deutschlands, die USA von Waffenlieferungen an Kiew abzuhalten, wie das Handelsblatt damals über den Inhalt des Buches schrieb. Merkel hingegen sieht ihre Russland-Politik von damals deutlich weniger kritisch.

Angela Merkels Memoiren „Freiheit: Erinnerungen 1954–2021“ in einem Buchladen. Am 26. November erhältlich.

In ihren Memoiren schreibt die Altkanzlerin über ihre Entscheidungen von damals, die Ukraine 2008 nicht in die Nato aufzunehmen, dass Russland in der ukrainischen Hafenstadt Sewastopol seine Schwarzmeerflotte stationiert hatte. Weiter schreibt Merkel: „Eine solche Verquickung mit russischen Militärstrukturen hatte es bislang bei keinem der Nato-Beitrittskandidaten gegeben. Außerdem unterstützte damals nur eine Minderheit der ukrainischen Bevölkerung eine Mitgliedschaft des Landes in der Nato.“

Die Wulff-Affäre und Angela Merkel – Livestream der Buchpremiere auf YouTube

Neben Köhler und Gauck gab es jedoch noch einen dritten Bundespräsidenten, der Merkel in ihren 16 Jahren als Kanzlerin Ärger einbrachte. Christian Wulff, damals der jüngste Bundespräsident in der deutschen Geschichte, handelte sich eine ganze Reihe kleinerer Skandale ein. Dabei gab es mehrere Untersuchungen gegen Wulff über den Verdacht der Vorteilsannahme. Letztlich gab es jedoch nur einen Strafbefehl gegen Wulff gegen den Vorwurf der Bestechlichkeit über 400 Euro. Letztlich trat Wulff am 17. Februar 2012 vom Amt des Bundespräsidenten zurück. Die Wulff-Affäre kommt in Merkels Memoiren jedoch nicht vor.

Die Biografie der CDU-Politikerin wird am Dienstag im Deutschen Theater in Berlin von Angela Merkel selbst präsentiert. Der Abend wird von Journalistin Anne Will moderiert. Auf dem YouTube-Kanal des Magazins Zeit wird der Abend außerdem im Livestream ab 19.00 Uhr übertragen. (sischr)

Rubriklistenbild: ©  Michael Kappeler/dpa

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