Warnungen in Berlin

Merz-Aussagen zum Ukraine-Krieg bewegen die Gemüter: Lob – und „das ist nicht wahr“

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Friedrich Merz hat eine klare Rede an Putins Russland gerichtet. Aber er erntet auch Kritik für eine These – und für den Zustand der Verteidigung in Deutschland.

Für die Unterstützer der Ukraine, für Abgeordnete, Fachleute für Verteidigung, Geschichte oder Kultur ist es ein Fixpunkt in der deutschen Hauptstadt: Die Konferenz „Cafe Kyiv“ mit Gästen aus der Ukraine und unzähligen Organisationen. Zum Jahrestag der russischen Vollinvasion eröffnete diesmal sogar Bundeskanzler Friedrich Merz die Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Seine Rede lieferte Gesprächsstoff für den Tag – auch, aber nicht nur positiven.

Kanzler Friedrich Merz sandte am Montag beim „Cafe Kyiv“ deutliche Worten Richtung Russland – erhielt aber auch Kritik.

Merz hatte in seiner Rede – unter anderem vor dem ukrainischen Botschafter Oleksij Makeiev – klare Worte gewählt. Er sprach von „vier monströsen Kriegsjahren“. „Und wir wissen, dass hinter dieser schlichten Zahl unzählige Menschenschicksale liegen“, fügte Merz hinzu. Der Kanzler pochte auch auf einen „dauerhaften und gerechten Frieden“. Einige Passagen lobten ukrainische Gäste im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media. Eine andere Aussage provozierte Kritik aus CDU-Reihen.

Merz hält deutliche Rede zu Russland und Ukraine-Krieg – verärgert Kritiker aber mit Taurus-These

So antwortete Merz einem ukrainischen Journalisten, die Ukraine benötige keine Taurus-Marschflugkörper mehr, wie CDU-Parteifreund Roderich Kiesewetter auf einem Panel der Veranstaltung rügte. Das Land habe mittlerweile eigene Mittel, habe Merz beschieden – wohl in Anspielung auf aufwändige Drohnen-Operationen. „Wir wissen, dass das nicht wahr ist“, betonte Kiesewetter: „Taurus ist kein Symbol – er ist eine Chance, Nachschubketten zu unterbrechen.“ Und damit auch eine Chance darauf, Schläge nicht erst in der Luft, sondern schon in der Entstehung zu verhindern.

Für die Befreiung der Krim mithilfe der weitreichenden Präzisionswaffen sei es zwar zu spät, sagte Kiesewetter. Mithilfe von Taurus könne die Ukraine Kommandoposten, Lager und Lieferketten zerstören. „Es ist ein Mangel an politischem Willen und Führung“, urteilte der frühere Bundeswehr-Oberst scharf. „Einige Leute“ hätten offenbar größere Sorge vor einem möglichen Scheitern Russlands als vor einem Scheitern der Ukraine.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Marine, Heer und Luftwaffe können auf ein breites Angebot an militärischem Arsenal zurückgreifen. Wir zeigen in dieser Fotostrecke eine Auswahl. © dpa (3) / Boris Roessler / Moritz Frankenberg / Bernd von Jutrczenka
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Patriot (MIM-104): Weitreichendes Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Bekämpfungsreichweite ca. 68 Kilometer, kann mehrere Ziele gleichzeitig erfassen und bekämpfen. © IMAGO / Schöning
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform – es kombiniert Kanone und Boden-Luft-Raketen und ist spezialisiert auf Drohnenabwehr. © IMAGO / Zoonar
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist das Typschiff der modernen F125-Klasse der Deutschen Marine und wurde für langandauernde, weltweite Einsätze mit geringer Besatzung konzipiert. Sie zeichnet sich durch hohe Automatisierung, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und eine besondere Eignung für Stabilitätsmissionen und Kriseninterventionen aus. © Bundeswehr/Leon Rodewald
Ein Tornado-Kampfflugzeug startet während der Übung „Baltic Hunter 2023“ vom Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage.
Der Tornado ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren vor allem für Tiefflugangriffe, Aufklärung und elektronische Kampfführung eingesetzt wird. Er bleibt trotz seines Alters ein wichtiger Bestandteil der Luftwaffe, insbesondere als Träger für die nukleare Teilhabe und spezialisierte Aufgaben. © Jens Büttner/dpa
Kampfpanzer Leopard 2A7 der Bundeswehr (vorne) bei einer Übung mit einem Puma-Schützenpanzer (hinten). (Archivfoto)
Der Leopard 2 ist ein deutscher Kampfpanzer, der seit 1979 das Rückgrat der Panzertruppe bildet und als Hauptwaffensystem der Bundeswehr sowie vieler Nato-Staaten gilt. Er vereint hohe Feuerkraft durch seine 120-mm-Glattrohrkanone, starken Panzerschutz und außergewöhnliche Beweglichkeit und ist speziell für den Kampf gegen gegnerische Panzerverbände konzipiert. © IMAGO/Björn Trotzki
Infanterist der Zukunft der Bundeswehr ausgestattet u.a. mit Panzerfaust 3.
Die Panzerfaust 3 ist eine moderne, tragbare Panzerabwehrwaffe der Bundeswehr, die mit einem Mehrfachscharfschuss-System und einem hochentwickelten Gefechtskopf ausgestattet ist, um gut geschützte Fahrzeuge zu bekämpfen. Sie bietet eine hohe Präzision, Reichweite von bis zu 600 Metern und kann sowohl gegen gepanzerte Fahrzeuge als auch gegen befestigte Ziele eingesetzt werden. © Björn Trotzki/imago
Drohne "Luna"
„Luna“ ist ein unbemanntes Aufklärungsdrohnensystem der Bundeswehr, das zur Echtzeitüberwachung und Zielaufklärung auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern liefert die „Luna“-Drohne Bild- und Videodaten zur Unterstützung von Einsatzkräften. © dpa
Wuchtig: Eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr.
Die Panzerhaubitze 2000 ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz der Bundeswehr mit einer 155-mm-Kanone, das Reichweiten von 30 Kilometern mit Standard- und bis zu 40 Kilometern mit reichweitengesteigerter Munition erzielt. © IMAGO / Sven Simon
Am 28.02.22 lief das Minenjagdboot Dattelnzur Verstärkung der NATO-Nordflanke aus.
Das Minenjagdboot „Datteln“ ist Teil der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) der Deutschen Marine und spezialisiert auf das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen. Es nimmt regelmäßig an internationalen Nato-Einsätzen und Übungen teil und trägt so zur Sicherung von Seewegen bei. © Presse- und Informationszentrum Marine
Soldaten bei der Waffen- und Geräteausbildung mit einem Gewehr (Archivfoto aus dem Jahr 2005).
Das G36 ist seit 1997 das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht, die modulare Bauweise und die einfache Handhabung aus. Es verfügt über eine Feuerrate von etwa 750 Schuss pro Minute und ist mit einem integrierten Optiksystem ausgestattet. Es wird schrittweise durch das modernere G95 ersetzt. © dpa
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Die Bundeswehr nutzt aktuell die Pistole P8 als Standarddienstpistole im Kaliber 9 x 19 mm, plant jedoch deren Ablösung durch die modernere P13. Für Spezialkräfte werden bereits die neuen Walther P14 und P14K eingeführt, die speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. (Symbolfoto) © dpa (Symbolbild)
Bundeswehr in Hamburg
Der Wiesel ist ein leicht gepanzertes, luftverlastbares Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das vor allem bei Fallschirmjägern und Spezialkräften im Einsatz ist. Es existiert in verschiedenen Varianten, etwa mit 20-mm-Maschinenkanone oder Panzerabwehrlenkwaffen, und bietet hohe Mobilität bei geringem Gewicht. © Markus Scholz/dpa
Von Kiew schon lange angefragt: der Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland.
Der Taurus ist ein hochpräziser, weitreichender Marschflugkörper, der von Deutschland und Schweden entwickelt wurde und vor allem zur Bekämpfung stark geschützter Bodenziele aus großer Entfernung eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und modernster Zielerfassungstechnologie ermöglicht der Taurus präzise Angriffe bei minimalem Risiko für das Trägerflugzeug. © IMAGO / Political-Moments
Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Es dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Seit 2024 in der Bundeswehr eingeführt. © Wolfgang Kumm/dpa
Korvette läuft zu EU-Einsatz vor Libyen aus
Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ ist ein modernes Kriegsschiff der Braunschweig-Klasse der Deutschen Marine, das vor allem für Küstenüberwachung, Aufklärung und Schutzaufgaben eingesetzt wird. Sie ist mit einem 76-mm-Geschütz, Flugabwehrraketen und Seezielflugkörpern bewaffnet und zeichnet sich durch hohe Wendigkeit und moderne Sensorik aus. © picture alliance / dpa
Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr
Der Mungo ist ein leicht gepanzertes Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr, das speziell für den schnellen Transport von Soldaten und Material, insbesondere für Spezialkräfte, entwickelt wurde. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und Luftverlastbarkeit eignet sich der Mungo besonders für Einsätze in schwierigem Gelände und bei schnellen Operationen. © Quelle: Bundeswehr
PIONIERPANZER DACHS: Der Panzer ist ein Arbeitsgerät der Pioniere und basiert auf dem Fahrgestellt des Leopard 1. Mit seinem Teleskoparmbagger errichtet er Ein- und Ausfahrten sowie Zu- und Abfahrten an Gewässerübergangsstellen und macht den Gewässergrund befahrbar. Außerdem dient er zum Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. TECHNISCHE DATEN: Motorleistung: 610 kW (830 PS); Gewicht: ca. 43 t; Baggerleistung: ca. 140 Kubikmeter/h
Der Pionierpanzer Dachs ist ein spezialisiertes Unterstützungsfahrzeug der Bundeswehr, das auf dem Leopard-1-Fahrgestell basiert und für Aufgaben wie Baggern, Räumen und Bergen eingesetzt wird. Ausgestattet mit Baggerarm, Räumschild und Seilwinde ermöglicht er Pionieren das Überwinden von Hindernissen und das Befahrbarmachen von Wegen unter Gefechtsbedingungen. © Quelle: Bundeswehr
Ein Raketenwerfer MARS II steht in der Alb-Kaserne.
Der MARS II ist das moderne Raketenartilleriesystem der Bundeswehr, das präzisionsgelenkte Raketen mit Reichweiten von bis zu 84 Kilometern abfeuern kann. Es basiert auf dem amerikanischen MLRS M270, bietet hohe Feuerkraft und Flexibilität und wird vor allem zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Eurofighter sind beeindruckende Kampfjets. Zahlreiche westliche Armeen haben sie in ihrem Bestand. Fotos lassen erahnen, welche technischen Fähigkeiten sie haben.
Der Eurofighter Typhoon ist ein Mehrzweckkampfflugzeug europäischer Herkunft, das durch seine hohe Wendigkeit und vielseitige Bewaffnung sowohl Luftüberlegenheits- als auch Präzisionsangriffe ermöglicht. Er bildet das Rückgrat der Luftwaffen mehrerer europäischer Staaten und ist für Luftverteidigung, Begleitschutz sowie internationale Einsätze ausgelegt. © dpa
U-Boot der Klasse U212A
Die U-Boote der Klasse 212 A sind das Rückgrat der deutschen Marine und zählen zu den modernsten konventionellen U-Booten weltweit. Dank ihres außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantriebs sind sie besonders leise, ausdauernd und schwer zu orten, was sie ideal für Aufklärungs- und Spezialoperationen macht. (Symbolfoto)  © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Die Bundeswehr in Afghanistan: Von dem Ausspäh-Programm "Prism" wußten die Deutschen angeblilch schon seit 2011.
Der Dingo ist ein gepanzertes Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) der Bundeswehr, das vor allem für Patrouillen- und Konvoifahrten in gefährlichen Einsatzgebieten entwickelt wurde und durch hervorragenden Minen- und ballistischen Schutz vielen Soldaten das Leben gerettet hat.  © picture alliance / dpa
Bundeswehr
Das MANTIS, ehemals auch Nächstbereichschutzsystem C-RAM (NBS C-RAM), ist ein stationäres Luft-Nahbereichs-Flugabwehrsystem (engl. Short Range Air Defense, kurz SHORAD). Neben den klassischen Zielen der Flugabwehr, wie Flugzeuge und Hubschrauber, kann es sowohl gegen kleine Ziele wie Drohnen/UAVs und Lenkwaffen als auch gegen sogenannte RAM-Ziele (Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser) eingesetzt werden. © Bundeswehr
Wiesbaden Army Airfield
Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein deutsch-französischer, zweisitziger Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehr, der für Panzerabwehr, Luftnahunterstützung und Aufklärung konzipiert wurde. Er ist mit modernen Waffen wie Panzerabwehrlenkraketen, Maschinengewehren und Luft-Luft-Raketen ausgestattet ist. Die Bundeswehr plant, den Tiger bis 2032 aus der Nutzung zu nehmen und schrittweise durch leichtere Kampfhubschrauber zu ersetzen. © Andreas Arnold/dpa
Militärische Fahrzeuge im Norden von Sachsen-Anhalt
Der Schützenpanzer Marder war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr und gilt als bewährtes, wendiges und feuerkräftiges Waffensystem. Mit seiner 20-mm-Bordmaschinenkanone, Panzerabwehrlenkwaffen und moderner Nachtsichttechnik bot er den Panzergrenadieren Schutz, Mobilität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – sowohl im Kalten Krieg als auch bei Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Symbolbild: Das Panzergrenadierbataillon 112 ist mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Weg in die Letzlinger Heide zum Gefechtsübungszentrum Heer, am 12.02.2024.
Der Puma ist der modernste Schützenpanzer der Bundeswehr und ersetzt schrittweise den Marder. Er bietet eine hochmoderne Kombination aus starker Bewaffnung, umfassendem Schutz und digitaler Vernetzung, wodurch er optimal auf die Anforderungen moderner Gefechtsführung und die Zusammenarbeit mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgelegt ist. © Bundeswehr/Julia Dahlmann
Tag der Bundeswehr 2024
Der CH-53 ist der größte und schwerste Transporthubschrauber der Bundeswehr und seit 1975 im Einsatz, vor allem für den schnellen Transport von Personen, Material und bei Katastrophenhilfe sowie in Auslandseinsätzen wie Afghanistan und Mali. Aufgrund seines Alters und steigender Wartungsprobleme soll der CH-53 bis 2030 durch den moderneren CH-47F Chinook ersetzt werden. © Frank Hammerschmidt/dpa

Kiesewetter forderte „klare Signale“. Etwa die Erlaubnis für den NATO-Partner Schweden, zumindest das Training ukrainischer Soldaten am Taurus zu starten – oder auch die Ausweitung der Produktion des gefragten Luftverteidigungssystems Iris TLM. Dessen Herstellung läuft weiterhin in enorm geringen Stückzahlen, wie zuletzt auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft bemängelte. Über Taurus-Lieferungen wird seit Jahren gestritten. Merz zählte vor Beginn seiner Kanzlerschaft zu den Befürwortern solcher Unterstützung. Mittlerweile lehnte der Kanzler mehrfach die Übergabe von Taurus ab.

Ein Gast aus der Ukraine unterstrich unterdessen zwei Aussagen Merz’. Der Kanzler hatte Astolphe de Custine, einen französischen Denker des 19. Jahrhunderts, zitiert – mit den Worten, in Russland finde sich „tiefste Barbarei neben höchster Zivilisation“: Russland befinde sich unter Wladimir Putins Führung „zu diesem Zeitpunkt auf dem Tiefpunkt der tiefsten Barbarei“, sagte Merz. Die Ukraine verteidige „auch unsere Freiheit“. Merz betonte: Nur die Ukrainerinnen und Ukrainer könnten in Friedensverhandlungen über Gebietsabtretungen entscheiden, „niemand anderes“.

Muslim Umierov, krimtatarischer Journalist und Aktivist, begrüßte diese Äußerungen im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media. „Über die Krim dürfen nur die Ukraine und die Krimtataren entscheiden“, betonte er. „Es geht dabei nicht um Territorium, es geht um die Menschen, die hier leben.“ Auch die Ambivalenz in der russischen Kultur erlebe man. Ganz offensichtlich sei es aber schwierig, diese Gegensätze in Deutschland zu kommunizieren. Umso mehr seien Merz’ Äußerungen hervorzuheben.

Ex-NATO-Funktionärin warnt Europa – Sicherheitsexperte richtet Forderungs an Merz‘ Kanzleramt

Ilimdar Hodzhametov, Mitstreiter Umierovs und Soldat der ukrainischen Armee, unterstrich im Interview die Folgen eines russischen Kulturkampfes in den besetzten Gebieten. „Die Menschen, die jetzt in diesen besetzten Gebieten leben – im Donbass, aber auch auf der Krim – die werden gegen uns kämpfen. Die werden so militarisiert, dass sie auf der anderen Seite stehen“, warnte er. Das gelte sogar für eigene Verwandte.

Die Konferenz in Berlin drehte sich neben der Unterstützung für die Ukraine auch um Europas Bemühungen zur Verteidigungsbereitschaft sowie zivile Widerstandskraft in Krisenfragen, Kultur und Historie. Auf den erstgenannten beiden Feldern gab es allerdings deutliche Warnungen zu hören. Der NATO in Europa drohe mit den US-Streitkräften ihr „Skelett“ und ihre „Nerven“ abhanden zu kommen, warnte die frühere NATO-Vizedirektorin für Verteidigungs- und Sicherheitskooperation, Gerlinde Niehus. Auch sei der Kontinent abseits von Schweden und Finnland weit von einer „Gesamtverteidigung“ entfernt. Sie forderte „politische Führung mit Mut“ – auch dazu, die Menschen mit „Realitäten“ zu konfrontieren.

Der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Major General Jürgen Wolf, mahnte ein Gesamtbild über Bedrohungen in Deutschland an. Es gebe eine Vielzahl von Gefahren unterhalb eines militärischen Konflikts, ob „Cyber“ oder „hybrid“. Einen Überblick „zusammenzubinden” sei eine unerledigte Aufgabe des Staates. Konkret: des Bundeskanzleramtes. Zugleich versende etwa Schweden eine Broschüre über das Verhalten in „Krieg und Krise“ an die Menschen im Land. In Deutschland müsse man das entsprechende Papier beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz anfordern, rügte er.

Merz attestierte indes auch Moskau akute Probleme aufgrund der Vollinvasion in die Ukraine. Russland werde „auf Jahrzehnte tief getroffen und geschädigt“ vom eigenen Krieg sein. Erst wenn Russlands Kosten für den Feldzug zu groß geworden sein werden, werde Putin den Krieg beenden. Russland habe im Jahr 2026 Rückschläge auch auf dem Schlachtfeld erlitten. Im Bemühen um Druck auf den Kreml erlitt Europa am Montag allerdings einen Rückschlag: Ungarn und die Slowakei blockierten in der EU ein 20. Sanktionspaket und einen Milliardenkredit für die Ukraine. (Quellen: Reden und Expertenpanels des Cafe Kyiv)

Rubriklistenbild: © Markus Lenhardt/dpa/picture alliance

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